Neue MDR-Reihe zu "Wendekindern" "Das hat mich unheimlich berührt": Wie die Kinder der Wende den Umbruch gemeistert haben

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Als 1989 die Mauer fiel, waren sie noch Kinder – und bekamen den Umbruch doch hautnah mit. Nach der Wende suchten viele von ihnen ihr Glück im Westen, andere blieben, wieder andere kamen zurück. Eine neue MDR-Reihe erzählt jetzt die Geschichte der "Wendekinder". Die Preview am Montag wurde da zum Schauplatz vieler Gefühle und Erinnerungen.

Preview im Moritzhof in Magdeburg MDR-Reihe "Wendekinder": Große Gefühle und viele Erinnerungen an die Zeit des Umbruchs

Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Montagabend, kurz vor 19 Uhr. MDR SACHSEN-ANHALT präsentiert im Moritzhof in Magdeburg seine neue Doku-Reihe "Wendekinder". Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die zur letzten in der DDR geborenen Generation gehören – Kinder eben, die die Wende mit all ihren Umbrüchen ganz bewusst miterlebt haben. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Montagabend, kurz vor 19 Uhr. MDR SACHSEN-ANHALT präsentiert im Moritzhof in Magdeburg seine neue Doku-Reihe "Wendekinder". Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die zur letzten in der DDR geborenen Generation gehören – Kinder eben, die die Wende mit all ihren Umbrüchen ganz bewusst miterlebt haben. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Für die Reihe hat ein MDR-Team (rechts im Bild Autorin Anna Wulffert bei der Begrüßung von Protagonist Tobias Burdukat aus Grimma) über Monate Protagonisten gesucht und mit ihnen über Erinnerungen an die Zeit rund um die Wende gesprochen. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Seit Montag sind die Filme in den MDR-Fernsehmagazinen SACHSEN-ANHALT HEUTE und MDR um 11 zu sehen, außerdem abrufbar in der ARD-Mediathek. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Außerdem wurden die Geschichten von zehn Frauen und Männern zum Beginn der Woche im Moritzhof in Magdeburg gezeigt. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Die designierte Direktorin des MDR-Landesfunkhauses Magdeburg, Ines Hoge-Lorenz, sagte, die erste Idee für die Reihe sei bereits 2018 entstanden. Hoge-Lorenz: "Für die 2,4 Millionen Menschen, die zwischen 1975 und 1985 in der DDR geboren worden sind, hat sich von einem auf den anderen Tag alles geändert." Ziel der Reihe sei, den positiven Blick dieser Menschen zu zeigen. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Katrin Hartig, Leiterin der Redaktion Lange Formate bei MDR SACHSEN-ANHALT, freute sich, dass der Sender in diesem Jahr zum ersten Mal eine Preview hat organisieren können. Schließlich hatte die Coronavirus-Pandemie in den vergangenen Monaten viele Pläne über den Haufen geworfen. Auch bei der Preview am Montag stand Abstand-Halten im Vordergrund. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Eröffnet wurde der Abend von Jörn Flammiger aus Halle. Er, selbst einer der Protagonisten der Reihe, macht seit Jahren leidenschaftlich Musik. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Unter den knapp 50 Gästen waren viele der Protagonisten selbst. Einige hatten ihre Familien mitgebracht. Vorn im Bild unterhalten sich mit gebührendem Abstand Autor Heiko Kunzmann (links) und Kameramann Philipp Bauer. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Umgesetzt worden sind die Drehs für die Reihe in den vergangenen Monaten seit Juni. Zwischenzeitlich drohte die Pandemie auch diesen Zeitplan durcheinander zu bringen. Nun aber können die Filme wie geplant ausgestrahlt werden. Am Tag der Deutschen Einheit ist im MDR-Fernsehen außerdem ein 45-minütiger Film zum Thema zu sehen. An ihm wird aktuell noch gearbeitet. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
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Kerstin Kinszorra aus Magdeburg ist eine der Protagonistinnen der Reihe "Wendekinder". Sie unterstrich am Montagabend die Verantwortung ihrer Generation. Wenn nicht diese Verantwortung in der Heimat übernähme – "wer denn dann?" Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Auch Tobias Burdukat aus Grimma hat den MDR-Autoren seine Geschichte erzählt – und hat am Montag die weite Reise nach Magdeburg auf sich genommen, um die Preview zu besuchen.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14.09.2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ld
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
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Was sie eint, ist der Umbruch. Die Tatsache, dass plötzlich alles anders war. In der Kita. In der Schule. Bei manchen auch in der Familie. Einerseits sind sie so unterschiedlich – andererseits haben sie dieselben Erfahrungen gemacht, dieselben Gedanken in sich getragen oder Gefühle. Alle tragen sie etwas in sich, das für immer Teil ihrer Identität sein wird. Etwas, das sie für immer zu einer besonderen Generation machen wird. Sie sind die "Wendekinder". Geboren zwischen 1975 und 1985, allesamt also, bevor die Mauer fiel. Sie gehören zur letzten Generation, die in der DDR geboren wurde – und doch ganz lebhafte Erinnerungen an das hat, was in den Folgejahren passierte.

