Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 23. September 2020 Mehr Schulden und mehr App-Wissen

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Heute im Corona-Newsletter: 5.000 Warnungen gab e über die Corona-Warn-App, 1,2 Millionen Testergebnisse wurde in das System gemeldet. Aber es gibt noch mehr Zahlen. Mein zweites Thema: Der Corona-Bundeshaushalt. 2021 will der Bund Kredite über 96 Milliarden Euro aufnehmen. Wieviel Geld fehlt eigentlich und wer soll wieviel bekommen?

Corona-Warn-App im Google-Play-Store
Bildrechte: imago images/onw-images/Christian Wiediger | Grafik MDR

Guten Abend liebe Leserin,
Guten Abend lieber Leser,

ein sommerlicher Septembertag geht zu Ende. Mir war das ja etwas zu warm heute am Schreibtisch zu hause. Und rote Wangen habe ich auch bekommen, als ich mitgeschrieben habe, als Bundesfinanzminister Olaf Scholz heute den Haushaltsentwurf vorgestellt hat.

96 Milliarden Euro neue Kredite. Auf den "Haushalt unter Coronabedingungen" schauen wir gleich. Und ich möchte heute auch kurz zusammenfassen, wo Deutschland mit der Corona-Warn-App steht. Die ist nämlich heute vor 100 Tagen erschienen. Außerdem empfehle ich Ihnen gern ein paar Artikel, mit dem mich die Kollegen von MDR WISSEN heute abgelenkt haben, weil sie so spannend waren. (Ich bin ja allerdings in der glücklichen Lage, dass diese Ablenkung als Arbeit gilt.)

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat heute 1.821 Neuinfektionen deutschlandweit gemeldet. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat heute 1.796 Neuinfektionen deutschlandweit gemeldet. Die meisten neuen Fälle wurden aus Nordrhein-Westfalen (438), Bayern (415) und Baden-Württemberg (237) gemeldet.

Sachsen

Aktive Fälle: 622 ↗ (+8 zum letzten Meldetag)
Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 229 (+0)
Schätzung der genesenen Patienten: 6.040 (+80) 
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 6.891 (+88) 

Thüringen

Aktive Fälle: 250 ↗ (+11 zum letzten Meldetag)
Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 194 (+0)
Schätzung der genesenen Patienten: 3.572 (+11)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 4.016 (+22)

Sachsen-Anhalt

Aktive Fälle: 194 ↗ (+17 zum letzten Meldetag)
Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 67 (+0)
Schätzung der genesenen Patienten: 2.239 (+10)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 2.500 (+27)

Heute sind es drei rote Pfeile bei den Infektionszahlen in Mitteldeutschland. Aber ich würde das nicht so scharf interpretieren wie eine rote Meldung in der Corona-Warn-App.

Die wurde heute vor 100 Tagen mit großem Tam-Tam vorgestellt. Politikjournalisten und -journalistinnen ziehen nach 100 Tagen Amtszeit eines Amtsträgers oder Amtsträgerin gern Bilanz. Wie sinnvoll das ist, will ich gar nicht beurteilen. Aber auf die Corona-Warn-App lohnt sich ein Blick.

Corona-Warn-App auf dem Smartphone zeigt "Niedriges Risiko" an
Grün: wenn die Corona-Warn-App so aussieht, kann der Nutzer beruhigt sein. Bildrechte: imago images / Rüdiger Wölk

Es überrascht Sie ganz bestimmt nicht, dass die Bundesregierung eine positive Bilanz zieht und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagt, die App wirke. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sagt, sie sei eine große Erfolgsgeschichte. Bei Politiker-Aussagen darf man skeptisch sein. Der App gegenüber eher nicht, finde ich.

100 Tage Corona-Warn-App

So sieht die Bilanz der Bundesregierung konkret aus:

  • 18 Millionen Mal wurde die App in Deutschland heruntergeladen. (Apps aus den anderen EU-Länder haben zusammen so viele Downloads.)
  • 400.000 Mal wurde die App auch im Ausland heruntergeladen.
  • 1,2 Millionen Testergebnisse wurden in das System übertragen.
  • Fast 5.000 Nutzer wurden gewarnt.
  • Nur die Hälfte der positiv Getesteten meldet ihr Test-Ergebnis an das System (25 Prozent direkt in der App, 90 Prozent an der Hotline) 
  • Vor vier Wochen gab es gemittelt auf sieben Tage 71 positive Testmeldungen pro Tag in das System – jetzt sind es 157. 
  • 90 Prozent der deutschen Labore (136 von 168) sind an das System angebunden.
  • 15 Labore sind nicht bereit, sich anschließen zu lassen
  • Die Hotline wickelt täglich mehr als 1.000 Telefonanrufe ab. Sie dauern durchschnittliche 20 Minuten.

Diese ganzen Zahlen stammen aus der Pressekonferenz heute. Die Kollegen von der Tagesschau fassen die Bilanz auch zusammen. Ein offizielles Dokument gibt es hier (PDF). Einen Blogeintrag von der Telekom hier.

