Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 30. Oktober 2020 Das Ende einer Woche

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Heute im Corona-Newsletter: Eine blöde Woche geht zu Ende. Eine Woche mit blöden Zahlen und einem blöden Ausblick. Aber zumindest mit guten Gründen, die in den Daten stecken. Und: Mit einem Tipp für Brillenträger.

Coronatest wird eingepackt.
Bildrechte: imago images/PanoramiC

Guten Abend liebe Leserin,
Guten Abend lieber Leser,

eine richtig blöde Woche geht zu Ende. Und vermutlich stehen uns davon noch einige bevor. In die Zukunft schauen kann niemand. Denn alle Corona-Zahlen zeigen nur das Vergangene. Und wir? Wir leben dazwischen, im Jetzt

Deshalb versuche ich gerade, eine Gewissheit abzulegen: Dass unsere Erfahrungen der Vergangenheit uns einen 100 Prozent sicheren Weg für die Zukunft weisen können.

Das ist dieses Vorantasten, diese Nebelfahrt, die wir seit mehreren Monaten in vielen Bereichen erleben. Darüber kann man sich furchtbar ärgern oder man macht es so:

¯\_(ツ)_/¯

Schauen wir zum letzten Mal in dieser Woche also auf das, was passiert ist: die aktuellen Zahlen, warum es aus Daten-Sicht gute Gründe für die Einschränkungen gibt und ein praktischer Tipp für Brillenträger. 

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Ende September hatte Bundeskanzlerin Merkel davor gewarnt, dass bis Weihnachten 19.000 Neuinfektionen am Tag gemeldet werden könnten.

Heute meldet das Robert-Koch-Institut 18.681 neue Infektionen.

Die meisten Neuinfektionen gab es in Nordrhein-Westfalen (5.396), Bayern (3.076) und Baden-Württemberg (2.313). Die wenigsten neuen Infektionen gab es in Mecklenburg-Vorpommern (132). 

Und so viele positiv auf das Virus Getestete und die Kapazitäten der Intensivbetten gibt es heute in unseren drei mitteldeutschen Bundesländern:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 7.312 ↗ (+784 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 166 (+8), davon 54 beatmet (+5)
  • Intensivbetten: 1.277 belegt, 456 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 329 (+19)
  • Genesene Patienten: 9.760 (+280)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 17.401 (+1.083)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 1.959 ↗ (+151 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 29 (-3), davon 8 beatmet (+2)
  • Intensivbetten: 623 belegt, 316 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 206 (+2)
  • Genesene Patienten: 4.745 (+116)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 6.910 (+269)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 1.909 ↗ (+196 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 25 (+/-0), davon 12 beatmet (+/-0)
  • Intensivbetten: 730 belegt, 282 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 79 (+1)
  • Genesene Patienten: 3.094 (+56)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 5.082 (+253)

Was die Zahlen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Deutschland bewirken, das können Sie auf den Seiten der Kolleginnen und Kollegen aus Dresden, Magdeburg, Erfurt und Leipzig nachlesen.

Anfang der Woche hatte ich Ihnen geschrieben, dass ich glaube, dass eine Zahl wichtiger werden würde: die der freien Intensivbetten. (Die Zahl der Betten ist in den vergangenen Monaten um bis zu 50 Prozent erhöht worden, aber ob auch so viel Peronal dazu kam?)

Und zwischenzeitlich mag ich eine andere, länger werdende Zahl nicht mehr sehen wollen: die der Neuinfektionen. Aber sie ist enorm wichtig, habe ich gelernt. In einer Talkshow!

Logo der Sendung maybrit illner
Bildrechte: ZDF/Corporate Design

Bei Maybrit Illner im ZDF.

Warum die Zahl der Neuinfektionen immer noch wichtig ist

Dabei mag ich auch keine Talk-Sendung zu dem Thema mehr sehen. Aber ich habe mir heute Vormittag die ZDF-Sendung von Maybrit Illner von gestern Abend angeschaut. Und das war für mich aus mehreren Gründen erhellend.

Denn die Zahl der Neuinfektionen ist nach wie vor wichtig.

  • Denn sie ist der allererste Wert, den wir überhaupt haben, um die Pandemie zu messen.
  • Auf diesem Indikator beruhen alle weiteren Zahlen.
  • Dabei ist die Zahl der Neuinfektionen nur der Blick in den Rückspiegel. Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung sagt: "Es ist immer ein Blick sieben Tage in die Vergangenheit." (Das gilt ja auch für das Bruttoinlandsprodukt – das ist im dritten Quartal 2020 gewachsen, hat heute das Statistische Bundesamt geschrieben.) 

Und wenn die Neuinfektionen exponentiell (ein Wachstum in immer kürzerer Zeit) zunehmen, ist das eben ein erstes Signal, dass sich das Virus ausbreitet. 

Kontakte, Kontakte, Kontake

Die Kontakte sind die Hauptnahrungsquelle des Virus, hat jemand bei Maybrit Illner gesagt.

  • Sie gilt es nachzuverfolgen, um das Infektionsgeschehen eindämmen zu können.
  • Das geht nur, wenn die Gesundheitsämter das auch schaffen. Derzeit ginge das kaum. Auch weil viele Infizierte nicht angeben könnten oder wollten, wo sie waren.
  • Und das wiederum geht nur, wenn wir unsere Kontakte beschränken.
  • Geben wir die Kontaktnachverfolgung auf, haben wir keinen Überblick und Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen keine Daten. (Neuinfektionen sind der allererste Wert.)

