Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 16. Oktober 2020 Trotz steigender Neuinfektionen: Lockdown ist vermeidbar

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen hat am Donnerstag einen Rekordwert erreicht. Die Reproduktionszahl R ist als eine wichtige Corona-Kennzahl bekannt. Doch wissen Sie, was der Dispersionsfaktor k ist – und was er mit sogenannten Superspreadern zu tun hat? Das erklärt dieser Newsletter.

Collage mit einer Tafel, auf der steht "Liebe Gäste, aus bekanntem Anlass haben wir bis auf Weiteres geschlossen"
Obwohl die Zahl der Neuinfektionen steigt, ist ein Lockdown bei Einhaltung der Corona-Regeln vermeidbar. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Liebe Leserinnen und Leser,

auch zum Freitag ist die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag wieder gestiegen. Mit mehr als 7.000 Neuinfektionen ist ein neuer Rekordwert erreicht.

Gerichte haben in mehreren Bundesländern, darunter Baden-Württemberg und Niedersachsen, die Beherbergungsverbote für Reisende aus innerdeutschen Corona-Risikogebieten gekippt. In Sachsen hat die Landesregierung das Beherbergungsverbot ausgesetzt, Thüringen hatte von Anfang an auf das Verbot verzichtet. Sachsen-Anhalt dagegen will vorläufig am Beherbergungsverbot festhalten. 

In Berlin hat ein Gericht zudem die vor kurzem für die Gastronomie verhängte Sperrstunde außer Kraft gesetzt. Im Gegensatz dazu gilt in Hamburg ab Samstag eine Sperrstunde.

Insgesamt ein ganz schönes Hin und Her. Es ist schwer, den Überblick über die aktuell (regional) geltenden Verbote zu behalten. Vielleicht gaben deshalb in einer Umfrage für den ARD-DeutschlandTrend zwei Drittel der Befragten an, sich deutschlandweit einheitliche Regelungen zu wünschen – und keinen "Corona-Flickenteppich". Ein Leser hat uns dazu per Mail geschrieben: "Bei aller Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung, der hyperventilierende Chrakter der bisher beschlossenen Maßnahmen zeugt eher von Hilflosigkeit." 

Angesichts der steigenden Neuinfektionen sprechen Politiker und Virologen zudem immer öfter von einem zweiten Lockdown, den es zu verhindern gelte. Wie das zu schaffen ist – darum geht es in diesem Newsletter.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Blicken wir aber zunächst auf das Infektionsgeschehen. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete heute für ganz Deutschland 7.334 Coronavirus-Neuinfektionen. Der Rekordwert von gestern wurde damit nochmals überschritten. Der größte Anteil dieser Neuinfektionen ist in Nordrhein-Westfalen registriert worden (+2.154), gefolgt von Bayern (+1.146) und Baden-Württemberg (+967).

So hat sich das Infektionsgeschehen in unseren drei Bundesländern entwickelt:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 2.359 ↗ (+323 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 45 (+5), davon 25 beatmet (+2)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 260 (+3)
  • Zahl der genesenen Patienten: 7.200 (+80)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 9.819 (+406)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 539 ↗ (+35 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 14 (+1) davon 4 (+1) beatmet
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 198 (+2)
  • Zahl der genesenen Patienten: 4032 (+53)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 4769 (+90)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 442 ↗ (+57 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 11 (+0), davon 5 beatmet (-1)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 71 (+/-0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 2.624 (+20)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 3.137 (+77)

Mein Kollege Manuel Mohr hat sich für Sie die aktuellen Corona-Zahlen noch einmal genauer angesehen. In seiner Analyse vergleicht er unterschiedlich stark betroffene Regionen in Deutschland. Einen Fokus legt er zudem auf Sachsen-Anhalt. Das Bundesland hat im Deutschland-Vergleich noch recht wenige neue Fälle aufzuweisen. Doch auch hier gibt es regionale Unterschiede.

Steigende Neuinfektionen: Strengere Maßnahmen – aber kein Lockdown

In dieser Woche haben sich Bund und Länder auf Maßnahmen geeinigt, die in Kraft treten, sobald die regionalen Corona-Infektionen bestimmte Grenzwerte überschreiten. Zeigt die "Corona-Ampel" 35 Infektionen auf 100.000 Einwohner an, werden Kontaktbeschränkungen und strengere Masken-Regeln angewandt. Ab 50 Fällen auf 100.000 Einwohnern werden die Maßnahmen nochmals verschärft.

Doch was ist, wenn die Infektionszahlen trotz der strengeren Maßnahmen noch weiter steigen? 

Von der Bundesregierung heißt es dazu: "Kommt der Anstieg der Infektionszahlen nicht binnen zehn Tagen zum Stillstand, sind weitere gezielte Beschränkungen unvermeidlich." Welche Beschränkungen könnten das sein?

