Corona-Daten-Newsletter | Dienstag, 27. Oktober 2020 Warten auf die Beschlüsse

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Heute im Corona-Newsletter: Morgen wissen wir, ob und wie ein zweites Herunterfahren des Landes aussieht. Schon heute hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident etwas dazu gesagt. Wir haben mit dem Macher von "Kekulés Corona-Kompass" gesprochen und bei der Bundeswehr gefragt, wie viele Soldaten in den Gesundheitsämtern gerade mit helfen.

ie Bundeswehrsoldaten Obergefreite Melissa Fritzenkötter und Hauptgefreiter Dennis Schlickmann arbeiten in einem Büro des Gesundheitsamtes in der Kontaktverfolgung von Covid-19-infizierten Bürgern
Bildrechte: dpa

Guten Abend liebe Leserin,
Guten Abend lieber Leser,


können uns Nachrichten Angst machen? Müssen wir Angst haben? Zwei fast gleich klingende Fragen, die ich mir gestellt habe, als ich gerade einen Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung gelesen habe, den ein Kollege heute Morgen herumgeschickt hat. 

Der Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl schreibt darin, ihn beunruhigten die "vielen Trompeter im Corona-Panikorchester". Sie würden Angst und Schrecken verbreiten und er beobachte mit großer Sorge den Overkill, mit dem Leitmedien, insbesondere das öffentlich-rechtliche Fernsehen, aber auch Zeitungen wie SZ oder FAZ, über die Pandemie berichteten. Seine These: Die Medien haben "mit ihrem grotesken Übersoll an Berichterstattung Handlungsdruck in Richtung Lockdown erzeugt, dem sich die Regierungen in Demokratien kaum entziehen konnten."

Ja, die meisten Berichte drehen sich 2020 um ein Thema. Ja, andere Themen gehen unter. Ja, Journalistinnen und Journalisten orientieren sich auch an anderen Journalisten. Aber sind wir deshalb Angstmacher? Oder hat der Wissenschaftler eine zu vereinfachte Idee von Leserinnen und Lesern, Zuschauerinnen und Zuschauern, Hörerinnen und Hörern? Lassen diese sich leicht in Angst und Schrecken versetzen?

Ein spannender Beitrag jedenfalls. Was meinen Sie dazu? Schreiben Sie mir gern eine E-Mail: corona-newsletter@mdr.de

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Ansonsten soll es schon heute um den Tag morgen gehen und ich lege Ihnen schon wieder den Podcast von MDR AKTUELL mit Prof. Alexander Kekulé ans Herz und habe mit dem Militär telefoniert.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Das Robert-Koch-Institut meldet heute 11.409 (+2.724) neue Infektionen. Die meisten Neuinfektionen gab es in Nordrhein-Westfalen (+3.678), Bayern (+1.721) und Hessen (+1.348). Die wenigsten neuen Infektionen gab es in Mecklenburg-Vorpommern (+35). 

Und so viele positiv auf das Virus Getestete gab es in unseren drei mitteldeutschen Bundesländern.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 5.425 ↗ (+176 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 143 (+1), davon 44 beatmet (+1)
  • Intensivbetten: 1.265 belegt, 488 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 298 (+7)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 8.790 (+290)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 14.513 (+473)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 1.429 ↗ (+77 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 27 (-1), davon 6 beatmet (+/-0)
  • Intensivbetten: 604 belegt, 297 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 204 (+/-0)
  • Genesene Patienten: 4.500 (+11)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 6.133 (+188)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 1.342 ↗ (+83 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 20 (-1), davon 13 beatmet (+3)
  • Intensivbetten: 720 belegt, 290 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 75 (+/-0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 2.943 (+54)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 4.360 (+137)

Ich habe heute einmal die Zahl der freien und belegten Intensivbetten aus der Länder-Tabelle der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) übernommen. Schreiben Sie mir gern, ob sie das gut oder weniger gut finden.

