Überblick Corona-Regeln: Was ab Donnerstag erlaubt ist – und was nicht

Die niedrigen Infektionszahlen mit dem Coronavirus machen es möglich: Sachsen-Anhalt lockert die Beschränkungen ab Donnerstag deutlich. Freibäder dürfen wieder öffnen, auch ein Kino-Besuch ist wieder erlaubt. Dazu kommen Lockerungen bei Krankenhaus-Besuchen. Der Überblick.

Sachsen-Anhalt macht ab diesem Donnerstag einen großen Schritt zurück in Richtung Normalität. Das regelt die sechste Landesverordnung zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie, die die Landesregierung am Dienstag beschlossen hat.

Die sechste Verordnung mit weitreichenden Lockerungen

Die sechste Landesverordnung gilt ab Donnerstag, 28. Mai, und bis voraussichtlich 1. Juli dieses Jahres. Das 13 Seiten lange Regelwerk ersetzt ab Donnerstag die bisher von der Landesregierung beschlossenen Verordnungen.

Und es lockert die Beschränkungen in Teilen noch weiter als in der vergangenen Woche angekündigt. Da hatten Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) und seine Ministerinnen und Minister einen "Sachsen-Anhalt-Plan" veröffentlicht, in dem viele – aber nicht alle – der nun beschlossenen Lockerungen bereits angekündigt worden waren.

Eine bedeutende weitergehende Lockerung ab Donnerstag: In Sachsen-Anhalt dürfen sich wieder bis zu 10 Menschen gemeinsam treffen. Bislang waren es fünf gewesen. Auch sind nicht mehr nur größere Familientreffen mit Verwandten in gerade Linie – also zum Beispiel Kindern – erlaubt. Ab Donnerstag dürfen sich "nahe Verwandte" und deren Ehe- und Lebenspartner auch dann treffen, wenn die Gruppen größer als zehn Leute sind.

Das ist ab Donnerstag wieder erlaubt

Mit der sechsten Eindämmungsverordnung hat die Landesregierung die bislang umfangreichsten Lockerungen der Corona-Maßnahmen beschlossen. Das sei zwar durchaus ein Risiko, räumte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Dienstag bei MDR SACHSEN-ANHALT ein. Allerdings seien die Infektionszahlen in Sachsen-Anhalt niedrig und gut. "Der nächste Schritt ist dran", sagte Haseloff. Nach Schätzungen des Sozialministeriums von Dienstagabend sind aktuell 62 Menschen in Sachsen-Anhalt mit dem Virus infiziert.

Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen

In Kliniken, Krankenhäusern und Pflegeheimen war in den vergangenen Wochen besonders genau auf die Einhaltung der Corona-Regeln geachtet worden. Für viele Patienten hieß das: Sie durften keinen Besuch empfangen, es galt ein striktes Besuchsverbot. Die neue Landesverordnung erlaubt an dieser Stelle ab Donnerstag Lockerungen, ein generelles Besuchsverbot gilt nicht mehr. Allerdings ist pro Patient maximal ein Besucher am Tag erlaubt – und das auch nur für eine Stunde am Tag. Das gilt auch für Behinderten-Werkstätten oder Wohngemeinschaften.

Dass das Besuchsverbot aufgehoben ist, bedeutet aber nicht, dass auch in jedem Krankenhaus wieder Besuch erlaubt ist. Während etwa das Städtische Klinikum in Magdeburg oder die Helios-Kliniken in Köthen und der Börde mitteilten, Besuche seien unter Einhaltung strenger Regeln erlaubt, hieß es vom Magdeburger Uniklinikum am Mittwoch in der Volksstimme, man halte vorerst an dem Besuchsverbot fest – mit Verweis auf zahlreiche Risikopatienten, die in dem Krankenhaus behandelt werden.

Hintereingang zum Universitätsklinikum Magdeburg.
Die Magdeburger Uniklinik will nach eigenen Angaben vorerst an dem Besuchsverbot festhalten. (Archivfoto) Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Wer also Patienten in einem Krankenhaus oder einem Pflegeheim besuchen will, sollte sich vorher über die geltenden Regeln in dem jeweiligen Haus informieren.

Feste und Feiern

An dem Verbot von Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen wird vorerst nicht gerüttelt. Solche Veranstaltungen bleiben bis einschließlich 31. August tabu. Erlaubt sind ab Donnerstag neben Treffen von insgesamt maximal zehn Personen auch Familienfeiern zu Hochzeiten, Geburtstagen oder aber zu Schulabschluss, Zeugnis-Übergabe oder Einschulung. Insgesamt dürfen sich bei solchen privaten Feiern bis zu 20 Menschen treffen. Das gilt auch für Beerdigungen.

