Corona-Daten-Update 17.03.2020 Was man beim Umgang mit Corona-Fallzahlen beachten muss

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

Ist die Quelle eine Kommune oder eine Landesbehörde? Wurden Zahlen vorab oder offiziell übermittelt? Weshalb der Umgang mit Corona-Fallzahlen schwierig ist und wie wir möglichst transparent damit umgehen, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Schild mit der Aufschrift "Abklärungsstelle Coronavirus" inkl. einer Grafik "Corona-Daten-Update"
In immer mehr Regionen öffnen medizinische Anlaufstellen, in denen Patienten auf eine mögliche Infektion mit dem neuartigen Coronavirus getestet werden können. Bildrechte: MDR/imago images/photothek

Letztes Update: 19.43 Uhr

Prolog: Viele Quellen verderben den Brei

Für meine Kollegen und mich ist der Umgang mit Corona-Fallzahlen eine große Herausforderung. Warum? Ein Beispiel aus Sachsen-Anhalt: Mit Stand heute um 17.00 Uhr meldet das Sozialministerium 105 Corona-Infektionsfälle. Allerdings waren nur 58 Fälle bis zum Nachmittag elektronisch an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. Fast die Hälfte aller Infektionen wurde also bislang nicht an die Bundesbehörde übermittelt und je nach Quelle unterscheiden sich die Angaben demzufolge erheblich.

Das Beispiel geht aber noch weiter: Von den eingangs erwähnten 105 Fällen aus Sachsen-Anhalt waren nach Angaben des Ministeriums 18 aus der Stadt Halle. Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand wiederum sprach in der heutigen Pressekonferenz bereits von 23 Fällen. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen offiziellen Quellen. Der Grund: Während einzelne Kommunen relativ schnell neue Daten veröffentlichen können, müssen Landesbehörden auf die Meldungen der örtlichen Gesundheitsämter warten und veröffentlichen daher nur ein bis zwei Mal pro Tag neue Werte.

Von den Landesbehörden wiederum werden die Daten an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. Jeden Abend veröffentlicht das RKI bundesweiten Daten mit Stand 15.00 Uhr. Auch diese Werte können sich – je nachdem wie schnell die Meldungen von den Landesbehörden eintreffen – zum Teil erheblich von anderen Quellen unterscheiden. Das Vorgehen aller betroffenen Kommunen und Behörden ist vollkommen legitim und nachvollziehbar, macht die Recherche und Veröffentlichung für Journalisten wie mich aber nicht besonders einfach.

In der Folge möchte ich daher fortan explizit darauf hinweisen, aus welchen Quellen die hier verwendeten Daten stammen und wie aktuell diese sind. Kommen wir nach diesem kurzen Exkurs zu den heutigen Entwicklungen:

Sachsen-Anhalt | Sachsen | Thüringen: Die aktuelle Lage

Die neusten Zahlen aus den Kreisen und kreisfreien Städten Länder im MDR-Gebiet ergeben am Abend folgendes Bild:

Bitte beachten: Aus Sachsen-Anhalt stammen die Zahlen mit Stand 17.00 Uhr vom Sozialministerium. Die Daten des Freistaats Sachsen stammen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium mit Stand 16.00 Uhr. In Sachsen wird bei der Veröffentlichung zwischen elektronisch übermittelten Fällen (214) und den Fällen inklusive Vorabmeldungen (247) unterschieden. In unserer Karte haben wir uns dafür entschieden, die Fälle inklusive der Vorabmeldungen zu veröffentlichen, da so ein Vergleich mit Sachsen-Anhalt und Thüringen besser möglich ist.

In Thüringen wiederum ist es nämlich so, dass die Landesregierung nur einmal täglich neue Fallzahlen veröffentlicht, immer mit Stand am Veröffentlichungstag um 11 Uhr. Meine Kollegen von MDR THÜRINGEN werten laufend aktuelle Meldungen aus den Landkreisen und kreisfreien Städten aus, sodass ihre Angaben aktueller und damit auch höher als die des Landes sind. In der Karte habe ich daher die recherchierten und geprüften Daten meiner Thüringer Kollegen verwendet.

Was mir heute an den Zahlen aufgefallen ist

In Sachsen-Anhalt wurde vor einer Woche der erste Corona-Fall bekannt. Seither hat sich die Fallzahl rasch erhöht, mittlerweile melden alle Kreise und kreisfreien Städte mindestens einen bestätigten Infektionsfall. Allerdings sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Unterschiede recht hoch – vor allem in den Ballungsräumen der drei kreisfreien Städte, in denen die Bevölkerungsdichte am höchsten ist. Während Halle und Magdeburg die landesweit meisten Fällen melden, sind es in Dessau-Roßlau bislang nur wenige. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die Lage in den kommenden Tagen weiterentwickelt und inwieweit die Maßnahmen der Landesregierung sich später auch in den Fallzahlen widerspiegeln werden.

