Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 4. Dezember 2020 Die Gewinner der Krise

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Im Newsletter: Es gibt Gewinner dieser Krise. Das ist heute Thema im Newsletter. Außerdem: Wie man sich verhalten sollte, wenn es im Mietshaus einen Corona-Fall gibt.

Modelleisenbahn
Die Spielwarenhersteller gehören zu den Gewinnern der Pandemie. Bildrechte: imago/Sabine Gudath

Guten Abend, liebe Leserinnen und Leser,

schön, dass Sie mit unserem Newsletter in Ihr (hoffentlich freies) zweites Adventswochenende starten! Und wie sich das für einen Freitag gehört, habe ich auch ein schönes Thema mitgebracht: Im Newsletter möchte ich Ihnen heute von den Gewinnern dieser Krise berichten – denn auch die soll es ja geben. Dazu später mehr.

Außerdem heute Thema bei uns: Wir klären, wie Sie als Mieterin oder Mieter eigentlich damit umgehen, wenn einer Ihrer Nachbarn in einem großen Mehrfamilienhaus positiv auf das Virus getestet wurde. Und: Wir klären, was es mit der Formel "Situation annehmen – Dankbar sein – Aktiv werden" auf sich hat. Außerdem haben wir ein Thema dabei, das völlig Corona-frei ist – die Entlassung von Holger Stahlknecht als Sachsen-Anhalts Innenminister. Das wäre der Plan für den Freitagabend. Bevor wir loslegen, kommt wie immer aber der Blick auf die aktuellen Corona-Fallzahlen.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Bundesweit wurden dem Robert Koch-Institut in den vergangenen 24 Stunden 23.449 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Das sind etwa 1.400 mehr als gestern und 640 mehr als vor einer Woche. Binnen eines Tages wurden zudem 432 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet.

Die meisten neuen Infektionen wurden – auch heute – aus Nordrhein-Westfalen (+ 4.671), Bayern (+ 4.411) und Baden-Württemberg (+ 3.072) gemeldet. Und hier der Überblick über die positiv Getesteten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 23.294 ↗ (+971 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 421 (-2), davon 242 beatmet (+/-0)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 1.207 (+54)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 41.280 (+1.450)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 65.781 (+2.475)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 6.998 ↗ (+454 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 89 (+/-0), davon 38 beatmet (+2)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 419 (+8)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 12.451 (+440)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 19.868 (+902)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 4.991 ↗ (+237 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 56 (+8), davon 30 beatmet (+6)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 202 (+8)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 9.170 (+274)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 14.363 (+519)

Die Gewinner der Krise

Die Corona-Krise hat wahnsinnig viele Verliererinnen und Verlierer – wir alle wissen das. Und zwar seit Monaten. Heute wollen wir im Newsletter deshalb einen Blick auf diejenigen werfen, die von der Pandemie und ihren Folgen profitieren – denn auch die gibt es. Mein Kollege Ralf Geißler hat dazu recherchiert. Einige seiner Erkenntnisse möchte ich hier mit Ihnen teilen.

Die erste Erkenntnis – Altbewährtes wird neu entdeckt

Was glauben Sie: Welche Branche hat besonders von der Krise profitiert? Ich kann Ihre Antwort ja nun leider nicht hören. Falls Sie aber gerade an Onlinehändler und Paketdienste gedacht haben, kann ich Ihnen sagen: Stimmt! Und wissen Sie, wer außerdem profitiert? Spielwarenhersteller. Die haben laut Statistischem Bundesamt im September 35 Prozent mehr produziert als im Vorjahr. Ralf Viehweg vom Unternehmen Spika GmbH in Annaberg-Buchholz sagt: "Dieser Lockdown bedingt ja nun auch, dass Familien enger zusammen kommen und mehr zusammenhalten. Und da sind Spiele gar nicht so schlecht."

Die zweite Erkenntnis – Manche Unternehmen haben umgesattelt

Die Verbio AG aus Leipzig stellt für gewöhnlich Biokraftstoffe her. Als im Frühjahr, kurz nach Ausbruch der Pandemie, überall in Deutschland Desinfektionsmittel nachgefragt wurde, stellten die Leipziger ihre Produktion um: Vorstand Oliver Lüdtke hat uns erzählt, dass sein Unternehmen in der Peak-Phase einige hunderttausend Liter Desinfektionsmittel hergestellt hat. Obwohl sein Unternehmen in der Branche eigentlich eine unbekannte Nummer ist, wurde das Desinfektionsmittel Lüdtke zufolge gut angenommen – so gut, dass Verbio nun auch langfristig in diesem Arbeit arbeiten möchte. Ergebnis: Zehn neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.

