Corona-Daten-Newsletter | Dienstag, 19. Januar 2021 Das Recht auf Homeoffice

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Heute im Newsletter: Beim Bund-Länder-Treffen ist am Dienstag über die Verlängerung des Lockdowns und weitere Maßnahmen diskutiert worden. Und es geht auch um die Frage, ob Arbeitnehmer – wenn es der Job hergibt – ein Recht auf Homeoffice haben sollen. Welche Pro- und Contra-Argumente es gibt und wie die aktuelle Situation ist.

Eine Frau arbeitet mit Hörschutz im Homeoffice.
Viele Menschen arbeiten breits im Homeoffice – mit allen Vor- und Nachteilen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten, 

vielleicht haben Sie es sich bereits gedacht: Ich schreibe diesen Newsletter aus dem Homeoffice. Ich bin sehr dankbar, dass es in unserem Team diese Möglichkeit gibt. Wir schalten uns regelmäßig in Videokonferenzen zusammen, besprechen das Tagwerk, plaudern hin und wieder auch und erledigen unsere Arbeit am Computer daheim. Denn sonst säßen wir in einem Großraumbüro zusammen, normalerweise etwa zu fünft an einem Tisch, mindestens zu zehnt in einem Büro – oder mit noch mehr Menschen. 

Das Thema Homeoffice wird heute voraussichtlich auch beim Bund-Länder-Treffen besprochen: Eine Beschlussvorlage ist bereits vor dem Treffen öffentlich geworden. Was geplant ist, hat mein Kollege André Plaul heute im Morgenticker von MDR SACHSEN-ANHALT zusammengefasst.

Auf die Ergebnisse des Bund-Länder-Treffens werde ich morgen im Detail eingehen. Heute blicken wir noch einmal auf Vor- und Nachteile des Homeoffice – und zuerst auf die aktuellen Zahlen.

Ihnen gefällt der Newsletter? Empfehlen Sie ihn gern weiter. Wenn Sie in Zukunft den Newsletter bequem und regelmäßig in Ihrem Mailpostfach erhalten wollen, können Sie sich kostenlos hier dafür anmelden.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden seit gestern 11.369 nachgewiesene Corona-Fälle gemeldet. Diese Gesamtzahl beinhaltet auch Nachmeldungen aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Bayern. Aus Bayern wurden heute die meisten Fälle gemeldet: 2.781. Auch in Nordrhein-Westfalen (1.678) und Brandenburg (1.382) wurden vierstellige Zahlen gemeldet. Die höchste 7-Tage-Inzidenz verzeichnet weiterhin Thüringen (256), gefolgt von Sachsen (226) und Brandenburg (225).

Das sind die Zahlen im Detail für unsere Länder:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 23.764 ↘ (-2.485 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 470 (+2), davon 280 beatmet (+5)
  • Intensivbetten: 1.192 belegt, 306 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 5.344 (+136) 
  • Schätzung der genesenen Patienten: 139.900 (+3.300)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 169.008 (+951)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 11.602 ↘ (-357) zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 184 (+/-0), davon 112 beatmet (+2)
  • Intensivbetten: 644 belegt, 95 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 1.740 (+40)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 45.296 (+807)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 58.638 (+490)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 8.962 ↗ (+86 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 196 (-2), davon 112 beatmet -3)
  • Intensivbetten: 736 belegt, 103 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 1.274 (+67)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 34.497 (+729)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 44.733 (+882)

Bei den Inzidenzen auf Landkreisebene (nach Zahlen des RKI) sind, mit Werten zwischen 329 und 439, weiterhin vor allem mitteldeutsche Landkreise unter den "Top 10": Saalfeld-Rudolstadt, Altenburger Land, Hildburghausen, Mittelsachsen, Unstrut-Hainich-Kreis, der Burgenlandkreis, Wittenberg und Meißen. Die zwei weiteren Kreise – Spree-Neiße und Ostprignitz-Ruppin – grenzen jeweils an eins unserer drei Länder.

Homeoffice – ja oder nein?

