Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 14. August 2020 RKI-Studie: Hohe Corona-Dunkelziffer in ehemaligem Hotspot

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Kupferzell in Baden-Württemberg war ein Corona-Hotspot. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat dort für eine Studie auch das Blut von Personen auf Antikörper untersucht, die zuvor nicht auf Corona getestet worden waren. Das sind die Ergebnisse.

Collage für den Newsletter: Ein Laborantin analysiert eine Blutprobe.
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat Blutproben von 2.200 Menschen in Kupferzell auf Corona-Antikörper untersucht. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / ZUMA Wire

Liebe Leserinnen und Leser,

in unseren Zahlen-Updates im Newsletter legen wir Wert darauf, zu betonen, dass es sich dabei um die gemeldeten Corona-Neuinfektionen handelt. Das liegt daran, dass sich auch Menschen mit dem Coronavirus infizieren können, ohne das zu bemerken, weil sie zum Beispiel gar keine Symptome haben. Eine solche Infektion wird dann aber nirgends registriert, weil kein positives Testergebnis vorliegt. 

Aber wie viele Menschen in Deutschland sind denn dann wirklich schon mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen? Um die Dunkelziffer und somit den tatsächlichen Pandemie-Verlauf besser abschätzen zu können, führt das Robert Koch-Institut (RKI) einige Studien durch, bei denen größere Gruppen auf Antikörper gegen das Coronavirus getestet werden. Die ersten Ergebnisse einer Studie, die das RKI im einstigen Corona-Hotspot Kupferzell in Baden-Württemberg durchgeführt hat, stelle ich Ihnen in diesem Newsletter vor.

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Kupferzell: Fast vier Mal mehr Infektionen als zuvor bekannt

Das hat die RKI-Studie getestet

Das Robert Koch-Institut (RKI) will durch mehrere, unterschiedlich angelegte Studien herausfinden, wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich schon mit dem Coronavirus infiziert wurden. Denn: Die gemeldeten Zahlen beinhalten nur Infektionen von Menschen, die sich eben auch haben testen lassen. 

Doch manche Coronavirus-Erkrankungen verlaufen völlig ohne Symptome. Manche Menschen können also infiziert (und damit ansteckend) gewesen sein, ohne es zu merken. Die Studien des RKI wollen diese Dunkelziffer aufdecken und außerdem herausfinden, bei wie vielen Erkrankten eine Corona-Infektion asymptomatisch verläuft. So will das RKI den Verlauf und die Schwere der Pandemie noch besser einschätzen können.

Dazu hat sich das RKI unter anderem vier besonders stark vom Virus betroffene Regionen genauer angesehen. In den vier Orten haben die Wissenschaftler jeweils etwa 2.000 Teilnehmer auf eine aktive Corona-Infektion bzw. auf Antikörper gegen das Virus getestet. Zu einem dieser vier untersuchten Orte, Kupferzell in Baden-Württemberg, hat das RKI heute erste Studienergebnisse vorgestellt

Das sind die wichtigsten Studienergebnisse

  • Dunkelziffer: 3,9 Mal mehr Personen in Kupferzell hatten sich tatsächlich mit dem Virus angesteckt, als bisher bekannt war. Diese Dunkelziffer ist laut Projektleiterin Claudia Santos-Hövener aber nicht auf andere Orte übertragbar, sondern spezifisch für Kupferzell.
  • Asymptomatische Fälle: Etwa 17 Prozent der Personen mit Antikörpern gegen das Coronavirus hatten gar keine Symptome gehabt. 
  • Antikörper: 28 Prozent der Personen, die an COVID-19 erkrankt waren, hatten keine Antikörper im Blut. Das bedeutet laut RKI aber nicht zwangsläufig, dass sie nicht trotzdem immun sind.
  • Anteil der Infizierten: 7,7 Prozent der Kupferzeller verfügten über Antikörper und hatten demnach die Coronavirus-Infektion durchgemacht. Im Bundesvergleich ist das laut RKI-Vizepräsident Lars Schaade ein ziemlich hoher Wert. Er reiche aber nicht aus, um eine mögliche zweite Welle zu verhindern.
  • Keine akuten Corona-Infektionen: Zum Untersuchungszeitpunkt scheint das Infektionsgeschehen in Kupferzell schon zum Erliegen gekommen zu sein.


In Kupferzell hatten vom 20. Mai bis zum 9. Juni ca. 2.200 Einwohner freiwillig an der Studie teilgenommen. Der Ort hat etwa 6.000 Einwohner und war nach einem Kirchenkonzert im März ein früher Corona-Hotspot.

So geht es jetzt weiter

Bereits Ende August will das RKI erste Ergebnisse einer genauso angelegten Studie für den Ort Bad Feilnbach in Bayern vorlegen. Auch dieser Ort war stark vom Coronavirus betroffen. Eine weitere Studie läuft zudem zur Stadt Straubing, ebenfalls in Bayern.

Außerdem testet das RKI noch bis Ende September Proben von Blutspendern in mehreren deutschen Städten auf Antikörper. Ein Kooperationspartner ist die Uni Magdeburg. Eine Zwischenauswertung Ende Juni zeigte, dass nur 1,3 Prozent der Getesteten das Virus schon hatten.

