Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 13. Januar 2021 Von allem etwas weniger – und von manchem zu viel

Martin Paul im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Heute im Corona-Daten-Newsletter: Knapp zwei Wochen nach dem Jahreswechsel lässt sich an einigen Zahlen eine leichte Entspannung der Infektionslage ablesen – von einer Trendwende kann man aber noch nicht sprechen. Dafür sind die Coronazahlen noch viel zu hoch.

Aktuelle Corona-Infektionszahlen
Von insgesamt 310.000 gemeldeten Corona-Fällen sind wir inzwischen weit entfernt – mehr als 1.950.000 hat das RKI bisher bis registriert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Guten Abend, liebe Newsletterfreunde,

es gibt gute und es gibt leider weniger gute Nachrichten.

Die Zahl der Neuinfektionen, vor allem in unseren drei Bundesländern, ist immer noch auf hohem Niveau. Die Anzahl derjenigen, die an oder mit dem Coronavirus gestorben sind, leider auch. Und die Werte, wie sie sich über Weihnachten und Neujahr entwickelt haben, werden langsam aussagekräftiger.

Und dann steht natürlich die große Frage im Raum: Wie lang werden wir mit Vorsichtsmaßnahmen und Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen und Shutdowns leben müssen? Das bewegt ziemlich viele Ihnen – und uns auch hier in der Redaktion.

Aber: Seit etwa zwei Wochen sieht man einen Rückgang der Covid-19-Intensivpatienten in den Krankenhäusern. Und die Impfungen gehen weiter und laufen zumindest in Sachsen-Anhalt ziemlich gut – wenn man die Anzahl der verimpften Dosen als Maßstab nimmt.

Die Details und den Überblick zu diesen Themen möchte ich Ihnen heute hier im Newsletter geben.

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Aber schauen wir zuerst auf die aktuellen Zahlen.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Am Mittwoch, den 13. Januar 2021, hat das Robert Koch-Institut deutschlandweit 19.600 neu positiv Getestete gemeldet (Stand 8:30 Uhr). Die meisten Neuinfektionen gab es in Nordrhein-Westfalen (+3.657), Bayern (+2.778) und Baden-Württemberg (+2.226).

Und das sind die Werte aus unseren drei Bundesländern, laut der Sozialministerien und Landkreise (Stand: 13. Januar später Nachmittag).

Sachsen

  • Aktive Fälle: 26.890 ↘ (-686 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 505 (-9), davon 284 (-3) beatmet
  • Intensivbetten: 1.207  belegt, 290 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 4.653 (+281)
  • Genesene Patienten: 129.900 (+3.100)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 161.443 (+2.695)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 12.315 ↗ (+566 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 195 (-13), davon 104 (-12) beatmet
  • Intensivbetten: 640 belegt, 87 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 1.528 (+59)
  • Genesene Patienten: 40.353 (+615)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 54.196 (+1.240)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 8.598 ↗ (+156 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 191 (-4), davon 106 (-5) beatmet
  • Intensivbetten: 711 belegt, 124 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 1.032 (+63)
  • Genesene Patienten: 30.883 (+734)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 40.513 (+953)

Überblick über die Infektionsentwicklung

Worum es geht

  • Lange Zeit stand auf der Seite des Robert Koch-Instituts der Hinweis, dass die aktuellen Zahlen im Moment nur bedingt vergleichbar sind. Wir hatten ja immer wieder darauf hingewiesen. Der Grund war der Meldeverzug über die Feiertage und den Jahreswechsel hinweg. Jetzt gibt es diesen Hinweis nicht mehr, denn jetzt sind schon knapp 14 Tage des neuen Jahrs vergangen und man kann nun – zumindest wie ich das einschätze – doch einen Trend etwas besser ablesen.

  • Im Folgenden kurz, was mir dabei aufgefallen ist:

Positiv: 7-Tages-Inzidenz sinkt langsam

  • Die 7-Tages-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfizierten der vergangenen sieben Tage auf 100.000 Einwohner umgerechnet, sinkt langsam deutschlandweit. In Bayern lag die Zahl beispielsweise vor drei Wochen (am 23. Dezember 2020) bei 207,5 – jetzt liegt sie bei 147,7 (laut RKI).

  • Sachsen lag bei einer Inzidenz von 414,1 – jetzt liegt das Bundesland laut RKI bei 304,4.
  • In Sachsen-Anhalt und Thüringen steigt dieser Wert leider noch. Sachsen-Anhalt lag am 23. Dezember bei 190,7, jetzt bei 232,2. In Thüringen lag die Inzidenz bei 319,6, jetzt bei 324,2.

  • In seinem täglichen Situationsbericht schreibt das RKI: "Nach wie vor ist eine hohe Anzahl an Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Das RKI schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt als sehr hoch ein." Und von einer Inzidenz unter 50 sind wir noch weit entfernt.

  • Aber: Die Zahlen sinken langsam. Das macht mir Mut.

Positiv: Etwas weniger Covid-Intensivpatienten

  • Im Intensivregister der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) werden ja detailliert die Lagen auf den Intensivstationen der Krankenhäuser beschrieben: Wie viele freie Betten gibt es noch? Wie hoch ist der Anteil der Covid-Patientinnen und -patienten, die beatmet werden müssen?

  • Und wenn man sich dort zum Beispiel die Belegung der Intensivstationen mit Covid-Fällen im Zeitverlauf anschaut, sieht man, dass auch hier die Zahlen seit wie Wochen langsam sinken. Und im Gegensatz zu reinen gemeldeten Fallzahlen sind ja Intensivbehandlungen relativ robust gegenüber Meldeverzögerungen. (Denn in den Krankenhäusern wird rund um die Uhr gearbeitet. Und auch wer schwer krank ist, der sucht sich kein Wochentag dafür aus.)

