Corona-Daten-Update 24.03.2020 Wie Sie trotz verschiedener Corona-Fallzahlen den Durchblick behalten

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

Welche Fallzahl wie erhoben und wann veröffentlicht wird, ist von Region zu Region und Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Was überhaupt vergleichbar ist und wie Sie nicht den Überblick verlieren, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Menschen halten Abstand, während sie vor einem Postamt Schlange stehen, dazu das Logo des Corona-Daten-Updates.
Auch in der Schlange vor der Postamt gilt neuerdings noch mehr als sonst: Abstand halten! Bildrechte: MDR/dpa

Letztes Update: 19.59 Uhr

Sachsen-Anhalt | Sachsen | Thüringen: Die aktuelle Lage

Guten Abend zu einer neuen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Aus den am Dienstag aus allen Regionen eingegangenen Corona-Meldungen ergibt sich für die Städte und Landkreise in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen am Abend folgende Corona-Lage:

Bitte beachten Sie, dass die Daten in der Karte die zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuellsten sind. Diese wurden nicht zwangsläufig zur gleichen Uhrzeit erhoben und stammen aus verschiedenen Quellen, die Sie den folgenden Hinweisen entnehmen können.

Hinweise zur Karte

Aus Sachsen-Anhalt stammen die Zahlen vom Sozialministerium. Die Daten des Freistaats Sachsen stammen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium. In Sachsen wird bei der Veröffentlichung zwischen elektronisch übermittelten Fällen und den Fällen inklusive Vorabmeldungen unterschieden. In unserer Karte haben wir uns dafür entschieden, die Fälle inklusive der Vorabmeldungen zu veröffentlichen, da so ein Vergleich mit Sachsen-Anhalt und Thüringen besser möglich ist.

In Thüringen wiederum veröffentlicht die Landesregierung einmal täglich neue Fallzahlen. Meine Kollegen von MDR THÜRINGEN werten laufend aktuelle Meldungen aus den Landkreisen und kreisfreien Städten aus, sodass ihre Angaben aktueller und damit auch höher als die des Landes sind. In der Karte verwende ich daher die recherchierten und geprüften Daten meiner Thüringer Kollegen.

In Sachsen-Anhalt meldete das Landesamt für Verbraucherschutz am Nachmittag insgesamt 377 Corona-Infektionen. Das sind 74 mehr als am Vortrag. Weiterhin die meisten Fälle wurden aus Halle (82) und Magdeburg (56) übermittelt. Zudem gibt es ein erstes Todesopfer nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Wie die Stadt Halle und das Sozialministerium am Montagabend mitteilten, ist in Halle eine 80 Jahre alte Frau bereits am Sonnabend gestorben. Die Frau war mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, hatte aber bereits unter Vorerkrankungen gelitten. Diese Erkrankungen sollen zum Tod der Frau geführt haben.

Aus Sachsen wurden am Nachmittag 1.018 bestätigte Infektionsfälle gemeldet, 153 mehr als noch am Montag. Auch die Zahl der Toten ist auf mittlerweile 6 gestiegen, wie ich bei meinen Kollegen von MDR SACHSEN gelesen habe. Nach wie vor die meisten Infektionen gemeldet werden aus Leipzig (181), dem Landkreis Zwickau (172) und Dresden (169) gemeldet.

In Thüringen haben inzwischen über 50 Personen die Coronavirus-Infektion überstanden. Das geht aus der Tagesstatistik der Landesregierung vom Dienstagvormittag hervor. Demnach gelten zum Beispiel im Kreis Greiz acht zuvor Infizierte wieder als gesund, im Kyffhäuserkreis, im Saale-Holzlandkreis und in der Stadt Erfurt sind es sechs. Darüber hinaus lese ich bei meinen Thüringen Kollegen, dass bis zum Abend die Gesamtzahl der Corona-Infektionen seit Bekanntwerden des ersten Falls auf 426 gestiegen ist, 79 mehr als Montagabend.

