Verfall im Landkreis Anhalt-Bitterfeld Denkmalgerecht saniert: Nicht jedes Gebäude hat so viel Glück wie der alte Bahnhof von Gröbzig

Grit Lichtblau, Redakteurin im MDR-Studio in Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Sie stehen überall in Sachsen-Anhalt: denkmalgeschützte Gebäude, die verfallen. In Gröbzig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist so manches alte Gebäude schon saniert worden. Doch der Ortsbürgermeister sorgt sich um die Häuser, bei denen gar nichts passiert – und die mehr und mehr verfallen.

Blick auf das sanierte Bahnhofsgebäude in Gröbzig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld
Im früheren Gröbziger Bahnhof ist heute das Ingenieurbüro von Ortsbürgermeister Dirk Honsa untergebracht. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Züge fahren in Gröbzig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld schon seit mehr als 50 Jahren nicht mehr. Der Bahnhof blieb trotzdem erhalten. Mit dem Kinderwagen  fuhr Ortsbürgermeister Dirk Honsa Ende der 1990er-Jahre immer wieder an dem markanten Gebäude vorbei. Er suchte neue Räume für sein expandierendes Ingenieurbüro. "Ich habe dann den Bahnhof gekauft und zusammen mit meinen vier Brüdern das Gebäude wieder hergerichtet. Im Innern mit Büros und Wohnraum", erzählt Honsa. "Die Fassade haben wir so gelassen, wie sie früher war."

Dort, wo damals die Güter vom Zug verladen wurden, hat Dirk Honsa jetzt seinen Schreibtisch stehen – nebenan, wo sein Bruder arbeitet, war die Bahnhofskneipe. Nicht allen historischen Gebäuden ist solch eine Verschönerungskur gegönnt.

Ein Mann steht vor dem sanierten Bahnhofsgebäude in Gröbzig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld.
Dirk Honsa ist Ortsbürgermeister von Gröbzig. Der Verfall mancher denkmalgeschützter Gebäude macht ihm Sorgen. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Die Denkmalliste der 2.300 Einwohnern zählenden Stadt Gröbzig listet 31 Kulturdenkmale auf. Dazu zählen unter anderem die Stadtsilhouette, der jüdische Friedhof, das Kriegerdenkmal, das Pfarrhaus, die Synagoge und mehrere Wohnhäuser. Vor allem deren Erhalt stelle eine Herausforderung dar. Es sei Fluch und Segen zugleich, meint Ortsbürgermeister Honsa. Man könne was aus den Häusern machen, brauche aber viel Liebe und auch den entsprechenden finanziellen Hintergrund.

Früheres Postamt ebenfalls wieder hergerichtet

Einige in Gröbzig hatten diesen Mut, zu investieren: So ist das ehemalige Postamt wieder hergerichtet, ebenso ein Haus, in dem früher die Arbeiter untergebracht waren. Doch nicht immer gelingt so eine Sanierung. Dirk Honsa zeigt das ehemalige Wohnhaus von Johann Friedrich Walkhoff. Der Reformator des Schul- und Erziehungswesens hatte in Gröbzig den ersten deutschen Lehrerverein gegründet, das Mehrklassensystem eingeführt. "Ein historischer Ort für Gröbzig, aber das Haus ist inzwischen nicht mehr zu retten", konstatiert der umtriebige Ortsbürgermeister. Hier habe sich der Eigentümer finanziell übernommen. Das Dach musste inzwischen notgesichert werden. Blickt man durch das Fenster, sieht man Dachbalken, die bereits heruntergekommen sind. Andere denkmalgeschützte Häuser gehören ausländischen Eigentümern, das würde die Sache nicht einfacher, erzählt Honsa.

Ein Mann steht vor dem sanierten Bahnhofsgebäude in Gröbzig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld.
Schmuckstück: Der alte Bahnhof von Gröbzig glänzt seit seiner Sanierung wieder im Glanz früherer Tage. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Natürlich geht es auch anders. Vor allem, wenn es staatliche Unterstützung gibt. Gröbzigs Vorzeigedenkmal ist, allein schon wegen der historischen Bedeutung, die ehemalige Synagoge. Das einmalige Gebäudeensemble inmitten der Stadt ist vollständig erhalten geblieben, bildet das kulturelle Zentrum der Stadt. Dank der Unterstützung durch das Land wird die Synagoge derzeit in Teilen saniert, soll damit auch ihre Strahlkraft über die städtischen Grenzen hinweg erhöhen.

Grit Lichtblau, Redakteurin im MDR-Studio in Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Grit Lichtblau kommt aus Dessau-Roßlau und arbeitet seit 2001 für das MDR-Studio in Dessau. Als Reporterin ist sie in Anhalt und Wittenberg unterwegs. Erstmals am Mikro war sie bei energy Sachsen in Leipzig, wechselte dann zu Radio SAW – und von dort zu MDR SACHSEN-ANHALT. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind die Sandstrände an der Elbe und der Elberadweg.

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Blick auf Quedlinburg Bildrechte: MDR/Axel Berger

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Oktober 2020 | 14:10 Uhr

3 Kommentare

Altmagdeburger vor 5 Wochen

Schön das alte Bahnhöfe gerettet werden und wieder in ihrer Schönheit hergerichtet werden.
Sieht leider in Magdeburg nicht so aus und sie will Kulturhauptstadt werden, dann lass mal, alle Besucher auf den Neustädter Bahnhof aussteigen, geschweige die Prüfkommission, damit sie gleich den richtigen Blick bekommen und wenn es geht im strömenden Regen.

Zsifkovits vor 5 Wochen

2.300 Einwohnern sind überschaubar als Stadt Gröbzig mit 31 Kulturdenkmale

viele Dörfer haben 6-9000 EW ohne 1 Kulturdenkmal - ist das ein größeres Gehöft eines ehm. Grafen; ehemalige Synagoge deutet auf finanzstarke Geschäftsleute in so einer kleinen Gemeinde hin

Altmagdeburger vor 5 Wochen

Der Bahnhof Gröbzig ist ein Aushängeschild und der Neustedter Bahnhof steht zwar auch unter Denkmalschutz, aber der Besitzer und die Herren vom Rathaus sehen es lieber, wenn es eines Tages in sich zusammenfällt, dann ist der Platz für was neues da und eine Geschichte geht zu Ende, mit diesen Bahnhof.

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