Corona-Daten-Update 23.03.2020 So hat sich die Corona-Pandemie in Sachsen ausgebreitet

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Am Montag im Fokus des Daten-Updates: das Bundesland Sachsen. Wie sich die Infektionszahlen dort in den Regionen entwickelt haben und wie der Sinn hinter "Social Distancing" gut veranschaulicht werden kann, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Ein Mensch hält eine Atemschutzmaske in den Händen, davor das Logo des "Corona-Daten-Update".
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping hat die Sachsen animiert, selbst Mundschutz zu nähen. Diese Form von Mundschutz sei zwar nicht für den medizinischen Bereich geeignet, könne aber privat bei der Eindämmung der Ausbreitung des Virus helfen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Letztes Update: 19.38 Uhr

Sachsen-Anhalt | Sachsen | Thüringen: Die aktuelle Lage

Guten Abend zum neusten Corona-Daten Update des MDR. Besonders begrüßen möchte ich an dieser Stelle all diejenigen, die über unseren neuen Newsletter auf uns aufmerksam geworden sind: Herzlich Willkommen! Auch am Montag gab es wieder zahlreiche neue Fallzahl-Meldungen. Daraus ergibt sich für die Städte und Landkreise in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen am Abend folgende Corona-Lage:

Bitte beachten Sie, dass die Daten in der Karte die zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuellsten sind. Diese wurden nicht zwangsläufig zur gleichen Uhrzeit erhoben und stammen aus verschiedenen Quellen, die Sie den folgenden Hinweisen entnehmen können.

Hinweise zur Karte

Aus Sachsen-Anhalt stammen die Zahlen vom Sozialministerium. Die Daten des Freistaats Sachsen stammen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium. In Sachsen wird bei der Veröffentlichung zwischen elektronisch übermittelten Fällen und den Fällen inklusive Vorabmeldungen unterschieden. In unserer Karte haben wir uns dafür entschieden, die Fälle inklusive der Vorabmeldungen zu veröffentlichen, da so ein Vergleich mit Sachsen-Anhalt und Thüringen besser möglich ist.

In Thüringen wiederum veröffentlicht die Landesregierung einmal täglich neue Fallzahlen. Meine Kollegen von MDR THÜRINGEN werten laufend aktuelle Meldungen aus den Landkreisen und kreisfreien Städten aus, sodass ihre Angaben aktueller und damit auch höher als die des Landes sind. In der Karte verwende ich daher die recherchierten und geprüften Daten meiner Thüringer Kollegen.

Was mir heute an den Zahlen aufgefallen ist

Aus Sachsen-Anhalt wurden bis zum Montagabend insgesamt 303 Corona-Infektionen gemeldet. Das sind 34 mehr als noch am Sonntag. Auffällig sind nach wie vor die großen regionalen Unterschiede bei den registrierten Fällen. Einsame Spitze ist weiterhin die Stadt Halle mit 72 Infektionen. Der Altmarkkreis Salzwedel (6) und das Jerichower Land (7) hingegen liegen momentan noch im einstelligen Bereich. Was ich Ihnen allerdings nicht liefern kann, sind offizielle Angaben zur Zahl der durchgeführten Tests auf den neuartigen Coronavirus in den einzelnen Landkreisen und kreisfreien Städten. Was heute sonst noch in Sachsen-Anhalt passiert ist, lesen Sie im News-Blog meiner Kollegen.

In Thüringen ist die Gesamtzahl der Infektionen im Tagesverlauf auf 347 gestiegen, 23 mehr als am Sonntag. Die bis dato höchsten Fallzahlen meldeten Jena, Erfurt und der osthüringische Landkreis Greiz. Außerdem wurde am Abend auch der erste Todesfall im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt. Seit Sonntag steht außerdem Zudem der 900-Einwohner-Ort Neustadt am Rennsteig im Ilm-Kreis für zwei Wochen komplett unter Quarantäne. Warum der Ort komplett abgeriegelt wurde und wie die Einwohner damit umgehen, erfahren Sie bei meinen Thüringer Kollegen.

Wie eingangs angekündigt möchte ich Ihnen nun noch ein paar Daten aus Sachsen zeigen. Dort hat das Sozialministerium am Montagnachmittag insgesamt 865 positiv auf SARS CoV-2 getestete Personen vermeldet. Das sind 134 mehr als am Sonntag. Die Zahl der Corona-Todesfälle stieg zuletzt auf drei. Aktuell sind die Schwerpunktregionen mit den höchsten Fallzahlen der Landkreis Zwickau sowie die kreisfreien Städte Leipzig und Dresden.

Um ein besseres Bild zu bekommen, wie sich die Fallzahlen seit Anfang März in den einzelnen Regionen entwickelt haben, habe ich Ihnen drei Grafiken zusammengestellt, zwischen denen Sie mit weiter und zurück hin und her wechseln können.

  • Die erste Grafik zeigt Ihnen den zeitlichen Verlauf der gemeldete Infektionen aus ganz Sachsen.
  • In der zweiten Grafik können Sie mithilfe eines Zeitraffers sehen, wie nach und nach aus immer mehr sächsischen Regionen erste Infektionen gemeldet wurden.
  • Und in der dritten Grafik können Sie selbst auswählen, aus welcher Region sie die Entwicklung der Infektionsfälle angezeigt haben möchten:

Alle Meldungen rund um die Corona-Epedmie in Sachsen stellen Ihnen meine Kollegen Tag für Tag hier zusammen.