Außerdem plant das RKI derzeit eine weitere, groß angelegte Studie zu Antikörpern gegen das Coronavirus. Bundesweit soll dafür eine repräsentative Stichprobe getestet werden. Die Studie soll dazu beitragen, die Virus-Verbreitung, Immunität und den Anteil asymptomatischer Infektionen besser abschätzen zu können. Sie soll zudem Rückschlüsse auf die tatsächliche Sterberate und Risikofaktoren für schwere Verläufe liefern.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Heute sind deutschlandweit fast exakt so viele Fälle wie gestern gemeldet worden: 1.449, um genau zu sein. Und – wenig überraschend, weil es schon die ganze Woche so war – Nordrhein-Westfalen verzeichnet mit 538 gemeldeten Fällen die meisten Neuinfektionen. Es folgt Bayern mit 209 registrierten Neuinfektionen, Hessen mit 179, Niedersachsen mit 142, Baden-Württemberg mit 108 neu gemeldeten Fällen.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 184 ↗ (+17 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 226 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 5.310 (+0)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 5.720 (+17)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 118 ↗ (+3 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 190 (+0)
  • Zahl der genesenen Patienten: 3.192 (+12)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 3.500 (+11)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 105 ↗ (+10 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 64 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 1.948 (+5)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 2.117 (+15)

Mein Kollege Manuel Mohr hat für Sie außerdem einen genaueren Blick auf die Entwicklung der gemeldeten Neuinfektionen geworfen. 

Was ich besonders interessant finde: Nur noch wenige Landkreise haben in den vergangenen sieben Tagen keine neuen Infektionen gemeldet. Daran zeigt sich, dass sich die Coronafälle nicht mehr auf einzelne Hotspots wie im Fall Tönnies zurückführen lassen, sondern dass das Infektionsgeschehen bundesweit wieder zunimmt. Welchen Anteil Reiserückkehrer an den Neuinfektionen in Sachsen-Anhalt haben, klärt das Daten-Update ebenfalls.

Auch in unserem Wochenrückblick, dem Podcast "Was bleibt", spricht Manuel mit meinen Kollegen Julien Bremer über die steigenden täglichen Neuinfektionen. Im Podcast erklärt Manuel, warum es wichtig ist, einzelne Werte immer in einem Kontext zu interpretieren. Und er geht nochmal auf die Reproduktionszahl R ein – und erklärt, wie es sein kann, dass die Corona-Fälle nun wieder steigen, obwohl R doch noch immer unter 1 ist.

Corona-Test am Auto und eine Oberfläche mit Staub 40 min
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Die Corona-Infektionszahlen steigen in ganz Deutschland. Ob und wie sehr uns das sorgen muss, beleuchtet diese Folge. Außerdem gehts um einen merkwürdigen Staub in Staßfurt, der die Anwohner beunruhigt.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Fr 14.08.2020 13:28Uhr 39:55 min

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Schulhorte in Grimma und Dessau nach Corona-Fällen geschlossen

In einem Hort einer Grundschule in Grimma ist ein Kind positiv auf Corona getestet worden. Der Hort bleibt nun bis zum 23. August geschlossen. Alle Kontaktpersonen des Kindes werden heute getestet. Am Samstag sollen die Testergebnisse vorliegen. Auch in Dessau musste ein Schulhort nach der Infektion eines Kindes vorerst schließen. Die Kontaktpersonen werden nun getestet.

Corona-Krise verschärft Probleme des Bildungssystems

Heute ist der Bildungsmonitor 2020 vorgestellt worden, eine Studie, die Bildung in den einzelnen Bundesländern miteinander vergleicht. Ein zentrales Ergebnis: Das deutsche Bildungssystem weist laut Monitor bei der digitalen Ausstattung massive Defizite auf, wie die Corona-Zeit gezeigt hat. Besonders bildungsferne Familien seien davon betroffen. Sachsen belegt im Bundeslandvergleich übrigens (erneut) Platz 1. Thüringen liegt auf Platz 3. Sachsen-Anhalt ist leider auf den letzten Platz abgerutscht.

Fast ganz Spanien zum Risikogebiet erklärt

Das spanische Festland und die Inselgruppe der Balearen sind von deutscher Seite als Corona-Risikogebiet eingestuft worden. Das bestätigte laut Nachrichtenagentur AFP das Bundesgesundheitsministerium. Ausgenommen bleiben demnach nur die Kanarischen Inseln. In Spanien waren zuletzt die Infektionszahlen wieder deutlich gestiegen.

Was nächste Woche wichtig wird

Ein Fokus wird in der kommenden Woche sicherlich weiterhin auf der Entwicklung der Neuinfektionen liegen. Steigen die Zahlen weiter an, womöglich auch verstärkt in unseren drei Bundesländern? Das behalten wir für Sie im Blick.

Außerdem wichtig: Nächste Woche Montag lesen Sie den Newsletter von meinem Kollegen Fabian Frenzel, ab Mittwoch übernimmt Kalina Bunk. Damit verabschiede ich mich und wünsche Ihnen ein tolles Wochenende! Und falls Sie – wie einige meiner Redaktionskollegen – in der kommenden Woche in den Urlaub fahren, natürlich auch einen entspannten Urlaub. 

Maria Hendrischke

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Quelle: MDR/mh

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