Zuerst die Frage: Was genau planen Bund und Länder laut Beschlussvorlage für das Homeoffice?

  • In der Beschlussvorlage heißt es, das Bundesarbeitsministerium wolle verordnen, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber überall dort, wo es möglich ist, auch Homeoffice zulassen müssen. Wenn es denn möglich ist. Dadurch sollen Kontakte am Arbeitsplatz, aber auch auf dem Arbeitsweg reduziert werden.

  • Es soll zudem steuerliche Vorteile für digitalisiertes Arbeiten geben. "Bestimmte digitale Wirtschaftsgüter", so heißt es im Papier, sollen etwa rückwirkend zum 1. Januar 2021 sofort abgeschrieben werden, um Digitalisierung zu fördern, aber auch Vorteile für Arbeiterinnen und Arbeiter im Homeoffice schaffen.

  • Außerdem sollen Betriebe dazu aufgefordert werden, medizinische Masken zu Verfügung zu stellen, wenn Homeoffice nicht möglich ist, gegebenenfalls auch FFP2-Masken, wenn der Arbeitsplatz eng oder schlecht gelüftet ist.

Eine Kollegin und ein Kollege, die jeweils in Berlin arbeiten, haben ihre Argumente zusammengetragen – Sarah Frühauf findet: Ein Rechtsanspruch auf Homeoffice ist sinnvoll. Tim Herden ist dagegen.

PRO Homeoffice 

  • Weniger Kontakte: Auf dem Arbeitsweg – in der Berliner U-Bahn wird es schon mal kuschelig – sowie im Büro kommt man mit Menschen in Kontakt. Das soll vermieden werden.
  • Auch der unbezahlte Zeitaufwand des Arbeitsweges fällt weg. Im Durchschnitt verbringen Deutsche täglich etwa eine Stunde auf dem Weg zur und von der Arbeit.
  • Das Homeoffice bietet mehr Flexibilität, etwa um Kinder von der Kita abzuholen.
  • Aber darf der Staat das? Sarah Frühauf findet: "Keiner würde das Recht auf Urlaub oder Krankengeld als unzulässigen Eingriff in die unternehmerische Freiheit bezeichnen. Sie sind eine Selbstverständlichkeit."

CONTRA Homeoffice

  • Tim Herden findet: Arbeitszeitfragen sollten Tarifparteien entscheiden, nicht der Gesetzgeber.
  • Er sieht eine Gefahr für den sozialen Frieden, denn Homeoffice ist nicht für alle eine Option. Vor allem in Berufen, in denen das Einkommen niedrig ist, ist Homeoffice oft nicht möglich.
  • Die Grenzen zwischen privat und geschäftlich verschwimmen (noch weiter).
  • Unternehmen sind soziale Räume und Gemeinschaften – wenn man gemeinsam vor Ort arbeitet.
  • Bestimmte Betriebskosten werden auf den Arbeitnehmer abgewälzt – Wasser und Strom zum Beispiel. 

Homeoffice in Zahlen 

Es gibt unterschiedliche Zahlen über den Anteil der Menschen, die im Homeoffice arbeiten.  

Das Statistik-Portal Statista hat sich bereits mit Beginn der Pandemie vor fast einem Jahr dem Thema Homeoffice gewidmet und im zweiten Quartal des Jahres 2020 eine Umfrage unter Personalleiterinnen und -leitern durchgeführt. Demnach hätten

  • 80 Prozent der Belegschaften in Unternehmen von zuhause aus arbeiten können.
  • 60 Prozent während der Pandemie von zuhause gearbeitet.
  • 40 Prozent der Belegschaften bereits vor Corona im Homeoffice gearbeitet.

Und: Mehr als 60 Prozent der Befragten sprachen sich im Frühsommer 2020 für einen Rechtsanspruch auf Homeoffice aus.

Kommen Ihnen die Anteile zu hoch vor? Mir schon. Und sie sind mit Vorsicht zu genießen: Eine offizielle Zahl gibt es nicht, weil die Entscheidung über das Homeoffice-Angebot bei den Unternehmen liegt. Die Hans-Böckler-Stiftung geht im Gegensatz zu Statista davon aus, dass aktuell nur 14 Prozent der Menschen in Deutschland im Homeoffice arbeiten. Im Frühjahr 2020 seien es aber doppelt so viele gewesen. 

