Corona-Daten-Newsletter | Donnerstag, 26. November 2020 Was Länder in Asien und Afrika anders machen

Heute im Newsletter: In zahlreichen Ländern in Asien und Afrika ist die Pandemie mit geringen Infektionszahlen unter Kontrolle. Dazu tragen unterschiedliche Maßnahmen und Faktoren bei. Kultur spielt eine Rolle, aber auch Geografie.

Pendler tragen Gesichtsmasken zum Schutz vor der Coronavirus-Pandemie während sie mit einem U-Bahn-Zug fahren
In vielen asiatischen Ländern war der Mund-Nasen-Schutz schon vor Corona üblich – als SChutz vor verschmutzter Luft und als Zeichen der Höflichkeit. Bildrechte: dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

als ich gestern den Newsletter abschickte, waren die Gespräche von Bund und Ländern noch nicht abgeschlossen – wichtige Punkte waren aber schon bekannt. Hinzu gekommen ist die Einigung, dass bei Inzidenzwerten über 200 zusätzliche Einschränkungen vorgenommen werden sollen.

In Zügen der Deutschen Bahn sollen zudem weniger Plätze reservierbar sein, zum Beispiel nur Fensterplätze. Denkbar sei auch, dass die Bahn mehr Züge einsetzt.

Einigung gab es auch darüber, dass die Weihnachtsferien am 19. Dezember beginnen sollen. In vielen Ländern war das sowieso geplant, andere Länder ziehen den Ferienbeginn nun vor, darunter Sachsen. Thüringen und Bremen bilden bei dieser Regelung die Ausnahme.

Überbrückungshilfen für geschlossene Unternehmen sollen weitergeführt werden.

Die Beschlüsse im offiziellen Wortlaut finden Sie auf der Webseite der Bundesregierung.

Wie einige Länder in Asien und Afrika mit der Pandemie erfolgreich umgehen, zeige ich Ihnen heute nach dem Blick auf die aktuellen Zahlen.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden 22.268 Neuinfektionen gemeldet. Aus Hamburg sind gestern keine Zahlen übermittelt worden, aus Nordrhein-Westfalen die meisten: 4.909. In Bayern wurden 4.724 Neuinfektionen festgestellt, in Baden-Württemberg 2.876. In Berlin liegt der Inzidenzwert erneut knapp über 200, in Sachsen bei 190,3.

So viele Corona-Infizierte gibt es inzwischen in unseren drei Bundesländern:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 17.880 ↗ (+612 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 342 (-3), davon 207 beatmet (+11)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 846 (+73) 
  • Schätzung der genesenen Patienten: 31.270  (+1.320)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 49.996 (+2.005)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 5.372 ↗ (+316 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 73 (-2), davon 34 beatmet (+3)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 343 (+9)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 9.954 (+269)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 15.669 (+631)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 3.841 ↗ (+110 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 54 (-1), davon 30 beatmet (+4)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 154 (+11)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 7.298 (+242)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 11.293 (+361)

In Chemnitz sind heute 24 Sterbefälle aus dem Zeitraum vom 9. bis 16. November nachgemeldet worden. Es habe Versäumnisse beim Gesundheitsamt gegeben. Die Fälle seien nicht an das RKI weitergeleitet worden. 

In Thüringen liegt der Inzidenzwert bei 144,4, in Sachsen-Anhalt bei 81,3. Der Landkreis Hildburghausen in Thüringen hat weiterhin die bundesweit höchste Inzidenz (602,9). Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat für den Kreis einen Massentest für Kinder und Jugendliche angekündigt. Er sagte außerdem, für die Proteste gegen die Corona-Regeln, die im Kreis stattgefunden haben, habe er kein Verständnis.

Seit gestern dürfen sich per Allgemeinverfügung im Kreis Hildburghausen Menschen nur noch wegen triftiger Gründe außerhalb ihrer Wohnung aufhalten. Besuche in Krankenhäusern sind untersagt. Schulen- und Kitas sind geschlossen. 

Der Blick in andere Länder

In vielen asiatischen und afrikanischen Ländern ist das Coronavirus unter Kontrolle, insofern, dass die Infektionszahlen niedrig bleiben oder sogar über längere Zeiträume keine Neuinfektionen auftreten. "Zeit"-Kolumnistin Vanessa Vu berichtete in Ihrer Kolumne am Dienstag, dass Freundinnen und Verwandte in Vietnam in sozialen Medien Bilder von großen Essensrunden und vollen Clubs posten. Seit 83 Tagen habe sich im Land niemand mehr angesteckt.

Mehrere Medien haben sich in asiatischen und afrikanischen Ländern informiert, wie Menschen und Regierungen mit der Pandemie umgehen und einige grundlegende Unterschiede und Beispiele möchte ich Ihnen hier vorstellen.