MDR SACHSEN-ANHALT widmet den "Wendekindern" seit dieser Woche eine eigene Reihe. Autoren des MDR haben in den vergangenen Monaten 14 Frauen und Männer besucht und mit ihnen in Erinnerungen gekramt, im ganz wörtlichen Sinne übrigens. Alte Fotos wurden herausgesucht, gemeinsam reiste man zurück zu den Wurzeln.

Reihe soll Schluss machen mit dem Bild vom "Jammer-Ossi"

Am Montag nun wurden die entstandenen Filme im Magdeburger Moritzhof gezeigt – ein feines Studiokino, wie gemacht für emotionale Leinwand-Momente wie diese. Fast alle der Protagonisten waren dafür nach Magdeburg gekommen – manche aus Halle, andere sogar aus Grimma oder Berlin. "Das ist toll und zeigt Ihr Interesse am Thema", freute sich Katrin Hartig, Leiterin der Redaktion Lange Formate bei MDR SACHSEN-ANHALT. Den positiven Blick nach vorn soll die Reihe zeigen, sagte die designierte Leiterin des Magdeburger MDR-Landesfunkhauses, Ines Hoge-Lorenz. "In den Filmen schauen wir mit unseren Protagonisten realistisch in die Vergangenheit – nicht jammernd."

Hinter der Produktion: Wie alles anfing

Eindrücke einer Preview der MDR-Reihe -Wendekinder- im Moritzhof Magdeburg.
Redaktionsleiterin Katrin Hartig am Montagabend bei der Preview der MDR-Reihe "Wendekinder" Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Die Idee zur Reihe über die "Wendekinder" kam den MDR-Redakteurinnen Katrin Hartig und Ines Hoge-Lorenz bereits 2018. Beide hatten seinerzeit einen Workshop des Netzwerks "3te Generation Ost" besucht – und beschlossen, das Thema im MDR aufzugreifen. Was käme da passender als die Zeit 30 Jahre nach dem Mauerfall (1989) und der Wiedervereinigung (1990)?!

Also wurden Autorinnen und Autoren von MDR SACHSEN-ANHALT beauftragt, geeignete Protagonisten für die Reihe zu finden. Die Idee: Die Autoren stellen ihre Protagonisten in einem Steckbrief vor – am Ende entscheidet die Redaktion, welche Geschichten ausführlich erzählt werden. "Eine äußerst schwere Entscheidung", bekannte Redaktionsleiterin Katrin Hartig am Montagabend bei der Preview. Herausgekommen sind 14 Porträts, die seit diesem Montag in der ARD-Mediathek angesehen werden können und bis zum Tag der deutschen Einheit in den MDR-Sendungen SACHSEN-ANHALT HEUTE und MDR um 11 gezeigt werden.

Dabei ist klar: Die porträtierten 14 ausgewählten Frauen und Männer sind nur ein Bruchteil einer Generation, die man gut und gern "Generation Umbruch" nennen kann. "2,4 Millionen Menschen wurden zwischen 1975 und 1985 in der DDR geboren", rechnete Hoge-Lorenz vor. Sie alle sind Kinder des Umbruchs.

