Corona-Daten-Newsletter | Dienstag, 8. September 2020 Wie wir die Corona-Pandemie wahrnehmen

Kalina Bunk
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Heute im Corona-Newsletter: Wie hat sich in der Bevölkerung die Einstellung zu den Schutzmaßnahmen verändert? Wie verbreitet sind Verschwörungsideologien? All das untersucht ein Langzeitprojekt der Uni Erfurt. Die bisherigen Ergebnisse im Überblick.

Holzfiguren mit Mundschutz stehen auf einem Tisch gegenüber.
Wie hoch war und ist die Akzeptanz für den Mund-Nasen-Schutz? Eine der Fragen, die in dem Projekt eine Rolle spielt. Bildrechte: MDR/Unsplash/Evgeni Tcherkasski

Schönen guten Abend, liebe Leserinnen und Leser!

Heute geht es in unserem Newsletter darum, welche psychologischen Auswirkungen die Corona-Pandemie auf uns hat. Die Universität Erfurt erhebt dazu regelmäßig mit Kooperationspartnern Daten. Um was es dabei genau geht und welche Schlüsse gezogen werden, dazu gleich mehr. Zunächst aber der Blick die neuesten Infektionsdaten. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Das Robert Koch-Institut hat heute Morgen deutschlandweit 1.499 bestätigte Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Die hohe Zahl am Dienstag ist auch auf Nachmeldungen vom Wochenende zurückzuführen. Besonders viele neue Fälle wurden in Bayern (+506) verzeichnet, sowie in Baden-Württemberg (+269) und Nordrhein-Westfalen (+262).

In den vergangenen sieben Tagen hat es bundesweit 7.944 neue Fälle gegeben.

Und so sieht die Lage in unseren drei Bundesländern aus:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 339 ↘ (-18 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 5640 (+20)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 226 (+0)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 6205 (+42)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 123 ↘ (-6 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 3.394 (+8)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 191 (+0)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 3.708 (+2)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 102 ↘ (-7 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 2.125 (+10)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 66 (+0)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 2.293 (+3)

Psychologische Auswirkungen der Pandemie

Wie nehmen wir die Corona-Pandemie wahr, wie haben sich die Eindrücke im Laufe der Zeit bereits verändert? Um diese Fragen geht es in einem Projekt der Universität Erfurt, das unter anderem gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durchgeführt wird. 

Ziel ist es den Forschenden zufolge, der Bevölkerung hilfreiches Wissen anzubieten sowie gegen Falschinformationen vorzugehen. Die Veröffentlichung der Daten erfolgte anfangs seit Mitte März wöchentlich, aktuell geschieht das im Zwei-Wochen-Takt – zuletzt am vergangenen Freitag. Blicken wir nun also auf die Details der jüngsten Veröffentlichung. 

Wie werden die Daten erhoben?
Pro Befragungsrunde beantworten knapp 1.000 Menschen zwischen 18 und 74 Jahren einen Online-Bogen. Nach Angaben der Forschenden werden die Stichproben jeweils so genommen, dass sie der Verteilung von Alter, Geschlecht und Bundesland in der deutschen Bevölkerung entsprechen. Personen mit geringer Bildung seien jedoch seltener vertreten als im Durchschnitt der Bevölkerung. Außerdem werden unterschiedliche Faktoren bei der Auswertung berücksichtigt. Ob jemand chronisch krank ist oder im Gesundheitssektor arbeitet zum Beispiel. Details dazu finden Sie hier

Welche Ergebnisse gibt es?
Auf einige davon möchte im Folgenden eingehen. Alle Ergebnisse gibt es hier zum Nachlesen

Wahrgenommene Ansteckungswahrscheinlichkeit

Auf die Frage, wie hoch sie die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit dem Coronavirus einschätzen, haben zuletzt 23 Prozent der Befragten angegeben, dass sie dies für extrem oder eher wahrscheinlich halten. 42 Prozent hielten eine Ansteckung dagegen für extrem oder eher unwahrscheinlich. 35 Prozent sagten "Teils, teils". Insgesamt ist die wahrgenommene Ansteckungswahrscheinlichkeit eher niedrig, sie steigt allerdings leicht seit Juli. Am höchsten wurde die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung im März eingeschätzt, also zu Beginn der Pandemie. 