Aus Sachsen, dem bevölkerungsreichsten der drei Bundesländer im MDR-Gebiet, wurde auch am Dienstag die höchste Fallzahlen gemeldet. Die meisten Fälle – sowohl in Sachsen als auch in allen drei Ländern – stammen aus der Stadt Leipzig. Der Landkreis Mittelsachsen war bis zuletzt der einzige Kreis ohne bestätigte Infektion, das ist nun nicht mehr so. Aus Thüringen wurden bislang die wenigsten Corona-Fälle im MDR-Gebiet gemeldet. Auch hier stammen aus den bevölkerungsreichen Städten Erfurt und Jena die höchste Fallzahlen. Gleich drei Kreise haben hingegen noch keine Infektion registriert. In den kommenden Tagen werde ich an dieser Stelle noch auf verschiedene regionale Fallzahl-Entwicklungen näher eingehen.

Die Corona-Lage in Deutschland

Wie eingangs erwähnt sind die Daten des RKI sehr gut, um Vergleiche zwischen den Bundesländern zu ziehen. Es ist gilt aber zu beachten, dass die Werte erst mit zeitlicher Verzögerung bei dem Berliner Institut eintreffen. Mit Stand heute um 15.00 Uhr sind das die offiziell übermittelten Fallzahlen:

Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass das RKI bislang alle Fälle aufgelistet hat, die übermittelt worden sind oder die von Bundesländern und Kommunen öffentlich bestätigt waren. Mit der steigenden Zahl der Fälle in Deutschland können diese Fallzahlen vom RKI nicht mehr manuell aktualisiert und qualitätsgesichert berichtet werden. Daher werden ab sofort ausschließlich die dem RKI von den Gesundheitsämtern übers Bundesland elektronisch übermittelten Fälle dargestellt. 

Weltweit mittlerweile über 190.000 Infektionen

Forscher der John Hopkins University (JHU) aus Baltimore (USA) tragen aus einer Vielzahl von regionalen und internationalen Quellen Corona-weltweite Corona-Daten zusammen und aktualisieren diese fortlaufen:

Mit Stand 19.00 Uhr sind weltweit über 80.000 Patienten wieder von ihrer Covid–19-Erkrankung genesen, rund 7.500 Menschen starben bislang infolge der Infektion.

Generelle Einschätzung der Daten: Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommune, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Datenübersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17. März 2020 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

Holger Oelge vor 27 Wochen

Der Begriff "Ausgangssperre" geht gerade durch die Nachrichten. In Bayern gibt es das schon, in Italien, Spanien, Frankreich sowieso. Eine Ausgangssperre ist auch bei uns möglich, wenn die Infektionen nicht deutlich reduziert werden, z.B. weil Leute trotzdem noch im Park Party feiern. Daher sollte die Polizei solche Partys und andere Menschenansammlungen - die es nicht kapieren wollen - jetzt konsequent auflösen und Platzverweise erteilen!

Holger Oelge vor 27 Wochen

Sehr geehrter Herr Mohr,
ich bin gerade am Nordpark in MD vorbeigefahren. Dort sitzen Gruppen von Menschen dicht beisammen u. feiern. Ich habe eine Gruppe angesprochen mit dem Hinweis, dass ihr Beisammensein gerade nicht förderlich ist. Die Reaktionen waren uneinsichtig u. pampig. Daraufhin habe ich bei der Polizeidirektion angerufen mit dem Hinweis, dass nach §36 Nr. 1 zur Abwendung einer Gefahr doch Platzverweise ausgesprochen werden könnten. Die Polizei hat zwar das Oamt benachrichtigt, mir aber gesagt, dass Platzverweise nicht möglich wären. Auch im Stadtpark gäbe es solche Partygruppen, sagte mir die Polizei. Ich frage mich gerade: Wenn DAS was gerade abläuft keine Gefahr ist, dann verstehe ich die Polizei nicht mehr, weil Platzverweise die Gefahr der Übertragung in der Epidemie verringern! Sehr geehrter Herr Mohr, ich würde es sehr gut finden, wenn Sie als Reporter des MDR dem für uns alle nachgehen könnten, um mal von höherer Stelle ein öffentliches Statement zu bekommen. Danke!

Strafrechts-Profit-eur vor 27 Wochen

BRD Einwohner: ca. 82 Millionen
Lebenserwartung ca. 80 Jahre
Es sterben also 1.000.000 jährlich / 100.000 monatlich
also 150.000 von Ende Januar bis Mitte März

Davon starben 10 (0,0067%) bei denen - angeblich - das Corona-Virus festgestellt wurde.

Corona-Virus-Test ist nicht valide:
"Results: When the infection rate of the close contacts and the sensitivity and specificity of reported results were taken as the point estimates, the positive predictive value of the active screening was only 19.67%, in contrast, the false-positive rate of positive results was 80.33%. The multivariate-probabilistic sensitivity analysis results supported the base-case findings, with a 75% probability for the false-positive rate of positive results over 47%."
Q: PubMed: Potential false-positive rate among the 'asymptomatic infected individuals' in close contacts of COVID-19 patients.

Eine Pandemie liegt folglich NICHT vor.

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