Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 27. November 2020 Das andere Coronavirus

Julia Heundorf
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Heute im Newsletter: Das Coronavirus, von dem wir täglich sprechen, heißt eigentlich SARS-CoV-2. Es gibt noch andere, darunter MERS-CoV. Christian Drosten bezeichnete es kürzlich als nächsten Pandemie-Kandidaten. Ein Blick auf die Geschichte dieses anderen Coronavirus, Symptome, Krankehitsverläufe und darauf, was es von SARS-CoV-2 unterscheidet.

Computerdarstellung Virus
Bildrechte: imago images / Science Photo Library

Liebe Leserinnen und Leser,

heute geht es unter anderem um das in der Überschrift angekündigte "andere" Coronavirus. Coronaviren gibt es ja mehrere, darunter eben SARS-CoV-2, das uns derzeit zu Schaffen macht. Und es gibt MERS-CoV. Vielleicht haben Sie davon schon gehört. 

Was das ist und warum ich das hier zum Thema mache, lesen Sie nach dem Blick auf das Infektionsgeschehen in Zahlen.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

In  Deutschland haben sich mittlerweile insgesamt mehr als eine Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Mit den 22.806 Neuinfektionen, die dem Robert Koch-Institut gestern gemeldet wurden, hat das Land die Millionengrenze bei den Gesamtinfektionen überschritten. Die meisten neuen Fälle gab es demnach in Nordrhein-Westfalen (+5.013), Bayern (+4.455) und Baden-Württemberg (+3.110). Aus Bremen lagen laut RKI keine neuen Daten vor.

In Sachsen gibt es derzeit den bundesweit höchsten Inzidenzwert: In den vergangenen sieben Tagen haben sich 201 Menschen pro 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus infiziert. Auf Landkreisebene gibt es weiterhin die höchste Inzidenz in Hildburghausen.

Der Blick auf die aktuellen Zahlen in unseren Ländern:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 18.862 ↗ (+982 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 348 (+6), davon 209 beatmet (+2)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 912 (+66)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 32.640  (+1.370) 
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 52.414  (+2.418)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 5.653 ↗ (+281 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 74 (+1), davon 34 beatmet (+/-0x)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 348 (+5)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 10.281 (+327)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 16.282 (+613)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 4.021 ↗ (+180 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 55 (+1), davon 27 beatmet (-3)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 160 (+6)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 7.545 (+747)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 11.726 (+433)

MERS – Nahöstliches Atemwegssyndrom

Gestern habe ich mit Ihnen einen internationalen Blick auf die Pandemie und den Umgang mit dem Virus gegeben. Ich habe dabei auch den MERS-Ausbruch von 2015 erwähnt. MERS ist ebenfalls ein Coronavirus.

Wir sprechen hier immer über SARS-CoV-2, wobei SARS für "severe acute respiratory syndrome coronavirus type 2" steht. Auf Deutsch: Schweres akutes Atemwegssyndrom Coronavirus Typ 2. 

Das R und das S in MERS stehen ebenfalls für respiratorisches Syndrom, das ME steht für "Middle East", den "Mittleren Osten". Dort hat diese Art von Coronavirus seinen Ursprung. Es ist also das Nahöstliche Atemwegssyndrom

In einem Interview mit der Wirtschaftszeitschrift Capital hat Christian Drosten angekündigt, in Zukunft mehr zu dem MERS-Virus zu forschen. Drosten bezeichnete das Virus zudem als nächsten Pandemie-Kandidaten.

Meine Kolleginnen und Kollegen von MDR WISSEN haben das Interview und die Aussage zum Anlass genommen, einen genaueren Blick auf MERS zu werfen. Sie haben dafür mit Till Koch vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung und Virologe Uwe Liebert, bis dieses Jahr Direktor des Instituts für Virologie der Universität Leipzig, gesprochen. Zudem habe ich für Sie den Steckbrief des MERS-CoV-Virus des RKI angeschaut.

MERS-Symptome
Die Symptome sind denen von Grippe und Corona ähnlich: Husten, Fieber, Luftnot, Schwindel und Schwäche.

Der Krankheitsverlauf
Bei MERS beträgt die Inkubationszeit 14 Tage. Zunächst ähnelt die Viruserkrankung einer Erkältung. Sie greift laut Koch bei einem "gar nicht so geringen Teil von Patientinnen" dann die Organe an. Es kommt zu Lungenentzündung, Lungenversagen und Nierenversagen. Laut RKI-Informationen verläuft die Krankheit bei gesunden Menschen symptomfrei.

