Corona-Daten-Update 20.03.2020 Corona-Fallzahlen legen deutlich zu

Manuel Mohr
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In welchen Regionen die Zahl der neu erkannten Infektionen am Freitag besonders zugenommen haben und wo alle Corona-Daten und Statistiken auch ihre Grenzen haben, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Ein Mensch im Schutzanzug macht einen Test bei einem Autofahrer, davor das "Corona-Daten-Update"-Logo.
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Letztes Update: 19.41 Uhr

Sachsen-Anhalt | Sachsen | Thüringen: Die aktuelle Lage

Die neuesten Meldungen aus allen Landkreisen und kreisfreien Städten im MDR-Gebiet ergeben am Abend folgende Corona-Lage:

Bitte beachten Sie, dass die Daten in der Karte die zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuellsten sind. Sie stammen aus verschiedenen Quellen, die sie den folgenden Hinweisen entnehmen können.

Hinweise zu den Daten in der Karte:

Bitte beachten: Aus Sachsen-Anhalt stammen die Zahlen vom Sozialministerium. Die Daten des Freistaats Sachsen stammen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium. In Sachsen wird bei der Veröffentlichung zwischen elektronisch übermittelten Fällen und den Fällen inklusive Vorabmeldungen unterschieden. In unserer Karte haben wir uns dafür entschieden, die Fälle inklusive der Vorabmeldungen zu veröffentlichen, da so ein Vergleich mit Sachsen-Anhalt und Thüringen besser möglich ist.

In Thüringen wiederum veröffentlicht die Landesregierung einmal täglich neue Fallzahlen. Meine Kollegen von MDR THÜRINGEN werten laufend aktuelle Meldungen aus den Landkreisen und kreisfreien Städten aus, sodass ihre Angaben aktueller und damit auch höher als die des Landes sind. In der Karte verwende ich daher die recherchierten und geprüften Daten meiner Thüringer Kollegen.

Was mir heute an den Zahlen aufgefallen ist

In Sachsen-Anhalt meldete das Sozialministerium am Nachmittag insgesamt 217 mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Menschen. Zwölf von ihnen werden im Krankenhaus betreut. In welchen Städten die Polizei sogenannten Corona-Partys auflösen musste und wie es mir bei meinem Besuch in der Magdeburger Blutbank ergangen ist, können Sie im News-Blog meiner geschätzten Kollegen nachlesen, mit denen ich mich täglich in mehreren Videokonferenzen austausche und so trotz Homeoffice etwas gesellige Büro-Atmosphäre verspüre.

Aus Sachsen wurden am Nachmittag insgesamt 562 Infektionsfälle gemeldet. Zudem gibt es aus dem Freistaat eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Der erste mit dem Corona-Virus infizierte Sachse ist wieder gesund. Das bestätigte der Pressesprecher des Landratsamtes in Pirna auf Anfrage von MDR SACHSEN. Die Schlechte: Ein Patient ist an der Infektion mit dem Corona-Virus gestorben, das bestätigte der Landkreis Bautzen. Damit gibt es in Sachsen das erste Todesopfer. Ein weiterer Patient ist nach der Infektion schwer erkrankt. Welche Entwicklungen der Tag in Sachsen noch mit sich brachte, können Sie bei meinen sächsischen Kollegen im Corona-Ticker nachlesen.

In Thüringen hat sich die Gesamtzahl der Infektion am Abend auf 215 erhöht. Der Kreis Hildburghausen war bis zum Abend der einzig Verbleibende ohne bestätigten Infektionsfall. Aus Jena hingegen wurden viele neuen Fälle gemeldet, die Zahl liegt jetzt bei 45. Der Krisenstab der Stadt rechnet mit einer weiter stark steigenden Zahl von Infizierten und hat deshalb auch die Regeln für Ein- und Auspendler verschärft. Wer in Jena arbeitet, sich aber in den vergangenen zwei Wochen in einem Risikogebiet aufgehalten hat, darf seine Arbeitsstelle nicht aufsuchen. Viele weitere Informationen aus Thüringen erfahren Sie hier bei meinen Kollegen.