Risikowahrnehmung

Seit Beginn der Pandemie schätzen jüngere Leute unter 30 Jahren ihr Corona-Risiko als niedriger ein als über 30-Jährige. Die Jüngeren nehmen sich als weniger anfällig für eine Infektion wahr. 

Corona-Schutzmaßnahmen

Öffentliche Orte meiden, nicht an Feiern teilnehmen, gründlich Hände waschen, Maske tragen oder auch Abstand halten: In der Tendenz sinkt bei jeder dieser Schutzmaßnahmen der Anteil der Menschen, der sich daran hält. Am häufigsten wird noch das Maske-Tragen umgesetzt. Zuletzt gaben 84 Prozent der Befragten an, dies zu tun. Öffentliche Orte meiden – das macht dagegen nur noch knapp jeder Zweite.

Die Befragung macht außerdem deutlich, dass die unter 30-Jährigen die Schutzmaßnahmen insgesamt seltener ergreifen. Da bei den 18 bis 29-Jährigen auch die Risikowahrnehmung geringer ist, sagen die Forschenden, dass sich diese Bevölkerungsgruppe sorgloser verhalten könnte. 

Wahrnehmung der Fallzahlen

Die Forscherinnen und Forscher haben den Eindruck, dass sich die Befragten seit Anfang/Mitte August an die höheren Fallzahlen gewöhnt haben. Die aktuellen Corona-Maßnahmen werden demnach als ausreichend angesehen. Die erhobenen Daten zeigen auch, dass die Akzeptanz für vorbeugende Schulschließungen sinkt. Dass die Corona-Regeln insgesamt übertrieben sind, denken wenige Befragte. Allerdings war die Tendenz zuletzt steigend. 

Einschränkung der Freiheitsrechte

Freiheitsrechte einschränken für den Infektionsschutz – das wird noch immer weitgehend akzeptiert. Die Akzeptanz folgt dem Infektionsgeschehen. Das heißt: Steigen die Infektionszahlen, ist die Akzeptanz höher – und umgekehrt. Folglich war die Akzeptanz im März besonders hoch, dann sank sie, mit den steigenden Fallzahlen Ende Juli stieg sie wieder an. Aktuell ist die Tendenz wieder sinkend. 

Bereitschaft zu Anti-Corona-Demos

Bei der jüngsten Befragung von Anfang dieses Monats zeigten sich 12 Prozent bereit, gegen die Corona-Regeln zu protestieren. Wenig überraschend: Unter den Menschen, die die Eindämmungsmaßnahmen ablehnen, ist der Anteil der Demo-Befürworter deutlich höher. Zuletzt lag der Anteil bei 48 Prozent. 

Verschwörungsdenken

"Corona wurde absichtlich in die Welt gebracht, um die Bevölkerungsanzahl zu reduzieren" und "Experten täuschen uns absichtlich und zu ihrem eigenen Vorteil, obwohl das Virus eigentlich nicht schlimmer ist als eine Grippe" – 10 Prozent aller Befragten glauben an diese beiden Theorien. Der Anteil ist also eher gering. Und er hat außerdem seit Mai nicht zugenommen.

Wenn Sie noch tiefer in die Materie einsteigen wollten, dann können Sie hier einen Blick in das Langzeitprojekt werfen:

Corona und der Städtebau

Weitere Bürogebäude bauen – ist das überhaupt sinnvoll? Darüber habe ich neulich nachgedacht, als ich in der Zeitung gelesen habe, dass an meinem Wohnort Magdeburg weitere Büroflächen in Bahnhofsnähe geplant sind. Auch wenn sich der Anteil der Menschen, die nicht im Homeoffice arbeiten, irgendwann sicherlich wieder erhöhen wird, könnte es künftig ja möglicherweise dennoch einige leerstehende Büros geben, so der Gedanke.

Eine Forscherin der Technischen Universität Dresden geht davon aus, dass die Stadtplanung durch Corona künftig eine andere sein wird. Inwiefern, dazu finden Sie hier die Infos:

Was heute außerdem los war

Weitere Corona-Meldungen des Tages aus Deutschland und der Welt finden Sie nachfolgend im Ticker:

Machen Sie es gut!

Und damit sind Sie auch schon am Ende unseres heutigen Newsletters angekommen. Ich wünsche Ihnen noch einen entspannten Abend. Lassen Sie es sich gut gehen und bleiben Sie gesund!

Kalina Bunk

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Quelle: MDR/kb

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