Corona-Daten-Newsletter | Montag, 28. September 2020 Bitte gehen Sie zum Arzt

Martin Paul im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Heute im Corona-Newsletter: Woher die aktuellen Infektionen kommen – und warum man auf keinen Fall aus Angst vor dem Virus Vorsorgeuntersuchungen auslassen und wichtige Behandlungen verschieben sollte.

Eine Ärztin schiebt eine Patientin in einen Magnetresonanztomographen
Bildrechte: imago/Westend61 | Grafik MDR

Guten Abend liebe Leserinnen, liebe Leser,

nachdem mein Kollege Marcel Roth Sie in der vergangenen Woche begleitet hat, darf ich nun wieder für Sie schreiben. Ich freu mich schon darauf. Heute, am Anfang der Woche, möchte ich mit Ihnen gern auf die Entwicklungen der Corona-Situation schauen – vor allem, wo aktuell Infektionen auftreten.

Außerdem möchte ich mit Ihnen die medizinische Versorgung jenseits von Corona besprechen. In Großbritannien gibt es nach einem Bericht des ZDF einen erheblichen Behandlungsstau in den Krankenhäusern wegen der Corona-Situation, mit teils schwerwiegenden Folgen für die Menschen. Ob das auch so für Deutschland zutrifft und warum Mediziner davor warnen, aus Angst vor dem Virus Vorsorgeuntersuchungen auszulassen oder Behandlungen nicht in Anspruch zu nehmen, das thematisiere ich weiter unten.

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Auf einen Blick: Die neuesten Corona-Daten

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am Montag 1.192 deutschlandweit positiv auf das Virus getestete Menschen gemeldet. Das sind fast 1.000 Fälle weniger als am letzten Freitag als 2.153 Neuinfektionen gemeldet wurden. Aber diese Schwankung tritt erwartungsgemäß immer am Wochenanfang auf.

Die meisten neuen Fälle wurden aus Baden-Württemberg (433), Nordrhein-Westfalen (325), Bayern (101) und Berlin (83) gemeldet. Aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und dem Saarland wurden am Sonntag keine Fälle an das RKI übermittelt. Das heißt, etwaige Infektionen werden dort in den nächsten Tagen nachgemeldet.

Und so haben sich die Infektionszahlen in unseren drei Bundesländern entwickelt:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 719 ↘ (-66 zum letzten Meldetag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 235 (+3)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 6.220 (+90)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 7.174 (+117)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 226 ↘ (-36 zum letzten Meldetag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 194 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 3.649 (+45)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 4.069 (+9)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 226 ↘ (-36 zum letzten Meldetag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 194 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 3.649 (+45)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 4.069 (+9)

Als erstes Thema möchte ich gern mit Ihnen auf die steigenden Corona-Infektionszahlen schauen. Und vorweg: Nicht jeder gemeldete positive Test bedeutet, dass eine Erkrankung mit Symptomen und Krankenhausaufenthalt vorliegt. Es heißt erst einmal nicht mehr und nicht weniger: Das Virus konnte in der genommenen Probe nachgewiesen werden.

Woher die steigenden Zahlen kommen

Schon morgen wollen sich ja die Ministerpräsidenten der Länder treffen, um darüber zu beraten, was die seit einiger Zeit langsam aber doch immerhin steigenden Infektionszahlen für Deutschland heißen. Einige fordern ein bundesweit einheitliches Vorgehen, andere wiederum betonen, dass es wichtig ist auf die lokalen Ausbrüche und Besonderheiten zu achten.

Das Robert Koch-Institut spricht in seinem heutigen Situationsbericht davon, dass nach einer Stabilisierung auf einem erhöhten Niveau Ende August und Anfang September aktuell in einigen Bundesländern ein weiterer Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung zu beobachten sei.

Zuletzt war ja immer wieder diskutiert worden, dass sich hauptsächlich jüngere Menschen anstecken und die Neuinfektionen von Reiserückkehrern ausgehen. Nun scheint, laut RKI, der Anteil der Covid-19-Fälle in der älteren Bevölkerung etwas zuzunehmen. Ein Szenario, vor dem immer wieder gewarnt wurde, weil damit auch das Risiko auf schwere Erkrankungen steigt.