Und wie gehabt können über die Buttons "weiter" und "zurück" in den folgenden Grafiken zwischen der Entwicklung der Fallzahlen und der Fallzahlen in Relation zur Einwohnerzahl hin und her wechseln:

Um Vergleiche sowie Entwicklungen der vergangenen Tage nachzeichnen zu können, berufe ich mich an dieser Stelle auf Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Zu beachten ist nach wie vor, dass die Daten nur alle elektronisch übermittelten Fälle beinhalten, die bis vergangene Nacht (00.00 Uhr) eingegangen sind. Die Angaben direkt aus den Bundesländern können also – wie bereits in der Vergangenheit erwähnt – abweichend sein.

Die Corona-Lage in Deutschland

Das RKI hat heute erfreulicherweise ein neues Angebot veröffentlicht. Über ein separate Internetseite mit interaktiven Grafiken werden fortan einmal pro Tag die relevanten Corona-Daten aller Bundesländer sowie aller Landkreise und kreisfreien Städte publiziert. Dies geschah bislang auch schon, aber die Zahlen waren auf mehrere Angebote verteilt und mussten zum Teil etwas umständlich aus PDF-Dateien extrahiert werden. Das neue Angebot vereinigt alle Daten, ist ansprechend aufbereitet und macht es Journalisten wie mir einfacher, alle wichtigen Zahlen automatisiert einzusammeln.

Aus der RKI-Übersicht – die zwar auf dem Datenstand der vergangenen Nacht ist, dafür aber Bundesländer-Vergleich zulässt – geht hervor, dass bis zur vergangenen Nacht deutschlandweit insgesamt 13.957 bestätigte Infektionsfälle gemeldet wurden. Das sind fast 3.000 mehr als am Vortag, der höchste Zuwachs seit Bekanntwerden der ersten Infektion. Die Zahl der Todesfälle ist auf 31 gestiegen. Wie die Lage in den den einzelnen Bundesländer ist, habe ich den folgenden drei Grafiken (1. Fallzahlen, 2. Fallzahlen pro 100.000 Einwohner, Todesfälle) zusammengestellt:

Auch hier gilt: Sie können über die Buttons "weiter" und "zurück" zwischen den beiden eben beschriebenen Ansichten hin und her wechseln

Die Grenze aller Daten

Im gestrigen Corona-Daten-Update bin ich an dieser Stelle unter anderem auf die parallele, wenn auch um einige Tage verzögerte Fallzahl-Entwicklung von Italien und Deutschland eingegangen. Sowohl in den Kommentaren unter dem gestrigen Artikel als auch auf Twitter führte das teils einzelnen intensiven, aber konstruktiven Diskussionen über Sinn und Aussagekraft dieser Visualisierungen. Für dieses Feedback bin ich sehr dankbar, hier in aller Kürze meine Sicht auf die Dinge:

Unstrittig ist meiner Meinung nach der Umstand, dass die Fallzahlen in den gestern abgebildeten Ländern Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien exponentiell steigen – sich also innerhalb eines Zeitabschnitts also verdoppeln. Das sagt auch Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Institus (RKI). Hauptkritikpunkt eines Twitter-Users war das Übereinanderlegen der Fallzahl-Kurven von Deutschland und Italien, da zum jetzigen Zeitpunkt die Testpraxis in beiden Ländern unterschiedlich sei und zudem unklar sei, wie hoch jeweils die Dunkelziffer – also die Zahl der unerkannten Infizierten – ist:

Die Meinungsäußerung ist an dieser Stelle berechtigt und nachvollziehbar. Richtig ist – und das war auch nie Intention der Visualisierung – dass aufgrund der bisherigen Verläufe keine stichhaltigen Prognosen über die Fallzahl-Entwicklungen für die kommenden Tage getroffen werden können. Vielmehr ging es mir darum, wie die Entwicklung der vergangenen Tage in beiden Ländern gewesen ist.

