Telegram und Notify Infos in der Corona-Krise: Der Messenger-Service von Sachsen-Anhalt im Test

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Seit Mitte der Woche informiert Sachsen-Anhalt Bürgerinnen und Bürger per Messenger über aktuelle Informationen in der Corona-Krise. Digital-Experten hatten das schon lange gefordert. MDR SACHSEN-ANHALT hat den neuen Service in den ersten Tagen seit dem Start getestet – und mit den Diensten anderer Länder verglichen.

Smartphone mit geöffneter App "Telegram" vor PC-Bildschirm mit Telegram-Schriftzug.
Sachsen-Anhalt informiert Bürgerinnen und Bürger in der Corona-Krise über den Messenger Telegram. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Es sei "höchste Zeit", befand vor zwei Wochen der Digital-Experte Daniel Krüger aus Magdeburg, dass das Land Sachsen-Anhalt digital und auf Augenhöhe mit seinen Bürgerinnen und Bürgern kommuniziere. "Bis heute gibt es keinen Messenger-Service der Ministerien für die Bürger", kritisierte Krüger in seinem Kommentar für MDR SACHSEN-ANHALT. Das war Ende März.

Nun, es ist nicht einmal Mitte April, hat Sachsen-Anhalt die Zeichen der Zeit offenbar erkannt: Das Land hat damit begonnen, seine Bürger auch digital und direkt aufs Smartphone zu informieren. Seit Mitte dieser Woche bieten Staatskanzlei und Sozialministerium einen Messenger-Service an. Sichere Informationen zur Corona-Krise über die Apps Telegram oder Notify direkt aufs Handy – das ist die Devise. Vor allem jetzt seien "schnelle und sichere Informationen wichtig", ließ sich Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zitieren.

Das sind Telegram und Notify

Vorweg: Die Messenger-Dienste Telegram und Notify gehen nach Angaben der Staatskanzlei beide mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) konform. Der Messenger Telegram hat optisch Ähnlichkeit zu WhatsApp, die Kommunikation über Telegram ist sicher verschlüsselt. Die App ist kostenfrei und wird von immer mehr Medien als Ersatz für Nachrichten-Briefings über WhatsApp genutzt. So informieren beispielsweise Tagesschau und Süddeutsche Zeitung via Telegram über aktuelle Nachrichten.

Der Dienst Notify dürfte dagegen weniger bekannt sein. Er funktioniert anders. User können dort aus zahlreichen Kanälen auswählen – nach Angaben des Portals messengerpeople sind es mehr als 1.000 – und sie sich auf Wunsch auch direkt auf WhatsApp schicken lassen. Viele Medienhäuser und Unternehmen nutzen Notify als Alternative zu WhatsApp-Newslettern, die verboten worden sind – zum Beispiel auch die Mitteldeutsche Zeitung. Notify funktioniert nach Download der App auch ohne Angabe einer Handynummer und ist ebenfalls kostenlos.

Worüber informiert wird

Ist der Osterspaziergang in der Corona-Krise erlaubt? Was bedeutet die Quarantäne-Regelung nach Einreisen aus dem Ausland? Das Land Sachsen-Anhalt hat sich seit Beginn des Messenger-Services vor allem darauf konzentriert, drängende Fragen von Bürgerinnen und Bürgern zu beantworten. Geboten werden neben aktuellen Infos auch die Videoansprache von Regierungschef Haseloff und viele Telefonnummern und Links, wo es weitere Informationen gibt.

So ist die Ansprechhaltung

"Bitte, bleiben Sie gesund" – die Ansprechhaltung im Messenger-Dienst des Landes ist durchaus direkt. Dass es noch besser geht, zeigt die Staatskanzlei in Hessen. Über Telegram gibt sich das Social Media-Team nahbar, informiert transparent über die Entscheidungsfindung. Warum wurde welche Entscheidung getroffen? Was bedeutet das für die Menschen? Wer den Telegram-Service des Landes Hessen abonniert hat, fühlt sich direkt angesprochen und nicht lediglich mit einem Behördentext konfrontiert. Dafür sorgen auch Emojis.

Ähnlich handhabt es das Saarland, das beim Messenger-Dienst in der Corona-Krise eine Art Vorreiter ist. Neulich erst hat sich Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) in einem Live-Video auf Facebook den Fragen seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger gestellt, beworben über den neuen Service. An dieser Stelle kann Sachsen-Anhalt ohne großen Aufwand noch besser werden.

So ist der Service vom Land Sachsen-Anhalt

Ein FAQ zu allem, was zu Ostern erlaubt ist und was nicht, eine Videobotschaft des Ministerpräsidenten: Wer den Messenger-Dienst des Landes abonniert hat, fühlt sich schnell und gut informiert. Ein Problem sind allerdings erneut die unübersichtlichen Websites des Landes Sachsen-Anhalt, auf die über die Messenger immer wieder verlinkt wird. Die Websites waren schon vor der Corona-Krise ein Problem, das zeigt sich nun aber noch deutlicher.

Denn: Wer keinen Direktlink hat, muss sich auf den Seiten des Landes schon einigermaßen auskennen, um zur gewünschten Information zu kommen. Dazu kommt: Wer sich zum Beispiel das FAQ zu Ostern ansehen will, wird erst auf die Startseite des Sozialministeriums geleitet – und muss sich dann, in einem zweiten Schritt, eine PDF-Datei herunterladen, in der die Fragen und Antworten gesammelt sind. Das ist wenig nutzerfreundlich.

Fazit

Es ist gut und richtig, dass Sachsen-Anhalt seine Bürgerinnen und Bürger zeitgemäß nun auch mit Messenger-Diensten direkt aufs Smartphone informiert. In der Krise zeigt sich, dass Behörden auch schnell und unkompliziert Entscheidungen treffen können – sowohl bei der Auszahlung von Soforthilfen, als auch beim Informationsfluss für Bürgerinnen und Bürger. Das sollte auch nach der Krise bleiben.

Dass es beim Messenger-Dienst noch Steigerungspotenzial gibt, steht außer Frage. Sachsen-Anhalt ist aber auf einem guten Weg. In jedem Fall sollte das Land die Messenger-Dienste auch nach der Krise als Service beibehalten.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. April 2020 | 10:00 Uhr

1 Kommentar

wolter108 vor 32 Wochen

Am Ende ist Corona eine Viruserkrankung wie die Grippe, aber damit der gläserne Mensch weiter durchleuchtet werden kann - installiert die ganzen App´s -

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