Corona-Daten-Newsletter | Montag, 21. September 2020 Winter is coming

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Heute im Corona-Newsletter: Die Corona-Test-Strategie für den Herbst. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzt auf Fieberambulanzen, Reihentests und Antigentests. Und wir werden ethisch: Wer zuerst einen möglichen Impfstoff bekommen sollte.

Testproben in einem Labor
Bildrechte: imago images/Science Photo Library

Guten Abend, liebe Leserin,
Guten Abend, lieber Leser,

am Freitag hat Ihnen meine Kollegin Julia Heundorf ja geschrieben, dass Sie in dieser Woche mit mir das Vergnügen haben. Ich möchte gern schreiben, dass es ein Vergnügen wird, befürchte aber, dass ich in dieser Woche über eher wenig vergnügliche Dinge schreiben werde.

Ich freue mich, wenn Sie mich und uns trotzdem dabei begleiten. Denn in dieser Woche stehen eine ganze Menge Dinge an:

  • Am Donnerstag und Freitag wird es auf einem EU-Sondergipfel um Corona gehen und darum, wie die EU schnellstmöglich wieder zu einem voll funktionsfähigen Binnenmarkt zurückkehren kann.
  • Morgen will der Deutsche Ethikrat seine Stellungnahme zu so genannten Immunitätsausweisen vorlegen.
  • Und während ich den Newsletter schreibe, tagen Bundeskanzlerin Merkel, die Bildungsminister der Länder und die SPD-Vorsitzende Saskia Esken. Sie reden über Schulen und Corona

Auf die beiden letzten Themen werde ich morgen sicher ausführlich schauen. Beim Schulgipfel reden die politischen Entscheider und Entscheiderinnen ganz sicher über digitale Bildung (Esken hatte zum Beispiel vorgeschlagen, Schülerinnen und Schüler aus armen Haushalten digitale Nachhilfe zu bezahlen) und übers Lüften. Worüber noch geredet wurde, schreibt Esken bestimmt nachher auf ihrem Twitter-Profil.

Und was halten Sie grundsätzlich von einem Immunitätsausweis? Auch wenn niemand bislang weiß, wie lange eine Immunität nach einer Erkrankung oder Impfung vorhält: Wie sinnvoll und ethisch vertretbar finden Sie es, wenn man zum Beispiel nur mit einer bestätigten Immunität in Urlaub fahren oder zur Arbeit kommen darf? Schreiben Sie mir gern eine E-Mail und wir vergleichen das morgen mit der Stellungnahme von den Profi-Ethikern (wenn es so etwas überhaupt gibt): corona-newsletter@mdr.de

Heute soll es nach den aktuellen Zahlen auch darum gehen, wer zuerst einen möglichen Impfstoff bekommt und wie die Corona-Strategie in der kalten Jahreszeit aussieht. 

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat heute 922 Neuinfektionen deutschlandweit gemeldet. Die meisten neuen Fälle wurden aus Bayern (294), Baden-Württemberg (172) und Nordrhein-Westfalen (154) gemeldet. In Mecklenburg-Vorpommern kam kein neuer Fall hinzu. Und so haben sich die Infektionszahlen in unseren drei mitteldeutschen Bundesländern entwickelt: 

Sachsen

Aktive Fälle: 595 ↗ (+79 zum letzten Meldetag)
Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 228 (+1)
Schätzung der genesenen Patienten: 5.920 (+0)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 6.743 (+80)

Thüringen

Aktive Fälle: 241 ↗ (+8 zum letzten Meldetag)
Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 194 (+1)
Schätzung der genesenen Patienten: 3.530 (+12)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 3.965 (+21)

Sachsen-Anhalt

Aktive Fälle: 170 ↗ (+18 zum letzten Meldetag)
Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 66 (+0)
Schätzung der genesenen Patienten: 2.224 (+19)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 2.460 (+37)

Die Zahlen sehen also in Mitteldeutschland besser aus als in Bayern und Baden-Württemberg.

Mit dem Betreff der E-Mail habe ich mich heute etwas schwerer getan. Verzeihen Sie mir bitte die vielleicht doofe Anspielung auf die Fantasy-Serie "Game of Thrones". Die Welt wird ja nicht von Weißen Wanderern oder anderen absurden Wesen bedroht, sondern von einem fiesen Virus genervt. Die Überschrift jetzt deshalb etwas sachlicher.

Die Corona-Strategie für den Herbst und Winter

Zwei Meldungen von heute: München verschärft seine Beschränkungen und im Land Berlin sind zwei von drei so genannten Corona-Ampel gelb.

Es gibt kein Nachbarland, das nicht ein Mehrfaches der Infektionszahlen Deutschlands hat.

Das sagte heute Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), nachdem das so genannte Corona-Kabinett getagt hatte. Spahn hat dort die Strategie für die kalte Jahreszeit vorgestellt. Das sind die wichtigsten Punkte:

  • Flächendeckend Fieberambulanzen: Damit sich in den Wartezimmern von Arztpraxen niemand ansteckt, sollen Schwerpunktsprechstunden, -praxen oder Fieberambulanzen (also eine von den normalen Praxen getrennte Infrastruktur) eingerichtet werden. Sinnvoll für Corona und für Grippe, sagt Spahn.
  • Präventive Reihentests: Um Risikogruppen zu schützen, sollen Reihentests zum Beispiel in Pflegeheimen zum festen Bestandteil einer Teststrategie werden.
  • Schnelle Antigentests: Damit ein schnelleres Ergebnis vorliegt (innerhalb von einer Viertelstunde), sollen Antigentests kommen. Sie seien zwar noch nicht ganz so zuverlässig wie PCR-Tests, könnten aber in bestimmten Situationen sinnvoll sein, sagt Spahn. Zum Beispiel bei Besuchen in Pflegeheimen.

