Corona-Daten-Newsletter | Dienstag, 1. Dezember 2020 Von aktuellen Forschungen und verspäteten Meldungen

Fabian Frenzel
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Heute im Newsletter: Im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt gab es letzte Woche einen Meldeverzug bei den Infektionsdaten. Das hat einen verzerrten Inzidenzwert erzeugt. Außerdem: drei aktuelle Forschungsergebnisse.

Forscher in Dessau entwickeln Corona-Impfstoff
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Liebe Leserinnen und Leser,

und, was war in Ihrem ersten Türchen im Adventskalender? Ich hatte eine Haselnusspraline und ein kleines Marzipan-Baguette in meinen Kalendern. Ich kann bestätigen: beides schmeckt!

Nun aber genug der Schokolade. Heute möchte ich Sie auf drei aktuelle Forschungsergebnisse aufmerksam machen. Und eines davon beschäftigt sich mit einem möglichen Ansteckungs-Ort, den ich so nicht vermutet hätte. Ich sage mal so: Sie sind jeden Tag an diesem Ort. Wirklich jeder von uns ist dort. Und das mehrmals. Egal, ob im Homeoffice, auf Arbeit oder in der Schule. Sie werden diesen Ort besuchen.

Na? Erraten? Auflösung folgt weiter unten. ;-) 

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet heute 13.604 neu positiv auf das Coronavirus getestete Menschen. Die meisten Fälle gab es in Bayern (3.862) und Nordrhein-Westfalen (3.515), die wenigsten meldete Mecklenburg–Vorpommern (64).

Und das sind die Zahlen in unseren drei Bundesländern:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 20.686 ↗ (+1.824 seit letzter Meldung)
  • Intensivpatienten: 376 (+28), davon 223 beatmet (+14)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 993 (+59)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 35.390 (+2.750)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 57.069 (+2.680)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 6.055 ↘ (-55 seit letzter Meldung)
  • Intensivpatienten: 82 (+4), davon 39 beatmet (+2)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 365 (+11)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 10.917 (+367)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 17.337 (+327)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 4.369 ↗ (+31 seit letzter Meldung)
  • Intensivpatienten: 53 (-2), davon 23 beatmet (-2)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 176 (+11)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 8.023 (+147)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 12.568 (+189)

Was ein Meldeverzug bewirken kann

Gestern hatte ich Ihnen ja vom Meldeverzug bei den Zahlen an den Wochenenden berichtet. Der Verzug kann einen Effekt auf die Sieben-Tage-Inzident haben. So geschehen im Burgenlandkreis letzte Woche.

Lars Frohmüller vom Radio Brocken berichtet auf Twitter, dass damals die Zahlen vom Samstag, Sonntag und Montag zusammen an das Sozialministerium geliefert wurden. In einem Rutsch sozusagen. Deshalb sei der Inzidenzwert über 200 gestiegen. Der Inzidenzwert errechnet sich ja aus den Meldungen der vergangenen sieben Tage. So sind aber nun die gemeldeten Fällen von zwei zusätzlichen Tagen in die Berechnung mit eingeflossen.

Allerdings sind die gemeldeten Infektionen dennoch so hoch, dass der Burgenlandkreis mittlerweile trotzdem weiterhin der Landkreis mit dem höchsten Inzidenzwert in Sachsen-Anhalt ist.

Drei aktuelle Forschungsergebnisse

Jeden Tag neue Zahlen und neue Erkenntnisse. Das kann einen schon überfordern. Mich zum Beispiel erschlägt die Flut an Informationen auch zeitweise. Da ist es umso schöner, wenn Kollegen und Kolleginnen vorsortieren. Und ich sortiere einfach nochmal ein Stück weiter für Sie. Ich möchte Ihnen nun drei wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Zeit zusammenfassen, mit denen sich meine Kollegen von MDR WISSEN beschäftigt haben.

Kann das Immungedächtnis helfen?

Unser Immungedächtnis speichert im Laufe unseres Lebens, wie es gegen welchen Krankheitserreger ankämpfen kann. Kommt also ein Körper ein zweites Mal mit einem Erreger in Kontakt, kann das Immungedächtnis auf schon vorhandenes Wissen zurückgreifen. Soweit die Theorie. An der Uniklinik in Kiel haben Forscher untersucht, ob vorheriger Kontakt zu anderen Coronaviren (das neuartige Coronavirus ist nur eines von vielen einer ganzen Virusfamilie) einen leichten Verlauf des neuartigen Virus‘ begünstigt.

  • Erkenntnis eins: Je älter ein Mensch, desto größer das Repertoire im Immungedächtnis eines Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, dass im Repertoire auch Gedächtniszellen von Corona-Erregnern sind, ist hoch. Das leuchtet ein. Je älter man ist, desto öfter war man ja auch höchstwahrscheinlich schon mal krank.
  • Erkenntnis zwei: Die Sache hat laut den Forschern einen Haken. Die Gedächtniszellen erkennen zwar das neuartige Coronavirus, können es aber nicht effektiv bekämpfen.