Das Robert Koch-Institut (PDF) hat schon gestern von einer "zunehmenden Beschleunigung der Übertragungen" in Deutschland geschrieben. Eine sehr eigenwillige Formulierung. (Die Beschleunigung beschleunigt sich, hat es Virologe Kekulé heute genannt)

Was wir über morgen wissen

Morgen werden die Bundeskanzlerin und die 16 Regierungschefs und -chefinnen der deutschen Bundesländer über mögliche deutschlandweite Einschränkungen sprechen. Der Termin wurde von Freitag auf Mittwoch gezogen. Worum es geht, hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) heute schon angedeutet.

  • Haseloff sagt, wenn das Ziel ist, deutschlandweit weder die Wirtschaft noch Schulen oder Kitas zu schließen, können Kontakte nur in einem Bereich eingeschränkt werden: im Privatleben.

Ziel sei es, im Advent oder zu Weihnachten keinen Ausnahmezustand zu haben. Dazu sei eine nationale Einigung sei notwendig. Derzeit fänden die Infektionen vor allem im privaten Bereich statt.

  • "Es wird sich um eine Maßnahme handeln, die persönliche Kontakte um 75 Prozent reduzieren soll", sagte Haseloff.

Das klingt bei Haseloff nach einem privaten Lockdown über mehrere Wochen. Ein möglicher "temporärer Block eines Lockdowns in Deutschland" war seine Formulierung. Aber 170 Kilometer weiter südlich, in Erfurt, klingt es ganz anders.

  • Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat seine Zustimmung zu einem bundesweiten Lockdown ausgeschlossen.

Hier sehen Sie das einzige Foto, auf dem Prof. Alexander Kekulé und Camillo Schumann zusammen zu sehen sind. Dabei haben die beiden schon 112 Mal miteinander gesprochen, um Orientierung in der Pandemie zu geben.

Camillo Schumann und Alexander Kekulé im MDR AKTUELL Studio
Camillo Schumann (links) und Alexander Kekulé im MDR AKTUELL Studio Bildrechte: MDR / Jan Bräuer

In "Kekulés Corona-Kompass" nämlich, dem Podcast von MDR AKTUELL. Der ist nach der Folge am Freitag heute regulär wieder gestartet und erscheint dienstags, donnerstags und sonnabends. Und weil mein MDR-Kollege Camillo ja sonst immer nur fragen darf, kann er heute einmal antworten.

"So schnell gibt es kein Ende."

Hast du gedacht, dass ihr Euch so lange mit Corona beschäftigt?

Nein, auf keinen Fall. Als wir am 16. März gestartet sind, hatte ich vermutet, dass nach drei bis vier Wochen Schluss ist. Ein paar Wochen zum Beantworten der wichtigsten Fragen müssten reichen, dachte ich damals. Doch die Flut an Entwicklungen, neuen Studien und die zahlreichen Fragen von Hörerinnen und Hörern war enorm. Schnell war klar, ein Ende wird es so schnell nicht geben. 

Wie nehmt ihr den Podcast eigentlich Corona-sicher auf?

Die Aufzeichnung ist ziemlich sicher. Ich sitze in einem Studio in Leipzig, Prof. Kekulé schalten wir zu. Das haben wir von Anfang an so gemacht. Nur ein einziges Mal hat er mich im Studio besucht, damals hielten wir natürlich ausreichend Sicherheitsabstand ein. 

Was hast du über Alexander Kekulé erfahren, das du uns hier ruhigen Gewissens schreiben kannst?

In den Anfangswochen, als wir noch sechs Ausgaben pro Woche aufgezeichnet haben, unterhielten wir uns durch Absprachen und Aufzeichnungen vermutlich manchmal länger miteinander, als wir es in dieser Zeit mit unseren Ehefrauen taten. Das hat sich geändert. Aber im Ernst: So viel kann ich sagen, er ist ein Familienmensch. 

Was ist deine größte Sorge für den Winter und Euren Podcast?

Ein guter Gradmesser für die Stimmung im Land ist unser Email-Postfach. Steigen die Fallzahlen, nimmt auch die Zahl der Menschen zu, die verunsichert sind und uns schreiben. Im Moment beginnt auch in unserem Postfach und auf unserem Anrufbeantworter eine zweite Welle. Zunehmend schildern uns Menschen, dass es noch immer schwer zu sein scheint, sich testen zu lassen, trotz Symptomen. Das kann eigentlich nicht sein. Meine größte Sorge ist, dass wir aus der ersten Welle nicht ausreichend gelernt haben. Meine Hoffnung für den Podcast ist, dass ihn noch lange viele Menschen für wichtig erachten. 

