Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 21. Oktober 2020 Was wir über Langzeitfolgen wissen

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Heute im Corona-Newsletter: In Jena gibt es eine von wenigen Post-Covid-Ambulanzen, eine gezielte Anlaufstelle für Menschen, die als genesen gelten und weiter Beschwerden haben. Bisher gibt es keine belastbaren Daten über Folgeschäden einer Corona-Infektion. Aber es gibt dennoch Erkenntnisse.

Ein Arzt in Gummihandschuhen tastet den Bauch einer Patientin ab.
Eine Corona-Infektion kann die Niere nachhaltig beschädigen. Bildrechte: IMAGO

Liebe Leserinnen und Leser,

bisher ist nicht viel über Langzeitfolgen einer Coronavirus-Infektion bekannt. Einige Informationen aus Studien und von Patientenberichten gibt es allerdings und ich möchte Ihnen darüber heute einen Überblick geben. Langzeitfolgen betreffen nicht alle, die eine Infektion hinter sich haben. Aber es gibt sie.

Am Montag warnte der Virologe Christian Drosten erneut vor der Strategie der Herdenimmunität und auch andere Virologen halten diesen Ansatz zur Pandemie-Handhabung für gefährlich. Einerseits, weil bisher nicht bekannt ist, wie lange die Immunität nach einer Covid-19-Erkrankung anhält. Andererseits, weil das Risiko für viele Menschen, darunter alte, schwangere, Menschen mit Diabetes, Lungenerkrankungen und anderen, zu hoch wäre.

Mich schrecken auch Berichte über Langzeitfolgen, wie dem Erschöpfungssyndrom, von der Idee der Herdenimmunität ab. Mehr dazu im heutigen Newsletter.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden in Nordrhein-Westfalen seit gestern 2.189 neue Corona-Infektionen gemeldet, in Bayern 1.222. In Baden-Württemburg waren es 973 und 822 in Berlin.

So ist die Lage in unseren drei Bundesländern:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 3.436 ↗ (+333 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 85 (+32), davon 50 beatmet (+23)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 268 (+7)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 7.700 (+170)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 11.404 (+510)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 816 ↗ (+106 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 19 (+2), davon 4 beatmet (+/-0)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 202 (+1)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 4.173 (+42)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 5.191 (+149)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 687 ↗ (+83 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 10  (-7), davon 5 beatmet (-1)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 71 (+/-0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 2.738 (+23)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 3.496 (+106)

Die täglichen Situationsberichte des RKI enthalten derzeit regelmäßig folgenden Hinweis: "Aktuell ist ein beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert."

Mögliche Langzeitfolgen einer Corona-Infektion

"Langzeitfolgen, auch nach leichten Verläufen, sind derzeit noch nicht abschätzbar" – so lautet die bisherige Einschätzung des RKI. Und tatsächlich ist bisher wenig über Langzeitfolgen einer Erkrankung bekannt. Dennoch berichten Covid-19-Genesene von anhaltenden gesundheitlichen Problemen.

Eine Leserin etwa fragte uns vor einiger Zeit, an wen man sich wenden könne, bei "neurologischen Störungen, wie Kopfschmerzen nach einer Infektion im März". Falls Sie sich die gleiche Frage stellen: Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte der erste Weg immer zum Hausarzt führen. Und – Sie wissen das – derzeit ist eine telefonische Anmeldung der beste Weg.

Post-Covid-Ambulanz in Jena

Dass eine Coronainfektion Spätfolgen haben kann, zeigen diverse Patientenberichte. Und auch ein Jenaer Arzt sagt, viele Betroffene hätten nach der Erkrankung noch lange mit erheblichen Spätfolgen zu kämpfen. 

Der zuständige Professor, Andreas Stallmach, erklärte in einer Mitteilung des Klinikums, die Patientinnen und Patienten der Ambulanz würden über Lungen-, Herz- und Darmbeschwerden klagen und auch Schlafstörungen, Konzentrationsmangel, Vergesslichkeit, Depressionen und allgemeines Krankheitsgefühl würden als Symptome benannt.

Ärztliche Ansprechpartner in der Ambulanz seien Neurologen, Kardiologen, Pneumologen, Psychiater, Gastroenterologen und Arbeitsmediziner. Termine werden über Überweisungen vom Hausarzt vergeben. 

Das ARD-Morgenmagazin hat eine Patientin in die Jenaer Post-Covid-Ambulanz begleitet.

Fatigue: Permanent erschöpft

Die Protagonistin dieses Artikels bei ZEIT ONLINE, "Lotte Berg", kämpft beispielsweise mit anhaltender Erschöpfung, genannt Fatigue. Die Französischsprechenden unter Ihnen erkennen das Wort als "Müdigkeit".

