Eine Ratte rennt über einen Gehweg.
In Bernburg nutzen Ratten die Kanalisation als ihre Stadtautobahn. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Effektiv und ohne Gift So bekämpft Bernburg seine Rattenplage

Die Stadt Bernburg kämpft seit dem vergangenen Sommer mit einem Rattenproblem. Die Nager huschten sicht- und hörbar durch die Stadt. Viele Bernburger zeigten sich angewidert und auch verängstigt. Jetzt geht es den Tieren an den pelzigen Kragen.

Eine Ratte rennt über einen Gehweg.
In Bernburg nutzen Ratten die Kanalisation als ihre Stadtautobahn. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Der Abwasserzweckverband in Bernburg ist der Rattenplage vom vergangenen Sommer im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund gegangen. Die Kanalisation wurde mit Spezialkameras untersucht.

Dabei hat sich herausgestellt, dass die Nager das Abwassersystem als eine Art Stadtautobahn benutzen, wie Wasserzweckverbandschef Harald Bock MDR SACHSEN-ANHALT erklärt: "Sie kann sich dort komplett bewegen, ohne dass sie Gefahr läuft, im Normalfall irgendwelche Beeinträchtigungen zu haben. Insofern ist die Kanalisation nur die Straße, die Autobahn für die Ratte."

Sensoren, um Ratten zu erkennen

Um die Plage mit den Nagern zu bekämpfen, hat diese Autobahn allerdings nun ein paar lebensgefährliche Abschnitte bekommen. Schädlingsbekämpfer Markus Gaßmann hat sogenannte vollautomatische Schlagfallen in den Abwasserrohren installiert.

Bei diesen Fallen handelt es sich um eine Art Zylinder, in welchen etwa zehn bis 14 Bolzen integriert sind, wie der Schädlingsbekämpfer MDR SACHSEN-ANHALT die Funktionsweise der Fallen erläutert. Unter dem Zylinder befinden sich zudem zwei Sensoren: Der eine reagiert auf Wärme, der andere auf Bewegung. Lösen beide Sensoren aus, weiß die Falle, dass eine Ratte da ist und aktiviert die Bolzen. Diese schießen dann mit 130 Kilometern pro Stunde nach unten und erschlagen die Ratte.

Kein abstraktes Denken

Das Tier sei innerhalb von Sekunden tot, so Gaßmann. "Anschließend fahren die Bolzen wieder hoch und die Ratte wird mit dem nächsten Spülfluss wegespült." Der Schädlingsbekämpfer sagt, für diese Methode müssen sie kein Gift benutzen und könnten effektiv und nachhaltig arbeiten.

Sechs solcher hochmodernen Schlagfallen sind in Bernburg im Einsatz. Und das mit Erfolg, denn offenbar sind die vermeintlich cleveren Nager nicht so schlau, wie es ihr Ruf behauptet. Laut dem Schädlingsbekämpfer können Ratten nicht abstrakt denken. Es gebe Aufnahmen, in denen deutlich zu sehen sei, wie eine Ratte beobachtet, wie eine andere Ratte durch die Bolzen erschlagen wird. Sobald die Bolzen verschwunden seien, versuche die zweite Ratte trotzdem, über die bereits tote Ratte hinüberzuklettern und weiterzukommen. "Die Bolzen sind weg und abstraktes Denken kriegt die Ratte nicht hin. Und in dem Moment wird diese Ratte auch erschlagen", so Gaßmann. Die Schlagfallen sind daher äußerst effektiv. Pro Woche werden den Angaben zofolge mehr als 70 Tiere getötet.

Schnell vermehrt

Im vergangenen Juli hatte der Wasserzweckverband eine Rattenpopulation von geschätzt 60 Tieren unweit der Innenstadt entdeckt. Schnell waren die Tiere weiter gewandert und hatten sich – typisch für Ratten – rasant vermehrt.

In der Innenstadt hatten die Nager deutliche Spuren an Gebäuden gelassen. Zudem huschten sie selbst am hellichten Tag umher. Viele Bernburger ekelten sich.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. Januar 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2019, 15:51 Uhr

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3 Kommentare

04.01.2019 12:38 Nordharzer 3

Ratten gab es zu allen Zeiten. Sie sind eben ein Bestandteil unserer Zivilisation. Ganz wird man sie nie wegkriegen. Und wir hatten, trotz Bezirkshygieneinspektion, zu DDR-Zeiten genügend davon.

03.01.2019 22:10 Theodor Dienert 2

Ratten gibt es nur da, wo es den Menschen zu gut geht und wo Essen und Nahrung weggeworfen wird. Es ist also ein von Menschen gemachtes Problem! In den schlechten Zeiten, als die Leute nichts zu fressen hatten gab‘s fast keine Ratten....
...und da braucht es auch kein Bezirkshygieneinstitut, sondern ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln. Denn die wiederum gehören in den Hals und nicht ins Klo.....

03.01.2019 16:09 Normalbürger 1

Hier fallen mir nur drastische Worte ein,Mit Kohl kamen die Gauner und die Ratten,es war wichtig im Osten die Bezirkshygieneinstitute abzuwickeln,die sich hervorragend und vorbeugend um die Schädlingsbekämpfung gekümmert haben,dazu meine Frage was war daran schlecht ? Genauso kümmerten diese sich um die Lebensmittelüberwachung,was heute ein Fremdwort ist,woher kommmt sonst die Pferdelasagne?