So behalten Sie den Daten-Überblick

In den zurückliegenden Corona-Daten-Updates habe ich schon mehrfach davon gesprochen, dass sich je nach Quelle die vermeldeten Fallzahlen unterscheiden können. Grund dafür ist die Meldekette, also der Weg, den ein Fall in der Statistik von Behörde zu Behörde durchläuft. Doch nach wie vor erreichen mich dazu immer wieder Rückfragen, weil unterschiedliche Fallzahlen für eine Stadt oder ein Bundesland natürlich verwirrend sind.

Ich habe für Sie beim Landesamt für Verbraucherschutz in Sachsen-Anhalt noch einmal nachgefragt, wie es zu diesem zeitlichen Verzug kommen und wie groß er werden kann. Meine Erkenntnisse zeichne ich Ihnen am besten anhand des des Meldewegs eines typischen Corona-Falls nach:

1. Diagnose
Ein Arzt oder eine Labor stellt bei einem Patienten die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 fest. Diese ist umgehend dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Ein solches Amt gibt es in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt – also 14 in ganz Sachsen-Anhalt.

2. Gesundheitsamt
Die Gesundheitsämter müssen die eingegangen Daten spätestens am nächsten Arbeitstag (momentan auch am Wochenende) händisch in ein Melde-Software eingeben und an die nächst höhere Instanz – in Sachsen-Anhalt das Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) – übermitteln. Allerdings sind die Gesundheitsämter auch für die Nachverfolgung von Kontaktpersonen bestätigter COVID-19-Fälle zuständig und müssen rasch die notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen einleiten, um weitere Übertragungen zu verhindern. Da das momentan Priorität hat, kann sich die Übermittlung ans LAV auch verzögern.

3. LAV
Alle Meldungen, die beim LAV eingehen, werden zunächst auf Plausibilität geprüft. Das ist in Abhängigkeit von der Anzahl und Qualität der Daten mal mehr und mal weniger zeitaufwändig. Einmal täglich – aktuell auch am Wochenende – werden die geprüften Daten dann an das Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt. Zusätzlich werden zwei Mal pro Tag die aktuellen Fallzahlen auch an das Sozialministerium weitergeleitet. In Sachsen und Thüringen werden die Daten auf dieser Ebene übrigens nur einmal pro Tag veröffentlicht – in Thüringen am Vormittag, in Sachsen am Nachmittag.

4. RKI
Jeden Morgen veröffentlicht das RKI dann aus allen Bundesländern aktuelle Zahlen, die jeweils bis Mitternacht eingegangen sind.

Zwischen der Diagnose einer Corona-Infektion und dem Auftauchen des Falls in einer Statistik können – je nachdem, welche Quelle Sie betrachten – mehrere Stunden bis hin zu Tagen vergehen. Wenn also das Gesundheitsamt – oder viel mehr die dazugehörige Stadt oder der dazugehörige Landkreis – eine neue Fallzahl vermeldet, muss diese noch lange nicht beim LAV oder dem Sozialministerium eingegangen sein. Und die Angaben, die ein Bundesland am Abend herausgeben, landen unter Umständen erst einen Tag später in der bundesweiten Statistik des RKI.

Vorsicht also, wenn Sie beispielsweise die Angaben einer Landesbehörde am selben Tag noch mit den RKI-Zahlen für das gleiche Bundesland vergleichen. Oder wenn die Angaben eines Landkreises höher sind als die der Landesbehörden. Schnell ist man da beim berühmten Vergleich von Äpfeln un Birnen. Das Vorgehen aller Institutionen ist dabei übrigens legitim und durchaus nachvollziehbar, führt aber immer wieder dazu, dass in der Öffentlichkeit verschiedene Zahlen kursieren. Mein Rat:

  • Achten Sie bei veröffentlichten Fallzahlen immer darauf, woher sie stammen und zu welcher Uhrzeit die Daten erhoben wurden.
  • Vergegenwärtigen Sie sich, dass lokale und regionale Quellen immer schneller sind als überregionale oder bundesweite. Diese wiederum erheben ihre Daten in regelmäßigen, festen Abständen – sind damit also besser für Vergleiche geeignet.
  • Behalten Sie das im Hinterkopf, verlieren Sie nie den Überblick.

