Coronavirus-Pandemie Nach wochenlanger Pause: Erste Restaurants und Gaststätten öffnen wieder

Seit Wochen waren Restaurants und Gaststätten in Sachsen-Anhalt wegen der Coronavirus-Pandemie geschlossen. Ab Montag dürfen sie wieder öffnen – mit Ausnahmegenehmigung und auch nur dann, wenn strenge Hygiene-Regeln eingehalten werden. Auch wegen bürokratischer Hürden werden die meisten Gaststätten und Restaurants erst am Freitag dieser Woche öffnen.

Eine junge Frau serviert im Restaurant Kaffee
Wer ab Montag in Sachsen-Anhalt ins Restaurant geht, wird vom Personal mit Mund-Nasen-Schutz bedient – wie auf diesem Bild vom vergangenen Wochenende in Berlin. Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt öffnen nach wochenlanger Corona-Zwangspause am Montag die ersten Gaststätten und Restaurants. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Sachsen-Anhalt schätzt, dass etwa ein Drittel aller Restaurant-Besitzer am Montag wieder Gäste bewirten wird. Das ist allerdings nur mit einer Sondergenehmigung vom Landkreis oder einer kreisfreien Stadt möglich. Für diese Genehmigung hatten Gastronomen zuvor ein Hygienekonzept einreichen müssen.

Im Landkreis Harz haben nach Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT nur gut 100 der insgesamt 750 Gastronomen überhaupt einen Antrag auf Öffnung ab Montag gestellt. 74 dieser Anträge wurden bewilligt. In Halle waren bis Freitagmittag 56 von 130 Anträgen bewilligt. Im Altmarkkreis Salzwedel öffnen am Montag 14 Restaurants, in Stendal nur eines.

Abstand und Gästeliste: Die neuen Regeln im Restaurant

Wer sich nach wochenlanger Pause auf ein leckeres Essen oder ein kühles Getränk im Biergarten freut, muss beim Restaurant- und Gaststätten-Besuch einige Regeln einhalten.

  • Grundsätzlich ist es erlaubt, drinnen wie draußen zu sitzen. Tische müssen innerhalb von Restaurants allerdings 1,5 Meter auseinander stehen, im Freien zwei Meter. In einigen Gaststätten fällt der Gastraum somit weg: Er ist mancherorts schlicht zu klein, um die Abstandsregeln umzusetzen.
  • Pro Tisch sind maximal fünf Menschen erlaubt. Sie dürfen auch in unterschiedlichen Haushalten leben.
  • Wer Restaurant oder Gaststätte besucht, muss sich mit Tischnummer und Uhrzeit in eine Anwesenheitsliste eintragen. Das soll helfen, Kontaktketten bei einer möglichen Infektion zurückverfolgen zu können.
  • Jede Gaststätte muss ein Hygienekonzept vorweisen, auch müssen Gäste über die geltenden Regeln informiert werden. Das Personal soll einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Gäste müssen das nicht.
  • Reservierungen sind keine landesweite Pflicht – aber durchaus erwünscht. Gäste werden außerdem gebeten, bargeldlos zu bezahlen.

Eine Gastronomin aus Halle sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es sei eine Herausforderung gewesen, die strengen Hygiene-Regeln umzusetzen. Nun sei sie gespannt, ob überhaupt Gäste kämen. Generell hoffen laut Branchenverband Dehoga viele Wirte auf ihre Stammkunden. "Die Nachfrage ist da", sagte Dehoga-Landeschef Michael Schmidt.

Restaurants in Magdeburg dürfen erst ab Freitag öffnen

Klar ist: Wer in Magdeburg lebt, muss sich mit dem Restaurant-Besuch in der Stadt noch ein paar Tage gedulden. Oberbürgermeister Trümper hatte vorige Woche klar gemacht, dass die Gastronomie in der Landeshauptstadt nicht vor dem 22. Mai öffnen wird. Trümper kritisierte, dass eine Einzelfallprüfung von Hygienekonzepten in einer Stadt wie Magdeburg innerhalb weniger Tage nicht zu machen sei. Anders in Halle: Dort hatte Oberbürgermeister Wiegand Gastronomen schon seit Wochen aufgefordert, Hygienekonzepte zu schreiben und einzureichen. So hatte sichergestellt werden sollen, dass Gastronomen so schnell wie möglich wieder öffnen dürfen.

Glaubt man der Einschätzung des Branchenverbandes Dehoga, dann ist der Andrang der Gastronomen auf Öffnung ab Montag ohnehin ausgeblieben. Viele Landräte und Oberbürgermeister hätten einen pragmatischen Weg gefunden, um die Hygienekonzepte zu überprüfen. In vielen Kreisen hatte es Formulare im Netz geben.

Auf Restauranttafel steht mit Kreide geschrieben: 'Hurra - Ab Freitag sind wir wieder da!'
Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Öffnung ab Freitag auch ohne Sondergenehmigung erlaubt Wer sein Restaurant schon diesen Montag wieder öffnen möchte, darf das nur mit einer Sondergenehmigung von Stadt oder Landkreis. Ab dem kommenden Freitag ist diese Sondergenehmigung dann überflüssig: Wirte dürfen ab 22. Mai auch ohne Sonderantrag wieder öffnen und Gäste bewirten. Nötig ist allerdings auch dann ein Hygienekonzept zur Einhaltung der Corona-Regeln. Mit der Sonderregelung war die Landesregierungen auf Forderungen von Wirten eingegangen, schon vor dem umsatzstarken Himmelfahrts-Tag diesen Donnerstag wieder öffnen zu dürfen. Die Regierung selbst hatte sich ursprünglich bewusst für eine Öffnung nach Himmelfahrt entschieden – um Menschenansammlungen zum Herrentag zu vermeiden.

Kneipen und Bars müssen übrigens weiterhin geschlossen bleiben. Sie seien zu Beginn der Pandemie wegen des Infektionsrisikos als erstes geschlossen worden, erklärte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) jüngst. "Wir werden sie nur dann aufmachen, wenn wir uns sicher sind, das verantworten zu können."

Ein Kellner serviert in einem Restaurant Essen und Vorschaubild MDR Corona-Daten-Update 35 min
Bildrechte: colourbox, imago images/Hollandse Hoogte | Collage: Fabian Frenzel, MDR/Max Schörm

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Wie die Restaurant-Öffnung läuft, wird auch der Branchenverband Dehoga beobachten. Nach Pfingsten sei die Zeit reif für eine Bilanz, sagte Landeschef Michael Schmidt.

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Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Mai 2020 | 06:10 Uhr

2 Kommentare

Denkschnecke vor 2 Wochen

Toll, wenn man sich relevante Argumente von vornherein verbittet.
Eine zweite Welle wäre im Übrigen nur da denkbar, wo es schon eine erste Welle gab.Bei der geschätzten EXTREM HOHEN Herdenimmunität in Sachsen-Anhalt wäre das wohl eher eine anderthalbte Welle.

jackblack vor 2 Wochen

Bei den EXTREM HOHEN Infektionszahlen in Sa Anh. muss man sich schon fragen, ob derartige Einschränkungen nötig sind, und bitte nicht mit 2. Welle argumentieren ( wie Hr. Lauterbach )

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