Erstklässler mit ihren Schultüten auf dem Weg zur Einschulung in die 1. Klasse.
Viele Eltern hatten sich Sorgen gemacht, ob die Einschulungsfeier ihrer Kinder im Sommer möglich sein würde. Die Antwort: Ja, das wird sie sein. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Darüber hinaus sind unter Auflagen auch Kongresse, Fortbildungen, Seminare oder Informationsveranstaltungen mit bis zu 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erlaubt. Ab Juli sollen es bis zu 250 sein. Das gilt laut Verordnung an sich auch für Treffen von Vereinen. Es gibt allerdings zwei Voraussetzungen dafür: Die Veranstaltungen müssen geschäftliche, berufliche oder dienstliche Gründe haben – und zugleich "fachkundig" organisiert sein. Das bedeutet, dass der Veranstalter ein Hygienekonzept aufgesetzt hat, wie die geltenden Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können. Wenn also zum Beispiel ein Kongress in einem Restaurant oder Hotel geplant ist, ist das grundsätzlich unbedenklich.

Freizeit und Sport

Egal, ob gemeinsamer Sport, Kinobesuch oder aber der Besuch im Planetarium: Vieles war in den vergangenen Wochen und Monaten wegen der Coronavirus-Pandemie verboten. Auch daran ändert sich ab Donnerstag einiges. Theater und Kinos dürfen wieder öffnen, auch der Besuch in Kneipen oder Spielhallen ist wieder erlaubt. Eröffnet werden dürfen am Donnerstag auch die, in Magdeburg geschieht das zum Beispiel an Barleber und Neustädter See. Voraussetzung ist überall, dass Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.

Die Übersicht: Was ab Donnerstag wieder öffnen darf

  • Theater und Kinos
  • Literaturhäuser
  • Konzerthäuser- und veranstaltungsorte
  • Freizeit-, Schwimm-, Spaß und Heilbäder sowie Saunen
  • Planetarien und Sternwarten
  • Fitness- und Sportstudios, Yoga-Kurse möglich
  • Indoor-Spielplätze
  • Tanz- und Ballettschulen
  • Freizeitparks, Minigolf-Plätze und Ausflugsschiffe
  • Kneipen und Bars
  • Volkshochschulen sowie Jugend- und Familienbildungsstätten
  • Öffentliche und private Bildungseinrichtungen
  • Spielhallen und Spielbanken
  • Wettannahmestellen

Möglich ist außerdem der Besuch von Geburtsvorbereitungskursen, Ernährungskursen, Fortbildungen im Brandschutz oder der Besuch von Integrations- und Sprachkursen. Außerdem dürfen Touristen aus anderen Bundesländern wieder für Ausflüge und Übernachtungen nach Sachsen-Anhalt reisen.

Diese Regeln gelten auch weiterhin

Bei allen oben genannten Lockerungen gelten auch weiterhin die bekannten Abstands- und Hygieneregeln. Teilnehmer müssen einen Abstand von 1,5 Metern zueinander halten und sich in einer Anwesenheitsliste mit Namen, Anschrift und Telefonnummer eintragen. Wo der Abstand nicht eingehalten werden kann, ist ein Mund-Nasen-Schutz Pflicht.

Diese Lockerungen sind für Anfang Juni geplant

Die meisten der beschlossenen Lockerungen gelten schon ab diesem Donnerstag. Einige wenige weitere Schritte zurück zur Normalität treten allerdings erst im Juni und damit in der kommenden Woche in Kraft.

Ein Schüler einer vierten Grundschulklasse schaut auf seinen Stundenplan und hat vor sich seine Schulmappe und einen Mundschutz liegen
Grundschüler sollen ab 15. Juni wieder täglich zur Schule. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Schulen und Kitas

Am Dienstag nach Pfingsten – also ab 2. Juni – sollen alle Schülerinnen und Schüler wieder regelmäßig in die Schule gehen. Die Klassen werden dann in zwei Gruppen aufgeteilt, die abwechselnd zu Hause und in der Schule lernen. So sollen Abstände gewährleistet werden, sagte Ministerpräsident Haseloff MDR SACHSEN-ANHALT. In der Grundschule sollen die Kinder dagegen ab spätestens 15. Juni sogar täglich unterrichtet werden. Kitas und Horte sollen ab 2. Juni wieder alle Kinder aufnehmen. Grundsätzlich gilt: Klassen und Gruppen müssen unter sich bleiben und von den selben Lehrern bzw. Pädagogen unterrichtet und betreut werden.

Die Schulpflicht besteht weiterhin. Vom Unterricht in der Schule sind Kinder laut Bildungsministerium nur dann befreit, wenn sie an einer Vorerkrankung leiden und somit einem besonderen Risiko ausgesetzt sind.

Außerdem dürfen ab 2. Juni – dem kommenden Dienstag also – Seniorentreffpunkte und Begegnungsstätten wieder Gäste empfangen. Das gilt auch für Mehrgenerationenhäuser.

Clubs oder Bordelle: Was noch geschlossen bleibt

Neben Großveranstaltungen müssen auch Clubs, Diskotheken oder Messen noch geschlossen bleiben. Jahrmärkte sind ebenso verboten wie der Gesangsunterricht an Musikschulen. Auch Bordelle bleiben noch geschlossen.

Wie die Infektionszahlen niedrig gehalten werden sollen

Die weitreichenden Lockerungen der Corona-Beschränkungen sind nur deshalb möglich, weil die Infektionszahlen in Sachsen-Anhalt stabil auf niedrigem Niveau sind. Das Sozialministerium meldete Dienstagabend nur noch 62 Menschen, die aktuell mit dem Virus infiziert sind.

