Steigende Corona-Infektionszahlen Schulstart am Montag: Maskenpflicht in Halle und dem Burgenlandkreis

Gerade mal eine Woche waren Herbstferien in Sachsen-Anhalt lang. Doch ausgerechnet in dieser Woche stiegen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus so stark an, dass viele Eltern vor dem Schulstart am Montag verunsichert sind. In der Tat gelten unterschiedliche Regeln. Eines aber betont das Bildungsministerium: Einen negativen Corona-Test muss niemand vorlegen.

Eine Lehrerin unterrichtet an einer Grundschule in Kreuzberg mit einer Maske.
In mehreren Schulen in Sachsen-Anhalt müssen Kinder ab Montag zumindest auf dem Schulgelände und im Gebäude einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Der Unterricht ist davon aber ausgenommen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In den Schulen in Sachsen-Anhalt gelten nach Ende der Herbstferien am Montag unterschiedliche Regeln, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Einzelne Landkreise – darunter der Burgenlandkreis – haben für den Schulstart eine Maskenpflicht für Schulgelände und Schulgebäude verhängt. In einer Allgemeinverfügung heißt es, nur im Unterricht dürfe die Maske abgelegt werden. Die Pflicht gilt demnach auch für Horte im Burgenlandkreis.

Eine Maskenpflicht an Schulen gilt auch in Halle. Das hatte die Stadt schon Mitte der Woche verkündet – noch bevor die sogenannte 7-Tage-Inzidenz von 50 in der Saalestadt überschritten worden war. Auch in den Schulen der Saalestadt darf die Maske im Klassenzimmer abgenommen werden. Es gebe aber einzelne weiterführende Schulen, an denen Jugendliche den Mund-Nasen-Schutz auch während des Unterrichts tragen müssten, sagte am Sonntag Halles Beigeordnete für Bildung und Soziales, Katharina Brederlow. Brederlow zufolge können die Schulleitungen darüber eigenmächtig entscheiden. Welche Schulen das betrifft, teilte die Stadt nicht mit.

Regelbetrieb an den Schulen soll aufrechterhalten werden

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) sagte am Sonntag, das wichtigste Ziel sei, den Regelbetrieb an Schulen trotz des erhöhten Infektionsgeschehens aufrechtzuerhalten. Alle Schulen in der Stadt böten ab Montag Präsenzunterricht an, sagte er. Lediglich in acht Schulen und einem Hort seien einzelne Klassen noch in Quarantäne. Alle Eltern rief der Oberbürgermeister auf, ihre Kinder bei Covid-19-Symptomen innerhalb der Familie zu Hause zu lassen und zum Corona-Test zu schicken. Die Stadt veröffentlichte auf ihrer Website außerdem einen Fragen-und-Antworten-Katalog für Eltern.

Für den Regelbetrieb an Schulen sprach sich auch der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), aus. Ulricht sagte, sein oberstes Ziel sei, den Regelbetrieb aufrechtzuerhalten. Viele Schulen hätten wegen der hohen Infektionszahlen im Landkreis ohnehin schon eine Maskenpflicht an den Schulen angeordnet. "Aber auch dort, wo das bisher nicht der Fall war, müssen wir jetzt diesen Weg gehen", sagte der Landrat.

Unterricht daheim ist für Schüler und Eltern eine Zumutung. Dann ist die Maskenpflicht das mildere Mittel.

Götz Ulrich, CDU Landrat des Burgenlandkreises

Eine grundsätzliche Maskenpflicht in Schulgebäuden gibt es in Sachsen-Anhalt aktuell nicht. Grund für die unterschiedlichen Regeln ist das verschieden stark ausgeprägte Infektionsgeschehen in einzelnen Landkreisen. Für das Jerichower Land etwa – der dritte Corona-Hotspot in Sachsen-Anhalt – hat der Landkreis bislang keine Angaben zu einer Maskenpflicht in Schulen gemacht.

Bildungsministerium: Negativer Corona-Test ist keine Pflicht

Die Staatssekretärin im Bildungsministerium, Eva Feußner (CDU), hatte bereits am Sonnabend betont, Schülerinnen und Schüler müssten keinen negativen Corona-Test vorlegen, wenn sie am Montag zum Unterricht gehen. Feußner sagte bei MDR SACHSEN-ANHALT, das gelte nach der Rückkehr aus Corona-Risikogebieten im Ausland ebenso wie nach Rückkehr aus einem innerdeutschen Hotspot mit einer Inzidenz von 50 und mehr.

Logistisch sei es gar nicht machbar, jede Schülerin und jeden Schüler zu testen, erklärte Feußner. Das Ministerium setze auf Ehrlichkeit von Schülern wie auch von Lehrkräften. Wer in einem Corona-Risikogebiet im Ausland war, solle das der Schule mitteilen, sagte sie. Grundsätzlich gelte weiterhin die Schulpflicht. Eltern müssten entscheiden, ob sie ihr Kind im Falle einer leichten Erkältung in die Schule schickten oder zum Arzt.

