Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 16. September 2020 Ansteckungswege: Fragen und Antworten

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Heute im Corona-Newsletter: Sind Eltern gefährdet, sich schwere Infektionen von ihren Kindern zu holen? Ist ein Schwimmbadbesuch ungefährlich? Wenn ich das Parfüm meiner Mitmenschen in der Nase habe, habe ich dann auch ihre Viren in der Nase? Fragen und Antworten aus einem "Kekulés Corona-Kompass" Spezial.

Atemschutzmasken (partikelfiltrierende Halbmaske) der Schutzklasse FFP2 (r, Filtering Face Piece) und FFP3.
Laut Alexander Kekulé können FFP3-Masken vor Coronaviren schützen, nicht aber vor Wurstgeruch. Bildrechte: dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie kennen sicherlich "Kekulés Corona-Kompass", den Podcast mit dem Virologen Prof. Alexander Kekulé aus Halle. Daraus habe ich einige wichtige Erkenntnisse zusammengetragen, basierend auf Alltagsfragen der Hörerinnen und Hörer. Ich habe die aktuelle Folge von Dienstag weiter unten für Sie verlinkt. Wir machen das aber hier heute wie bei Star Wars, denn ich präsentiere Ihnen die Folgen nicht in chronologischer Abfolge.

Zunächst möchte ich Ihnen einige Fragen und Antworten präsentieren, die in einer Spezial-Folge von "Kekulés Corona-Kompass" bereits am Sonnabend besprochen wurden. Schwerpunkt in diesem Newsletter sind Fragen, die sich mit dem Thema Ansteckung beschäftigen.

Aber: Wie (fast) immer schauen wir erst auf die aktuellen Infektionszahlen.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Daten

Das Robert-Koch-Institut hat zum heutigen Tag 1.901 Neuinfektionen in Deutschland gemeldet. Die meisten Neuinfektionen hat es demnach in Baden-Württemberg gegeben, nämlich 432. Nordrhein-Westfalen hat allerdings fast ebenso viele neue Fälle gemeldet: 430. In Bayern wurden 408 neue Infektionen gemeldet. So viele Corona-Infizierte gibt es inzwischen in unseren drei Bundesländern:

Sachsen

  • Aktive Fälle: ↗ 456 (+33 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 5.860 (+30)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 227 (+0)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 6.543 (+63)

Thüringen

  • Aktive Fälle: ↗ 205 (+10 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 3482 (+18)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 193 (+0)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 3880 (+28)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: ↗ 124 (+2 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 2.191 (+10)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 66 (+0)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 2.381 (+12)

Wenn ich dein Parfüm riechen kann, habe ich dann auch deine Viren in der Nase? Genau solche Alltagsfragen werden dem Virologen Kekulé immer wieder in den Spezial-Folgen von "Kekulés Corona-Kompass" vorgelegt. Interessant ist, inwieweit sich der Experte dann mit Erklärungen und Tipps aus der wissenschaftlichen Deckung traut.

Ein Großteil der Fragen bezog sich zuletzt auf Ansteckungswege. Deshalb möchte ich drei davon noch mal hier vorstellen.

Lena aus Dresden hatte sich bei Professor Kekulé erkundigt, ob Eltern infizierter Kinder oder Kita-Erzieher besonders schwer erkranken?  

Lena hatte von der Annahme gehört, dass eine Covid-19-Erkrankung schwerer ausfallen kann, je mehr Viren man anfangs ausgesetzt ist. 

Die Antwort von Prof. Kekulé: Einerseits ja – es sei gut vorstellbar (aber trotzdem derzeit Spekulation!), dass "Menschen, die eine große Menge Virus auf einmal inhalieren [...] schwerer erkranken."

Andererseits: Ein angestecktes Kind habe zunächst eine kleinere Menge Viren in sich, die sich dann vermehrt. Eltern würden wegen des engen Kontakts, bereits von dieser kleinen Menge Viren abbekommen – und, wegen der geringen Menge Virus auf der Nasenschleimhaut, direkt beginnen, Immunität aufzubauen, bevor das Virus in der Lunge landet. "Sodass, wenn das Virus später in größerer Menge in der Lunge ankommt, die Antikörper dort schon stehen und Hallo winken," so Kekulé.

Laut Professor Kekulé hat es bisher wenige schwere Infektionen bei Übertragungen im privaten Bereich gegeben.

Herr F. fragte nach der Ansteckungsgefahr in Hallenbädern. Es sei bekannt, dass im Wasser fast keine Ansteckungsgefahr bestehe. Herr F. fragte, wie es in Duschräumen, Umkleiden und den Hallen selbst aussehe, wo es warm und feucht ist.

Ein Schwimmbecken
Hohe Decken – viel Platz für viel Luft. Bildrechte: imago sportfotodienst

Bisher habe es noch keinen Ausbruch in einem Schwimmbad gegeben, sagte Prof. Kekulé. In einer Schwimmhalle mit hohen Decken sieht er keine überdurchschnittliche Gefahr. Es käme aber auf die Größe des Hallenbads an und darauf, wie viel Luftaustausch stattfindet.

Im Herbst wäre ein (ausreichend) regelmäßiger Luftaustausch in den beheizten Bädern viel zu teuer. Auch in Nebenräumen, wie Umkleiden oder der Sauna "ist man schon in einer Situation, wo man an so Super-Spreader-Ereignisse denken muss", so Kekulé. Hallenbäder müssten seiner Ansicht nach dringend analysiert werden.