Noch mehr Stichworte zu 100 Tagen Corona-Warn-App

  • Die App sorgt dafür, dass Menschen schneller gewarnt werden, als es die Gesundheitsämter können. Das kann bei steigenden Infektionszahlen wichtig werden.
  • Die App ist eines von vielen Werkzeugen.
  • Telekom-Chef Tim Höttgens sagte auch: "Wir haben Fehler gemacht." Vor allem bei der Kommunikation zur App.
  • Die App sagt nicht, bei wem man sich angesteckt hat.
  • Es ist kein Ziel der App, eine Statistik über das Infektionsgeschehen zu ermöglichen.

Die Zukunft der Corona-Warn-App


  • In der Version 1.3.1 sollen die Warn- und Hinweis-Texte deutlich besser werden und Nutzer weniger verunsichern. Psychologen hätten daran mitgearbeitet. 
  • Ab Oktober sollen in der App auch die Symptome abgefragt werden. Das ist freiwillig und die Antworten bleiben auf dem Gerät. Es soll einschätzen helfen, wie kritisch eine Begegnung war.
  • Ab Oktober wird die App auch in elf EU-Ländern ausgerollt, mit der Schweiz sei man im Gespräch dazu. Mit der App in Frankreich sei wegen des zentrales Ansatzes seiner App keine Zusammenarbeit möglich. Mit dabei sind u.a. Österreich, Tschechien, die Niederlande, Polen und Spanien. 

Die Verantwortlichen appellieren, dass man sich die App herunterladen soll. Sie sagen außerdem, dass man sein positives Testergebnis auch teilen soll. Nur so werden auch andere gewarnt und die Pandemie ließe sich eindämmen. Und: Sie sagen, wenn man getestet würde, solle man unbedingt das Kästchen ankreuzen, damit die App einen über das Ergebnis informiere.

Corona Warn App
Die Corona-Warn-App soll bald in weiteren elf Ländern angeboten werden und sie wird weiterentwickelt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK


Ich hatte nicht erwartet, dass zur Corona-Warn-App so viele Fakten heute zusammen kommen. Der Telekom-Chef hat auch vorgerechnet, dass in Deutschland 53 bis 55 Millionen Smartphones technisch in der Lage sind, die App zu nutzen. Das wären 86 Prozent aller Smartphones. Er zitierte auch eine Studie, wonach die Mortalität und die Infektionsrate sinken würden, wenn in einem Land 15 Prozent der Bevölkerung eine Corona-Warn-App nutzt.

Neu war für mich auch, dass Apple und Google jetzt definitiv sagen, dass es keine Anpassungen für ältere Betriebssysteme geben wird. Kanzleramtschef Helge Braun sagt zwar, man würde das weiter fordern, aber der Telekom-Chef hat die Hoffnung in dieem Fall wohl aufgegeben. Er betonte lieber, dass Google und Apple davon profitiert hätten, wie deutsche Entwickler die Bluetooth-Technologie für die App nutzbar gemacht haben.

Was die App für mich ja nach wie vor zeigt: Wie schnell wir in Deutschland auch digitale Dinge machen können. Die Menschen von SAP und Telekom hatten 50 Tage Zeit und haben die App im Homeoffice entwickelt. Das sollen Google oder Apple mal nachmachen.

Einen Link habe ich in diesem Zusammenhang noch: Weil die App mit einer Bluetooth-Schnittstelle arbeitet, ist diese auch von anderen Geräten ansprechbar. So lässt sich sehen, wer in der Umgebung die App auch nutzt. Mit dieser Internetseite habe ich das neulich im RE in Magdeburg ausprobiert und das hat gut funktioniert. 

Eine letzte Bemerkung zu dem Thema: Die App ist Open Source und das lässt sich nicht genug loben, finde ich. Ich habe neulich nämlich sehr ausführlich über die Open-Source-Idee mit Experten aus Sachsen-Anhalt gesprochen.

MDRfragt: Mehrheit für Impfpflicht

Meine Kollegen haben die MDRfragt-Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt, ob sie für eine Impfpflicht sind. 61 Prozent sind grundsätzlich dafür: 41 Prozent, sobald es Langzeitstudien gibt und 20 Prozent würden sich sofort impfen lassen. Die Befragungen von MDRfragt sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Beruf gewichtet. Und im Artikel steht auch, wie viele Menschen sich gegen Grippe impfen lassen wollen, wie groß die Sorge der Befragten vor einer zweiten Welle ist und wie viele Menschen bereit sind, sich weiter an die Beschränkungen zu halten.

