Corona-Daten-Newsletter | Montag, 16. November 2020 Unser Déjà-vu

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Heute im Corona-Newsletter: Der Termin mit der Bundeskanzlerin und den Chefs und Chefinnen der Länder. Schon wieder. Eine Neurowissenschaftlerin sagt, wir sollten andere Fragen stellen. Und eine Familie aus NRW und die Corona-Langzeitfolgen. Irgendwie kommt es unserem Kollegen so vor, als hätte er das alles schon einmal geschrieben. Wirklich neu aber: ein entzückendes Foto.

Eine rote Fußgängerampel steht an der Straߟe vor dem Bundeskanzleramt.
Bildrechte: dpa

Guten Abend lieber Leser,
Guten Abend liebe Leserin,

die Woche beginnt mit der Konferenz von Bundeskanzlerin und Länderchefs und -chefinnen. Schon wieder. Und ich sitze im Home-Office und eines meiner Kinder quasi auch, weil die Hortgruppe in Quarantäne musste. Schon wieder also sind viele Kinder und Eltern Zuhause. Von mir aus könnte 2020 morgen direkt zu Ende gehen. 

Aber was sind denn nun die Beschlüsse der politischen Entscheider und Entscheiderinnen? Darum soll es heute gehen. Ich lege Ihnen außerdem ein tolles Interview und einen Fernsehbericht ans Herz. Eine Frage an Sie habe ich auch und ich verspreche Ihnen ein entzückendes Foto. 

Eine Vorlage und was daraus wird

Mund-Nasen-Schutz auch im Unterrricht für alle Schüler und Lehrer und feste Gruppen ohne Ausnahmen. Kinder und Jugendliche sollten sich nur noch mit einem festen Freund treffen. Treffen in der Öffentlichkeit mit dem eigenen Hausstand und maximal zwei Menschen eines weiteren Hausstandes. Private Feiern bis Weihnachten nicht erlaubt. Risikopersonen sollen vergünstigte FFP2-Masken bekommen.

All das stand in der Beschlussvorlage, mit der die Bundeskanzlerin heute um 14 Uhr in die Besprechung mit den Länderchefs und -chefinnen gegangen ist. Der Termin ist die Zwischenbilanz der November-Einschränkungen.

Die Sonne scheint auf das Bundeskanzleramt.
Bildrechte: dpa

Einige Länderchefs waren wohl empört über die Vorlage, weil abgesprochen gewesen sei, abzuwarten, wie sich die Einschränkungen auswirken. Der Spiegel schreibt, besonders die Vorschläge für die Schulen hätten für Verärgerung gesorgt. Konflikte zwischen Bund und Ländern also, wie die Tagesschau schreibt.

Was genau von der Beschlussvorlage übrig geblieben ist, stand immer noch nicht fest, als ich diesen Newsletter fertig geschrieben habe. Die nach dem Treffen angesetzte Pressekonferenz steht noch aus. Ich habe bis jetzt parallel das Live-Bild aus dem Bundeskanzleramt verfolgt und seit zweieinhalb Stunden die Hinterköpfe von vier Journalisten gesehen.

Fest steht: Gelockert wird jedenfalls nichts und wie der "Corona-Winterfahrplan" aussieht, werden wir wohl auch erst nächste Woche wissen, schreibt die Tagesschau.

Die Tagesschau hält Sie natürlich immer auf dem Laufenden. Und auch bei meinen Kollegen von MDR AKTUELL sind dafür Sie richtig.

Bund und Länder sind sich jedenfalls nicht einig. Mal wieder.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Das Robert Koch-Institut meldet heute 10.824 neue Infektionen. Das sind 6.123 weniger als gestern und weniger als die Hälfte vom bisherigen Höchstwert vom Freitag (23.542). Die meisten Neuinfektionen gab es in Nordrhein-Westfalen (2.754), Bayern (2.428) und Baden-Württemberg (1.326). Die wenigsten neuen Infektionen gab es in Mecklenburg-Vorpommern (38). Wie immer montags: Wegen des Wochenendes kann es sein, dass die Zahlen nicht ganz genau sind.

