Corona-Daten-Newsletter | Donnerstag, 21. Januar 2021 Die No-Covid-Strategie

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Heute im Newsletter: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben eine andere Strategie zum Eindämmen der Corona-Pandemie vorgeschlagen. Sie setzen auf die Bürgerinnen und Bürger und auf Ziele, auf die die Menschen hinarbeiten wollen. Die Details zum Ziel "No Covid", also kein Corona.

Elektronenmikroskopische Aufnahme des Sars-Cov-2 Virus
Das Coronavirus unterm Elektronenmikroskop. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

heute geht es um die No-Covid-Strategie – ein Papier von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Vielleicht haben Sie bereits davon gehört oder gelesen.

Derzeit wird aber auch viel über den "Zero-Covid"-Aufruf gesprochen. Das klingt ähnlich, es handelt sich aber um zwei unterschiedliche Schreiben. "ZeroCovid" ist eine Petition für einen solidarischen Shutdown. Ich habe das Papier beziehungsweise die Webseite verlinkt. Gucken Sie sich gern beides direkt einmal an. Um No-Covid geht es im Folgenden im Detail.

Dann blicken wir auf die aktuellen Zahlen.

Ihnen gefällt der Newsletter? Empfehlen Sie ihn gern weiter. Wenn Sie in Zukunft den Newsletter bequem und regelmäßig in Ihrem Mailpostfach erhalten wollen, können Sie sich kostenlos hier dafür anmelden.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden 20.398 neue bestätigte Corona-Infektionen gemeldet, davon 3.854 in Nordrhein-Westfalen, 2.812 in Bayern und 2.353 in Baden-Württemberg.

In Thüringen ist die 7-Tage-Inzidenz weiterhin deutschlandweit am höchsten, sie liegt bei 225. In Brandenburg wurden pro 100.000 Einwohnern in den letzten 7 Tagen 203 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet, in Sachsen-Anhalt 195.

Das sind die aktuellen Zahlen für unsere drei Länder: 

Sachsen

  • Aktive Fälle: 20.989 ↘ (-1.431 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 446 (-7) , davon 257 beatmet (-8)
  • Intensivbetten: 1.172 belegt, 328 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 5.558  (+90) 
  • Schätzung der genesenen Patienten: 145.500 (+2.700)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 172.047 (+1.359)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 11.186 ↘ (-86 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 169 (-7), davon 101 beatmet (-2)
  • Intensivbetten: 636 belegt, 112 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 1.867 (+61)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 47.440 (+977)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 60.493 (+952)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 9.017 ↘ (-84 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 191 (+/-0), davon 117 beatmet (+5) 
  • Intensivbetten: 745 belegt, 97 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 1.374 (+60)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 26.236 (+952)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 46627 (+928)

Kein Covid mehr – die No-Covid-Strategie

In dem Papier stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter nicht nur aus der Virologie und Biologie, sondern auch den Rechts- und Gesellschaftswissenschaften, eine langfristige Strategie zur Corona-Bekämpfung vor. Ihr Ziel lautet: No Covid, also kein Covid.

Die drei zentralen Punkte der Strategie sind im Papier so zusammengefasst (ich zitiere die drei Punkte direkt aus dem Schreiben):

  1. Schnelles Absenken der Infektionszahlen auf Null.
  2. Vermeidung der Wiedereintragung in hierdurch errichteten Grünen Zonen durch lokale Mobilitäts-Kontrollen, Tests und Quarantänen.
  3. Ein rigoroses Ausbruchsmanagement bei sporadischem Auftreten neuer Fälle.

"Grüne Zonen"

  • Ein zentraler Punkt des Papiers ist das Einführen von "Grünen Zonen", ein Konzept, dass laut Papier schon für andere Länder funktioniert hat, für Australien und Neuseeland. Grüne Zonen sollen Orte sein, in denen eine Null-Inzidenz erreicht wurde und wo die Normalität wieder einkehren darf. Außerhalb dieser Zonen sollen weiterhin strikte Kontakt- und Quarantäneregeln gelten, es soll getestet werden.
  • Die Autorinnen und Autoren sagen das nicht so konkret, aber sie halten die aktuellen Maßnahmen für eine Art Teufelskreis, aus dem es rauszukommen gilt. Es heißt im Dokument (, das Zeit Online auf seiner Webseite zur Verfügung stellt): "NO-COVID führt uns heraus aus den Zyklen der (Wieder)einführung und Aufhebung von Verboten und Grundrechtseinschränkungen", und sie glauben: "Die NO-COVID Strategie motiviert die Bevölkerung durch ein gemeinsames Ziel und zeigt den Bürgerinnen und Bürgern die Perspektive auf, die 'Eiertanz'-Situation dauerhaft zu beenden."