Das Chronische Fatigue Syndrom beziehungsweise die Myalgische Enzephalomyelitis (ME/CFS) gab es bereits vor Corona. Es hat bereits früher Epidemien mit Coronaviren gegeben, nämlich 2003 Sars-CoV und 2015 Mers-CoV. Sie gehören zur gleichen Familie wie Sars-CoV-2. Zahlen aus diesen Epidemien deuten daraufhin, dass die Zahl der CFS-Erkrankungen auch mit dieser Coronavirus-Pandemie wieder steigen wird. 

Virus kann Organe angreifen

Das Virus kann das Gehirn angreifen und etwa Sehstörungen verursachen oder den als Symptom bekannten Geschmacksverlust. Auch Nieren würden häufig vom Coronavirus befallen. Es könne zum Niereninfarkt kommen. Laut Jan Galle, dem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, sind solche Schäden irreparabel.

Studie aus Italien

Bereits im Frühjahr haben italienische Forscherinnen und Forscher 143 Covid-19-Patientinnen und -Patienten über die Infektionszeit hinaus untersucht. Bei 87,4 Prozent aller Teilnehmenden blieb mindestens eins der Symptome auch nach Ende der akuten Infektion bestehen. Vor allem Fatigue und Dyspnoe, also Kurzatmigkeit.

Husten, Appetitlosigkeit, Muskelschmerz, Kopfschmerz und Geschmacksstörungen waren bei den in Italien untersuchten Patientinnen und Patienten hingegen häufig Symptome der akuten Covid-19-Erkrankung, die mit Ende der Infektion verschwanden.

Die gute Nachricht

Auch in Innsbruck haben Forscherinnen und Forscher mit Genesenen zusammengearbeitet, die Lungen- und Herzschäden als Folge einer Coronainfektion erlitten hatten. Zwölf Wochen nach der Infektion hatten sich sowohl Lunge als auch Herz bei der Hälfte der Patientinnen und Patienten erholt.

Fieberambulanz in der Garage

Rainer Lohmann führt in seiner Hausarztpraxis im Callenberger Ortsteil Falken, rund 15 Kilometer westlich von Chemnitz, Coronatests durch. Für wirkungsvollen Schutz setzt Lohmann auf Abstand und Trennung und hat sein Corona-Testzentrum in der Garage eingerichtet. Es gebe kaum Regelungen oder Richtlinien, wie Hausarztpraxen die Coronalage handhaben sollen. Jede Arztpraxis solle lediglich ein Hygienekonzept haben.

Die Korrektur von Coronazahlen

Dass Coronazahlen schon von Kreisen oder Städten korrigiert worden und warum, hat meine Kollegin Rebecca Nordin Mencke recherchiert. So habe etwa der Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge einen Corona-Hotspot aus der Inzidenz herausgerechnet, um den kritischen Wert zu unterschreiten. Der Landkreis beruft sich auf eine Passage der Sächsischen Corona-Schutzverordnung. Auch in Hamburg, Leipzig und München wurden Fallzahlen korrigiert. Die Gründe waren unterschiedlich.

Was heute außerdem los war

  • Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder gebilligt. In Zukunft soll die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen härter bestraft werden. Im nächsten Schritt debattiert der Bundestag den Entwurf. 
  • Außerdem vom Kabinett gebilligt: Ein Gesetzentwurf, der es Geheimdiensten einfacher machen soll, in Messengerdiensten mitzulesen. Die neuen Rechte sollen nur auf Anordnung gelten und Speichern soll nicht erlaubt sein. Der Bundestag muss noch zustimmen. 
  • Dresden: Nachdem ein 55-jähriger Mann in der Innenstadt mit einem Messer getötet wurde, ist ein Tatverdächtiger festgenommen worden. Der 20-jährige Mann ist erheblich vorbestraft und beendete erst Ende September eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdacht auf eine islamistisch motivierte Tat.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

Sie kennen den Disney-Film "Die Schöne und das Biest"? Ein Song aus dem Film heißt "Sei hier Gast". Bereits seit einigen Tagen kursiert im Internet ein Video: Ein Schauspieler und Sänger hat nun einen neuen Text gedichtet, allerdings auf Englisch. "Trag eine Maske, trag eine Maske, ist das echt zuviel verlangt?", singt der Kerzenhalter "Lumière" nun. Danke für den Hinweis an Leser Thomas S.!

Danke, dass Sie dabei geblieben sind. Ich habe heute viele Artikel, Studien und Videos verlinkt. Und ich muss Ihnen gestehen: Es lohnt sich, jeden einzelnen davon noch einmal anzusehen, insbesondere, falls Sie das Thema Langzeitfolgen besonders interessiert. 

Morgen schreibt für Sie hier Maria Hendrischke, am Freitag habe ich noch mal das Vergnügen. 

Bleiben Sie gesund. Viele freundliche Grüße
Julia Heundorf

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Quelle: MDR/jh

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