Sätze, die mir im Gedächtnis geblieben sind:

  • Tobias Hans (Ministerpräsident Saarland, CDU): "Wir alle handeln nach bestem Wissen und Gewissen."
  • Virologin Brinkmann: "Wir könnten weltweit vier Wochen auf einen Baum klettern und das Virus wäre weg. Aber das funktioniert nicht." Und: "Es gibt nur blöde Wege. Wir müssen den Weg finden, der am wenigsten wehtut, irgendwo müssen wir anfangen."
  • Andreas Gassen (Kassenärztliche Bundesvereinigung): "Für Risikogruppen, die nicht im Heim sind, gibt es keinen Schutz."
  • Robert Habeck (Grüne) "Wir müssen nicht nur verhindern, dass Intensivstationen überlaufen, sondern auch, dass es zu viele Infektionen gibt. Denn wenn Leute krank sind und Zuhause bleiben, ist das auch nicht gut für die Wirtschaft." Und: "Weihnachten ist nicht das Ende der Zeit – wir sollten nicht auf ein bestimmtes Datum starren."

Irgendwie bin ich weiter beim ZDF hängen geblieben. Und ich empfehle Ihnen diese 35 Minuten hier wirklich: ein Interview mit der Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx.

Alena Buyx
Alena Buyx Bildrechte: imago images/Reiner Zensen

Die für mich wichtigste Passage in Gespräch mit Alena Buyx gilt der Corona-Warn-App: "Wir schränken so viele Grundrechte ein und den Datenschutz gar nicht? Aus ethischer Perspektive gibt es gute Argumente, mit absolutem Datenschutz zurückhaltender zu sein."

Ich finde, Sie hat Recht. (Das hätte ich vor einigen Wochen wohl kaum geschrieben, nur müssen wir alle dazulernen.) Was meinen Sie? corona-newsletter@mdr.de

Warum die Daten die Einschränkungen stützen

Auch wenn ich (und vielleicht der ein oder andere von Ihnen) manche Zahlen nicht immer sehen mag: Sie sind die Fakten für viele Entscheidungen. Und mit Zahlen kennt sich mein Kollege, MDR-Datenjournalist Manuel Mohr, super aus. Für sein wöchentliches Daten-Update hat er heute die Zahlen abgeklopft und fünf Gründe gefunden, warum die Einschränkungen mit einer ausschließlichen Daten-Sicht nachvollziehbar sind.

Das sind drei der Gründe:

  • Mehr Neuinfektionen in immer kürzerer Zeit: vor vier Wochen 2.500, vor zwei Wochen 7.300, heute fast 19.000.
  • Alle Regionen sind betroffen: Es gibt keinen Landkreis und keine einzige kreisfreie Stadt ohne neue Fälle.
  • Die Corona-Intensivpatienten: Ihre Zahl steigt rasant, sie hat sich in den vergangenen zehn Tagen mehr als verdoppelt (von 879 auf 1.839).

Die anderen zwei Gründe finden Sie im Artikel. Und wie gesagt: Das ist der Blick durch die eiskalte Datenbrille, ohne die Bewertung der Einschränkungen und ihren Auswirkungen.

Kollege Julien Bremer bespricht die Beschränkungen und die politische Dimension. Und: Wenn Sie MDR-Datenjournalist Manuel Mohr nicht nur lesen, sondern auch hören wollen, geht das heute.

Mehr Kinder als angenommen hatten in einer Studie Antikörper. Von 12.000 getesteten bayerischen Kindern hatten 0,87 Prozent Antikörper gegen Corona. Die Behörden hatten aber nur bei 0,17 Prozent der Kinder eine Infektion registriert. Und: Können weitere Winter Corona-Zeit werden?

Ja, auch damit beschäftigen sich unsere MDR WISSEN Kollegen. Herausgekommen ist ein spannender Artikel, warum es Sex gibt. Ich verspreche Ihnen: Sie werden keine roten Ohren bekommen. Es hat nämlich nichts mit Liebe, Lust und Leidenschaft zu tun.

Auch das ist so eine neue Herausforderung: Als ich meinen Sohn heute Morgen zur Schule gebracht habe, stand ich im Nebel, weil meine Brillengläser beschlugen.

Das können wir gegen beschlagene Brillen tun

Dagegen lässt sich etwas machen, habe ich bei den Kolleginnen und Kollegen von MDR AKTUELL gelernt:

  • Die Maske so weit es geht unter die Brille ziehen.
  • Die Maske möglichst nah an die Nasenform anpassen. Das geht vor allem bei den OP-Einweg-Masken mit Draht.
  • Den oberen Rand der Maske nach innen klappen.
  • Beim Ausatmen durch den Mund nach unten atmen.
  • Ein Anti-Beschlagen-Spray benutzen.

Blöderweise habe ich den Artikel erst gelesen, als ich wieder Zuhause war. Ich kann Ihnen also nicht sagen, ob es wirklich klappt. Probieren Sie es doch aus und schreiben es meinen Kollegen Martin Paul. Der übernimmt hier nämlich am Montag und kann es nicht ausprobieren. Er trägt nämlich keine Brille. (Dafür manchmal einen merkwürdigen Bart.)

Und zum Wochenende nun auch das noch: Morgen eröffnet der neue Berliner Flughafen, es ist Halloween und am Dienstag findet die Wahl des US-Präsidenten statt. 

¯\_(ツ)_/¯

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und einen guten Start in die vier Wochen mit den Einschränkungen.

Alles Gute!
Marcel Roth

P.S. Weil Ablenkung gut ist: Suchen Sie sich doch ein neues Hobby. Ich knobel gerade mit einem Raspberry Pi 4 herum, einem voll funktionsfähigen Mini-Computer für 110 Euro, den ich an einen alten Laptop-Bildschirm anschließen will. Darauf gekommen bin ich, als wir in unserem Podcast "Digital leben" über Open Source und Makerspaces gesprochen haben.

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Quelle: MDR/mr

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