Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 7. August 2020 So viele Neuinfektionen wie zuletzt Anfang Mai

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Seit langer Zeit sind in Deutschland zum zweiten Mal hintereinander mehr als 1.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Im Corona-Daten-Newsletter erfahren Sie außerdem, wie die viel zitierte Sieben-Tage-Inzidenz eigentlich berechnet wird.

30.07.2020, Bayern, Bergen: Mitarbeiter vom Bayerischen roten Kreuz nehmen an einem Corona-Testzentrum an der Autobahn 8 (A8) an der Rastanlage Hochfelln-Nord einen Abstrich.
In Deutschland wurden innerhalb eines Tages 1.147 neue Coronavirus-Infektionen gemeldet – so viele wie zuletzt Anfang Mai. Bildrechte: dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist Freitag, es ist Sommer, es ist heiß – und die Coronavirus-Pandemie ist immer noch da. Deshalb bekommen Sie auch heute Abend unseren Newsletter mit den wichtigsten Informationen des Tages rund um das Virus und seine Folgen. Ich freue mich, dass Sie sich ein paar Minuten Zeit nehmen (und das hoffentlich in einer angenehm heruntergekühlten Wohnung) und wünsche viel Spaß beim Lesen.

Bevor wir loslegen, möchte ich Ihnen hier kurz einen Überblick über unsere heutigen Themen geben: Unser Schwerpunkt wird die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz sein – jene Zahl, die darüber entscheidet, ob regional neue Einschränkungen drohen. Darauf schauen wir gleich etwas ausführlicher. Außerdem erzähle ich Ihnen, warum es nach Einschätzung eines Virologen gefährlich ist, ständig von einer "zweiten Welle" zu sprechen. Los geht es aber wie immer mit den aktuellen Infektionszahlen.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Bei den aktuellen Zahlen schauen wir – wie schon in den vergangenen Tagen – auf das Bundesland, in dem die Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut (RKI) die meisten Neuinfektionen gemeldet haben. Das war, wie schon gestern, Nordrhein-Westfalen (↗ +444). Vergleichsweise viele Neuinfektionen gab es auch in Hessen (↗ + 158) und Bayern (↗ +128). Insgesamt berichtet das RKI den zweiten Tag hintereinander von mehr als 1.000 registrierten Neuinfektionen in Deutschland. Nach Angaben von heute Morgen haben die Gesundheitsämter dem RKI innerhalb eines Tages 1.147 neue Fälle gemeldet. Das ist der höchste Wert in Deutschland seit Anfang Mai.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es glücklicherweise nicht ganz so viele bekannte neue Infektionen. Allerdings steigen die Zahlen auch in unseren drei Bundesländern weiter an.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 119 ↗ (+4 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 226 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 5.285 (+5)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 5.630 (+9)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 82 ↗ (+1 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 64 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 1.913 (+8)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 2.059 (+9)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 76 (+0 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 190 (+1)
  • Zahl der genesenen Patienten (Schätzung): 3.161 (+10)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 3.427 (+11)

Jetzt wissen Sie erst einmal über die Zahlen Bescheid. Zeit, dass wir auf unseren heutigen thematischen Schwerpunkt schauen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz und wie man sie berechnet

Wir denken uns kurz zurück in den Mai: Damals, am 6. Mai, vereinbarten Bundesregierung und Bundesländer, das weitere Vorgehen in der Pandemie ganz wesentlich von einer mathematischen Formel abhängig zu machen – der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz. Die ist vielen von uns inzwischen sicher geläufig. Denn seit Anfang Mai war viel über die 50 Infektionen pro sieben Tage je 100.000 Einwohner zu lesen.

Als Mensch, der nicht ganz so gut mit Zahlen kann, habe ich diese Formel bislang kaum hinterfragt – geschweige denn mir Gedanken darüber gemacht, was genau da eigentlich gerechnet wird, um zu jener Zahl zu kommen. Falls es Ihnen ähnlich geht: Wir ändern das heute. Schließlich ist vor allem diese Zahl maßgeblich dafür, ob es in bestimmten Regionen wieder strengere Regeln und Beschränkungen gibt, um das Virus einzudämmen.