Bundesweit mehr als 11.000 neue Infektionen gemeldet

In ganz Deutschland ist die Zahl der neuen Corona-Fälle unverändert hoch. Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages mehr als 11.000 Fälle gemeldet. Zur selben Zeit am Sonnabend waren es knapp 15.000 – allerdings haben mehrere Bundesländer, darunter Sachsen-Anhalt, dem RKI keine neuen Zahlen übermittelt. Wie das RKI weiter mitteilte, kamen 29 Todesfälle von Covid-19-Patienten hinzu. Landesweite aktuelle Zahlen für Sachsen-Anhalt werden vom Sozialministerium erst wieder Montagmittag bekannt gegeben.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erklärte am Sonntag, der Schulbeginn sei ein neuer Prüfstein in der Pandemie. Haseloff sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es werde punktuell womöglich Infektionsfälle in den Schulen geben. Bislang habe man es geschafft, diese Fälle nachzuverfolgen. Ein zweiter flächendeckender Shutdown müsse vermieden werden.

Nach dem Jerichower Land und dem Burgenlandkreis hatte am Sonnabend auch die Stadt Halle die sogenannte 7-Tage-Inzidenz von 50 überschritten – den Wert also, der angibt, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen nachweislich mit dem Virus infiziert haben. Oberbürgermeister Wiegand hatte an die Menschen in der Saalestadt appelliert, ihre sozialen Kontakte zu verringern. Am Sonntag lag der Wert nach Angaben von Wiegand bei 50,73 – und damit etwas niedriger als am Tag zuvor. In der Saalestadt sind demnach aktuell 225 Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert, neun werden im Krankenhaus behandelt.

Die Stadt Magdeburg, in der der Inzidenz-Wert am Freitag bei knapp 49 gelegen hatte, veröffentlichte am Wochenende keine aktuellen Zahlen.

Was ist die 7-Tage-Inzidenz?

Der Wert der 7-Tage-Inzidenz gibt an, wie viele neue Corona-Infizierte je 100.000 Einwohner es in den jeweils vergangenen sieben Tagen gab. So lässt sich nachvollziehen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt hat. Für die 7-Tage-Inzidenz gibt es zwei Schwellenwerte: Der erste liegt bei 35, der zweite bei 50. Was passiert, wenn eine Region die Werte erreicht, entscheiden das Robert Koch-Institut und Politikerinnen und Politiker. Während der Schwellenwert von 35 eher eine Art Warnwert ist, können Politikerinnen und Politiker ab dem Wert von 50 Maßnahmen ergreifen.

Toilettenpapier wieder heiß begehrt

Leeres Toilettenpapier-Regal in einem Drogeriemarkt in Aschersleben
In den ersten Supermärkten und Drogerien ist das Toilettenpapier ausgegangen. Bildrechte: MDR/Marko Litzenberg

Unterdessen decken sich die Menschen in Sachsen-Anhalt offenbar wie schon im Frühjahr mit Toilettenpapier ein. Mehrere Reporterinnen und Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT haben in den vergangenen Tagen leere Regale entdeckt. Die Supermärkte und Drogerien appellierten an ihre Kundinnen und Kunden, sich nicht unnötig zu bevorraten. Die Versorgung mit Toilettenpapier sei in Deutschland gesichert, schrieb etwa ein Drogeriemarkt in Aschersleben.

Das Statistische Bundesamt hatte am Donnerstag dieser Woche bekanntgegeben, dass der Absatz von Toilettenpapier allein in der Vorwoche um 90 Prozent gestiegen ist.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. Oktober 2020 | 17:00 Uhr

4 Kommentare

Peter vor 4 Wochen

Können Sie sicher sein, dass Sie morgen noch gesund sind? Das kann leider keiner von uns. Insofern wäre es verantwortungsvoll, die Maske zu tragen, um das Infektionsrisiko meines Nachbarn zu verringern.
Natürlich muss man dazu Verantwortungsbewußtsein haben.

Anni22 vor 4 Wochen

Womit bewiesen wäre, die Menschen haben mehr Angst davor, dass das Klopapier ausgeht, als vor Corona. Sonst würden Sie ja lieber Zuhause bleiben, statt Klopapier zu kaufen. Das ist übrigens im Westen genauso, also keine Nachwirkung der DDR. ;-) Schönen Sonntag noch und geht an die frischen Luft, das entspannt.

jackblack vor 4 Wochen

Am besten alle die Angst haben schliessen sich mit 20 Rollen Klopapier im Keller ein- und das bis 2025. ( Ironie aus )

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