Schreiben Sie mir, ob Sie im Homeoffice sind und ob ihre Freunde und ihre Familienangehörige im Homeoffice sind. Ein Großteil meiner eigenen Kontakte arbeitet aktuell von zuhause aus – oder ist in Kurzarbeit. Vor der Pandemie haben nur sehr vereinzelt Personen, die ich kannte, ein Homeoffice-Angebot in Anspruch genommen. In der Regel war das dann aber auf einen oder zwei Tage in der Woche und auf Ausnahmefälle beschränkt.

Bei Brisant erfahren Sie mehr Details zu den Beratungen von Bund und Ländern und zu den Maßnahmen, die im Raum stehen, aber noch nicht beschlossen sind. 

Dazu zählt ja auch die nächtliche Ausgangssperre, die es in einigen Ländern bereits gibt. Bisher habe ich vor allem hämische Kommentare über diese Maßnahme gehört und gelesen, zum Beispiel auf Twitter. Eva Horn von "Der Spiegel" bringt in einem Tweet die Ausgangssperre und einen Homeoffice-Anspruch zusammen: 

"Politik so: hm wir haben gefährliche Mutationen, was machen wir denn jetzt?

Menschen so: Meine Chefin will immer noch, dass ich ins Büro fahre, dabei könnte ich auch gut von zuhause arbeiten

Politik so: Nächtliche Ausgangssperre! So wird's gemacht!"

Impf-Vorreiter Israel sieht erste Ergebnisse

In Israel wird schneller geimpft als in anderen Ländern. (Warum das so ist, können Sie im Artikel nachlesen.) So schnell, dass eine große Krankenkasse erstmals Daten auswerten und vergleichen konnte. Von jeweils 200.000 Menschen über 60 lag in der geimpften Gruppe demnach die Zahl der Infektionen bereits zwei Wochen nach der ersten Dosis um 33 Prozent niedriger. Übrigens ist die Zahl der Neuinfektion in Israel dennoch weiterhin hoch.

 

Was außerdem los war

  • Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll: Laut vorläufigem Haushaltsabschluss vom Bundesfinanzministerium hat Deutschland im Corona-Jahr 2020 weniger Schulden gemacht als erwartet – aber dennoch so viele Schulden wie in keinem Jahr zuvor. 
  • Eins von deutschlandweit vier neuen Logistikzentren des Technischen Hilfswerks (THW) soll in Altenburg errichtet werden.
  • Die Grundrente startet mit Schwierigkeiten: Seit 1. Januar 2021 gibt es theoretisch den Zuschlag, doch die erste Auszahlung kommt wegen technischen Problemen voraussichtlich erst im Sommer.

Gestern hat sich übrigens eine niedliche Gelbhalsmaus bei eisigen Minusgraden auf den Brocken verirrt. Ein Wanderer hat sie gefunden und gewärmt. Eine schöne Geschichte, die Sie sich im Video ansehen können.

Was morgen wichtig wird

Sie wissen schon, was morgen kommt: Es wird um die zukünftigen Corona-Maßnahmen gehen. Was jetzt schon klar ist: Es wird mindestens bis zum 14. Februar weiterhin einen Shutdown geben.

Mehr zum Thema Homeoffice und zur Bund-Länder-Konferenz erfahren sie im aktuellen Beitrag von MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE. 

Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und viel Kraft, für alle Herausforderungen, die uns gerade entgegenkommen. 

Julia Heundorf

Ihr Feedback an uns: Sie haben eine Frage, wollen uns loben oder Feedback geben? Schreiben Sie uns an corona-newsletter@mdr.de

Sie wollen wissen, worum es in den vorherigen Newslettern ging? Kein Problem. Öffnen Sie einfach aus der nachfolgenden Übersicht den gewünschten Newsletter.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. Januar 2021 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen-Anhalt