Welche Zahlen es braucht, um die Sieben-Tage-Inzidenz zu berechnen

Also von vorn: Um die Sieben-Tage-Inzidenz zu berechnen, braucht es erst einmal kaum mehr als die aktuellen Infektionszahlen und die Einwohnerzahl eines Bundeslandes oder eines Landkreises. Ich möchte das an dieser Stelle gern am Beispiel von Nordrhein-Westfalen erklären – aus dem einfachen Grund, dass in keinem anderen Bundesland in den vergangenen sieben Tagen so viele Neuinfektionen gemeldet wurden wie in NRW – 2.148 an der Zahl.

Und nun?

Die Zahl der Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage wird nun durch die Einwohnerzahl von Nordrhein-Westfalen geteilt – in diesem Fall sind das knapp 18 Millionen. Die Zahl habe ich an dieser Stelle der Einfachheit halber gerundet.

Wie geht es weiter?

Wer 2.148 durch 18 Millionen teilt, kommt auf eine niedrige Zahl mit sehr vielen Nachkommastellen. Sie entspricht dem Anteil der Neuinfizierten an der Gesamtbevölkerung. Um diesen Anteil auf 100.000 Einwohner umzurechnen, wird diese kleine Zahl jetzt mit 100.000 multipliziert (die Umrechnung auf Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner hat übrigens den Sinn, die Zahlen bundesweit vergleichbar zu machen). Ergebnis für unser NRW-Beispiel: knapp 12. Laut RKI hat NRW eine Inzidenz von 12,0. Die leichte Abweichung in diesem Beispiel liegt an der gerundeten Zahl der Einwohner. So oder so hat NRW aktuell die bundesweit höchste Sieben-Tage-Inzidenz – ist allerdings noch weit entfernt von der magischen 50. Im bundesweiten Schnitt liegt die Inzidenz aktuell bei 6,1.

Wir halten fest: Die Sieben-Tage-Inzidenz ist so einfach zu berechnen, dass selbst mathematisch weniger begabte Menschen wie ich das mit Hilfe eines Taschenrechners problemlos hinbekommen. Vielleicht geht es Ihnen wie mir und Sie haben nun einen kleinen Aha-Moment. Falls Sie diesen Moment vertiefen möchten: Die Kolleginnen und Kollegen der Süddeutschen Zeitung haben am Beispiel von München gut erklärt, wie die Sieben-Tage-Inzidenz dort berechnet wird.

Frische Zahlen und viele einordnende Grafiken hat auch in dieser Woche mein Kollege Manuel Mohr zusammengestellt. Die neueste Ausgabe des Corona-Daten-Updates gibt es hier für Sie.

Was heute außerdem los war

Nach diesem Exkurs in die Welt der Statistik will ich Ihnen jetzt erzählen, was in Deutschland und der Welt heute außerdem wichtig war. Hier kommt der Überblick:

  • Das ging schnell: In Mecklenburg-Vorpommern – jenem Bundesland, in dem die Schülerinnen und Schüler diese Woche als erstes wieder in den Unterricht nach den Sommerferien gestartet waren – sind zwei Schulen wegen Coronavirus-Infektionen schon wieder zu. Ein Gymnasium in Ludwigslust und eine Grundschule bei Rostock wurden geschlossen, weil sich eine Lehrerin bzw. ein Schüler infiziert haben. Insgesamt sind etwa 1.000 Schülerinnen und Schüler betroffen, ein Teil von ihnen muss in Quarantäne.


  • In keinem Land auf der Welt gibt es so viele bekannte Coronavirus-Infektionen wie in den USA. Nach letzten Zahlen gab es dort bisher rund 160.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Nun zeigt eine Berechnung von Forschern des Instituts IHME in Seattle: Die Zahl könnte drastisch steigen. Bis Dezember könnten demnach insgesamt fast 300.000 Frauen und Männer nach einer Infektion mit dem Virus gestorben sein. Deutlich geringer (228.000 Tote) fiele die Zahl der Simulation zufolge aus, wenn 95 Prozent der US-Amerikaner in der Öffentlichkeit stets Masken trügen.


Leeres Stadion 44 min
Bildrechte: MDR/Julian Mengler

Und hier kommt noch der Überblick über die wichtigsten Corona-Meldungen aus unserer Region.