Um diese Frage ging es auch in der gestrigen Sendung der Talkshow "Maybrit Illner" im ZDF. Unter den Gästen war Thürigens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Er erzählte, dass es bereits vorgekommen sei, dass für eine ganze Stadt in Thüringen eine 14-tägige Quarantäne verhängt worden sei. Der ebenfalls eingeladene Leiter des Gesundheitsamts Frankfurt am Main, René Gottschalk, ergänzte, dass auch ein Alkoholverbot oder eine Ausgangssperre denkbar seien. Er bezweifle aber, ob das angemessen sei.

Ich möchte hier noch kurz einschieben, dass es in Deutschland bisher noch gar keinen richtigen Lockdown gab. "Lockdown" ließe sich mit "Ausgangssperre" übersetzen, erklärt tagesschau.de – und die habe es in Deutschland noch nicht gegeben. Die Maßnahmen im März und April wurden seinerzeit als "Shutdown" bezeichnet; als ein "Herunterfahren". Mittlerweile scheine sich der Sprachgebrauch jedoch verändert zu haben. Und eine eindeutige Definition für den Begriff "Lockdown" gibt es im Deutschen noch nicht.

Ein Lockdown kann verhindert werden – und zwar so

Einig waren sich die Gäste bei Maybrit Illner in einem: Ein Lockdown muss verhindert werden. Der RKI-Präsident Lothar Wieler hält das auch für möglich – wenn jeder Verantwortung übernehme. "Wir wissen definitiv mehr über das Virus und besitzen bessere Mittel dagegen, Krankenhäuser und die Ärzte sind besser vorbereitet, Pflegeheime sensibler", sagt er. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig plädierte bei Maybrit Illner dafür, wieder mehr Solidarität zu zeigen und sich an die Corona-Regeln zu halten. 

Und diese allgemeinen Regelungen seien nach wie vor das Wichtigste, betonte die Pandemie-Beauftragte der Bundesärztekammer, Susanne Johna. Sie sagte bei Maybrit Illner: "Wir können noch so tolle Regeln machen, wenn die Menschen sich nicht dran halten, hilft uns das wenig."

Zur Erinnerung, das sind die sogenannten AHA+L-Regeln zur Eindämmung des Coronavirus:

  • Abstand zu anderen Personen einhalten
  • Hygiene beachten (Händewaschen)
  • Alltagsmaske tragen


Beim Aufenthalt in geschlossenen Räumen außerdem wichtig:

  • Lüften

Zum Anhören: Überblick zur aktuellen Corona-Lage

Auch die neueste Folge unseres Wochenrückblick-Podcasts "Was bleibt" dreht sich um die aktuelle Corona-Lage in Deutschland. Darüber hinaus geht es um die vielen verschiedenen Kennzahlen im Zusammenhang mit dem Virus – Infektionszahl, Verdopplungszeit, R und k – und warum immer eine andere dieser Zahlen im Fokus in der öffentlichen Diskussion steht.

Was heute außerdem los war

Heute ist die Nationale Teststrategie des RKI in Kraft getreten. Diese beschreibt, welche Personengruppen Anspruch auf einen Test haben und welcher Testtyp – PCR- oder Antigentest – für sie empfohlen wird.

Hier finden Sie Corona-Meldungen aus unseren drei Bundesländern sowie aus Deutschland und der Welt:

Was morgen wichtig wird

In Sachsen gelten in der Stadt Chemnitz und im Landkreis Bautzen ab Samstag verschärfte Corona-Regeln. Denn in beiden Regionen wurde am Freitag die Schwelle von 35 Corona-Infektionen auf 100.000 Einwohner überschritten.

Und damit verabschiede ich mich von Ihnen und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Am Montag erhalten Sie den Newsletter von meiner Kollegin Julia Heundorf

Bleiben Sie gesund und bis bald

Maria Hendrischke

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Quelle: MDR/mp

3 Kommentare

Grosser Klaus vor 6 Tagen

Ja und? Wenn nur wenige erkranken und fast niemand stirbt, dann ist das eben so. Wenn so viele Tests gemacht werden, dann steigen eben die bekannt gewordenen Fälle. Das bedeutet nicht unbedingt eine Gefahr. Aber wenn das RKI keine vernünftigen Studien hat, dann bleibt es eben bei diesen sinnlosen Warnungen. So bleibt die Corona-Politik schädlich!

Grosser Klaus vor 6 Tagen

Es ist sehr zu begrüßen, dass unverhältnismäßige Maßnahmen von den Gerichten kassiert werden. Wenn wir schon keine Demokratie mehr sind, dann wenigstens ein Rechtsstaat.

Grosser Klaus vor 6 Tagen

Wie so viele nicht verstanden haben, dass nicht das Virus geleugnet wird, sondern die Maßnahmen und deren Sinnhaftigkeit hinterfragt werden. Da die Medien aber nach wie vor undifferenziert berichten, kann man von der Masse nicht wirklich erwarten, dass sie die Kritik begreifen. Die Masse lässt sich gerne lenken.

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