Die Bürgerinnen und Bürgern sollen "No-Covid" möglich machen

  • Alle sollen mitmachen, um das Ziel zu erreichen. Und das Ziel selbst soll ein Ansporn sein: Wer sich an die Regeln hält, kann bald in seiner oder ihrer grünen Zone normal leben. Eigentlich gar nicht so ein anderes Ziel als das aktuelle, nur eben lokaler und dadurch vielleicht realistischer.
  • Die Autorinnen und Autoren wollen aber auch, dass die Ziele von "No-Covid" besser kommuniziert werden. Menschen sollen informiert und motiviert werden. Das Handeln für Verbesserungen soll vor allem von den Bürgerinnen und Bürgern kommen, nicht "von da oben" – okay, das habe ich formuliert. Im Papier wird zwischen bottom up, also aus der Bevölkerung heraus, und top down, also von der Politik auferlegt, unterschieden. 
  • Im Papier wird mehrmals betont, dass man proaktiv handeln muss anstatt nur zu reagieren. In Australien habe es gut funktioniert, den Menschen den konkreten Wiederöffnungsplan vorzuhalten, um die gemeinsamen Ziele zu erreiche.
  • Auch bei einer juristischen Betrachtung, ist die Rolle der Bürgerinnen und Bürger laut Papier wichtig: "Eine reine Lockdown-Strategie ohne ausreichend wirksames Maßnahmenpaket wird den grundgesetzlichen Verpflichtungen des Staates gegenüber seinen Bürgern nicht gerecht." Außerdem gehöre zur Verhältnismäßigkeit von Einschränkungen, dass diese Einschränkungen wirksam sind. Sie erinnern sich: Die Grundrechte dürfen zwar eingeschränkt werden, aber es muss verhältnismäßig sein.

Eine Strategie für Europa

  • Die No-Covid-Strateginnen und -Strategen haben sich auch Gedanken über das gemeinsame europäische Handeln gemacht. Ich fasse für Sie zusammen: Wenn die Strategie funktioniert, werden Grenzschließungen gar nicht notwendig. Reisen müssen aber von den Menschen eingeschränkt werden, um die Ziele zu erreichen. Quarantäne und Tests nach einer Reise gehören weiterhin zum Weg zum Ziel.

Wirtschaft schützen und vulnerable Gruppen schützen

  • Was die Wirtschaft angeht, sprechen sich die Verfasserinnen und Verfasser für Homeoffice aus, dort, wo es möglich ist. Sie sagen aber auch: In Produktionsstätten zum Beispiel, und dort, wo das Ansteckungsrisiko gering ist, soll weitergearbeitet werden, zugunsten der Wirtschaft.
  • Den Schutz vulnerabler Gruppen, also alter Menschen und Risikogruppen, erklärt das Papier im Moment für gescheitert. Sie sagen zudem, "dass der Schutz älterer Bevölkerungsgruppen kaum Einfluss auf den Pandemie-Verlauf hat, weil diese zu den Kontakten weniger beitragen."

Das wöchentliche Corona-Daten-Update

Manuel Mohr hat in seinem Daten-Update für die aktuelle Woche eine gute und eine schlechte Nachricht: Die Fallzahlen sinken. Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben sind, bleibt aber weiterhin hoch. Alle Zahlen, Daten und Grafiken finden Sie wie immer im Corona-Daten-Update.

Impftermin-Buchung wird vereinfacht

Noch eine gute Nachricht: Es soll in Zukunft einfacher sein, Impftermine zu buchen. Bisher musste man sich für die zwei Spritzen jeweils einen Termin buchen. Bald soll es möglich sein, gleich beide Termine "in einem Abwasch" zu reservieren.

Virus-Mutation aus Südafrika erstmals in Sachsen

Und noch eine schlechte, aber wichtige Nachricht: Eine Coronavirus-Mutation, die zuerst in Südafrika entdeckt worden war, wurde nun zum ersten Mal auch in Sachsen nachgewiesen. Die Mutation gilt als sehr ansteckend.

