Corona-Daten-Update 25.03.2020 Wo bislang die meisten Infizierten dem Coronavirus ausgesetzt waren

Jede Corona-Infektion hat auch einen Ursprungsort. Wo sich die hierzulande Erkrankten mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben und warum ausgerechnet in Italien die Todesrate so hoch ist, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Mitarbeiter der Corona-Ambulanz am Uniklinikum stehen in Schutzkleidung und Atemschutzmasken vor dem Eingang, dazu das Logo des Corona-Daten-Updates.
Bildrechte: MDR/dpa

Letztes Update: 20.05 Uhr

Sachsen-Anhalt | Sachsen | Thüringen: Die aktuelle Lage

Hallo und guten Abend zur neuen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Im Laufe des Tages gab es wieder einige Corona-Meldungen. Für die Städte und Landkreise in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen ergibt sich somit am Abend folgende Corona-Lage:

Bitte beachten Sie, dass die Daten in der Karte, die zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuellsten sind. Diese wurden nicht zwangsläufig zur gleichen Uhrzeit erhoben und stammen aus verschiedenen Quellen, die Sie den folgenden Hinweisen entnehmen können.

Hinweise zur Karte

Aus Sachsen-Anhalt stammen die Zahlen vom Sozialministerium. Die Daten des Freistaats Sachsen stammen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium. In Sachsen wird bei der Veröffentlichung zwischen elektronisch übermittelten Fällen und den Fällen inklusive Vorabmeldungen unterschieden. In unserer Karte haben wir uns dafür entschieden, die Fälle inklusive der Vorabmeldungen zu veröffentlichen, da so ein Vergleich mit Sachsen-Anhalt und Thüringen besser möglich ist.

In Thüringen wiederum veröffentlicht die Landesregierung einmal täglich neue Fallzahlen. Meine Kollegen von MDR THÜRINGEN werten laufend aktuelle Meldungen aus den Landkreisen und kreisfreien Städten aus, sodass ihre Angaben aktueller und damit auch höher als die des Landes sind. In der Karte verwende ich daher die recherchierten und geprüften Daten meiner Thüringer Kollegen.

In Sachsen-Anhalt stieg laut Landesamt für Verbraucherschutz die Gesamtzahl der bestätigten Corona-Infektionen seit Bekanntwerden des ersten Falls auf 420. Zurzeit sind 34 Personen deswegen im Krankenhaus, davon sieben Personen mit schwerem Verlauf. Nach Angaben der Amtsärztin der Stadt Halle, Christine Gröger, sind allein in der Saalestadt momentan rund 800 Menschen in Quarantäne.

Die Stadt kündigte an, dass ab Freitag eine mobile Fieberambulanz eingerichtet werde. Bei diesem "Corona Drive-in" nimmt den Angaben nach medizinisches Personal den Test auf eine Infektion mit dem Coronavirus von Menschen vor, die dafür im Auto sitzen bleiben können. Dies sei ein zusätzliches Angebot zu den bereits eingerichteten Testambulanzen.

Die Zahl der Corona-Patienten in Sachsen ist weiter gestiegen. Wie Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping in Dresden bekannt gab, wurde das neuartige Coronavirus bis Mittwoch bei 1.128 Menschen nachgewiesen – 110 mehr als am Vortrag. Alle sechs Menschen, die in Sachsen aufgrund der Coronavirus-Infektion gestorben sind, waren älter als 75 Jahre alt. Aktuell liegen sechs Menschen mit schwerer Lungenentzündung auf der Intensivstation in Chemnitz. Zwei klinisch schwere Fälle beschäftigten zudem die Ärzte in Leipzig.

In Thüringen verstarb am Mittwoch ein 57-jähriger Corona-Patient – damit sind landesweit bislang drei Menschen gestorben, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Die Gesamtzahl der Infektionen stieg bis zum Abend auf 494 – 68 mehr als am Dienstagabend. Gemessen an der Einwohnerzahl sind die Stadt Jena mit 83 Infizierten je 100.000 Einwohnern sowie der Landkreis Greiz mit 52 Infizierten auf 100.000 Einwohner momentan am stärksten betroffen.

Da in den Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) mittlerweile alle säumigen Daten des vergangenen Wochenendes eingetragen sind, kann ich Ihnen nun auch wieder zeigen, wie sich die Zahl der insgesamt gemeldeten Infektionen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen bislang entwickelt hat.

Wichtig hierbei, ich wiederhole mich gern: Die RKI-Daten sind von vergangener Nacht, also nicht ganz so aktuell wie die eingangs genannten Zahlen aus den einzelnen Ländern. Dafür wurden die Angaben des RKI immer zur selben Uhrzeit erhoben, sind also für einen Vergleich besser geeignet:

Einzige Einschränkung an dieser Stelle: Es gibt keine vergleichbaren Daten zur Anzahl von Corona-Tests, die in einer Kommune oder einem Landkreis – und damit auch in jedem Bundesland – tatsächlich durchgeführt werden. Was hier also genau genommen verglichen wird, sind einzig die positiven Testergebnisse.