Was gibt dir die meiste Hoffnung?

Dass die Medizin zum Beispiel die Sterblichkeit auf der Intensivstation durch ein besseres Verstehen des Virus und durch immer besser werdende Medikamenten-Kombinationen verringern kann. Dass die Forschung enorme Fortschritte macht und sich so gezielt die Bekämpfung eines Virus zur Aufgabe gemacht hat. 

Danke, Camillo Schumann.

In der aktuellen Folge sagt Kekulé, die Lage sei ernst. Die Zahl der Erkrankten, die beatmet werden müssten, würde steigen. Er schätzt, dass anders als im Frühjahr nicht mehr jeder zweite Beatmete sondern "nur" noch jeder dritte Beatmete sterben würde. 

Außerdem sagt der Virologe aus Halle, die Politik solle lieber klare Regeln statt eines Lockdown beschließen. "Dieses Gasgeben und Bremsen – davon werden alle wuschig im Kopf."

Wo die Bundeswehr bei Corona hilft

Eine E-Mail von Hans Rohde brachte mich heute Vormittag dazu, bei der Bundeswehr anzurufen. Ich wollte wissen, in welchen Gesundheitsämtern Soldatinnen und Soldaten gerade mithelfen. Die Antwort kam zackig: In 147 Gesundheitsämtern in allen Bundesländern helfen – Stand heute – 2.281 Soldatinnen und Soldaten dabei, Abstriche zu nehmen oder Kontakte nachzuverfolgen. Die Antwort auf meine Frage, wie das genau in unseren drei mittdeldeutschen Ländern aussieht, hat nur wenig länger gedauert. Sie kam prompt per E-Mail:

  • In Sachsen sind 107 Soldatinnen und Soldaten in sieben von zehn Landkreisen und in Leipzig und Chemnitz in den Gesundheitsämtern.
  • In Sachsen-Anhalt unterstützen 56 Soldatinnen und Soldaten elf von elf Landkreise und alle drei kreisfreien Städte (Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau).
  • In Thüringen sind es 30 in drei von 17 Landkreisen und in Gera und Jena.

Ich war ziemlich erstaunt, dass jedes Gesundheitsamt in Sachsen-Anhalt von der Bundeswehr unterstützt wird. Und ich habe etwas gelernt: Dass es ein "Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr" in Berlin gibt, von dort kam nämlich die E-Mail.

Morgen also sind wie schlauer (Das ist ja jeden Tag so), dann haben Bundeskanzlerin und Ministerpräsidentinnen und -präsidenten irgendetwas Neues beschlossen. 

Aber auf einen weiteren Beschluss bin ich auch gespannt: Den, wer Europäische Kulturhauptstadt 2025 wird. Dafür sind ja zwei Städte in Mitteldeutschland im Rennen. Chemnitz und Magdeburg. (Ja, Hannover, Hildesheim und Nürnberg sind auch im Rennen.) Als Magdeburger ist mein Favorit natürlich klar. Aber warum es Chemnitz werden soll, haben die Kollegen von MDR SACHSEN hier schön geschrieben und die Kollegen von MDR SACHSEN-ANHALT haben eine ganze Menge Artikel dazu. Seit gerade eben auch einen eher ironischen. Sie selbst können bei der Verkündung hier live dabei sein, morgen 13 Uhr. 

Ihnen einen schönen Abend und alles Gute
Marcel Roth

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Quelle: MDR/mr

1 Kommentar

Matthi vor 5 Wochen

Wenn jetzt in Deutschland alle Touristischen Reisen verboten wurden und eine ganze Branche am Abgrund steht dann werden bestimmt viele deutsche ihren Winterurlaub im Ausland verbringen wie Kanaren, Kuba, Malediven usw. da wo eben die Reisewarnungen aufgehoben wurden. Ich kann jeden verstehen der jetzt seinen Urlaub im Ausland macht.

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