Die dritte Erkenntnis – Toilettenpapier-Branche kein Gewinner der Pandemie

Wir alle kennen die Bilder von leeren Toilettenpapier-Regalen. Trotzdem: Die Branche profitiert nicht von der Corona-Pandemie. Ihr Absatz zwischen Januar und September ist verglichen mit dem Vorjahr sogar leicht gesunken. Hätten wir mit diesem Mythos also auch aufgeräumt.

Die komplette Recherche des Kollegen finden Sie hier.

Was tun im Hausflur?

Wenn Sie diesen Newsletter schon länger abonniert haben, wissen Sie: Dieser Überblick lebt ganz wesentlich von Ihren Rückmeldungen, Meinungen und Fragen. An dieser Stelle möchte ich deshalb auf eine Frage eingehen, die uns aus Goslar erreicht hat. Ein Leser möchte wissen, wie wir in Corona-Zeiten eigentlich in Mietshäusern verfahren sollten? Dort treffen sich schließlich täglich unterschiedliche Menschen – im Hausflur oder im Keller. "Kann man das überhaupt kontrollieren", fragt unser Leser. Spontan würde ich sagen: Nein, das kann man so gut wie gar nicht kontrollieren.

Doch ich habe mich noch einmal belesen – und einen sehr aufschlussreichen Text des Redaktionsnetzwerks Deutschland gefunden. Die wesentlichen Erkenntnisse möchte ich hier mit Ihnen teilen. Mal angenommen, Sie leben in einem größeren Mietshaus, in dem ein Nachbar möglicherweise wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne ist. Nun wäre es – wenn das Haus wirklich groß ist und Sie den Nachbarn nicht kennen – sehr wahrscheinlich, dass Sie gar nichts von der Infektion mitbekommen. Der Nachbar wird sich ja hoffentlich vorbildlich an seine Quarantäne-Auflagen halten. Eine Pflicht, Nachbarn über einen Corona-Fall im Haus zu informieren, gibt es aus Datenschutzgründen nämlich nicht.

Treppenhaus im Erdbeben-Observatorium Collm
Infektionsherd Treppenhaus? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Allerdings gibt es Ausnahmen: Der Deutsche Mieterbund hat im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland betont, dass diese Ausnahmen greifen, wenn andere in Gefahr sein könnten – weil die infizierte Person kurz vorher beispielsweise intensiven Kontakt zu einer Nachbarin hatte oder Gemeinschaftsräume wie die Waschküche genutzt hat. In solchen Fällen sollte der infizierte Mieter Vermieter und Nachbarn informieren, appelliert der Mieterbund.

Sie lesen schon heraus: Ein Appell ist keine Pflicht – und schon gar keine Kontrolle. Wenn wir also auf die Ausgangsfrage unseres Lesers aus Goslar schauen, können wir zusammenfassen: Wirklich kontrollieren kann man das nicht. Das dürfte nur dann funktionieren, wenn ganze Häuser unter Quarantäne gestellt werden. Das haben wir in den vergangenen Monaten ja auch gelegentlich erlebt.

Ich möchte Ihnen den Text der Kolleginnen und Kollegen wirklich ans Herz legen. Darin erfahren Sie auch, warum die Gefahr einer Ansteckung in Fahrstühlen besonders hoch ist.

Was heute außerdem los war

Schauen wir an dieser Stelle auf die Meldungen, die uns heute außerdem beschäftigt haben:

  • In Großbritannien soll ab kommendem Dienstag gegen Covid-19 geimpft werden. Das hat der britische Gesundheitsdienst in der BBC angekündigt. Geimpft werden sollen demnach zunächst Bewohnerinnen und Bewohner sowie Beschäftigte in Pflegeheimen; außerdem Menschen, die älter als 80 Jahre sind. Großbritannien ist das ist das erste Land, das dem Impfstoff von Biontech und Pfizer eine Notfallzulassung erteilt hat.
  • Der Corona-Massentest im Thüringer Landkreis Hildburghausen geht in die Verlängerung: Wie Landrat Thomas Müller sagte, ist die Testbereitschaft unter den Menschen im Kreis gestiegen. Auch heute sollten deshalb Abstriche genommen werden. In dem Kreis sind 9.000 Kindergarten- und Schulkinder sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgerufen, sich testen zu lassen. Schulen und Kitas sind seit zehn Tagen dicht. Die Tests sollen ermöglichen, dass sie bald wieder öffnen dürfen.

