Fragen und Antworten Corona-Verordnung: Was ab Montag in Sachsen-Anhalt erlaubt ist

Friseure dürfen wieder öffnen – und auch sonst werden die Beschränkungen in der Corona-Krise in Sachsen-Anhalt ab Montag spürbar gelockert. Grund sind die niedrigen Infektionszahlen. Kritik kommt aus Berlin: Der Regierende Bürgermeister der Hauptstadt ist verärgert. Ein Überblick.

Die Coiffeuse eines Salons schneidet einem Kunden die Haare. Beide tragen einen Mundschutz
Wer ab Montag zum Friseur geht, muss dort einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das gilt auch für die Friseurinnen und Friseure. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt werden die seit März geltenden Kontaktsperren ab Montag aufgeweicht. Ab 4. Mai dürfen sich Gruppen von bis zu fünf Menschen wieder treffen – auch, wenn sie nicht gemeinsam wohnen. Voraussetzung ist, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird. Bislang hatten sich Menschen lediglich mit einer weiteren Person treffen dürfen, die nicht im Haushalt wohnt.

Sachsen-Anhalt ist das bundesweit erste Land, das einen so bedeutenden Teil der Corona-Beschränkungen lockert. Darauf hatten sich am Sonnabend Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und sein Kabinett geeinigt. Grund für die Lockerungen sind demnach die niedrigen Infektionszahlen in Sachsen-Anhalt. Von Sonnabend zu Sonntag kamen nach offiziellen Zahlen des Sozialministeriums lediglich zwei weitere bekannte Infektionen hinzu. Haseloff mahnte die Bürgerinnen und Bürger dennoch, die Corona-Krise nicht als beendet anzusehen.

Die Pandemie ist nicht überwunden. Daher bitte ich alle Menschen in unserem Land: Halten Sie sich weiter an bestehende Auflagen.

Reiner Haseloff Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt

Die insgesamt fünfte Verordnung des Landes zur Eindämmung des Coronavirus ist 22 Seiten lang – und gilt vorerst bis 27. Mai.

Friseure dürfen wieder öffnen – unter Auflagen

Viele Sachsen-Anhalter warten sehnsüchtig auf einen Friseurbesuch. Die Haare sind ungewollt lang, ein Friseurbesuch war in den letzten Monaten nicht möglich. Die Salons waren geschlossen. Ab Montag ändert sich das: Neben Friseursalons, Massage-Praxen und Barbieren dürfen dann auch Kosmetikstudios und Nagel- und Fußpflege-Geschäfte wieder öffnen. Voraussetzung ist, dass die Hygienestandards eingehalten werden. Außerdem ist ein Mundschutz Pflicht – bei den Angestellten und auch bei Kunden.

Piercing- oder Tattoostudios müssen dagegen noch geschlossen bleiben.

Große Geschäfte dürfen wieder Kunden empfangen

Ab Montag gilt: In Sachsen-Anhalt darf unabhängig von der Größe jedes Geschäft wieder öffnen – egal, was verkauft wird. Die umstrittene 800-Quadratmeter-Regelung fällt somit weg. Sie hatte für Proteste großer Warenhäuser gesorgt, die in den vergangenen Wochen weiterhin geschlossen bleiben mussten. Wichtig: Kunden müssen sich darauf einstellen, gegebenfalls vor dem Eingang warten zu müssen. Pro 10 Quadratmeter darf sich nämlich nur ein Kunde im Laden aufhalten. Außerdem muss es pro Kunde 20 Quadratmeter Platz im Geschäft geben.

Außerdem müssen auch in den Geschäften die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden.

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Museen und Bibliotheken wieder geöffnet

Die Kultur kehrt ein Stück weit zurück: Ab Montag dürfen Museen, Bibliotheken und Archive in Sachsen-Anhalt wieder öffnen – wenn sie die gängigen Regeln einhalten, also zum Beispiel auf den Mindestabstand und eine begrenzte Zahl an Besuchern achten. Nach Einschätzung des Landesverbands der Museen werden aber längst nicht alle Museen direkt am Montag öffnen. Einige arbeiteten noch daran, wie sie Besucherströme entzerren könnten, hieß es.

Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt teilte am Sonntag mit, ihre Museen würden frühestens ab 12. Mai geöffnet – unter anderem das Dommuseum Ottonianum in Magdeburg. Schritt für Schritt sollen bis 21. Mai die weiteren Museen und Burgen der Kulturstiftung folgen. Dann soll auch das Kunstmuseum Moritzburg in Halle wieder öffnen. Die beliebte Ausstellung zu Fotografien von Karl Lagerfeld wurde dafür bis zum Jahresende verlängert.