Und so viele positiv auf das Virus Getestete und die Kapazitäten der Intensivbetten gibt es heute in unseren drei mitteldeutschen Bundesländern:

Sachsen

  • Sachsen
  • Aktive Fälle: 14.877 ↗ (+553 zum Freitag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 271 (+4), davon 143 invasiv beatmet (+17)
  • Intensivbetten: 1.235 belegt, 433 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 536 (+34)
  • Genesene Patienten: 20.310 (+820)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 32.916 (+2.220)

Thüringen

  • Thüringen
  • Aktive Fälle: 3.587 ↗ (+21 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 74 (+5), davon 20 beatmet (+3)
  • Intensivbetten: 626 belegt, 317 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 243 (+5)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 7.361 (+204)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 11.215 (+228)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 2.955 ↗ (+69 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 51 (+0), davon 24 beatmet (-5)
  • Intensivbetten: 705 belegt, 292 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 106 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 5.327 (+152)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 8.388 (+222)

Schön sehen die Zahlen nicht aus. Aber mein Eindruck ist, sie steigen nicht mehr so stark

Maren Urner, 2019
Maren Urner, Neurowissenschaftlerin Bildrechte: imago images / Future Image

Interview mit neurowissenschaftlerin: "Wie wollen wir es machen, statt wer ist Schuld."

Zur ARD-Themenwoche "Wie wollen wir leben" hat ein Kollege vom RBB ein spannendes Interview mit einer Neurowissenschaftlerin geführt. Ich fand es ziemlich plausibel, was Maren Urner da sagt und wie sie es begründet. Sie können selbst klicken und viel lesen oder ohne Klick meine kurze Zusammenfassung lesen.

Die zentrale Aussagen der Neurowissenschaftlerin Maren Urner:

  • Unser Gehirn funktioniert noch genauso wie in der Steinzeit. Deshalb handeln wir auch oft nur bei unmittelbarer Gefahr. "Alle Probleme, die über den zeitlichen Horizont von ein paar Wochen oder Monaten hinausgehen, fallen uns erstmal schwer, aber wir können das auch."
  • Unser Gehirn ist träge. "Unser Hirn ist platt gesagt nichts weiter als eine Vorhersagemaschine. Wir sind eigentlich die ganze Zeit dabei, darüber Vorhersagen zu treffen, was als Nächstes passiert und wie die Welt funktioniert. Dabei versuchen wir möglichst wenig Energie zu verbrauchen."
  • Unser Gehirn schaut zuerst nach hinten: Warum ist das so? Wer ist Schuld daran? Wie kommt das? Handlungsfähig werden wir aber erst durch andere Fragen: "Wir müssen weg von dieser Sündenbocksuche, bei der wir immer nur schauen: Wer ist schuld? Statt zu fragen: Wie wollen wir es beim nächsten Mal machen? Wie wollen wir es jetzt machen?"
  • Unser Gehirn ist widersprüchlich. Das ist paradox, anstrengend und vielleicht oft schwer auszuhalten. "Eine Möglichkeit, besser damit umzugehen, ist, uns das erstmal einzugestehen: Ja, auch ich habe diese Paradoxe, weil mein Gehirn eben so funktioniert. Und wenn wir dann vor einem Schokoriegel stehen oder die Flugreise irgendwie besonders verlockend wirkt, dann greifen wir zu oder steigen in den Flieger. Nach dieser ersten Erkenntnis können wir anfangen, kritisch und konstruktiv darüber nachzudenken und vielleicht beim nächsten Mal anders zu handeln." 

Ich glaube, solche Erkenntnisse können uns im Alltag helfen, bestimmte Fakten anzunehmen und zu fragen, wie wir damit umgehen wollen. Das setzt natürlich voraus, dass wir alle von den gleichen Fakten ausgehen.

"Wir haben alle ein Recht auf die eigene Meinung. Wir haben aber kein Recht auf die eigenen Fakten", sagt Urner noch. Angst – und nichts anderes ist es vermutlich, wenn wir mit Situationen nicht richtig umgehen können, nicht nach vorne schauen und nicht handlungsfähig sind – dürfe nicht das Denken bestimmen. "Denn Angst führt dazu, dass Meinungsfreiheit zu einer Faktenfreiheit wird, bei der Menschen einfach alles aberkennen."

Ein Beispiel, nach vorne zu schauen, könnten drei Videos der Bundesregierung sein, die gerade bei Twitter, Facebook und Co. diskutiert werden.

#besonderehelden

heißt die Kampagne der Regierung. Darin berichten Menschen quasi aus der Zukunft über die Bewältigung der Pandemie. Schauen Sie sich das ruhig mal an. Es gibt bislang drei Videos.