Darmentzündung gegen Corona?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uniklinik Erlangen und der Berliner Charité haben herausgefunden, dass auf der Darmoberfläche gesunder Menschen besonders viele Andockstellen für das Coronavirus sind. Bei Menschen mit Darmentzündungen wie Morbus Chrohn gibt es dagegen weniger dieser Andockstellen. Nun muss sich eine Patientin oder ein Patient, der sich mit Corona infiziert hat, aber natürlich keine Darmerkrankung zulegen. Denn die Forscher haben auch festgestellt, dass sich die Andockstellen im Darm beeinflussen lassen. Details dazu, können Sie im Artikel nachlesen.

Die Gefahr beim Toilettengang

Jetzt wird es ein bisschen – sagen wir – delikat. Denn ganz theoretisch könnten wir uns auch durch Darmwinde (im Volksmund Pups genannt) mit dem Coronavirus anstecken. Allerdings ist das nur eine Theorie. Denn wir tragen ja da unten größtenteils eine Maske. Unsere Hose.

Doch auf öffentlichen Toiletten kann das tatsächlich zu einem Problem werden. Vor allem beim Spülen. Denn bei offenem Toilettendeckel plus Spülung werden Aerosole versprüht. Laut Forschern der Purdue Univeristy in den USA kann ein bei der Spülung geschlossener Deckel diese Aerosole um 20 Prozent verringern. Sie müssen – wenn sie die angemessenen Hygienestandards einhalten und den Toilettendeckel-Tipp beachten – also keine größere Angst vor dem Gang aufs stille Örtchen haben.

Was außerdem los war

  • Die Mainzer Firma Biontech und das US-Unternehmen Pfizer haben bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (Ema) die Zulassung ihres Corona-Impfstoffs in der EU beantragt. Zuvor hatten sie das auch bereits in den USA getan. Ebenfalls für die EU reichte der US-Konzern Moderna einen entsprechenden Antrag ein. Wie lange es dauert, bis die Ema die Anträge geprüft hat, ist unklar. Biontech erklärte, sollte die Behörde eine bedingte Zulassung empfehlen, könnte der Impfstoff noch im Dezember eingesetzt werden.

  • Ein Besucheransturm am Wochenende im sächsischen Seiffen könnte Konsequenzen haben. Der Landrat der Erzgebirgskreises, Frank Vogel, sagte MDR SACHSEN, man werde mit den Bürgermeistern und der Polizei das Wochenende auswerten. In dem Ort waren am Wochenende viele Menschen unterwegs gewesen. Der Erzgebirgskreis ist mit einem Inzidenzwert von 419 eines der am stärksten betroffenen Corona-Gebiete in Sachsen.

  • Im Landkreis Hildburghausen in Thüringen haben freiwillige Corona-Schnelltests für Kinder, Jugendliche sowie Lehrer und Erzieher begonnen. Mit den Schnelltests soll herausgefunden werden, wie viele Kindergarten- und Schulkinder infiziert sind. Wegen der hohen Ansteckungsrate sind im Landkreis derzeit Schulen und Kindertagesstätten geschlossen. Die Testergebnisse sollen dabei helfen, zu entscheiden, wann diese wieder geöffnet werden können.

Kalorienarmer Adventskalender

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einen kalorienarmen Adventskalender ans Herz legen. Bei den Kollegen von MDR WISSEN gibt es jeden Tag hinter einem Türchen eine unglaubliche Idee oder Erfindung. Ich habe ins erste Türchen schon reingeguckt und fand’s sehr interessant und amüsant. Und ich kann so viel verraten: Ein bisschen hat es auch was mit einem der Themen im heutigen Newsletter zu tun.

Bis morgen

Damit verabschiede ich mich und wünsche Ihnen einen schönen Abend. Wir lesen uns morgen wieder.

Ihr Feedback an uns: Sie haben eine Frage, wollen uns loben oder Feedback geben? Schreiben Sie uns an corona-newsletter@mdr.de

Sie wollen wissen, worum es in den vorherigen Newslettern ging? Kein Problem. Öffnen Sie einfach aus der nachfolgenden Übersicht den gewünschten Newsletter.

Quelle: MDR/jh

3 Kommentare

Ritter Runkel vor 7 Wochen

@MDR-Tesm
Sie wissen aber schon, was ein Meldeverzug ist?
Das Landesgesundheitsministerium meldet nach den Angaben der Stadt Jena folgende Zahlen (Stand: 02.12.20, 0:00 Uhr):
Neuinfektionen letzte 24h: 3
Infizierte insgesamt: 774
Neuinfektionen letzte 7 Tage/100.000 Einwohner: 80,8
Wo tauchen in den vergangennen 7 Tagen diese Zahlen noch auf, nicht beim Gesundheitsamt der Stadt Jena!

MDR-Team vor 7 Wochen

Das stimmt nicht. Sie Kollegen erklären ebenfalls, dass es bei den Meldezahlen einen Verzug geben kann. https://www.mdr.de/thueringen/corona-zahlen-grafiken-aktuell-statistik-100.html#sprung4

Ritter Runkel vor 7 Wochen

@Fabian Frenzel
Gut das sie bei MDR Dachsen-Anhalt arbeiten, denn ihr Beitrag über den Meldeverzug von Gesundheitsämtern, wäre bei MDR Thüringen Online nicht veröffentlicht worden!

Mehr aus Sachsen-Anhalt