Corona-Verordnung Darum wird nicht jeder Club wieder öffnen

MDR-Reporter Hagen Tober
Bildrechte: Hagen Tober

Clubs und Diskotheken in Sachsen-Anhalt können ab November wieder öffnen. Die Landesregierung lockerte am Dienstag die Verordnung. Die Vorgaben sind aber schwer umzusetzen, wie ein Beispiel in Magdeburg zeigt. MDR-Reporter Hagen Tober hat sich mit dem Betreiber des Prinzzclubs getroffen.

Blick in den leeren Raum einer Diskothek.
Der Magdeburger Prinzzclub wird weiterhin leer bleiben. Der Club öffnet am 1. November nicht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Endlich: Die Diskotheken und Clubs dürfen wieder öffnen. Ich starte eine Recherche, um einen Betreiber zu finden und von ihm zu erfahren, wie schwer das vergangene halbe Jahr gewesen ist und wie es nun nach der neuen Regelung weitergeht.

Keine Diskotheken auf dem Land

Zuerst wollte ich eine Diskothek auf dem Land finden. Mit Google Maps ganz easy, dachte ich, und begann zu suchen. Gut zwei Dutzend Einträge mit Querverweisen zu den Webseiten habe ich gefunden.

Und dabei blieb es dann auch. Die Webseiten waren auf Stand März eingefroren und beim Anrufen der Telefon- bzw. Handynummern der Betreiber hörte ich immer wieder den selben Spruch: "Die Rufnummer ist uns nicht bekannt, bitte rufen Sie die Auskunft an." Kann es sein, dass Covid19 es geschafft hat, sämtliche Diskotheken sterben zu lassen?

Was die ländliche Gegend betrifft, scheint das so – zumindest ist das mein Fazit der Recherche.

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Clubs in der Stadt bangen um Existenz

In den Großstädten sieht das etwas anders aus. In Magdeburg etwa treffe ich Guido Schwirzke. Er ist gerade auf dem Weg in seinen Club. Knapp zwanzig Jahre betreibt er die in Magdeburg angesagte Location "Prinzzclub".

Doch sechs Monate Corona und die Zwangsschließung haben es geschafft, sein Geschäft beinahe zu ruinieren. Schon lange hat er die Sicherungen hier nicht mehr eingeschaltet. Stromsparen war angesagt.

Ein Mann vor einem Diskotheken-Tresen.
Für Club-Betreiber Guido Schwirzke wäre die Öffnung seines Prinzzclubs nicht rentabel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Allein 6.500 Euro monatliche Miete nagen aller vier Wochen an seinem Ersparten. Guido Schwirzke macht das echt zu schaffen, er ist Soloselbständiger und gerade jetzt merkt er die Nachteile. Als GmbH wäre der Clubbetreiber wesentlich besser aufgestellt.

Vor Corona tummelten sich im Prinzzclub rund 350 Partylaunige. Laut Corona-Eindämmungsverordnung sind nun maximal 60 Prozent der üblichen Auslastung erlaubt. Gruppen von 10 Personen dürfen dabei ohne Mindestabstand zusammen tanzen, müssen jedoch Abstand zu anderen Gruppen oder Einzelpersonen halten. Für Guido Schwirzke wäre das bei etwas mehr als 200 erlaubten Gästen ein Szenario, das sich aus seiner Sicht nur schwer umsetzen lässt.

Personalmangel in den Clubs

Bis zum 1. November sind noch ein paar Wochen Zeit, vielleicht werden sich die Hygieneanforderungen bis dahin noch ändern. Doch dann hat der Clubbetreiber ein weiteres Problem. Vor Corona hatte er eine Top-Mannschaft hinter dem Tresen. Hauptsächlich Studenten. Ob er so schnell wieder gutes Personal bekommt, ist fraglich.

Der Betreiber des Prinzzclubs glaubt, dass seine Location wahrscheinlich bis über den Jahreswechsel geschlossen bleibt. Es sein denn, es geschieht noch ein Wunder.

Clubs in Halle kündigten unterdessen an, ab November öffnen zu wollen. Sie dankten dem Land dafür, dass der Neustart ermöglicht wurde.

MDR-Reporter Hagen Tober
Bildrechte: Hagen Tober

Über den Autor Hagen Tober begann seine Fernsehlaufbahn 1992 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Mitte der Neunziger sammelte der gebürtige Sachse weitere Erfahrungen beim NDR, dem ORB und dem SFB. Nach 15 Jahren Reportertätigkeit für das Auslandsfernsehen Deutsche Welle TV kam er 2013 wieder zurück zum MDR. Hier arbeitet Hagen Tober hauptsächlich im Bereich Fernsehen, aber auch für den Hörfunk und die Onlineredaktion. Seine Lieblingsorte in Sachsen Anhalt sind die Altmark, der Harz und die Flusslandschaften von Elbe, Saale und Unstrut.

Quelle: MDR/ht

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. September 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Ines W. vor 6 Wochen

So leid einem die Betreiber tun können, so wenig kann man tatsächlich an ihrer Situation ändern.

Jeder dessen Geschäftsmodell auf der Massierung von Menschen auf kleinstem Raum beruht hat aktuell ein Problem. Fraglich ist auch, ob der Herr seinen Club auch ohne Auflagen überhaupt füllen könnte. Wer will sich aktuell schon eng auf eng mit völlig Unbekannten in einem engen Stickigen Raum bewegen? Klar kann man die Ängste verdrängen und so tun als gäbe es keine Gefahr, nur weil ein Club geöffnet hat. Das dies eine Selbsttäuschung ist, konnte man in Prag sehen. Natürlich kann man nach dem Motto "Augen zu und durch" Party machen, solange das Risiko auf andere Infizierte zu treffen statistisch gesehen noch gering ist.

Das einem die Statistik gehörig den Spaß verderben kann ist bekannt. In unserem Betrieb hatten wie schon 3 Fälle im Personalumfeld. Zuletzt der Sohn vom Chef auf einer Geburtsatgsparty mit gerade mal 17 Gästen.

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