1. Bessere Vorbereitung
Viele asiatische und afrikanische Länder sind besser vorbereitet und haben in früheren Epidemien wichtige Erfahrungen gesammelt. Taiwan hatte zum Beispiel einen Vorrat an Schutzmaterial, insbesondere Masken und hat bereits Ende Januar die weitere Produktion massiv hochgefahren. 

In Asien kämpften viele Länder zum Beispiel 2002/03 gegen einen SARS-Ausbruch, 2015 gegen MERS. In vielen afrikanischen Regionen hat man aus Ebola-Ausbrüchen gelernt, zum Beispiel, wie die Isolation von Infizierten bewerkstelligt werden kann.

2. Stärkere Kontrolle der Maßnahmen
Viele Länder kontrollieren ihre Bürgerinnen und Bürger stärker. In Taiwan wird beispielsweise per Krankenversicherungskarte kontrolliert, dass eine Person nur so viele Masken kauft, wie sie benötigt. Die Masken kosten je etwa 15 Cent. Behörden orten auch Mobiltelefone und kontrollieren damit etwa die Einhaltung von Ausgangssperren. Auch in China werden etwa über Apps Bewegungen von einzelnen Personen kontrolliert.

3. Kulturelle Unterschiede
In vielen asiatischen Ländern, darunter China, Japan und Südkorea, werden Mund-Nasen-Bedeckungen auch außerhalb von Pandemie-Zeiten getragen. Es gilt als Frage der Höflichkeit. Zudem gilt es als unhöflich, laut zu reden oder zu telefonieren, zum Beispiel in der U-Bahn. Bei der höheren Bereitschaft zum Maskentragen spielt in vielen asiatischen Ländern und Städten auch die hohe Luftverschmutzung eine Rolle.

Vanessa Vu schrieb am Dienstag in ihrer Kolumne zudem: "Die eigene Freiheit und die eigene Meinung stehen in vielen ostasiatischen Ländern nicht zwangsläufig und zu jeder Zeit über der aller anderen, sondern können für ein Gemeinwohl zurückgestellt werden."

4. Isolierte Lage
An seiner Lage kann ein Land nichts ändern, aber eine geografische Isolierung begünstigt die Bekämpfung der Pandemie, so etwa in Australien, Neuseeland, Japan, Taiwan und auch Südkorea.

5. Harte Lockdowns
Die wenigsten afrikanischen Länder sind isoliert, haben aber enorm die Mobililtätsmöglichkeiten eingeschränkt und sowohl den Flug- als auch den Nahverkehr eingestellt.  

Die ehemalige Premierministerin des Senegal, Aminata Touré, berichtete in einem Interview: "In Senegal etwa wurden früh die Grenzen geschlossen, früher als in vielen europäischen Staaten. Versammlungen wurden verboten, der öffentliche Nahverkehr runtergefahren. Moscheen wurden geschlossen. Das war hart für eine Bevölkerung, die zu 97 Prozent muslimisch ist." 

Nicht für alle: Corona-Prämie für Klinikpersonal

Nachdem Altenpflegekräfte wegen der zusätzlichen Arbeitsbelastung während der Corona-Pandemie einen Pflegebonus erhielten, gab es nun auch Geld vom Bund für Klinikpersonal. Diese Prämie ist bei vielen Mitarbeitenden in Krankenhäusern allerdings nicht angekommen. 

Das Geld vom Bund kam in Sachsen-Anhalt demnach nur in zwei Krankenhäusern von insgesamt 57 an, in Thüringen in neun von 51, in Sachsen bei 14 von 78. Die Prämie erhalten nur zugelassene Krankenhäuser, die bestimmte Kriterien erfüllen müssen: Sie müssen etwa von Januar bis Mai mindestens 20 Corona-Fälle behandelt haben, wenn das Haus weniger als 500 Betten hat. Bei Häusern mit mehr als 500 Betten müssen mindestens 50 Fälle behandelt worden sein. Zudem wird das Geld nicht direkt an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezahlt, wie es beim Pflegebonus der Fall war.

Medizinische Versorgungsengpässe: Corona-Hilferufe aus dem Landkreis Görlitz

Aktuell hat der Landkreis Görlitz in Krankenhäusern 29 Intensivplätze im Kreisgebiet zur Verfügung, die bis auf einen, alle mit Covid-19-Patienten belegt sind. Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte seien bereits aufgefordert worden, Operationen möglichst zu verschieben. Der Landkreis appellierte an das Landes-Sozialministerium, die Auslastung und Organisation der Krankenhäuser zu steuern. Zudem forderte der Kreis die Kassenärztliche Vereinigung auf, zusätzliche Bereitschaftsdienste zu organisieren, um Rettungskräfte zu entlasten.

