Corona-Daten-Newsletter | Donnerstag, 20. August 2020 Karneval feiern trotz Corona?

Kalina Bunk
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Heute im Corona-Newsletter: Die Pandemie wirft auch beim Karneval einiges um. Ausgelassenes Feiern? Kaum vorstellbar. Können die Veranstaltungen also überhaupt stattfinden? Wie die mitteldeutschen Vereine dazu stehen.

Ein Motivwagen Coronavirus steht auf der Straߟe vor dem Rosenmontagszug.
Schon beim Karneval Anfang 2020 war das Coronavirus präsent. Bildrechte: dpa

Schönen guten Abend, liebe Leserinnen und Leser! 

Mitten im Sommer wird nicht nur über die Organisation der Weihnachtsmärkte diskutiert, auch der Karneval bzw. Fasching ist in den letzten Tagen in den Fokus gerückt. Die wesentlichen Zutaten dafür sind ja bekanntlich ausgelassene Stimmung sowie gemeinsames Schunkeln und Feiern. In der momentanen Zeit ist das alles allerdings kaum vorstellbar, vor allem mit Blick auf den Corona-Ausbruch im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen vor einem halben Jahr.

Kann der nächste Karneval also überhaupt stattfinden? Wenn ja, wie? Und wie stehen die Vereine in Mitteldeutschland dazu? Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns im heutigen Newsletter. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Die Zahl der bestätigten Neuinfektionen ist weiter gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat heute Morgen bundesweit 1.707 Neuinfektionen gemeldet, somit etwa 200 mehr als am Vortag. Weiterhin die stärksten Zuwächse gab es in Nordrhein-Westfalen (+395), Bayern (+394) und Baden-Württemberg (+259). Die wenigsten neuen Fälle verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern (+3).

Aus unseren drei Bundesländern wurden bis zum heutigen Abend diese Daten gemeldet:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 165 ↘ (-28 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 226 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 5.395 (+45)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 5.786 (+17)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 113 ↘ (-2 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 190 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 3.237 (+11)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 3.540 (+9)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 104 ↗ (+4 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 65 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 1.989 (+5)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 2.158 (+9)

Karneval in der Corona-Zeit: Hört da der Spaß auf?

Stellen Sie sich das mal vor: Ein Rosenmontagszug, bei dem Wagen und Musiker auf der Stelle stehen, während die Zuschauer vorbeimarschieren. Klingt ungewohnt – ist aber einer der Vorschläge, wie Karneval bzw. Fasching in der kommenden "fünften Jahreszeit" stattfinden könnte. 

Denn eines scheint aufgrund der Corona-Pandemie schon jetzt klar: So wie gewohnt wird das alles zwischen November und Februar wohl eher nicht ablaufen. Um dennoch nicht komplett auf Kostüme und Kamelle zu verzichten, machen sich die Vereine Gedanken, wie sie mit Hygiene- und Abstandsregeln feiern könnten. 

Noch frisch in Erinnerung ist dabei natürlich die Karnevalsfeier im Landkreis Heinsberg in NRW, bei der sich im vergangenen Februar viele Menschen infiziert hatten. Der ganze Kreis wurde somit zu einem der ersten Corona-Hotspots in Deutschland. 

Unter anderem mit Blick darauf würde Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Session 2020/2021 gern bundesweit ausfallen lassen. Entsprechend hatte er sich Anfang der Woche bei einer Telefonkonferenz des Bundestags-Gesundheitsausschusses geäußert. Er komme selbst aus einer Karnevalshochburg (Ahaus im Münsterland), aber:

Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie, schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Was sagen Karnevalisten in Mitteldeutschland dazu?

Spahns Äußerung stößt in den mitteldeutschen Karnevalshochburgen auf Unverständnis. Steffen Hoffmann vom Förderkomitee Leipziger Karneval glaubt nicht, dass die Feierlichkeiten in seiner Stadt komplett ins Wasser fallen werden. Die Veranstaltungsbehörde stehe dem Karneval positiv gegenüber. Hoffmann kritisiert, Spahn nehme mit seiner eher allgemeinen Aussage sämtlichen Karnevalsvereinen die Perspektive für ein Jahr. 

Ähnlich äußerte sich Michael Danz vom Verband der Thüringer Karnevalsvereine. "Wir stellen uns gegen solche pauschalen Absagen", so Danz. Sie seien "eine Ohrfeige für alle, die sich intensive Gedanken machen, wie es funktionieren kann".

Spahn hatte nicht genau ausgeführt, ob er sich auf den Karnevals-Startschuss am 11.11 und/oder die Feiern im Februar bezieht – und ob seiner Ansicht nach "nur" der Straßenkarneval ausfallen soll oder jegliche Jecken-Aktivität.