  • An dieser Stelle: Danke an alle, die in den Krankenhäusern so ausdauernd für uns da sind. Das kann man gar nicht oft genug sagen.

  • Aber zurück zu den Zahlen: Deutschlandweit sinken die Zahlen der behandelten Intensivpatientinnen und -patienten seit dem 3. Januar – von 5.745 auf 5.164. Aber auch hier liegen wir noch weit über dem Höhepunkt vom Frühjahr 2019 (2.928 am 18. April).

  • In Sachsen ist die Zahl von der bisherigen Höchstmarke am 21. Dezember 2020 mit 595 Intensivfällen auf 505 gesunken.
  • In Sachsen-Anhalt war der Höchststand am 6. Januar 2021 mit 210 Fällen erreicht. Jetzt haben wir noch 190 Fälle.
  • Und in Thüringen ist die Zahl der Intensivpatienten von 220 am 3. Januar auf 195 gesunken.

Hohe Impfquote – zumindest in Sachsen-Anhalt

  • Die Impfungen nehmen in den Bundesländern Fahrt auf. Am Wochenende sind ja die ersten 21 Tage vorbei. Das heißt, die Menschen, die schon eine Impfung erhalten haben, müssen die zweite Impfung bekommen, damit der Schutz vollständig wird und die Impfserie nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission abgeschlossen ist.

  • Bisher sind die Impfungen in Sachsen-Anhalt ziemlich gut angelaufen. Bei der Impfquote (also den Impfungen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner) liegt das Land laut RKI immerhin noch deutschlandweit an dritter Stelle (Quote 12,4). 27.320 Impfungen wurden hier bisher verabreicht. Mehr Impfungen, auf die Bewohnerzahl gerechnet, haben nur Mecklenburg-Vorpommern (Quote 18,1) und Schleswig-Holstein (Quote 17,9).

  • An letzter Stelle der Liste ist Thüringen zu finden (Quote 6,1 – Anzahl an Impfungen 13.060) und auf dem viertletzten Platz Sachsen (Quote 7,2 – Anzahl an Impfungen 29.421).

Zu viele Tote

  • Egal wie man es dreht und wendet: Man kann nicht an Zahlen ablesen, wie viel Leid und Schmerz es verursacht, dass Menschen, die an dem Corona-Virus so schwer erkranken, dass sie auf der Intensivstation behandelt werden müssen oder sogar sterben. Und trotzdem werden auch hier Statistiken und Zahlenreihen geführt und auch benötigt.

  • Manchmal frage ich mich warum. Natürlich will man einen Überblick über die Entwicklungen haben, natürlich muss man einschätzen und damit auch messen können, wie schwerwiegend eine Infektion mit dem Corona-Virus sein kann. Auch als Diskussionsargument können sie genutzt werden – nach dem Motto: "Hier steht es. Bisher sind so und so viele gestorben und so und so viele schwer erkrankt". Gleichzeitig empfinde ich das aber auch als zynisch. Denn den Menschen, die betroffen sind, ist das keine Hilfe. Es sind Zahlen für diejenigen, die es nicht selbst erleben.

  • In der letzten Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes zur Übersterblichkeit sieht man, dass im Dezember deutschlandweit die Sterbefallzahlen deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre liegt. Und diese Zahlen scheinen mit den Zahlen der Corona-Toten übereinzustimmen.

  • Sachsen-Anhalt hat heute den traurigen Punkt von bisher insgesamt 1.000 Toten erreicht. Und die Kurve der Sterbefälle, die pro Tag dazu kommen, wird nicht flacher. Ähnliches sieht man auch in Sachsen und Thüringen.

  • Deutschlandweit sinken zwar die Zahlen seit der letzten Dezemberwoche. Aber das RKI schreibt: "Da Todesfälle im Schnitt erst 2-3 Wochen nach der Infektion auftreten, ist zu erwarten, dass für die MW 52/2020-01/2021 noch Todesfälle nachgemeldet werden."

  • Hier können wir also leider noch keine Trendwende ablesen. (Auch bei den anderen genannten Punkten ist es sicher verfrüht, von einer Trendwende zu sprechen – aber die Werte zeigen zumindest schon mal in eine Richtung.)

  • Wenn Sie sich tiefer mit der Übersterblichkeit beschäftigen wollen, der gerade genannte Artikel vom RBB ist wirklich einen Blick wert – auch wenn er vor allem die Lage in Brandenburg und Berlin im Blick hat.


In diesem Artikel beschäftigen sich die Kollegen von MDR SACHSEN mit der Übersterblichkeit im Freistaat:

Was heute außerdem los war

Die Diskussion um die Impfstrategie und wie lang der Shutdown noch andauern muss, ist im vollen Gange.

Hier ein paar aktuelle Beiträge dazu:

Zum Schluss

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. Eine Empfehlung habe ich aber noch für Sie. Mein Kollege Daniel George hat sich in dieser Woche mit einem oft unbeachteten Thema beschäftigt – den Folgen der Corona-Krise für die psychische Gesundheit. Heute hat er mit der Leiterin der Telefonseelsorge Magdeburg gesprochen. Und ihr Fazit ist: "Seit Beginn der Corona-Pandemie rufen die Menschen verstärkt bei uns an."

Morgen ist mein Kollege Marcel Roth wieder für Sie da.

Ihnen wünsche ich alles Gute.

Ihr Martin Paul

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Quelle: MDR/mr

1 Kommentar

Peter vor 5 Tagen

Danke, Herr Paul. Ein Beitrag voller Fakten. Leider gibt es immer wieder Zeitgenossen, welche Fakten immer wieder anzweifeln oder gar negieren.

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