Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 12. August 2020 Warum schon im Hochsommer Weihnachtsmärkte geplant werden

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Wie können trotz Corona-Pandemie Weihnachtsmärkte stattfinden? Diese Fragen stellen sich Bundesländer und Städte schon jetzt, mitten im August. Um mögliche Corona-Schutzmaßnahmen geht es in diesem Newsletter. Außerdem blicken wir noch einmal auf den Impfstoff aus Russland.

Collage für den Corona-Newsletter: Der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz Wernigerode
Schon jetzt wird geplant, wie in diesem Winter trotz Corona-Pandemie Weihnachtsmärkte öffnen könnten. (Archivbild) Bildrechte: imago/epd

Liebe Leserinnen und Leser,

mehr als 30°C, Sonnenschein, blauer Himmel: Ihre erste Assoziation dazu kann nur eine sein. Genau, in diesem Newsletter geht es um – Weihnachtsmärkte. Beziehungsweise um die Frage, ob und wie Weihnachtsmärkte trotz des Coronavirus öffnen können. 

Denn mit dieser Frage beschäftigen sich Bundesländer, Städte und Händler schon jetzt, im Hochsommer. Und klar ist: Das Coronavirus wird im Dezember aller Wahrscheinlichkeit nach nicht verschwunden sein. Die Märkte müssen also unter anderen Bedingungen stattfinden als sonst. Aber unter welchen? Das besprechen wir in diesem Newsletter.  

Außerdem möchte ich noch einmal auf unser gestriges Thema eingehen, den Impfstoff aus Russland. Denn darauf habe ich zum einen von Ihnen mehrere Rückmeldungen erhalten, zum anderen hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dazu in einem Interview im Deutschlandfunk geäußert.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen lag heute laut Robert Koch-Institut (RKI) wieder über 1.000 Fällen. 1.226 neue Infektionen sind registriert worden, die meisten davon wie schon in den vergangenen Tagen in Nordrhein-Westfalen (413 Neuinfektionen). Ein Viertel der Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen sei auf Reiserückkehrer zurückzuführen – sowohl Rückkehrer aus dem Ausland als aus dem Inland, erklärte das Gesundheitsministerium. Bayern meldete heute 236 neue Fälle, Berlin 111.

Blicken wir nun auf das Infektionsgeschehen in unseren drei Bundesländern: 

Sachsen

  • Aktive Fälle: 152 ↗ (+6 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 226 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 5.305 (+5)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 5.683 (+11)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 106 ↗ (+16 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 190 (+0)
  • Zahl der genesenen Patienten: 3.181 (+3)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 3.477 (+19)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 92 ↗ (+4 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 64 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 1.937 (+11)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 2.093 (+15)

Trotz Pandemie auf den Weihnachtsmarkt?

Machen wir uns bei dieser Hitze mal ein paar kalte Gedanken. Die machen sich mitteldeutsche Städte wie Dresden, Erfurt und Magdeburg gerade auch schon: Sie bereiten sich bereits auf die Weihnachtssaison vor und diskutieren, wie Weihnachtsmärkte trotz der Corona-Pandemie stattfinden könnten. 

Dass sie stattfinden sollen, dafür hat sich zum Beispiel Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch schon Ende Juli ausgesprochen. Auch die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt will am Weihnachtsmarkt festhalten. Die Regierung von Sachsen-Anhalt befindet sich ebenfalls in Gesprächen mit Weihnachtsmarkt-Betreibern.

Welche Schutzmaßnahmen könnten auf Weihnachtsmärkten gelten?

Aus allen drei Bundesländern heißt es: Welche Regeln auf den Weihnachtsmärkten gelten sollen, könne erst recht kurzfristig entschieden werden. Denn wie die Märkte stattfinden können, hängt vom Infektionsgeschehen und den jeweils geltenden Corona-Schutzverordnungen ab.

Für jeden Markt wird wohl es ein Hygienekonzept geben. Ein paar Ideen für Maßnahmen gibt es in Mitteldeutschland schon:

  • Zugangsbeschränkungen
  • Beschränkungen beim Aufenthalt in geschlossenen Räumen, z.B. in Glühwein-Hütten 
  • Mehr Abstand durch räumliche Entzerrung: Weihnachtsmärkte sollen auf größeren Flächen als sonst stattfinden
  • Zeitliche Entzerrung: Märkte dürfen früher im Jahr starten als sonst
  • Desinfektionsmittel-Spender an Ein- und Ausgängen


Weitere Vorschläge aus ganz Deutschland hat die Tagesschau auf ihrem Instagram-Kanal veröffentlicht:

  • Einbahnstraßen-System: in vorgegebener Laufrichtung über den Markt 
  • Essen und Trinken nur zum Mitnehmen
  • Maskenpflicht

Haben Sie dieses Jahr überhaupt Lust auf Weihnachtsmarkt-Besuche?

