Konjunkturumfrage Corona sorgt für Pessimismus in der Wirtschaft

Sachsen-Anhalts Unternehmen bewerten die wirtschaftliche Lage negativ. Das hat eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern ergeben. Außerdem fließen die staatlichen Corona-Hilfen für viele Firmen zu langsam.

Symbolbild zum Thema Verschärfung der Maßnahmen gegen Corona: Schild mit Aufschrift Lockdown bis zum 14. Februar 2021 an einem mit Rolltor verschlossenen Geschäfts in der Innenstadt von Frankfurt, Hessen.
Der neue Lockdown trübt die Stimmung in der Wirtschaft ein. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Ralph Peters

In Sachsen-Anhalts Wirtschaft sind die Pessimisten derzeit in der Überzahl. Das hat eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) Halle-Dessau und Magdeburg ergeben. Die Kammern befragen die Unternehmen einmal pro Quartal. Im Herbst deutete sich eine Erholung an. Bei der am Mittwoch veröffentlichten Winter-Umfrage ist davon nichts mehr zu spüren. Rund 900 Unternehmen in ganz Sachsen-Anhalt wurden diesmal befragt.

Neuer Lockdown bremst Erholung

Laut Kammern hat der neue Lockdown die Erholung ausgebremst. Der leichte Aufwärtstrend der sich zum Herbst angedeutet hatte, sei abgebrochen. Im Geschäftsklimaindex fassen die Kammern bei ihrer Erhebung die Einschätzung der Unternehmen zu Geschäftslage und Zukunftsaussichten zusammen. Dieser Wert liegt aktuell bei -10,5 Prozentpunkten. Seit 2010 war der Index nur zum Beginn des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr mit -18,5 noch niedriger.

Fachkräftemangel ist nicht mehr das größte Problem

Chemiepark Bitterfeld-Wolfen
Der Chemiepark in Bitterfeld-Wolfen. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Für die Unternehmen ist mittlerweile nicht mehr der Fachkräftemangel das größte Problem. Es sind stattdessen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen während der Coronapandemie. Das sagen aktuell drei von fünf Firmen in Sachsen-Anhalt. Viele Unternehmen würden laut Kammern deswegen ihre Investitionen auf Eis legen. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau, Thomas Brockmeier, regte einen "Extra-Topf" an, aus denen Unternehmen, die bisher durch die Förderung fallen, unterstützt werden sollen. Brockmeier sagte, das Geld dafür könne aus einer Sonderabgabe von Betrieben kommen, die durch die Umstände der Pandemie profitiert hätten.

Enttäuschung über Corona-Politik

Gut 42 Prozent der befragten Firmen rechnen in den kommenden Monaten mit schlechten Geschäften. Dass es besser wird, glauben nur knapp elf Prozent. Der IHK-Präsident in Halle-Dessau, Steffen Keitel, erklärte auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, viele Unternehmen seien von der Corona-Politik enttäuscht. Besonders das Gastgewerbe kritisiert die Einschränkungen. 70 Prozent der Befragten bezeichnen die Maßnahmen als größte Gefahr für den wirtschaftlichen Erfolg.

Keitel stellte auch die verordnete Heimarbeit infrage. Die Politik bleibe den Beweis schuldig, wie durch diese Maßnahme die Infektionszahl wirksam gesenkt werden könne. Viele Unternehmen verfügten über exzellente Hygienekonzepte. Außerdem würden viele staatliche Hilfen zu langsam fließen. Die Auszahlung der November-Hilfen war in Sachsen-Anhalt beispielsweise erst Mitte Januar angelaufen.

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Konzept für Zeit nach Lockdown gefordert

Für die Zeit nach dem Lockdown hofft IHK-Präsident Keitel auf "kluge Konzepte" für die ersten Lockerungen. Keitel sagte: "Die Unternehmen müssen wissen, wer wann unter welchen Bedingungen wieder arbeiten darf und was sie selbst konkret dafür tun können." Danach seien strukturelle Reformen notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

MDR, dpa, Mario Köhne

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. Februar 2021 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Kritiker vor 4 Wochen

+... Brockmeier sagte, das Geld dafür könne aus einer Sonderabgabe von Betrieben kommen, die durch die Umstände der Pandemie profitiert hätten....+
Schöne Erwartung, doch ob das auf ungeteilte Zustimmung trifft mag genau so pessimistisch bewertet werden.

jackblack vor 4 Wochen

Pessimismus in der Wirtschaft ????? NEIN-- Ü B E R A L L !!!!

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