Die Corona-Lage in Deutschland

Mit Stand Mitternacht hat das RKI am Dienstagmorgen insgesamt 27.436 Infektionsfälle registriert. Das sind gleich 4.764 mehr als noch am Montag. Aber: Im heutigen Situationsbericht weist das Institut erneut darauf hin, dass am vergangenen Wochenende nicht alle Ämter auf Landesebene ihre Daten übermittelt hätten.

Diese wurden nun nachgetragen, wodurch sich in einigen Bundesländern am Dienstag höhere Fallzuwächse als sonst zeigten. Das wiederum hat auch Auswirkungen auf den Gesamt-Anstieg zum Vortag. Da aber nicht ersichtlich wurde, wie viele Daten nachgetragen wurden, wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen, wie hoch die nächsten Zuwächse pro Tag ausfallen.

Damit Sie sich ein noch bessers Bild von den aktuellen RKI-Zahlen machen können, habe ich die vier folgenden Grafiken zusammengestellt. Sie beinhalten:

  1. Entwicklung der Gesamt-Fallzahl,
  2. Fallzahl pro Bundesland,
  3. Fallzahl bezogen auf 100.000 Einwohner und Bundesland
  4. Verteilung von Alter und Geschlecht unter aller Infizierten:

Wie immer gilt: Daten des RKI können aufgrund des Meldeverzugs abweichend von Quellen auf lokaler und regionaler Ebene sein.

Corona-Situation weltweit

Forscher der Johns-Hopkins-Universität (JHU) aus den USA berichten bis zum frühen Abend von rund 398.000 Infektionen und mehr als 17.000 Todesfällen weltweit. Aus welchen Ländern die JHU darüber hinaus die meisten Genesungs- und Todesfälle ermittelt haben, können Sie wie gewohnt in den folgenden drei Grafiken nachlesen:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Üübersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Wir haben einen neuen Newsletter gestartet: Ihr Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Was am Tag wichtig war, was für Sie morgen wichtig wird – täglich 20 Uhr. Hier geht es zur Anmeldung.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 24. März 2020 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

Gandalf vor 10 Wochen

Oh jeh, falsche Taste, ... gezählt wird, egal woran er gestorben ist.
Ärzte europaweit halten die jetzt getroffenen Maßnahmen für irrsinnig. Sie stressen die Bevölkerung und rufen neue Opfer hervor. Auch davon liest man im MDR nichts!
Der mögliche Zusammenhang mit der enorm hohen Luftverschmutzung in Norditalien wird auch nicht thematisiert und wann werden die Coronazahlen endlich mal mit den jahreszeitlich üblichen Verstorbenen verglichen? Auch dies wird die Lage klarer darstellen.
Ansonsten, bin ich gespannt, ob dies öffentlich gemacht wird.

Gandalf vor 10 Wochen

Es gibt mittlerweile genügend Daten aus Japan, Südkorea, Spanien und Italien, welche eine völlig andere Faktenlage darstellen. Wieso werden diese dem Publikum nicht vorgestellt?
Weiterhin hat der President des RKI am 20.03. klargestellt, dass jeder Verstorbene, bei dem die Viren festgestellt wurden, automatisch als Coronatoter

MDR-Team vor 10 Wochen

Die Anzahl der Genesenen – die übrigens nur in Thüringen, nicht aber in Sachsen und Sachsen-Anhalt von offizieller Seite kommuniziert wird – ist gewissermaßen eine eigene Kategorie. Genau genommen wird auch fortlaufend nur die Gesamtzahl der Infektionen veröffentlicht, nicht die Anzahl der momentan Infizierten. Richtig ist, dass die Zahl der Infektionen momentan immer weiter steigt, aber dabei handelt es sich um eine aufsummierte Angabe. Wie viele Personen zum jeweiligen Zeitpunkt gerade als infiziert gelten, wird aus den Daten der Thüringer Landesregierung nicht ersichtlich. Beim RKI ist das ebenso.

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