Damit die Zahlen niedrig bleiben, setzt Sachsen-Anhalt von nun auf mehr Corona-Tests in Krankenhäusern oder Seniorenheimen und auf sogenannte Schwellenwerte. Werden sie überschritten, sollen die Corona-Beschränkungen zügig wieder angezogen und verschärft werden können.

Drei Ampeln zeigen rot, gelb und grün
Rot, gelb oder grün? Ein Ampelsystem soll anzeigen, ob die Zahl der Infektionen in den Kreisen in Sachsen-Anhalt bedenklich ist. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

  • Schwelle 1: Bis zu fünf Infektionen pro 100.000 Einwohner sind innerhalb von sieben Tagen unbedenklich.
  • Schwelle 2: Wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt innerhalb von sieben Tagen mehr als fünf Infizierte je 100.000 Einwohner bekannt werden, überprüfen Landesamt für Verbraucherschutz und das zuständige Gesundheitsamt die Ursachen.
  • Schwelle 3: Treten in einem Landkreis oder einen kreisfreien Stadt innerhalb von sieben Tagen mehr als zehn Infektionen je 100.000 Einwohner auf, dann werden neue Eindämmungsmaßnahmen abgestimmt und eingeleitet.

Möglich seien beim Überschreiten von Schwelle 3 eine erneute komplette Schließung von Betrieben oder gar ein neuer Lock-Down, sagte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) einer Mitteilung zufolge. Mit einem Ampel-System soll außerdem veranschaulicht werden, ob in den Kreisen und kreisfreien Städten alles in Ordnung ist (grün) oder aber dringender Handlungsbedarf besteht (rot).

Sachsen-Anhalt will im Fall des Falles damit deutlich früher eingreifen, als vor einigen Wochen zwischen Bund und Ländern vereinbart. Damals war von 50 akuten Infektionen je 100.000 Einwohner die Rede gewesen.

Hintergründe und Aktuelles zum Coronavirus – unser Newsletter

In unserem Newsletter zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird.

Das Corona-Daten-Update – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihrem Postfach. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

So weit gehen die Lockerungen in Sachsen-Anhalt im Ländervergleich

Allein der Blick auf die mitteldeutschen Länder macht deutlich: Sachsen-Anhalt ist bislang vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie gekommen. Thüringen etwa meldet nach Schätzungen noch 565 aktuell Infizierte, Sachsen 294. In Sachsen-Anhalt sind es, wie oben erwähnt, 62. Auch deshalb hält Ministerpräsident Reiner Haseloff die weitreichenden Lockerungen in Sachsen-Anhalt für vertretbar. Sie seien zudem mit dem Bund abgestimmt.

Die Gefahr ist weiterhin da. Jeder muss auf sich selbst achten.

Reiner Haseloff Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt

Haseloff betonte am Dienstag im MDR-Interview, die Lockerungen hierzulande gingen in Teilen weiter als im Freistaat Thüringen. Der hatte in den vergangenen Tagen in der Öffentlichkeit gestanden, weil Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) ein Ende von Abstandsregeln und Mund-Nasen-Schutz-Pflicht in den Raum gestellt hatte. Diesen Vorschlag zog Ramelow am Dienstag zurück – kündigte aber dennoch an, mit seiner Regierung in der kommenden Woche weitreichende Lockerungen beschließen zu wollen.

Auch Sachsen hat für kommende Woche weitere Lockerungen angekündigt. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) brachte am Dienstag sogar Familienfeiern mit bis zu 50 Menschen ins Gespräch. Darüber müsse man aber noch mit Experten sprechen und im Kabinett beraten, sagte Kretschmer. Final beschlossen werden sollen die Änderungen erst in der ersten Juni-Woche. Sachsen-Anhalt hat die weitreichenden Lockerungen somit als erstes mitteldeutsches Bundesland in die Tat umgesetzt.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. Mai 2020 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

denny vor 10 Wochen

Die Landesregierung sollte die Mundschutz Pflicht abschaffen den deren Nutzen ist nirgends belegt und wer es schön findet damit rumlaufen kann das ding ja freiwillig tragen ich fühle mich dabei in meinem persönlichkeitsrecht beschnitten.

hajuesport vor 10 Wochen

Aktuell Infiziert vom 25.05.2020 Quelle RKI . Thüringen 0,01% - Sachsen 0,008% - LSA 0,002% - Magdeburg seit 01.05.2020 0,00% Aussage OB Trümper letzte Woche Dienstag auf seiner letzten PK zum Thema C19. Keinen weiteren Kommentar!!!!!

nie wieder cdu vor 10 Wochen

@MR Repp, der Vergleich mit der DDR ist nicht so ganz richtig. An der Grenze wurde geschossen, dass ist zu Zeiten von CORONA an den Landesgrenzen nicht so. Wo du absolut Recht hast, dass Wandern im Harz (Bewegung an der frischen Luft) sollte nicht an der Landesgrenze verboten werden.

Mehr aus Sachsen-Anhalt