Auch Ronald Mormann von der Köthener Karnevalsgesellschaft KuKaKö zeigt sich von Spahns Überlegungen überrascht. Er verweist auf die Infektionszahlen, die hierzulande niedriger sind als beispielsweise in NRW. Das müsse man berücksichtigen. Mormann, der auch für die SPD im Landtag von Sachsen-Anhalt sitzt, kann nachvollziehen, dass es wohl Einschränkungen geben wird. Seiner Meinung nach wäre es aber überzogen, die Veranstaltungen bereits jetzt ganz abzusagen.

Welche neuen Karnevals-Formen werden von den Vereinen diskutiert? 

  • Karnevalssitzungen mit Hygienekonzept
  • Weniger Zuschauer in den Sälen
  • Verlegung von Veranstaltungen ins Freie
  • Reine Online-Streams
  • Weniger oder gar kein Alkohol
  • Ausschankverbot von Schnaps

Ihre Meinung zum Thema?

Selbst wenn man Karneval am Ende in abgespeckter Form feiern darf, stellt sich aber natürlich die Frage, ob man ihn so denn überhaupt feiern möchte. Und ob sich das finanziell lohnt. 

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Können Sie sich vorstellen, am kommenden Karneval teilzunehmen? Warum (nicht)? Schreiben Sie uns gern eine E-Mail an corona-newsletter@mdr.de – oder lassen Sie uns unter diesem Artikel einen Kommentar da.

Mein Kollege und absoluter Karnevals-Experte Fabian Frenzel (seit Jahren im Männerballett und Double von Kurt Krömer) fände eine komplette Absage des Karnevals dramatisch. Er hofft, dass Veranstaltungen unter bestimmten Auflagen möglich sein werden. Viele Tanzgruppen würden das ganze Jahr für die Auftritte trainieren, auch Deko und Kulissen würden auch jetzt schon angefertigt.

Ich möchte in meinem Verein nicht in die Kinderaugen schauen, wenn ich ihnen erklären muss, dass es dieses Jahr keine Auftritte gibt. Dass es keinen Straßenkarneval mit Umzügen geben könnte oder auch Tanzrunden verboten werden, dafür hätte ich Verständnis. Aber sollten Theaterveranstaltungen möglich sein, muss es auch Karnevalssitzungen geben können.

Karnevalist Fabian Frenzel

Was auch immer bei den Diskussionen herauskommt – komplett ausgelassene und unbeschwerte Karnevals- und Fastnachtsfeiern, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, werden wohl erst nach Ende der Corona-Pandemie wieder möglich sein.

Was heute außerdem wichtig ist

  • Die steigenden Corona-Infektionszahlen sind zu einem Großteil eine Folge der gelockerten Reisebeschränkungen. Darauf deuten Zahlen des Robert Koch-Instituts hin. Der Anteil der Ansteckungen im Ausland bei den neu registrierten Fällen lag demnach in der vergangenen Woche bei 39 Prozent. Zwei Wochen zuvor waren es noch 13 Prozent. Die meisten infizierten Reiserückkehrer haben sich im Kosovo angesteckt, gefolgt von der Türkei und Kroatien.
  • Derweil haben die deutschen Behörden angesichts der steigenden Zahlen Teile Kroatiens als Risikogebiet eingestuft. Nach Angaben des RKI gilt das für zwei Verwaltungsbezirke an der Adriaküste um die Küstenstädte Sibenik und Split. Wer von dort nach Deutschland zurückkehrt, muss sich nun auf das Coronavirus testen lassen. 
  • Bund und Länder wollen ein einheitliches Bußgeld bei Verstößen gegen die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen prüfen. Die Nachrichtenagentur AFP meldet, dass dazu eine Arbeitsgruppe geplant ist. Denkbar ist demzufolge etwa eine Mindeststrafe für die Maskenverweigerer von 50 Euro.

Kekulés Corona-Kompass

Es ist Donnerstag, also auch Zeit für eine neue Folge unseres Corona-Podcasts mit dem halleschen Virologen Alexander Kekulé. Diesmal geht es unter anderem um die Wirksamkeit der Corona-Warn-App. Kekulé sagte, "grundsätzlich ist diese Idee, Kontakte zu registrieren und elektronisch zu melden, etwas, wovon man nur träumen kann, wenn es um die Nachverfolgung von Infektionsketten geht". 

Mit den bisher gesammelten Daten leiste die App allerdings noch keinen wirksamen Beitrag. Aber: Die Smartphone-App könnte in Zukunft helfen, so Kekulé.

Nachrichten

Ein Porträt-Foto von Virologe Alexander Kekulé. 47 min
Bildrechte: MDR/dpa

Wie sinnvoll ist die deutsche Corona-App momentan? Virologe Kekulé ordnet ein.

MDR AKTUELL Do 20.08.2020 10:14Uhr 47:21 min

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Auf Wiedersehen und bis morgen! 

Mit dieser Hör-Empfehlung verabschiede ich mich für heute. Schön, dass Sie heute wieder reingeklickt haben. Ich wünsche Ihnen noch einen entspannten Abend.

Kalina Bunk

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Quelle: MDR/kb

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