Worauf Sie bei allen Corona-Fallzahlen achten sollten:

  • Achten Sie bei veröffentlichten Fallzahlen immer darauf, woher sie stammen und zu welcher Uhrzeit die Daten erhoben wurden.
  • Vergegenwärtigen Sie sich, dass lokale und regionale Quellen immer schneller sind als überregionale oder bundesweite. Diese wiederum erheben ihre Daten in regelmäßigen, festen Abständen – sind damit also besser für Vergleiche geeignet.
  • Behalten Sie das im Hinterkopf, verlieren Sie nie den Überblick.

Die Corona-Lage in Deutschland

Mit Stand Mitternacht hat das RKI am Mittwochmorgen genau 31.554 Corona-Infektionen registriert. Das sind 4.118 mehr als noch am Mittwoch. Wie stark die Menschen in welchen Altersgruppen und in welchen Bundesländern betroffen sind, können Sie den folgenden vier Grafiken entnehmen:

Wie immer gilt: Daten des RKI können aufgrund des Meldeverzugs abweichend von Quellen auf lokaler und regionaler Ebene sein.

Bei den Tagesschau-Kollegen habe ich heute außerdem gelesen, dass der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte, es könne derzeit keine Aussage darüber getroffen werden, wann die in Deutschland bestehenden Einschränkungen wieder gelockert werden könnten. Die Epidemie werde sicher "noch einige Wochen" im Land bleiben. Er sei aber optimistisch, dass die Maßnahmen griffen. Und noch eine gute Nachricht: Nicht nur die Zahl der Infizierten steigt, sondern auch auch die Zahl der Genesenen. Nach aktuellen Schätzungen liege sie bei mindestens 5.600.

Expositionsorte der COVID–19-Fälle

In den täglichen Corona-Situationsberichten des RKI werden mittlerweile auch Angaben zu sogenannten "Expositionsorten bei übermittelten COVID–19-Fällen" veröffentlicht. Dabei geht es um die Länder oder Regionen, in denen Menschen dem neuartigen Coronavirus ausgesetzt (lat. "exponere") waren, sich also infiziert haben.

Zu rund 60 Prozent der bis gestern dem RKI übermittelten COVID-19-Fällen liegen Angaben zum Expositionsort vor. Deutschland wurde dabei 10.649 Mal genannt, darunter am häufigsten die Bundesländer Nordrhein-Westfalen (3.392), Bayern (2.601) und Baden-Württemberg (999). Am seltensten dagegen wurden das Saarland (99), Mecklenburg-Vorpommern (87) und Sachsen (69) als Ausgangspunkt einer Infektion aufgeführt.

Andere Länder als Ort der Exposition kommen auf 8.329 Nennungen. Mit Abstand am häufigsten sind darunter Österreich (6.031) und Italien (1.336) aufgeführt, die allein mehr als 88 Prozent aller Fälle ausmachen. Interessant auch: Allein auf das österreichische Bundesland Tirol entfallen 2.229 Nennungen. Und da laut RKI nur für einen Teil der ausländischen Expositionsorte auch regionale Angaben vorlagen, sind diese Zahlen als Minimum anzusehen – könnten in der Realität also auch höher liegen.

Corona-Situation weltweit

Die Johns-Hopkins-Universität (JHU) aus den USA berichtet bis zum frühen Abend von weltweit über 440.000 Infektionen und mehr als 19.700 Todesfällen. Aus welchen Ländern die Forscher der JHU darüber hinaus die meisten Genesungsfälle ermittelt haben, können Sie wie immer in den folgenden drei Grafiken nachlesen:

Abschließend an dieser Stelle von mir noch ein Lese-Tipp: Meine Kollegen von MDR WISSEN sind der Frage nachgegangen, warum Italien nicht nur viele Infizierte, sondern auch so eine hohe Todesrate hat? Eine einfache Antwort gibt es nicht, sondern stattdessen eine Vielzahl von Gründen:

Generelle Einschätzung der Daten Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.


Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Wir haben einen neuen Newsletter gestartet: Ihr Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Was am Tag wichtig war, was für Sie morgen wichtig wird – täglich 20 Uhr. Hier geht es zur Anmeldung.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25. März 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2020, 20:05 Uhr

1 Kommentar

sorglos vor 2 Wochen

Wenn man die Übersicht genau analysiert: in Ballungsgebieten mit schlechter Luft sind die Infektionszahlen am höchsten! Weiterhin fällt mir auf, dass immer noch bei den Toten nicht mitgeteilt wird: Alter, Vorerkrankung, Raucher?, Lebensumfeld.
Das scheint mir absichtlich "vergessen" zu werden...

Mehr aus Sachsen-Anhalt