Ich stelle mir in diesem Zusammenhang immer wieder die Frage, wo und in welchen Situationen die Infektionen stattfinden. Das RKI berichtet darüber einiger Zeit regelmäßig in seinen täglichen Situationsberichten.

Wo stecken sich Menschen gerade an?

  • In Hamm in Nordrhein-Westfalen sind die Infektionen zum Beispiel auf eine Hochzeitsfeier zurückzuführen. 170 Covis-19-Fälle stehen hier in Verbindung mit der Feier.
  • Im ebenfalls nordrhein-westfälischen Remmscheid handelt es sich laut RKI um Kontaktpersonen von Reiserückkehrern. Dabei sind auch Schulen und Kindertagesstätten betroffen.
  • Mehr als 30 Fälle lassen sich im bayerischen Landkreis Dingolfing-Landau auf ein Industrieunternehmen zurückführen.
  • In Berlin kann man anscheinend nicht so konkret nachverfolgen, woher die Infektionen kommen. Das RKI spricht hier von einem "diffusen Geschehen, getragen von jungen, international Reisenden und Feiernden, die sich unterwegs bzw. auch auf Partys anstecken und diese Infektionen dann in ihren Hauhalten und Familien verbreiten".

Zusammenfassend stellt das RKI fest, dass der Anteil der Reiserückkehrer unter den Fällen zurückgeht. Dafür werden wieder mehr Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen gemeldet.

Weitere Ausbrüche gebe es in Krankenhäusern, Einrichtungen für Asylbewerber und Geflüchtete, Gemeinschaftseinrichtungen und im Zusammenhang mit religiösen Veranstaltungen.

Besonders der Punkt, dass Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen gemeldet werden, finde ich besorgniserregend.

Warum es wichtig ist, zum Arzt zu gehen

Worum es geht

  • Besonders ein Bericht des ZDF hat mich über das Wochenende sehr beschäftigt. Die Kolleginnen und Kollegen berichten über das britische Gesundheitssystem, das wohl gerade mit einem starken Behandlungsstau – also aufgeschobenen Therapien und Operationen – wegen der Corona-Situation konfrontiert ist. Und das kann unter Umständen für die Patientinnen und Patienten schwerwiegende oder sogar tödliche Konsequenzen haben. In Großbritannien liegen die Ursachen wohl in einem schon vor Corona "maroden Gesundheitssystem", so der Bericht.
  • Zuerst seien Menschen in Großbritannien aus Angst vor dem Virus nicht die Krankenhäuser gegangen, jetzt könne das Gesundheitswesen nicht effizient die Behandlungen nachholen.

Warum das wichtig ist

  • Das klingt erschreckend. Auch in Deutschland hat man immer wieder Ärzte und Verbände davor warnen hören, dass ausgefallene oder nicht in Anspruch genommene Behandlungen schwere medizinische Folgen haben könnten. Und im Juli veröffentlichte die Deutsche Krebshilfe, dass sie von gut 50.000 nicht durchgeführten Krebsoperationen aufgrund der Pandemie ausgehe.
  • Heißt das aber, dass wir in Deutschland eine ähnliche Situation haben wie in Großbritannien? Die Deutsche Krankenhausgesellschaft erklärte im August dem Rechercheverbund correctiv: "Die Versorgung hilfsbedürftiger Patienten in unseren Kliniken war und ist zu keinem Zeitpunkt gefährdet."
  • In einer Mitteilung über den Regelbetrieb der Krankenhäuser schreibt die Deutsche Krankenhausgesellschaft außerdem: "Ganz wichtig ist aber vor allen Dingen, dass Menschen nicht aus Angst vor Corona die Notaufnahmen meiden. Dazu gibt es keinen Grund. Der Infektionsschutz in den Krankenhäusern ist gewährleistet, und jeder, der ein Problem hat, sollte unbedingt auch ein Krankenhaus aufsuchen."
  • Auch die Deutsche Krebsgesellschaft schreibt: "Krebsbetroffene sollten ihre Therapie nicht grundsätzlich verschieben, denn der Nutzen der Therapie überwiegt bei den meisten Krebspatienten dem Risiko einer möglichen Corona-Infektion."
  • Trotzdem befürchtete Gerd Nettekoven, der Vorsitzende der Deutschen Krebshilfe, im Juli, dass deutsche Kliniken und Arztpraxen eine "Bugwelle von verschobenen therapeutischen und diagnostischen Maßnahmen" vor sich herschöben. Auch widersprach er Darstellungen, dass die hohe Zahl von 50.000 Behandlungen etwas mit der Angst der Menschen vor Ansteckungen zu tun hat.