  • All das will Spahn zusammen mit den Ländern festlegen. Die Regeln sollen ab Mitte Oktober gelten. Ausführlich hat sich Spahn mit den Kollegen vom Deutschlandfunk unterhalten. Eine kurze Pressekonferenz von ihm gibt es bei den Kollegen von PHOENIX. Wie sich die einzelnen Tests unterscheiden, hatten die Kollegen von MDR WISSEN schon einmal zusammengetragen.
  • Es ist eine Phase der Pandemie, die uns wieder sehr herausfordert und in der sich entscheidet, wie wir in die Winter- und Herbstmonate hineingehen, in denen manches schwieriger sein wird als mit den Möglichkeiten des Sommers draußen.

    Das sagte heute Regierungssprecher Steffen Seibert und berichtete, worum es im Corona-Kabinett noch ging. Zum Beispiel um die Einreise aus Risikogebieten. Die Bundespolizei will an den Flughäfen die Aussteigerkarten mit den Pässen abgleichen. Wer aus Risikogebieten kommt, muss mindestens fünf Tage in Quarantäne. Eine Muster-Quarantäne-Verordnung sei in Arbeit. 

    Eine Frage, die niemand beantworten konnte: Wie viele Menschen in Deutschland eigentlich gerade in Quarantäne sind. Mal sehen, vielleicht bekommen wir in den nächsten Tagen eine Zahl heraus.

    Langzeitwirkungen und Impfstoffe

    Heute hat mich die E-Mail eines Lesers erreicht. Ihm ging es um die Langzeitwirkungen einer Corona-Erkrankung. Darüber habe ich in den letzten Wochen einiges gelesen: Ein 19-Jähriger in Kiel hat wohl Diabetes, berichtet ein Arzt in der neuesten Ausgabe des Spiegels. Schon länger berichten Mediziner davon, dass Hobbytaucher nach einer Erkrankung wohl länger nicht mehr tauchen können – obwohl sie sich wohlfühlen und keinen schweren Krankheitsverlauf hatten. Gerade in der Lunge scheint das Virus einiges anzurichten. Beeindruckt hat mich da das 3D-Modell einer Lunge, das Forscher der George Washington Universität gebaut haben. Über Langzeitfolgen der Krankheit haben die Kollegen von MDR WISSEN schon mehrfach berichtet und gucken sich das Ganze auch weiter an.

    Eine andere Frage des Lesers war, was geschieht, wenn sich keiner der Impfstoffe als wirksam herausstellt. Auch wenn ich kein Virologe bin, hatte ich die Experten bislang immer so verstanden, dass Coronaviren schon länger bekannt und erforscht sind und ein wie auch immer gearteter Impfstoff "nur" eine Zeitfrage ist.

    Viel schwieriger in diesem Zusammenhang sehe ich eher die Frage, nach welchen Kriterien ein möglicher Impfstoff verteilt wird. Und das ist eine äußerst heikle Frage: politischer und ethischer Natur.

    Aber gut, dass wir auch da die Kollegen von MDR WISSEN haben. Die erklären, dass es zwei Hauptvorschläge gibt, wer zuerst geimpft werden soll. Einer ist, Personal in Medizinberufen und Hochrisikogruppen zu impfen. Ein anderer kommt von der WHO: Impfdosen sollten proportional zur Bevölkerungszahl an die Länder zu verteilen. US-Ethiker schlagen ein deutlich differenzierteres Modell vor, dass Schadenbegrenzung, Benachteiligung und Moral berücksichtigt. Ich finde das recht überzeugend. Lesen Sie gern nach.

    Masken sind in vielen öffentlichen Bereichen Pflicht. Ich glaube, ich trage sie sogar häufiger als vorgeschrieben, weil mich dieses Auf- und Abgesetze und Rumgefummele im Gesicht nervt. Schlechter Luft bekomme ich persönlich nicht, Ausschlag auch nicht. Aber es gibt noch einige Missversändnisse rund um Masken, die wir im Artikel abklopfen und ausräumen. 

    Dass wir ausführlich über Masken aufklären, hat mit der MDR-Fernsehsendung "Fakt ist!" zu tun, die meine Kollegen in Magdeburg heute Abend machen. Denn sie stellen heute auch eine ethische Frage: Zündstoff Corona - bröckelt die Moral? Zu Gast ist eine Politikwissenschaftlerin, ein Virologe, ein Heilpraktiker und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, der heute angekündigt hat, dass er bei der Landtagswahl 2020 noch einmal als Ministerpräsident antreten will.

    Klicken und schauen Sie also gern rein. Und wenn Sie mögen, schreiben Sie mir gern, was Ihnen aufgefallen ist oder was Sie ansonsten rund um Corona gerade bewegt.

    Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend
    Alles Gute!

    Marcel Roth

    P.S. Was uns ja manchmal fehlt und auch hilft, ist der Blick von außen. Ich bin heute früh auf einen Artikel aus der "Financial Times" gestoßen, in dem ein britischer Journalist schreibt, was Deutschland der Welt in der Krise beibringen kann. Der Artikel ist zwar auf Englisch, aber gut zu verstehen. Und er erklärt manches für vorteilhaft, das wir in Deutschland mitunter nicht so positiv beurteilen, zum Beispiel den Föderalismus.

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    Quelle: MDR/mr

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