MERS-CoV und SARS-CoV-2
Im Gegensatz zu SARS-CoV-2 ist laut Liebert die Letalität, also die Sterblichkeit, bei MERS deutlich erhöht. Sie betreffe ein gutes Drittel der Infizierten, etwa 35 Prozent. Das Virus sei aber auch weniger "erfolgreich" darin, sich zu verbreiten. Seit der Entdeckung 2012 hätten sich wenige Tausend Menschen infiziert. Mutationen könnten dazu führen, dass sich das Virus schneller verbreitet, aber Liebert sagte, er glaube nicht, dass "man sagen kann, dass das MERS-Coronavirus in wenigen Monaten die nächste Pandemie auslösen wird." Ein weiterer Unterschied: Für MERS stehen bereits Impfstoffkandidaten bereit.

In Deutschland sind bisher insgesamt drei Fälle von MERS bekannt geworden, je einer 2012, 2013 und 2015. Alle drei Patienten waren von der arabischen Halbinsel eingereist. Einer von ihnen überlebte, einer starb an der Infektion, einer starb an den Spätfolgen seiner Erkrankung.

Schnelltest für zuhause?

Das wollte meine Kollegin von ihrer Hausärztin wissen. Die Antwort: kein Problem. Bezahlen müsse man ihn aber selbst. Der Preis liegt laut Kassenärztlicher Vereinigung bei 50 Euro. Was meine Kollegin außerdem herausgefunden hat: Ärzte müssen die Tests nicht rausgeben. Und: In Apotheken sind Corona-Schnelltests wohl nicht erhältlich. Wer bei einem Schnelltest ein positives Ergebnis erhält, muss hinterher noch zum PCR-Test gehen.

Corona und intensivstationen – Zahlen, Daten, Grafiken

Zahlen, Grafiken und Enwicklungen rund um Corona und die aktuelle Lage auf den Intensivstationen finden Sie bei MDR WISSEN. Zusätzlich zu Zahlen über intensivmedizinisch behandelte Covid-19-Patientinnen und -Patienten finden Sie dort einen Überblick über die Entwicklung seit Beginn der Pandemie. Gezeigt wird beispielsweise die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Covid-19-Erkrankten und freien beziehungsweise belegbaren Intensivbetten oder die Auslastung der Intensivbetten in Prozent.

Was außerdem los war

Heute Mittag hat mein Kollege Fabian Frenzel im Radio bei MDR SACHSEN-ANHALT von seinem Besuch in einem Unverpacktladen in Magdeburg berichtet. Er hat sich dort angeguckt, wie Einkaufen auch ohne Plastik funktionieren kann. Seine Erkenntnisse können Sie auch hier nachlesen.

Das wöchentliche Corona-Daten-Update

Das wöchentliche Corona-Daten-Update präsentiert Ihnen diese Woche Martin Paul. Er wirft unter anderem einen genaueren Blick auf Hildburghausen und setzt die Corona-Zahlen für den Landkreis ins Verhältnis. Zudem hat er Anmerkungen über die Tragik jedes Todesfalls. 

 

Corona-Impfstrategie Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt hat das Gesundheitsministerium heute die Impfstrategie vorgestellt. Demnach stehen 130.000 Impfdosen zur Verfügung. Nach und nach soll laut Gesundheitsminsiterin in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt ein Impfzentrum entstehen.

Was morgen wichtig wird

Das Wochenende steht bevor. Viele Familien gönnen sich am Sonntag frische Brötchen vom Bäcker. Kleine Handwerksbäckereien werden immer seltener. MDR THÜRINGEN hat einige Bäckereien im Land besucht, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Eine Umfrage des MDR zum Thema hat außerdem ergeben: Fast die Hälfte der Thüringerinnen und Thüringer kauft die Brötchen noch in der Traditions-Bäckerei. In Sachsen-Anhalt sagen 30 Prozent der Menschen, das sie das tun, in Sachsen sogar 50 Prozent. 

Außerdem beim Bäcker erhältlich: Weihnachtsstollen passend zum ersten Advent an diesem Sonntag. Haben Sie jetzt auch Hunger?

Ich verabschiede mich für heute und für diese Woche. Am Montag lesen Sie hier Fabian Frenzel, der heute schon einmal in diesem Newsletter erwähnt wurde. 

Ein angenehmes Wochenende und viele freundliche Grüße
Julia Heundorf

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Quelle: MDR/jh

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