Sachsen

Haupteingang des neuen Frauen-Mutter-Kind-Zentrums des Städtischen Klinikums in Görlitz
Bildrechte: Katja Pietsch,Klinikum Görlitz

Hörtipp: Warum das Gerede von einer "zweiten Welle" gefährlich ist

Bevor ich Sie gleich ins Wochenende schicke, habe ich einen weiteren Hörtipp für Sie. Es gibt ja allerlei großartige Podcast-Formate – in denen es aktuell, na klar, häufig um Corona und die Folgen geht. In der neuen Episode des ZEIT-Politik-Podcasts erklärt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, warum es gefährlich ist, dass viele von uns (übrigens ja auch in den Medien) ständig von einer "zweiten Welle" reden oder schreiben. Warum? Das habe ich mich auch gefragt und mal für Sie in den Podcast reingehört.

Schmidt-Chanasit sagt: Der Begriff verunsichert viele Menschen und hilft eigentlich nicht weiter. Wichtiger sei, die Situation klar zu beschreiben und zu überlegen, welche Schlussfolgerungen wir alle ziehen müssen. Für uns Bürgerinnen und Bürger, sagt Schmidt-Chanasit, ändert sich eigentlich nichts: Wichtig sei vor allem, die sogenannte AHA-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) einzuhalten.

Jetzt wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende und dass Sie ausreichend Gelegenheit finden, sich in den kommenden Tagen zu erfrischen und abzukühlen. Unseren Newsletter schicken wir Ihnen wieder am Montag – geschrieben dann von meiner Kollegin Maria Hendrischke.

Machen Sie es gut – und bleiben Sie gesund!
Ihr Luca Deutschländer

Ihr Feedback an uns Sie haben eine Frage, wollen uns loben oder Feedback geben? Schreiben Sie uns an corona-newsletter@mdr.de

PS. Vielleicht planen Sie, sich wegen der Hitze der kommenden Tage eine Abkühlung im Freibad oder im Badesee zu gönnen. Sie ahnen ja schon, dass Sie mit dieser Idee nicht alleine sein werden. Die Freibäder in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rechnen in den kommenden Tagen jedenfalls mit einem Ansturm – nicht einfach in Corona-Zeiten. Meine Kollegen aus den Redaktionen in Dresden, Erfurt und Magdeburg haben aufgeschrieben, wie die Bäder sich auf viele Gäste vorbereiten.

PPS. Ab morgen gilt in Deutschland eine Testpflicht für Menschen, die aus Risikogebieten zurück nach Deutschland kommen – nicht nur an Flughäfen. In unserem Newsletter von gestern können Sie die Details noch einmal in Ruhe nachlesen. Dazu noch eine frische Zahl von heute: An den Flughäfen Dresden und Leipzig/Halle haben sich in dieser Woche 2.800 Urlaubsrückkehrer testen lassen – elf Tests waren positiv.

Sie wollen wissen, worum es in den vorherigen Newslettern ging? Kein Problem. Öffnen Sie einfach aus der nachfolgenden Übersicht den gewünschten Newsletter.

Quelle: MDR/ld

3 Kommentare

Denkschnecke vor 7 Wochen

Die Anleitung zur Berechnung der 7-Tage-Inzidenz ist ja übrigens lieb gemeint, aber wenn das kompliziert sein soll, mache ich mir doch Sorgen um die Rechenfähigkeiten der Bevölkerung. In einem Satz: Anzahl der gemeldeten Infektionen der letzten 7 Tage geteilt durch die Einwohnerzahl des Landkreises mal 100000. Das sollte doch niemanden, der bis zur 9. Klasse die Vier in Mathe gehalten hat, überfordern?

Denkschnecke vor 7 Wochen

Dafür, dass sich Menschen durch "ausreichende gesunde Lebensweise oder genetische Vorteile" nicht anstecken könnten, kenne ich jedenfalls keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg. Sie etwa? Soziale Unterschiede scheint es im Moment zu geben. Mir scheint, dass da eher die Arbeits- und Wohnsituation eine Rolle spielt. Vor Monaten haben sich besonders die Ski-Urlauber infiziert, und demnächst sind es vielleicht die Sommerurlauber.

part vor 7 Wochen

Die Welt hat sich gespalten bei dieser Infektion in gewisse Gruppen oder auch Genträger sowie Anghörige von soziologischen Unterschieden. Infizierte können keine Synthome entwickeln, weil sie durch ausreichende gesunde Lebensweise oder genetische Vorteile geschützt sind. Andere Gruppen, die prekär ihren Lebensunterhalt unter Bedingungen bestreiten müssen, die dem gängigen Ausbeutungssystem entsprechen können den Virus keine Resilenz entgegen setzen.

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