Das haben wir Sie über das Meinungsforschungsinstitut Civey bereits Anfang August gefragt. Das Ergebnis dieser Befragung: Ja, knapp die Hälfte von Ihnen hätte Lust. In allen drei mitteldeutschen Bundesländern gaben mehr als 50 Prozent der Befragten an, sich vorstellen zu können, trotz Pandemie am Jahresende auf einen Weihnachtsmarkt zu gehen. In Sachsen war die Zustimmung mit 56,5 Prozent am höchsten. Insgesamt 5.000 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben an der Umfrage teilgenommen. 

Mich würde natürlich interessieren, wie die Einstellung zu Weihnachtsmarkt-Besuchen bei Ihnen, den Newsletter-Lesern, ist: Würden Sie hingehen? Warum (nicht)? Oder unter welchen Bedingungen? Schreiben Sie uns dazu gerne eine Mail an corona-newsletter@mdr.de.  

Ihre Meinungen zum russischen Impfstoff

Kommen wir nun zum zweiten großen Thema dieses Newsletters, dem gestern zugelassenen Impfstoff aus Russland. Wie ich Ihnen gestern beschrieben habe, gibt es an dem Mittel Kritik von Wissenschaftlern, weil die normalerweise gängigen Kriterien für eine Impfstoff-Zulassung nicht eingehalten wurden.

Auch einige von Ihnen haben ihre Ansichten zu dem Thema mitgeteilt – dafür danke ich Ihnen. Ich möchte ein paar davon kurz im Newsletter aufgreifen.

Schlechte Verlierer

Nutzer "Copper" schreibt, dass zum Beispiel gegen die Schweinegrippe deutlich schneller ein Impfstoff zugelassen worden sei. [Erste Fälle der Schweinegrippe wurden im April 2009 gemeldet, im September 2009 wurde der Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix in der EU zugelassen. Das Mittel hatte schwere Nebenwirkungen, Anm.d.Red.]

"Ich dachte wir wollen die Pandemie schnell in den Griff bekommen, welche nicht mal so eine Pseudopandemie wie die Schweinegrippe ist. Aber jetzt wo der Russe vielleicht das Rennen macht, ists auch wieder nicht recht. Man bekommt fast den Eindruck das man Corona lieber noch ne Weile behalten möchte oder man einfach eine beleidigte Leberwurst spielt."


Nutzer "Dynamo" sieht es ähnlich: "Warum kann man Russland nicht zu seinem Erfolg gratulieren", fragt er. Stattdessen werde aus Deutschland und den USA gegen russische Wissenschaftler gesetzt. "Beim Sport wären das die hässlichsten Verlierer."

Lieber gemeinsam gegen die Pandiemie statt Konkurrenzdenken

Eine Leserin hat uns per Mail geschrieben, dass sie selbst aus Russland stammt und dort Verwandte und Freunde hat – deren Gesundheit sie selbstverständlich nicht gefährdet sehen will. Sie sieht in der Zulassung des Impfstoffs Prestige als Hintergrund und da die dritte klinische Phase noch nicht abgeschlossen ist, würde sie sich auch jetzt noch nicht damit impfen lassen. 

ABER: In erster Linie habe die Zulassung Relevanz für die Menschen in Russland. Bei Risiken durch den Impfstoff, zum Beispiel Nebenwirkungen, sei es an ihnen, das russische Gesundheitsministerium oder Präsident Putin selbst zur Rechenschaft zu ziehen. Denn Putin habe sich gestern persönlich weit aus dem Fenster gelehnt – was gewissermaßen tatsächlich für die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Mittels spreche. Doch auch in dem Fall erwarte sie nicht, dass Deutschland den russischen Impfstoff kaufen werde. Abschließend meint sie:

"Die Russen haben im Idealfall etwas entwickelt, was sie auf dem heimischen Markt für sich nutzen können und was sie darüber hinaus ernsthaft im weltweiten Kampf gegen eine Pandemie anbieten können. Dass dieser [Kampf, Anm.d.Red.] unabhängig von sonstigen Meinungsverschiedenheiten und Konfrontationen, auch wirtschaftlichem wie geschäftlichem Konkurrenzdenken, im Vordergrund sein sollte, haben leider allerdings nicht nur die Russen vergessen. Auch das sollte zu denken geben."