Long Covid – Genesen, aber nicht gesund

Jetzt will ich Ihnen Beate Löbach-Neff vorstellen. Eine 57-jährige Frau aus Nordrhein-Westfalen. Sie hat am 1. März ihren Geburtstag gefeiert und war infiziert. Auf der Geburtstagsfeier hat sie fast alle Gäste angesteckt.

Und bis heute ist sie nicht gesund, berichten unsere WDR-Kolleginnen und Kollegen.

Über die Langzeitfolgen von Corona haben natürlich auch wir schon berichtet. Über Studien dazu und Fallzahlen (Zehn bis 20 Prozent der Infizierten haben wohl Langzeitfolgen). Aber ein so plastisches Beispiel wie die Geschichte dieser Frau habe ich nicht im Kopf.

In ihrer Familie ist Beate Löbach-Neff die erste, die krank und die letzte, die wieder gesund wird: Sie ist drei Wochen krank, muss bis zu 20 Stunden am Tag schlafen. Ihre Tochter sitzt nachts an ihrem Bett und sagt: "Einatmen – Ausatmen." Heute ist sie permanent erschöpft, jede Tätigkeit strengt sie stärker an als zuvor.


Auch ihr Mann, ihr Bruder, ihre Schwester und ihr Sohn werden krank. Ihre Schwester muss heute mit 46 Prozent ihres Lungenvolumens leben. Ihr Sohn fühlte sich nur ein, zwei Tage schlapp, hat aber seinen Geruchssinn verloren. Seinen Beruf als Koch hat er erst einmal aufgegeben.

Eine einzige Familie zeigt also, was typische Langzeitfolgen sein können:

  • Lungenprobleme,
  • neurologische Störungen,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • Gefäßerkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Möglich sind auch Husten, Kurzatmigkeit, Brustdruck, Durchfall, Herzrasen, Hautauschläge, Durchfall und eine permanente Müdigkeit.


Also nix mit "nur 'ne Grippe": Diese Organe greift Influenza nicht an. 

Schätzungsweise gibt es deutschlandweit 50-Tausend Menschen mit einer Long-Covid-Erkrankung. Oft trifft es besonders die, die nicht so schwer krank waren.

Gerade Erschöpfungszustände sind nach verschiedenen Virusinfektionen bekannt, Fatigue nennen das die Ärzte (Das wird übrigens französisch *faʹtiːg* ausgesprochen). Und es gibt sogar eine Spezialambulanz an der Charité dafür. 

Sie wird geleitet von Carmen Scheibenbogen. Sie sagte dem WDR: "Wir haben immer mehr Patienten gesehen – auch jüngere Patienten, die anfangs gar nicht so eine schwere Infektion haben – mit anhaltenden Symptomen. Viele von denen sind richtig krank und können nicht mehr arbeiten." Sie empfiehlt: Wer sich nach vier Wochen nicht gesund fühlt, soll zum Hausarzt gehen, nach mehr als drei Monate sollte man eine Spezialambulanz aufsuchen.

Den Fernsehbericht und das Interview mit der Expertin können Sie hier sehen.

Das macht dieses blöde Virus jetzt noch blöder, finde ich. Haben Sie Erfahrungen mit Corona-Langzeitfolgen? corona-newsletter@mdr.de

Europas Krise

Wie angekündigt, blockieren Polen und Ungarn den EU-Finanzplan bis 2020 und damit 750 Milliarden Euro Wiederaufbauhilfe. Sie protestieren damit gegen ein neues EU-Verfahren, das Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit ahnden soll. Noch eine Krise.

Ein Lächeln zum Schluss

Gucken Sie mal: Diese Ohren, diese Augen. Den kleinen Luchs konnte ich Ihnen heute nicht vorenthalten:

Junger Luchs beim Luchskompetenzzentrum Harz
Bildrechte: Luchsprojekt Harz/Nationalpark Harz

Er ist aus dem Harz, wurde vor einer Woche an der Rappbodetalsperre gesichtet und sollte eigentlich noch bei seiner Mutter sein. Wo die ist, weiß niemand. Der kleine Luchs jedenfalls wurde am Wochenende bei Hasselfelde eingefangen und wird jetzt in der Wildtierauffangstation in Sachsenhagen bei Hannover aufgepäppelt. Ein hübsches Tier.

Drücken wir ihm die Daumen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute.
Bis morgen!

Marcel Roth

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Quelle: MDR/mr

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