Was das heißt

  • Für mich bedeutet das: Die Politik ist dringend gefordert, dafür zu sorgen, dass die medizinische Versorgung auch in einer sich verschärfenden Corona-Situation gewährleistet ist. Das heißt, dass Patientinnen und Patienten jederzeit Vorsorgeuntersuchungen und Notfallbehandlungen in Anspruch nehmen können.
  • Und für jeden Einzelnen heißt das: Auf keinen Fall sollte man aus Angst vor dem Virus Behandlungen absagen. Und falls eine Behandlung abgesagt wird, sollte man sich mit seinem Arzt, der Krankenkasse oder Verbänden besprechen, ob die Verschiebung wirklich notwendig ist.
  • So weist die Verbraucherzentrale beispielsweise darauf hin, dass Corona-Patienten nicht automatisch Vorrang haben. "Medizinisch dringend gebotene Eingriffe müssen stattfinden. Unser Rat: Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt und dem Krankenhaus. Wenn die Operation nicht hätte verschoben werden dürfen und Sie dadurch einen Schaden erleiden, können Sie diesen unter Umständen als Behandlungsfehler geltend machen."
  • Verzichten Sie nicht aufgrund von Angst vor einer Corona-Infektion auf Ihre Behandlung. Gehen Sie zum Art, rufen Sie bei Beratungsstellen wie dem Krebsinformationsdienst an, um sich Hilfe zu holen oder sich zu informieren.
  • Und auch bei akuten Leiden zum Beispiel Herz- oder Kreislaufsymptomen: Wir hatten in einem Newsletter im Mai schon einmal darüber berichtet – ich möchte die Bitte der Ärzte an dieser Stelle möchte aber gern wiederholen: Wenn Sie sich wegen schwerer Erkrankungen behandeln lassen müssen oder Herzinfarkt- oder Schlaganfallsymptome haben, gehen Sie zum Arzt und setzen Sie Ihre Therapie fort.

Was morgen wichtig wird

Beratungen der Ministerpräsidenten und des BundesAm Dienstag wollen die Bundesländer gemeinsam über das weitere gemeinsame Vorgehen in der Corona-Krise beraten. Hintergrund ist, dass in Deutschland die Zahlen langsam kontinuierlich steigen. Wie man vorgehen soll, darüber herrscht vor dem Treffen aber noch keine Einigkeit.

So sind die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt und Sachsen, Reiner Haseloff und Michael Kretschmer, gegen die Forderung von bundesweit einheitlichen Verschärfungen der Regeln. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer setzt zum Beispiel auf Freiwilligkeit statt auf Zwang. "Ich setze auf die Eigenverantwortlichkeit der Menschen, die sich jetzt im Herbst verstärkt disziplinierter verhalten werden und müssen."

Richtigstellung zum Schluss

Wir hatten ja im Newsletter am Freitag darüber berichtet, dass Krankheiten von Tieren auf den Menschen übertragen werden können – sogenannte Zoonosen. Dabei ist uns ein Fehler untergekommen, für den wir um Entschuldigen bitten. Eine Leserin und Tierärztin hat uns darauf hingewiesen, dass "die Maul- und Klauenseuche (zum Glück!) keine Zoonose ist. Die Erreger der MKS bei Schweinen und Wiederkäuern und der/die Erreger für die Hand- und Fußkrankheit bei Kindern haben nichts miteinander zu tun." Vielen Dank für die hilfreiche Korrektur.

Mir bleibt jetzt noch, Ihnen einen schönen und möglichst guten Abend zu wünschen. Morgen schauen wir, was Bund und Länder besprochen haben und was das für unsere Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen heißt.

Bis dahin, Ihnen alles Gute

Ihr Martin Paul

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Quelle: MDR/mp

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