Außerdem sagte Professor Kekulé: "Es ist übrigens auch eine Tatsache, dass wir keinen Ausbruch haben im Freien. Es gibt keinen Ausbruch im Freien, der dokumentiert wäre, wo man eine große Zahl von Infektionen hat, im Sinne eines Super-Spreader-Ereignisses." 

Herr M. fragte das Team von "Kekulés Corona-Kompass": Riecht man das Parfum eines Mitmenschen im Vorbeilaufen, kommen dann nicht auch alle anderen Partikel und gegebenenfalls Viren von diesen Menschen durch die eigene Maske?

Geruchsstoffe seien wesentlich feiner als Viren, sagte der Virologe dazu. Kekulé erklärte weiter: "Dass man etwas riecht, heißt eben noch lange nicht, dass Viren durchkämen." Selbst mit einer FFP3-Maske könne man in der Wurstabteilung die Wurst riechen. Es sei falsch zu denken, eine Maske sei nur sicher, wenn man nichts mehr rieche.

Virus-Visualisierung: So ist das Coronavirus aufgebaut

Einen buchstäblichen Einblick in den Aubau des Virus gibt das ZDF auf einer interaktiven Seite. Eine Ribonukleinsäure (RNA) mit Erbgutinformation im Kern, umhüllt von Lipiden und Proteinen – dazu die sogenannten Spike-Proteine, die in den bekannten Virus-Darstellungen wie kleine Stacheln dargestellt werden. Zudem finden Sie in der Visualisierung auch Bilder und Informationen, die zeigen, wie verschiedene Impfstoffe – Lebendimpfstoffe, Totimpfstoffe und RNA-Impfstoffe – das Virus jeweils angreifen.

Kekulés Corona-Kompass – die aktuelle Folge

Was heute außerdem los war

  • In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen besitzen immer mehr Menschen Waffen. Das hat eine Recherche vom MDR ergeben. Zudem besitzen immer mehr Menschen Kleine Waffenscheine. 

  • Die Mehrwertsteuersenkung, die im Juli von der Bundesregierung festgelegt worden war, hat bislang nur geringe Wirkung gezeigt, bilanzieren Handel und Wirtschaftsforscher. Die Kauflaune sollte gesteigert, die Wirtschaft angekurbelt werden. 

Bis morgen

Gestern habe ich gefragt, wer in die Disko gehen würde, sobald das wieder möglich sein wird. Anlass waren neue Lockerungen in Sachsen-Anhalt, gemäß denen Diskos ab November wieder öffnen dürfen. Kerstin aus Burg hat geantwortet:

"Also ich würde mich auch nicht durch die Massen schlängeln. Das Schlimme ist, dass es aber viele Menschen geben wird, die es trotzdem tun werden. Ich merke, dass Corona mich vor allem sehr sensibel gemacht hat auf Enge. Es nervt mich zum Teil, dass die Menschen wieder anfangen, im Supermarkt zu drängeln." (Auszug)

Deshalb: Achten Sie auf Ihre Mitmenschen. Halten Sie Abstand. Bleiben Sie gesund. 

Freundliche Grüße
Julia Heundorf

PS: Ich bin heute über einen etwas älteren Artikel (vom 24. August) der Washington Post gestolpert, den ich gerne mit Ihnen teilen möchte. Weil er auf Englisch ist, kommt er hier auf dem letzten Platz: "Another routine the pandemic has disrupted: Your period" als Bonus. Es geht darum, welche Auswirkungen die Pandemie auf den Körper – im Speziellen die Menstruation – auch bei jenen Menschen haben kann, die gar nicht infiziert sind oder waren. Stress etwa oder neue Regelmäßigkeiten können die Ursache sein.

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Quelle: MDR/jh

3 Kommentare

Grosser Klaus Gestern

Doch damit die Politik und die Medien nicht als komplett überreagierte Panikmacher dastehen kommen nun die Märchen auf, dass es doch auch bei Genesenen ganz, ganz viele Spätfolgen geben soll. Genaue Zahlen gibt es dazu nicht, die verlässlich sind. Einzelfälle, bei denen auch der vorherige Gesund- oder Krankheitsstadium detailliert analysiert, gibt es aber nicht. Aber jeder noch so seltene Spätfolgen werden nun sofort dafür genutzt den Panik-Modus bis mindestens ins Jahr 2029 aufrechtzuerhalten. Vor allem von Leuten wie Lauterbach und Söder.

Grosser Klaus Gestern

Die Zahlen werden ja immer dramatischer. Es hilft nur noch ein sofortiger Lockdown mit Ausgangssperre und absolutem Kontaktverbot bis ein geeigneter Impfstoff entwickelt wurde und alle Menschen damit geimpft wurden. Sonst sind wir alle dem Tode geweiht.

part Gestern

Wissenschaftler und Virologen, die ihre Aufmerksamkeit in Bezug auf dieses sich verändernte Virus nur immer im Bezug auf den Menschen setzen, vergessen sehr leicht die vielen tierischen Kontakte des Menschen, der diesen freiwillig oder unfreiwillig ausgesetzt ist. Gesellschaftliche Pandemien haben Ursachen und Wechselwirkungen, die aber so gern von Journalisten und Politikern ausgegrenzt werden um blos keine Wählkerstimmer zu verlieren oder der Subkultur entgegen zu wirken, denn letzendlich sind auch nur sie Fachidi..., die ständig von Expertenmeinungen leben müssen.

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