Was außerdem los war


  • Fußball-Star Diego Maradona ist gestorben. Das ist gestern Abend gekannt geworden. Der ehemalige Weltmeister ist 60 Jahre alt geworden.
  • In Halle (Saale) soll die Altstadt autofrei werden. Das hat der Stadtrat beschlossen.
  • Verbraucherschützer haben zur Vorsicht bei "Black Friday"-Rabatten und Aktionen gewarnt. Rabatte seien oft aufgeblasen, also auf einen höheren Preis ausgeschrieben, als das Produkt durchschnittlich koste. Zudem würden auch Betrugsversuche blühen.

Zum Thema Einkaufen und Sonderangebote habe ich diese Woche eine Leserinnen-E-Mail bekommen. Beate R. findet, dass sich Spar-Aktionen und Hygienemaßnahmen wegen Corona nicht gut vertragen:

Hier sollte vielleicht mal ins Gespräch gebracht werden, wie unvernünftig es ist, in der jetzigen Zeit viele Menschen auf einen Haufen damit anzulocken. Da wäre ein Museum z. B. viel entspannter (aber diese müssen geschlossen haben).

Leserin Beate R.

Endspurt.

Dieser Newsletter ist hiermit am Ende. Weitere Infos und Hintergründe sowie aktuelle Entwicklungen finden Sie auf unserer Webseite.

Mit freundlichen Grüßen
Julia Heundorf

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Quelle: MDR/jh

7 Kommentare

Elsburg vor 8 Wochen

bzgl Entwicklung von Zivilisation +Urbanisierung wurde eigener Natur dienendes geboten +angenommen [ggf durch irre-führende, einseitige Perspektive] ohne aufrichtige, wissenschaftl. ausgewogene Folgenabschätzung zB bzgl Nachhaltigkeit =-> wir degenerieren immer mehr +immet so weiter, ganz ungeniert mit reinem Gewissen - völlig unbenutzt !
Ist die Gesundheit ruiniert,

Elsburg vor 8 Wochen

Elsburg II

Dabei ist in zig Generationen urbanisierte kl.Oberschicht-Gruppe schon zT so instabil, daß auf dieser zivilisatorischen Stufe die Lebenserwartung bereits rückläufig ist - dekadent!
Der menschliche Körper funktioniert zT auch anders, durch andere bzw fehlende Enzyme +Fermentationen im Organismus - zT wie Embryo +Neugeborene i.DtLd ersten 6'Lebensmonate Stillzeit kein Alco-Abbau möglich [wie bei vielen Asiaten] +Zufuhr von Mutter führt zu stundenlangem Vollrausch mit ewiger Hirnschädigung!! schon von+nach 1'Glas Sekt der stillender Mutter!
Da Kinder weniger leicht infiziert werden ggf Infektion zT (fast) symptomlos wesentlich leichter abwickeln, sind sie evtl zivilisatorisch noch so sehr dekadent geschädigt vom "Leben in der Zivilisation", daß urbiologische Fähigkeiten zu eigener Immunisierung mit Infekten (schwach/gut/bestens) ausgeprägt vorhanden sind; so geschieht's oft +i.d.Regel,daß Infekte einmalig,sehr kurz mit sehr hohem Fieber erledigt sind; Bitterstoffgemüse essen!

Elsburg vor 8 Wochen

Wenn örtliche Bevölkerung in Asien +Afrika weniger/seltener sich infiziert, ist bereits üblich gewesenes Maske tragen begünstigend +ggf stabilere Abwehrbiologie vorhanden vermutlich, falls viel viel mehr Bevölkerungsanteil erst 1.Generation mit Urbanisierung vorhanden ist. In (West~) Europa besteht seit über 100'Jahren Drang zur Urbanisierung +modernere Zivilisierung mit Wintervorräte einkochen, Industrie-food in Konserven bis hin zum Hang auf div.fast-food, eingefrohrenes ... was uns zwar höhere Lebenserwartung beschehrte aber auch höhere zivilisatorisch +dazu auch degenerativer entwickelt bedingte Anfälligkeit ~vermutlich~ denn der seit ~1900 in DtLd wahnwitzig gestiegene Zuckerverbrauch incl.massenhaftem Verzehr von Weiß(feinst gemahlenen Weizen~)mehl-Erzeugnissen [beides die größten Kalkräuber auf'm Speiseplan]
schleiften viele Abwehr-Bollwerke vom optimalen, bodenständigen Frischgemüse-Speiseplan ... Damit sind wir anders +langlebiger geworden im Gesamtdurchschnitt +breiten Masse!

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