Coronavirus Sachsen-Anhalt bereitet neuen Pandemieplan vor

Als Reaktion auf die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus wird der Pandemieplan in Sachsen-Anhalt überarbeitet. Während vorerst keine Medikamenten-Engpässe zu befürchten sind, fühlen sich Hausärzte im Land schlecht vorbereitet.

Hände halten Röhrchen mit Aufschrift Corona
Ärzte in Sachsen-Anhalt fühlen sich schlecht auf Corona-Tests vorbereitet. Bildrechte: Colourbox.de

Sachsen-Anhalt will am Freitag einen aktualisierten Pandemieplan vorstellen. Das Sozialministerium wird den Plan am Freitag im Internet zur Verfügung stellen. Die aktuelle Version stammt noch aus dem Jahr 2006. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Länder zu der Überarbeitung aufgerufen. Auch der Bundespandemieplan wurde angepasst.

Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte: "Wir wollen besonnen darauf reagieren, ruhig darauf reagieren und ganz normale Schutzmaßnahmen ergreifen." Dazu würden Hände waschen und allgemeine Hygienevorschriften zählen. Grimm-Benne riet davon ab, Lebensmittel und Desinfektionsmittel zu horten.

Welche Krankenhäuser Patienten isolieren sollen

Ein Pandemieplan regelt unter anderem Maßnahmen, um die Verbreitung eines Virus zu verhindern. Außerdem geht es um Zuständigkeiten und Aufgaben einzelner Einrichtungen und Ämter. Im neuen Landespandemieplan wird laut Grimm-Benne auch festgelegt, welche Krankenhäuser Patienten isolieren sollen. Neben den Unikliniken sollen diese Aufgabe auch andere Kliniken übernehmen, die über Beatmungsgeräte verfügen. Jedes Krankenhaus habe zudem einen eigenen Pandemieplan, der beispielweise mögliche Zimmerbelegungen für den Fall einer Isolierung vorgebe.

Grimm-Benne zufolge bedeutet die Erstellung des neuen Plans nicht, dass der Pandemiefall eingetreten ist. Eine Pandemie rufe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst aus, wenn mindestens 10 bis 15 Prozent der Weltbevölkerung infiziert seien. Die Sozialministerin wies auch noch einmal darauf hin, dass es aktuell keine bestätigte Coronavirus-Infektion im Land gibt – im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern.

Keine Medikamenten-Engpässe

Aktuell sorgt das Virus für keine Medikamenten-Engpässe in Sachsen-Anhalt. Das erklärte Barbara Langhans vom Vorstand der Landes-Apothekerkammer bei MDR SACHSEN-ANHALT. Wenn die Epidemie aber weiter andauere, seien in Europa Lieferengpässe zu erwarten – etwa bei Antibiotika. Denn diese Medikamente würden größtenteils in asiatischen Ländern produziert, so Langhans, die selber Apotheken-Inhaberin in Halle ist. Allerdings gebe es in Deutschland zunächst noch Vorräte. Bei anderen Medikamenten – etwa Schmerzmitteln, Psychopharmaka und Impfstoffen – gebe es dagegen schon seit Jahren Lieferschwierigkeiten.

Währenddessen sind der Apothekerin zufolge in Sachsen-Anhalt bestimmte Desinfektionsmittel nicht mehr verfügbar, beziehungsweise nur noch sporadisch erhältlich. Mundschutze seien auf dem ganzen europäischen Markt gänzlich ausverkauft.

#MDRklärt Sechs wichtige Tipps, die Sie vor dem Coronavirus schützen

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat das Robert-Koch-Institut Tipps veröffentlicht, wie sich Bürger selbst schützen können. Atemschutzmasken werden nur für Medizinisches Personal empfohlen.

3 wichtige Tipps, die dich vor dem Coronavirus zu schützen  Menschen mit Mundschutz in Mailand
Bildrechte: imago images/Pacific Press Agency
3 wichtige Tipps, die dich vor dem Coronavirus zu schützen  Menschen mit Mundschutz in Mailand
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1. Häufiges Händewaschen mit Seife, mindestens 20 Sekunden lang
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2. Zu hustenden/niesenden Personen 1 bis 2 Meter Abstand halten
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3. In die Ellenbeuge niesen und Husten
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4. Papiertaschentücher sofort entsorgen.
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5. Handy und Brille regelmäßig reinigen.
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6. Auf Händeschütteln verzichten.
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Quelle: MDR/mx

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT –
Das Radio wie wir | 27. Februar 2020 | 05:00 Uhr
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Fehlende Schutzkleidung bringt Ärzte in Bredouille

Das sorgt dafür, dass sich vor allem Hausärzte schlecht vorbereitet fühlen, erklärt der Magdeburger Kinderarzt Gunther Gosch: "Die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und der örtlichen Behörden sehen explizit vor, dass in begründeten Verdachtsfällen eine Testung vorgenommen wird. Für den Test müssen bestimmte logistische Voraussetzungen und auch die entsprechende Ausrüstung erfüllt sein. Dazu gehört, dass man einen Isolationsbereich hat. Und derjenige, der die Testung vornimmt, muss mit Schutzkittel, Handschuhen, Schutzbrille, und Schutzmaske bekleidet sein. Kittel und Handschuhe haben wir, aber keine Masken."

Sollte ein Test, der ohne Schutzkleidung vorgenommen wird, ein positives Ergebnis bringen, müsste anschließend das Praxisteam unter Quarantäne gestellt werden, so Gosch. Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, ergänzt: "Der Grundbestand an Material, über den die niedergelassenen Kollegen in ihren Praxen verfügen, wird bundesweit nicht ausreichen, wenn die Zahl der Verdachtsfälle steigt." Der Magdeburger Arzt Gosch rät dazu, sich im Verdachtsfall lieber an das Gesundheitsamt oder die Universitätskliniken zu wenden. Die Beschaffungsämter des Bundes haben derweil angekündigt, Länder mit einem Vorrat auszustatten und Mundschutze für Krankenhäuser zu besorgen.

Informationen im Internet und per Telefon

Trotz aller Vorkehrungen beschäftigt das Coronavirus in Sachsen-Anhalt viele Menschen. Sozialministerin Grimm Benne verweist deswegen auf Informationsangebote für Bürgerinnen und Bürger: Über die Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 könne man Informationen zum Coronavirus anfragen. Auch das Landesamt für Verbraucherschutz habe eine Hotline für Bürgerinnen und Bürger eingerichtet. Auf den Webseiten des Robert-Koch-Instituts würden Informationen zum Virus ständig aktualisiert.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. März 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

August vor 12 Wochen

Eins muss man der DDR lassen gwewisse Dinge sind abgelaufen ohne der Bevölkerung ständig die Gefahr vor Augen zu halten die Passieren könnte wenn. Das Horten von allem was mann Brauchen oder nicht Brauchen könnte ist nur eine Fasette des Medienspektakel Coronavirus.

Steffen 1978 vor 12 Wochen

Einfach auf nichts ist dieses Land vorbereitet Wochen war doch Zeit Pläne zu entwickeln die Beförderung zu schützen und nicht erst versuchen zu reagieren wenn es längst zu spät ist unsere Behörden und Ämter sitzen voll mit Beamten und Leuten die einfach nicht in der Lage sind Entscheidungen zu treffen jeder denkt immer nicht zuständig schlimm was aus diesem Land geworden ist und die Bürger müssen es wie immer ausbaden vielen Dank Landes und Bundesregierung

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