Was außerdem los war

  • Die Bundesregierung hat eine Verschärfung des Verpackungsgesetzes auf den Weg gebracht. Demnach sollen Gastronomen ab 2023 Mehrwegverpackungen anbieten müssen. Außerdem soll das Getränkepfandsystem erweitert werden. 
  • Die Stadt Zittau geht mit einer EU-Beschwerde gegen den polnischen Tagebau Turów vor. Die Stadt will erreichen, dass der Tagebau nicht weiterbetrieben und ausgebaut wird.
  • Die gerichtliche Prüfung von Sachsens Polizeigesetz verzögert sich. Vor etwa 18 Monaten hatten Linke und Grüne vor dem Sächsischen Verfassungsgerichtshof geklagt.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt soll wie geplant im Juni stattfinden und meine Kollegin Johanna Daher – Sie kennen sie vom Newsletter – hat gestern mit dem Politikexperten Everhard Holtmann aus Halle über mögliche Risiken einer Briefwahl gesprochen. Der sagt: Es gebe zwar ein Manipulationsrisiko, das sei aber extrem selten. 

Was morgen wichtig wird

Morgen ist Freitag und damit fast schon Wochenende. Abgesehen von den geltenden Beschränkungen, ist es mir derzeit viel zu kalt, um viel rauszugehen. Darüber freut sich die lange Liste der Bücher, die ich noch lesen will. Und ich bin nicht die Einzige: Was die Redakteurinnen und Redakteure bei MDR WISSEN so lesen und für gut befinden, erzählen sie Ihnen in einem Artikel. Als nächstes auf meiner Liste steht übrigens der Roman "Über den Dächern von Nizza" von David Dodge, weil ich kürzlich die Hitchcock-Verfilmung gesehen habe.

Aufs Sofa kuscheln und faulenzen, statt rauszugehen, ist im Moment ja auch einfach ein Beitrag für die Gesellschaft. 

Bleiben Sie gesund.
Julia Heundorf

Ihr Feedback an uns: Sie haben eine Frage, wollen uns loben oder Feedback geben? Schreiben Sie uns an corona-newsletter@mdr.de

Sie wollen wissen, worum es in den vorherigen Newslettern ging? Kein Problem. Öffnen Sie einfach aus der nachfolgenden Übersicht den gewünschten Newsletter.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Januar 2021 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

Tacitus vor 5 Wochen

Denkschnecke, ich muss ihnen jetzt ein schreckliches Geständnis machen:
Ich will gar keine ZeroTrafic Initiative starten. Ich habe das nur als Metapher benutzt, um die Absurdität der Idee zu zeigen. Sorry für das Misverständnis.--
MDR-Team, beide Papiere und Unterstützerklientels hängen eng zusammen. Als der Shitstorm gegen ZeroCovid aufkam (auch von linken Medien), hat man das zu NoCovid abgemildert. Meiner Meinung nach, bleibt es sachlich ganz einfach Unsinn.

Denkschnecke vor 5 Wochen

Nur mal sicherheitshalber: Weil viele die Angemessenheit restriktiver Maßnahmen ähnlich der von Ihnen vorgeschlagenen hinterfragen, sollten Sie diese Zahlen im Hinterkopf haben: Im vergangenen Jahr sind mit COVID-19 50'000 Menschen in Deutschland gestorben - im Straßenverkehr knapp 3000. (Ein Verhältnis von 1:12.)
Außerdem ist die Ansteckungsgefahr, also dass man in der Nähe eines geschehenen Verkehrsunfalls selbst einen erleidet, zwar nicht vernachlässigbar, aber zweifelsfrei mindestens eine Größenordnung kleiner als bei SARS-CoV-2.

Tacitus vor 5 Wochen

Ich möchte in Anlehnung an die ZeroCovid Initiative eine eigene Initiative ZeroTraffic starten, mit der die vielen Verkehrsunfälle und Verkehrstoten vermieden werden können. Ich fordere deshalb Zero Speed für alle Autos, d.h. Geschwindigkeit Null für Autos und alle Motorfahrzeuge. Wenn das nach einem Monat durchgesetzt ist, können wir die Geschwindigkeiten wieder anheben, auf etwa 30 km/h. Nutr so können wir schwere Verkehrsunfälle endlich vermeiden.

Mehr aus Sachsen-Anhalt