Mundschutz an der Kasse und im Foyer In den Museen und Burgen der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt müssen Besucherinnen und Besuchern an der Kasse und im Foyer vorerst einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das gilt laut einer Mitteilung von Sonntag auch für Museumsshops.

Kinos bleiben dagegen noch geschlossen. Kulturminister Rainer Robra (CDU) verweist allerdings auf die wachsende Zahl der Autokinos, die unter anderem in Magdeburg oder Stendal geplant sind.

Kritik aus Berlin: "Sachsen-Anhalt hat etwas losgetreten, was wir hoffentlich wieder einfangen"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat die Landesregierung von Sachsen-Anhalt für deren Lockerungen der Corona-Beschränkungen kritisiert. "Sachsen-Anhalt hat jetzt etwas losgetreten, was wir hoffentlich wieder einfangen", sagte Müller am Sonntag im Deutschlandfunk. Das Virus mache nicht an Landesgrenzen halt. "Sachsen-Anhalt würde auch den anderen Kollegen nichts Gutes tun, wenn die Lockerungen dort zu einer großen Infektionswelle führen", kritisierte er.

Das "Ärgerliche" sei dass man noch Donnerstagabend in einer Videokonferenz mit dem Kanzleramt und den anderen Ministerpräsidenten zusammengewesen sei. Dabei sei kein Wort über die Lockerungen in Sachsen-Anhalt gesagt worden. "Und 48 Stunden später wird das dann verkündet", sagte der Regierende Bürgermeister. Müller sagte, er hoffe sehr, dass man sich wieder auf gemeinsame Maßnahmen verständigen könne, wenn man am kommenden Mittwoch wieder mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammenkomme. Das Entscheidende sei, dass man im Grundsatz einen Weg verabrede. Der Grundsatz müsse sein: In allen Ländern gebe es bestimmte Einschränkungen oder in allen Ländern gebe es bestimmte Lockerungen.

Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin und Chef der Berliner SPD.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller kritisiert Sachsen-Anhalt für die weitreichenden Lockerungen in der Corona-Krise. (Archivfoto) Bildrechte: imago/Jürgen Heinrich

Viertklässler zurück im Klassenzimmer

Tausende Jugendliche in Sachsen-Anhalt schreiben ab Montag ihre Abiturprüfungen. Die Bedingungen werden andere sein als üblich. Denn auch bei den mehrstündigen Prüfungen muss laut Bildungsministerium auf die Regeln zur Eindämmung des Virus geachtet werden. Sprich: Es muss auf einen ausreichenden Abstand und die Hygiene geachtet werden.

Ab Montag werden zudem die Viertklässler wieder in den Grundschulen erwartet. Auch die Abschlussklassen des kommenden Jahres kommen zurück ins Klassenzimmer.

Die Abschlussprüfungen an den Sekundarschulen beginnen am 11. Mai.

Sport im Freien ist wieder erlaubt

Mit der deutlichen Lockerung der Kontaktbeschränkungen ist auch gemeinsamer Sport wieder möglich – allerdings nur in Gruppen von bis zu fünf Personen und ausschließlich im Freien. Um Sportanlagen zu nutzen, bedarf es der Zustimmung des Trägers. Wichtig bei der Auswahl der Sportart: Menschen dürfen sich nicht gegenseitig berühren. Ein klassisches Fußballspiel ist also nicht erlaubt, das gilt auch für Wettkämpfe. Umkleidekabinen oder Sportgaststätten müssen geschlossen bleiben. Auch die Turnhallen dürfen noch nicht wieder geöffnet werden.

Abgesperrter Spielplatz in Heimburg bei Blankenburg
Betreten verboten: Flatterband – wie auf diesem Spielplatz bei Blankenburg – könnte ab dem Wochenende an Spielplätzen verschwinden. Sie dürfen wieder öffnen. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Spielplätze dürfen am 8. Mai geöffnet werden Darauf hatten viele Eltern gehofft: Ab 8. Mai dürfen Spielplätze wieder geöffnet werden. Sie sind seit Mitte März gesperrt. Welche Spielplätze genau geöffnet werden, sollen die Kommunen selbst entscheiden. Wichtig ist laut der Landes-Verordnung, dass der Zugang begrenzt ist und Mindestabstände eingehalten werden.

Alleinerziehende dürfen Kinder in die Notbetreuung bringen

In Sachsen-Anhalts Kitas war es schon in den vergangenen beiden Wochen spürbar voller geworden. Immer mehr Eltern hatten die Gelegenheit, ihren Nachwuchs in die Notbetreuung zu geben, dankend angenommen. Ab kommender Woche wird sich dieser Trend nach Einschätzung des Sozialministeriums verfestigen: Dann dürfen unter anderem auch Friseurinnen und Friseure ihre Kinder in die Kita bringen. Landesweit ist das ab 4. Mai auch Alleinerziehenden erlaubt. Diese Möglichkeit hatten zuvor nur Magdeburg und Halle angeboten.