Das zeigt sich auch Montagabend, als die knapp 50 Besucherinnen und Besucher ihren Platz im Moritzhof eingenommen und den Mund-Nasen-Schutz bei reichlich Abstand abgelegt haben. Da ist Jörn Flammiger. 42 Jahre. Aus Halle. Von Beruf Schulbegleiter. Er war elf Jahre, als die DDR untergeht. Eine prägende Erfahrung.

Es war alles weg. Es hat alles keine Rolle mehr gespielt. [...] Auf einmal habe ich in einem Staat gelebt, vor dem ich mein ganzes Leben gewarnt worden war.

Jörn Flammiger Wendekind

Oder Susan Baumgartl. 41. Gebürtig aus Thüringen, inzwischen Leiterin der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn. Flammiger und Baumgartl sind nur zwei der Wendekinder an diesem Abend – und doch haben beide bei aller Unterschiedlichkeit Gemeinsamkeiten.

Generation Umbruch: Kinder der Wende

Ein Mann in seiner wohnung
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„Auf einmal habe ich in diesem Staat gelebt, vor dem ich mein ganzes Leben lang gewarnt wurde.“

MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Mo 14.09.2020 19:00Uhr 05:57 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Wendekind Wiebke Neumann
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„Meine Mutter hat Vollzeit gearbeitet. Ich war in der Kita. Es war immer klar: Frauen sind nicht dafür da, sich um Kinder und Haushalt zu kümmern."

MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Di 15.09.2020 19:00Uhr 06:12 min

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Video
Wendekind Andreas Brohm
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„Wenn du an etwas glaubst, wenn du dich einbringst, dann entsteht etwas. Was alle für unwirklich halten."

MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Mi 16.09.2020 19:00Uhr 05:54 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
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Und so wird die Preview am Montagabend zu einer Art Klassentreffen – von Menschen, die sich in den meisten Fällen vorher nie begegnet sind und sich doch etwas zu erzählen haben. Es sind Menschen, denen die Geschichte ein Stück gemeinsame Identität eingepflanzt hat. Das prägt. Übrigens auch jene, die ganz gewiss nicht zur Generation gehören, um die es bei dieser Preview geht. So hat zum Beispiel Wendekind Wiebke Neumann aus Ballenstedt ihre Eltern mitgebracht.

Als alle Filme gezeigt sind und die Runde gerade vor der Tür weiterdiskutieren will, sagt ihr Vater Kurt Neumann: "Ich bin beeindruckt von diesen Biografien. Wie Sie sich geöffnet haben, hat mich unheimlich berührt. Wir haben gerade eine Welt erlebt, die wir in den letzten 30 Jahren so nicht erlebt haben."

TV-Tipp: Auf den Spuren der Wendekinder

Der 45-minütige Film über die "Wendekinder" ist am 3. Oktober um 18:05 im MDR-Fernsehen zu sehen – und ab 30. September in der ARD-Mediathek.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

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Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. September 2020 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

THOMAS H vor 1 Wochen

Steffen 1978: Sie vergessen dabei aber, das z. B. in Sachsen seit 30 Jahren hauptsächlich die CDU das Land regiert, welche sicher nicht "links-grün verseuchte Politik" zugelassen hat. Auch in Sachsen-Anhalt hatte überwiegend die CDU das sagen. An wen da wohl Ihr "Dank" gehen sollte.

Realist62 vor 1 Wochen

Wohle eher von solchen Politikern wie Bergner, Höppner und Böhmer. Die schauten doch eher zu, wie man den Osten Deutschlands ,,einkaufte"( frei nach ZDF- ,,heute-Show").

Atheist vor 1 Wochen

Wenn ein gebürtiger Hesse, noch dazu bei dpa ausgebildet, mir meine Geschichte erklären will!
Meist kommt nur raus das wir froh sein sollen jetzt in einer Angeblichen Demokratie leben zu dürfen und Tafeln , Frauenhäuser, und §318 zum guten Alltag gehören sollen.
Bisher kenne ich keine einzige Doku die realistisch das Bild der DDR gezeichnet hat!

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