Ähnliches gilt übrigens für sämtliche Vergleiche von Corona-Daten: Sie geschehen in dem Wissen, dass niemand ganz genau weiß, wie hoch die Dunkelziffer pro Stadt, Bundesland oder länderweit ist. In China beispielsweise kamen – so das Ergebnis einer internationalen Forschergruppe – zu Beginn der unkontrollierten Krankheitsausbreitung auf einen Infizierten bis zu sechs Unerkannte.

Und auch die Zahl der Personen, die auf das neuartige Coronavirus getestet werden, kann stark voneinander abweichen – ob zwischen Magdeburg und Halle oder Deutschland und Italien. Auch hier kommen die von offizieller Seite veröffentlichen Zahlen an ihre natürlichen Grenzen.

Corona-Situation weltweit

Das "Sciene Media Center", eine Organisation mit Sitz in Köln, die unter anderem Informationen mit Wissenschaftsbezug für Journalisten bündelt, gibt neuerdings auch einen täglichen Coronavirus-Report heraus. Aus diesem erfahre ich, dass besonders die Situation in Italien sich dramatisch zuspitzt. Inzwischen sind dort die Zahl der gemeldeten Toten höher als die offiziell vermeldeten Zahlen der in China Verstorbenen.

Und auch hier lese ich noch einmal, dass "die Zahl der gemeldeten Infizierten in Deutschland nicht unbedingt vergleichbar mit den um etwa eine Woche verschobenen Fallzahlen in Italien" ist. Die angeführten Gründe: Viele unwägbare Faktoren wie etwa die unterschiedliche Altersstruktur der Infizierten und die Dunkelziffer der bereits Infizierten, aber nicht getesteten Personen.

Wie sich die Zahl der Infektionen, Genesungen und Todesfälle weltweit entwickelt, können Sie in folgenden Grafiken nachlesen. Auch hier können Sie mithilfe der Buttons "weiter" und "zurück" zwischen verschiedenen Ansichten hin und her wechseln:

Generelle Einschätzung der Daten:

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Datenübersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Nach einer kurzen Pause zum Durchatmen geht es bereits am Sonntag weiter mit dem nächsten Corona-Daten-Update. Bis dahin bleibt mir nur zu sagen: Halten Sie bitte Abstand zu anderen Menschen, bleiben Sie nach Möglichkeit in den eigenen vier Wänden und tragen Sie Ihren persönlichen Teil dazu bei, dass sich die Pandemie so langsam wie möglich ausbreitet. Bleiben Sie gesund!

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Wir starten am Montag, 23. März mit einem neuen Newsletter: Ihr Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Was am Tag wichtig war, was für Sie morgen wichtig wird – täglich 20 Uhr. Hier geht es zur Anmeldung.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. März 2020 | 16:00 Uhr

14 Kommentare

nasowasaberauch vor 31 Wochen

Heute in der LVZ steht der 3-Stufenplan zur Auflösung von größeren Personengruppen in Leipzig. Streetworker sollen gut zureden, dann kommt das Ordnungsamt und schimpft und am Ende die Polizei zur Auflösung der Versammlung. Allen voran könnte doch noch musikalische Unterhaltung mit Alkoholausschank organisiert werden, das entspannt die Lage. Inkonsequenter geht es nicht.

ElBuffo vor 31 Wochen

Ich gehe mal davon aus, dass das eine Momentaufnahme ist. Denn spätestens bei 40 Mio. Infizierten sollte doch langsam Schluß sein mit Verdoppelung. Und schon davor sind ja immer mehr schon wieder genesen und fallen als Überträger aus. Insofern tun uns die Jungen wahrscheinlich einen Gefallen. Je eher die befallen und wieder gesund sind, desto eher fallen sie als Weiterträger aus.

Altlehrer vor 32 Wochen

Die Infektionen in Deutschland folgen präzise der Formel :
Infektion = 156 * exp ( 0,2425 * Tag ) ; dabei ist exp die e hoch x - Funktion und Tag das Märzdatum, also für heute 156 * e hoch ( 0,2425 * 20 ) . Die Stützwerte und Ergebnisse basieren auf den Angaben der Hopkins - Un..

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