Gesundheitsminister Spahn im Interview

Wie bereits angekündigt, hat sich auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zum neuen Impfstoff aus Russland geäußert. Er sagt, das Hauptproblem sei, dass die russischen Behörden nicht transparent genug seien und das daher über den Impfstoff nicht genug bekannt sei. WAS wir über den russischen Impfstoff wissen, haben meine Kollegen von MDR WISSEN für Sie zusammengetragen.

Spahn sagt weiter: Der russische Impfstoff sei nicht in Studien an ausreichend vielen Propanden getestet worden. Sollten mit dem russischen Impfstoff nun Millionen Menschen geimpft werden und sollte es dabei zu Problemen kommen, könne das das Vertrauen in jeglichen Impfstoff gegen COVID-19 senken.

Sprich: Spahn befürchtet, falls mit dem russischen Impfstoff etwas schief geht, würden sich am Ende aus Angst vielleicht zu wenige Leute gegen Corona impfen lassen – selbst wenn wir sichere und wirksame Impfstoffe haben.

Lesen (oder hören) können Sie das vollständige Interview mit Spahn im Deutschlandfunk hier. Es geht darin nicht nur um den russischen Impfstoff, sondern unter anderem auch um den Wiederanstieg der Neuinfektionen in Deutschland und was das für unser Gesundheitssystem bedeutet.

Klinik-Zutritt nicht mehr mit eigener Maske in Südthüringen

Patienten und Besucher dürfen die Regiomed-Kliniken in Südthüringen und Bayern nicht mehr mit eigenem Mund-Nasen-Schutz betreten. Nach Angaben des Klinikverbundes wurden in der Vergangenheit immer wieder unzureichende oder schlecht angepasste Masken getragen. Am Klinik-Eingang sollen kostenlose Masken verteilt werden, sagte ein Sprecher des Klinikverbundes. 

Lockdown in Auckland

Zunächst einmal herzliche Grüße an mein absolutes Lieblingsland – Neuseeland. Der Inselstaat ist für seinen Umgang mit der Corona-Pandemie international gelobt worden. Zuletzt hatte es in Neuseeland ganze 102 Tage lang keine Übertragung des Coronavirus gegeben. Nun ist aber bei vier Personen einer Familie in Auckland, Neuseelands größter Stadt, das Virus festgestellt worden. Bisher lässt sich nicht erklären, wie sie sich angesteckt haben. Deshalb gilt nun für die Aucklander bis einschließlich Freitag: zu Hause bleiben. Die Schulen und die meisten Geschäfte sind zu, um die Stadt gibt es Straßenabsperrungen. 

Etwas Schönes zum Schluss

Ganz oben im Newsletter steht es: Heute ist der 12. August. Dadurch bietet sich Ihnen die Chance, in der Nacht ein besonders schönes Naturschauspiel zu beobachten. Denn derzeit zieht die Erde durch den Schweif eines Kometen – und das bedeutet: Sternschnuppen! Und zwar eine ganze Menge davon, in den Stunden bis Mitternacht bis zu 50 Stück pro Stunde. Mindestens ein Wunsch sollte also drin sein (und den haben wir uns in diesem verrückten Jahr wohl mehr als verdient).

Damit es wirklich klappt mit der Sternschnuppen-Sichtung, haben die Kollegen von MDR WISSEN noch ein paar Tipps für Sie. Wie genau die Sternschnuppen im August entstehen und wieso sie Perseiden heißen, erklären sie in diesem Video.

Perseiden 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Perseiden gehören zu den stärksten Sternschnuppernströmen im Jahr.

Mo 01.07.2019 13:51Uhr 01:30 min

https://www.mdr.de/wissen/astrokalender/perseiden-meteorschauer-100.html

Rechte: MDR Wissen

Video

Die Nacht sollte relativ wolkenfrei sein in Mitteldeutschland, also viel Spaß beim Sternschnuppen-Gucken! Falls Sie es denn schaffen, diesen doch sehr langen Newsletter vor Ende der Nacht fertig zu lesen ... Aber sonst können Sie ja auch noch morgen weiterlesen. ;-)

Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht

Maria Hendrischke

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Quelle: MDR/mh

1 Kommentar

Rainer Junge vor 6 Wochen

Ich bedanke mkch für die ausführliche Information.
Unter diesen Begleitumständen fällt jeglicher Weihnachtsmarkt für uns dann aus.

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