Noch ausführlicher als meine MDRfragt-Kollegen macht solche Umfragen Cornelia Betsch, Professorin an der Uni Jena. Seit Anfang März erstellt sie für das Robert Koch-Institut das COVID-19 Monitoring und kann sagen, wie die Deutschen in der Corona-Pandemie ticken, inwieweit sich das Vertrauen in die Maßnahmen und die Politik verändert hat und wie zufrieden die Menschen sind. Übermorgen bin ich mit ihr zu einem kurzen Telefonat verabredet. Mir fallen einige Fragen ein, die ich ihr stellen kann. Haben Sie auch Fragen an die Expertin? Dann schreiben Sie mir doch: corona-newsletter@mdr.de

Der Corona-Bundeshaushalt 2021

96,2 Milliarden Euro neue Kredite will der Bund im kommenden Jahr aufnehmen. Das geht aus dem Entwurf des Bundeshaushalts hervor, den das Bundeskabinett heute verabschiedet hat.

Ich mache für mein Finanzamt einmal jährlich eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Das ist hier sicher verkürzt, aber hilft vielleicht zum Verständnis: Wie viel Geld kommt rein, wie viel geht raus? Und vor allem: Wo fehlt Geld?

Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, nimmt seine Mund-Nasen-Bedeckung ab.
Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, hat heute den Haushalt für 2021 vorgestellt. Bildrechte: dpa

Der Überblick

  • Die Steuereinnahmen, mit denen das Finanzministerium für 2021 rechnet, sind um 42,2 Milliarden Euro geringer als gedacht.
  • Dafür sollen die Ausgaben um 47 Milliarden Euro steigen.

Der Bund will im kommenden Jahr 55 Milliarden Euro investieren. Und dafür wird zum Beispiel das Geld ausgegeben:

  • Forschungsförderung für KI und Quantentechnologie (zwei Milliarden bis 2024), für 5G und 6G-Technologie (zwei Milliarden bis 2024) und für Wasserstoff-Technologie (6,8 Milliarden bis 2024)
  • Krankenhaus-Zukunftsfonds (drei Milliarden in 2021)
  • Kita-Ausbau (500 Millionen in 2021)
  • Zuschuss zum Gesundheitsfonds, um die Krankenkassen-Beiträge stabil zu halten (fünf Milliarden in 2021)
  • Geld für Fahrzeugbauer und Zulieferer (1,5 Milliarden bis 2024)
  • Umsetzung Online-Zugangsgesetzes für eine digitalere Verwaltung
  • Digitalisierungs- und Technologieforschung im Verteidigungsministerium
  • Corona-Bekämpfung in Schwellen- und Entwicklungsländern

Nichts tun wäre sehr viel teurer.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD)

Was mich bei all diesen Riesen-Zahlen überrascht hat, habe ich bei den den Kollegen von der Tagesschau gesehen: Auch wenn der Bund 2021 96 Milliarden Euro neue Kredite aufgenommen hat - in diesem Jahr sind es 218 Milliarden.

Den Menschen im Bundesfinanzministerium scheint es sehr wichtig zu sein, auf die Schuldenstandquote hinzuweisen (es steht ziemlich weit oben auf der Seite des Ministeriums): In diesem Jahr liegt sie bei 75 Prozent des Bruttoinlandsproduktes – im kommenden Jahr soll sie nicht so hoch sein. Im Jahr der Finanzkrise 2010 lag sie bei 82 Prozent.

Über die Aussagekraft des Bruttoinlandsproduktes lässt sich lange diskutieren. Und in dem Zusammenhang lässt sich auch darüber streiten, ob es gut ist, wenn es von Jahr zu Jahr steigt und wie wichtig das so interpretierte Wirtschaftswachstum ist.

Passanten tragen ihre weihnachtlichen Einkäufe in Taschen durch die Fußgängerzone.
Das Bruttoinlandsprodukt: Geht es uns besser, wenn es steigt? Bildrechte: dpa

Wie es der Zufall will, habe ich gestern mit Christian Stöcker telefoniert. Er war Journalist, ist jetzt Professor an einer Hamburger Hochschule und hat gerade das Sachbuch "Das Experiment sind wir" geschrieben (Untertitel: "Unsere Welt verändert sich so atemberaubend schnell, dass wir von Krise zu Krise taumeln. Wir müssen lernen, diese enorme Beschleunigung zu lenken.") Und Stöcker sagt etwas, das wir uns eigentlich auch denken können: Wenn das Bruttoinlandsprodukt jedes Jahr steigt, ist das über Jahrzehnte betrachtet eine Exponentialfunktion.

Erinnern Sie sich, was wir in der Corona-Pandemie vermeiden wollen? Die Exponentialfunktion, mit der sich das Virus ausbreitet. 

Das soll es für heute gewesen sein. Wenn Sie Fragen oder Meinungen haben (Machen Ihnen zum Beispiel die neuen Schulden des Bundes Sorgen?), schreiben Sie mir gern. corona-newsletter@mdr.de 

Bleiben Sie uns ansonsten gewogen, empfehlen Sie uns gern weiter.
Einen schönen Abend und alles Gute.

Marcel Roth

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Quelle: MDR/mr

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