Regierungskrise in Sachsen-Anhalt: Innenminister Stahlknecht entlassen

Heute ebenfalls wichtig (wenn auch komplett Corona-frei): Holger Stahlknecht (CDU) ist nicht länger Innenminister von Sachsen-Anhalt. Ministerpräsident Reiner Haseloff (ebenfalls CDU) hat Stahlknecht heute entlassen. Grund dafür: ein Interview, das Stahlknecht der Magdeburger Volksstimme gegeben hatte. Darin hatte er bekräftigt, dass seine CDU (Stahlknecht ist nicht nur Innenminister, sondern auch Landesvorsitzender der CDU in Sachsen-Anhalt) gegen eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags stimmen wird.

Zur Orientierung: In der Koalition von CDU, SPD und Grünen wird schon seit Tagen darüber gestritten – weil SPD und Grüne, anders als ihr Koalitionspartner, für eine Erhöhung der Abgabe stimmen wollen und nun der CDU vorwerfen, gemeinsame Sache mit der AfD zu machen. Das hatte Stahlknecht in dem genannten Interview zurückgewiesen und für den Fall eines Koalitionsbruchs eine CDU-geführte Minderheitsregierung bis zur Landtagswahl im Juni 2021 ins Gespräch gebracht. Für Ihren Hinterkopf: Ministerpräsident Haseloff hat genau das immer abgelehnt – weil die CDU dann auch auf die AfD angewiesen sein könnte.

Viel politischer Trubel also. Was Sie dazu wissen sollten, haben wir hier für Sie zusammengefasst:

Dankbar sein – und aktiv werden

Bevor dieser Newsletter gleich endet, habe ich noch einen Nachtrag von gestern für Sie: Sie erinnern sich vielleicht – wir hatten in den vergangenen Tagen über Ihre Tipps gesprochen, nicht Corona-müde zu werden. Dazu hat mich gestern noch ein Tipp einer Leserin erreicht, den ich an dieser Stelle gern mit Ihnen teilen möchte. Unsere Leserin – sie möchte gern anonym bleiben – schreibt, dass sie drei Wege hat, um mit diesen blöden Corona-Wochen umzugehen: Situation annehmen. Dankbar sein. Aktiv werden. Ich fand diese Tipps so gelungen, dass ich sie hier kurz noch etwas ausführen möchte:

Die Situation annehmen
Unsere Leserin schreibt: Jeder darf in unserem demokratischen Staat seine Meinung sagen und mitbestimmen, wenn niemand zu Schaden kommt. "So haben wir zum Glück auch eine demokratische Regierung. Ich darf unserer Regierung also vertrauen, dass sie gut abwägt und danach Entscheidungen trifft, die nach derzeitigem Kenntnisstand als die bestmöglichen in der jetzigen Situation erscheinen. Folglich kann ich mich der Corona-Situation 'ergeben', das Beste draus machen und mich an die Regeln halten, auch wenn ich persönlich vielleicht manches anders entscheiden würde."

Dankbar sein
Und weiter schreibt sie: Es gibt immer etwas, wofür man danken kann. "Wer anfängt, schon morgens zu überlegen, wofür er dankbar sein kann, wird merken, wie viele positive Dinge es im eigenen Leben gibt."

Aktiv werden
"Trotz Corona-Einschränkungen gibt es unzählige Dinge, die man machen kann", schreibt unsere Leserin. Ein neues Hobby entdecken – in der Nachbarschaft helfen, anrufen statt treffen und noch vieles mehr. Das sind schöne Ansätze, wie ich finde. Danke dafür!

Nikolaus legt was in den Stiefel
Am Sonntag ist nicht nur zweiter Advent. Auch der Nikolaus kommt. Bildrechte: Colourbox

Und damit sind wir für heute auch schon wieder am Ende unseres Newsletters. Ich bedanke mich fürs Lesen und wünsche Ihnen jetzt ein entspanntes, zweites Adventswochenende mit leckeren vorweihnachtlichen Süßigkeiten. Und falls Sie, wie ich, am Wochenende arbeiten müssen: Machen Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen vielleicht eine kleine Freude. Ich habe gestern schon Süßigkeiten für unser Redaktionsteam am Sonntag eingekauft – wir werden es uns schmecken lassen.

Am Montag übernimmt hier wieder mein Kollege Fabian Frenzel den Newsletter für Sie. Viel Spaß mit ihm und ein schönes Wochenende. Bleiben Sie gesund!

Luca Deutschländer

PS: Der MDR bittet wieder um Ihre Meinung: In unserem Meinungsbarometer MDRfragt fragen wir Sie dieses Mal, was Sie über den Umgang mit der Pandemie in den kommenden Wochen denken. Hilft uns der Impfstoff, bald schon wieder etwas normaler zu leben? Oder ist der Weg noch weit? Über Ihre Meinung freuen wir uns hier.

Ihr Feedback an uns: Sie haben eine Frage, wollen uns loben oder Feedback geben? Schreiben Sie uns an corona-newsletter@mdr.de

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Quelle: MDR/ld

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