Großübung "Defender Europe 20" US-Militärkolonnen rollen durch Sachsen-Anhalt

Auf Sachsen-Anhalts Straßen sind in den kommenden Wochen vermehrt US-Konvois unterwegs. Der Grund ist das Nato-Manöver "Defender Europe 20". Es ist die größte Verlegeübung der US-Streitkräfte über den Atlantik seit 25 Jahren und nicht unumstritten.

Drei US-Militärfahrzeuge stehen auf dem Standstreifen der Autobahn vier am Anschluss Dresden-Hellerau.
US-Konvois sind in den kommenden Wochen vermehrt auf Sachsen-Anhalts Straßen unterwegs. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Tino Plunert

Lange Güterzüge, nächtliche Transportkolonnen auf der Autobahn – das Nato-Manöver "Defender Europe 20" rollt in den kommenden Wochen durch Sachsen-Anhalt. Die Bahn transportiert seit der Nacht zum Donnerstag Container und anderes Material der US-Streitkräfte. Die ersten Straßentransporte auf der A2 finden nach Angaben des Landeskommandos zu Wochenbeginn statt.

Um Verkehrsbehinderungen in Grenzen zu halten, fahren die US-Militärfahrzeuge laut Bundeswehr nur nachts auf den Straßen. Wie Thomas Poloczek vom Landeskommando MDR SACHSEN-ANHALT sagte, sollen die Fahrzeuge bis 6 Uhr morgens in der Kaserne Burg eintreffen. Dort werden sie tagsüber ruhen und tanken. Ab 22 Uhr rollen sie wieder auf die A2 und über Brandenburg Richtung Polen.

Das Ganze wird den Angaben zufolge mehrmals wiederholt. Der Großteil der Konvois wird Mitte März erwartet, dann an sechs Tagen in Folge. Wann genau, lässt sich laut Poloczek aber schwer sagen. Das hänge von der Einhaltung des Zeitplanes ab. Die US-Truppen kämen zuvor in den Niederlanden und Belgien mit dem Schiff an. Von dort gehe es über Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt und hier auf die A2. Für den Transport durch Sachsen-Anhalt ist das Sanitätsregiment 1 aus Weißenfels mit rund 120 Soldaten und etwa 50 Fahrzeugen im Einsatz.

Test für den Einsatz im Krisenfall

Bei der Übung "Defender Europe 20" werden rund 20.000 Soldaten von den USA quer durch Deutschland nach Osteuropa verlegt. Soldaten, Militärfahrzeuge und Material werden über Straßen und Schienen transportiert. Damit soll eine schnelle Einsatzbereitschaft im Krisenfall getestet werden. Darüber hinaus sind mehrere weitere Übungen in Deutschland, Polen, Georgien und dem Baltikum geplant.

Insgesamt sollen 37.000 Soldaten aus 18 Nationen beteiligt sein. Deutschland ist dabei logistische Drehscheibe. Die Bundeswehr nimmt selbst an der Übung teil. Zudem unterstützt sie die US-Armee bei Transport und Unterbringung. Das Manöver läuft seit Januar.

Ende Mai soll die Übung beendet sein. Dann erfolgt die Rückreise. Diese wird der Bundeswehr zufolge Sachsen-Anhalt aber nur minimal betreffen, weil die Truppen über eine andere Route zurückgeführt werden.

Gegner sehen Provokation gegen Russland

Das Manöver ist die größte Verlegeübung der US-Streitkräfte über den Atlantik seit 25 Jahren und nicht unumstritten. Kritiker bezeichnen es als Provokation gegenüber Russland, so auch die Linke in Sachsen-Anhalt. Es verhindere vertrauensbildende Maßnahmen im osteuropäischen Raum, teilte ein Sprecher mit. Zudem sei es teuer und umweltschädlich. Man werde Protest gegen das "unsinnige" Manöver in den nächsten Wochen und Monaten in der Öffentlichkeit zeigen.

Die Bundeswehr dagegen betonte, das Manöver sei nicht gegen Russland gerichtet. Es handle sich ausdrücklich um eine Übung für einen möglichen Krisenfall. Proteste seien dennoch völlig legitim, solange sie geordnet und im Rechtsrahmen ablaufen würden.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. Februar 2020 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

W.Merseburger vor 29 Wochen

Dass nun auch noch in Georgien die westliche Welt verteidigt werden muss und zwar mit Nato-Soldaten, ist ein neuer Aspekt. Für mich steht allerdings die Frage, wie kommen die Truppen der Nato nach Georgien? Beantragen die vielleicht eine Zugverbindung vom Baltikum über Russland nach Georgien, um das Militärgerät zu transportieren? Möglich wäre natürlich auch ein Transport mit ukrainischen Antonow-Transportflugzeugen. Dies wiederum würde der Ukraine militärisch mehr Gewicht verschaffen.

MDR-Team vor 29 Wochen

In Sachsen-Anhalt ist die Bundeswehr in Sachen "ökologische Schäden" durchaus im Einsatz.

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/bundeswehr-im-einsatz-gegen-borkenkaefer-100.html

fritz deutsch vor 29 Wochen

Je mehr Waffen,desto sicherer der Frieden.
Ist,wie wenn der Bauer sagen würde,je weniger ich säe,desto mehr ernte ich.
Bertolt Brecht

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