Die Corona-Lage in Deutschland

Das Robert-Koch-Institut hat mit Stand 00.00 Uhr insgesamt 22.672 offiziell gemeldete Infektionen sowie 86 Todesfälle übermittelt bekommen. Großes ABER: Im Daten-Update vom Sonntag hatte ich Ihnen ja bereits mitgeteilt, dass die RKI-Daten momentan unvollständig sind, weil nicht alle Landesbehörden am vergangenen Wochenende ihre Fälle an das RKI gemeldet haben. Laut RKI-Webseite sollen voraussichtlich morgen alle Nachmeldungen eingegangen sein. Die Fallzahl dürfte dann wieder mehr der Realität entsprechen.

Zum Vergleich: Forscher der Johns-Hopkins-Universität (JHU) aus den USA berichten bis zum frühen Abend (Stand: 18.30 Uhr) bereits von über 24.800 Infektionen und 94 Todesfällen. Hauptgrund für die abweichenden Angaben: Die JHU nicht auf Meldungen einer oder mehreren Behörden angewiesen ist, sondern über zahlreiche im Internet frei zugängliche Quellen fortlaufend neue Zahlen erhebt und veröffentlicht.

In den kommenden Tagen – so lese ich bei BR24 – ist übrigens erstmals damit zu rechnen, dass in den (dann wieder vollständigen) RKI-Statistiken auch sichtbar werden könnte, inwiefern die ersten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in Deutschland tatsächlich Wirkung zeigen oder nicht.

Corona-Situation weltweit

Laut JHU ist die weltweite Gesamtzahl der Infektionen mit Stand 19.00 Uhr auf 336.004 gestiegen. Aus welchen Ländern die Forscher darüber hinaus die gegenwärtig meisten Genesungs- und Todesfälle ermittelt haben, können Sie wie gewohnt in den folgenden drei Grafiken nachlesen:

"Social Distancing" einfach veranschaulicht

Im Daten-Update vom Sonntag hatte ich es ja bereits angekündigt: In loser Folge möchte ich Ihnen die Recherchen aus anderen ARD-Datenredaktionen rund um die Corona-Pandemie vorstellen. Den Anfang mache ich mit einer visuell-ansprechenden Simulation meiner früheren Kollegen von BR Data, den Datenjournalisten des Bayerischen Rundfunks. Sie haben sich mit dem Thema "Social Distancing" beschäftigt und für jeden Leser nachvollziehbar macht, warum das Vermeiden von persönlichen Kontakten essentiell ist, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Dankenswerterweise hat sich BR-Datenjournalist Max Zierer am Montag die Zeit genommen, um mir für Sie ein paar Fragen zu beantworten:

Max, um was geht es überhaupt bei eurer "Lieber auf Abstand"-Simulation?

Die Simulation soll veranschaulichen, dass das Abstandhalten zwischen den Menschen sinnvoll ist, um die Corona-Ausbreitung zu verlangsamen. Experten nennen diese Maßnahme auch "soziale Distanzierung". Eines der Modelle haben wir zuerst bei den Kollegen der Washington Post gesehen und es für deutsche Nutzer aufbereitet.

Was wolltet ihr mir dem Projekt bei euren Usern erreichen?

Grundsätzlich geht es um Aufklärung, denn vielen ist vielleicht noch nicht klar, wieso sie sich nun über Wochen von ihrem Mitmenschen möglichst fernhalten sollen. Wenn nur einige Menschen nach dem Lesen ihr Verhalten ändern und im Zweifel auf Abstand gehen, haben wir schon ein wichtiges Ziel erreicht.

Was hat dich bei deinen Recherchen am meisten überrascht?

Mir war der Begriff der "Reproduktionszahl" neu. Sie besagt, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Die müssen wir senken. Schon eine kleine Änderung nach unten kann die Ausbreitung verlangsamen, das versuchen wir auch mit unserem Artikel zu vermitteln: Jeder der zuhause bleibt leistet einen wichtigen Beitrag, um die Pandemie zu bremsen.

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Üübersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Wir haben einen neuen Newsletter gestartet: Ihr Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Was am Tag wichtig war, was für Sie morgen wichtig wird – täglich 20 Uhr. Hier geht es zur Anmeldung.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSENSPIEGEL | 23. März 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

RolfT. vor 35 Wochen

Durchschnittlich sterben jeden Tag in Deutschland ca. 2400 Menschen.
Und durchschnittlich sterben täglich weltweit 15000 Kinder unter 5 Jahren.
Deshalb bitte die Zahlen der "Corona-Todesfälle" richtig einordnen.

Kutusow vor 35 Wochen

Man musste weder Experte noch Hellseher sein, um diese Entwicklung ständig steigender Fallzahlen mit den entsprechenden Folgen vorherzusehen. Ein Blick nach China und gerade auch Italien hätte gereicht, um zu sehen, was auch hier passieren wird! Schon zu Beginn hätten die Hauptinfektionsherde rigoros abgeriegelt werden müssen, so wie das China und Russland getan haben! In beiden Ländern kommen die Neuinfektionen mehr oder weniger aus dem Ausland! Die Beschränkungen für Bürger und Wirtschaft bundesweit kommen ja nun sowieso und sie verursachen viel mehr Todesfälle und bis jetzt noch nicht überschaubare wirtschaftliche Schäden! Sicherlich wäre es für die unter Quarantäne zu stellenden Kommunen auch sehr hart geworden, aber jetzt trifft es das ganze Land mit voller Wucht! Und die Krönung ist die Ablehnung von Hilfe aus China!

Atheist vor 35 Wochen

Die Zahlen und Materialmangel an Masken...scheinen ja nicht schlimm genug zu sein solange noch Patienten eingeflogen werden.

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