Gottesdienste wieder erlaubt

Viele Gottesdienste wurden in den vergangenen Wochen online gehalten, vor allem zu Ostern. Damit ist ab Montag Schluss, denn Gottesdienste sind wieder erlaubt – in Kirchen, Moscheen und Synagogen. Konkrete Vorgaben gibt es dafür von Seiten des Landes nicht. Stattdessen müssen die Religionsgemeinschaften selbst dafür sorgen, dass die gängigen Regeln eingehalten werden.

Was vorerst verboten bleibt

Trotz vieler Lockerungen der Corona-Beschränkungen: Auch in Sachsen-Anhalt ist längst nicht alles erlaubt. Ein Überblick.

Gastronomie und Tourismus stehen weiterhin still
Gaststätten, Restaurants und Kneipen bleiben vorerst geschlossen. Die Gastronomie-Branche darf sich aber Hoffnung machen, ihre Läden ab 22. Mai wieder öffnen zu dürfen – am Tag nach Christi Himmelfahrt.

Weiterhin verboten sind auch touristische Übernachtungen und touristische Ausflüge aus anderen Bundesländern nach Sachsen-Anhalt. Gleiches gilt für Fortbildungen mit Teilnehmern aus anderen Bundesländern. Wann Hotels wieder öffnen dürfen, ist damit ungewiss. Wer seinen Zweitwohnsitz in Sachsen-Anhalt hat, darf aber in das Bundesland einreisen.

Grillen auf öffentlichen Plätzen bleibt verboten
Klar ist: Großveranstaltungen bleiben bis 31. August verboten. Auch verboten bleibt das Grillen auf öffentlichen Plätzen – unabhängig von der Zahl der Personen.

Schwimm- und Freibäder bleiben geschlossen
Der Sommer rückt näher – doch Freibäder und Schwimmhallen in Sachsen-Anhalt bleiben laut der Verordnung noch bis 27. Mai geschlossen. Man wolle wissenschaftliche Erkenntnisse abwarten, ob Chlor im Wasser das Coronavirus zuverlässig abtötet, sagte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Sonnabend. Man suche aber nach einer Lösung, um die Freibadsaison etwas später als üblich anlaufen lassen zu können.

Blick auf das Freibad Rudolstadt
Wann kann die Freibadsaison beginnen? In Sachsen-Anhalt ist as noch völlig ungewiss. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Stadtverwaltung Rudolstadt

Quelle: MDR, dpa/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Mai 2020 | 05:00 Uhr

18 Kommentare

Kritiker vor 20 Wochen

Danke MDR. Personal ist das Eine nur Zeit das Andere.
Selbst wenn man am Wochenende nicht viel von Kommentarspalten, wegen des Personales, prüfen kann, könnte eine "Zeitlinie" (Artikel bis zu 5 Tagen kommentierbar) zu machen, UNTER DEN WOCHENTAGEN auch noch über Corona-Virus-Ticker des Vortages (hier Sonntag) Kommentare prüfen und einstellen. Viele Kommentare (als Anzahl) sind doch bisher zu den einzelnen Artikel kaum eingegangen, soweit wie ich es bisher verfolgte.

In diesem Sinne also Dank an das MDR Team und das sie alle gesund bleiben. Dieser Kommentar muss nicht weiter mit Netikette usw. beantwortet werden.

MDR-Team vor 20 Wochen

Da am Wochenende insgesamt die Kräfte gebündelt werden, werden dann auch nicht alle Artikel zum Kommentieren freigegeben. Das ist eine Ressourcenfrage und Entscheidung der betroffenen Redaktionen. Wir versuchen, so viele Artikel wie möglich für Kommentare frei zu geben. Aber vereinzelt werden einige dafür nicht geöffnet, wenn nicht genug Redakteure vorhanden sind, die die Kommentierung übernehmen können.

Kritiker vor 20 Wochen

Nun die Vergleichbarkeit (BER vs. Corona) hinkt gewaltig! Der OB Müller soll sich um Berlin und seiner Amtsbefugnis kümmern und andere Bundesländer nicht kritisieren, selbst aus Verärgerung heraus, wenn dieses Sa.-Anh. auf Grund von wenigen Fällen (drittletzte in der Pandemie-Tabelle) solch einen Schritt wagen. Bleibt am Ende die beste Übersicht wenn sich die Pandemie entweder verringert oder verstärkt. Liegt auch viel an die Menschen welche sich an Auflagen halten.
Gerade habe ich eine Meldung aus der Schweiz im Bereich "Brisant" gelesen. Ein Weg den man gehen möchte auch wenn vieles noch nicht für alles Gute sprechen kann.

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