Nach "Rundumschlag" in Brief Querelen in der Partei: Köthens Oberbürgermeister Hauschild tritt aus der SPD aus

Schwere Vorwürfe gibt es gegen Oberbürgermeister Bernd Hauschild, zu wenig für die Stadt zu tun. Und zwar aus den eigenen Reihen der SPD. Hauschild sieht damit nicht mehr genug Rückhalt für sich gegeben – und erklärte seinen Austritt aus der SPD.

Ein Delegierter stimmt auf dem Landesparteitag mit einer Delegiertenkarte an.
Querelen bei der SPD in Köthen. Bildrechte: dpa

Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild ist aus der SPD ausgetreten. Er sehe nicht mehr genügend Rückhalt in der Fraktion im Stadtrat, sagte Hauschild. Damit zielte das Köthener Stadtoberhaupt auf partinterne Kämpfe. Die sind insbesondere mit einem Brief an die Partei-Mitstreiter von SPD-Mitglied Sascha Ziesemeier offen zutage getreten, der am Dienstagabend auch beim Stadtrat die Runde machte. Das Schreiben liegt MDR SACHSEN-ANHALT vor.

Der Stadtrat tagte in Köthen.
Stadtrat in Köthen am Dienstagabend. Bildrechte: MDR/Susanne Reh

Darin wirft Ziesemeier Amtsinhaber Hauschild vor, keinen "Willen zur Veränderung" zu zeigen. "Der so dringend erforderliche Strukturwandel unserer Stadt ist mit den handelnden Akteuren daher kaum möglich." Er bezog sich auf Anträge aus der Vergangenheit im Stadtrat, die keine Unterstützung seitens Hauschilds, aber auch keine Mehrheit unter den Räten erhalten hätten. Auch machte er Hauschild, der noch drei weitere Jahre im Amt ist, eine Kampfansage. Ziesemeier wolle sich mit "größtmöglichem Rückenwind" aus einem möglichen erfolgreichen Landtagswahlkampf, in dem er die SPD-Kandidatur im Wahlkreis Köthen anstrebt, für das Amt des Oberbürgermeisters bewerben.

OB: Schreiben war "Rundumschlag"

Bernd Hauschild (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Köthen (Anhalt)
"Finde ich nicht gut": Bernd Hauschild ist aus der SPD ausgetreten. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Hauschild bezeichnete das Schreiben als "Rundumschlag". Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, wenn man so etwas schreibe, solle man das auch begründen. Das sei nicht geschehen. "Drei Jahre vor der Wahl möchte er anfangen, meine jetzige Arbeit zu zerstören. Das finde ich nicht gut." Hauschild geht davon aus, dass es auch für viele aus dem Stadtrat nun schwer werde, noch mit Ziesemeier zusammenzuarbeiten.

Ziesemeier selbst räumte zur Stadtratssitzung ein, dass das Schreiben unangmessen gewesen sei. Doch offenbar hat es innerhalb der SPD in Köthen bereits Schaden angerichtet: Auch der ehemalige Köthener Oberbürgermeister Kurt-Jürgen Zander ist wegen der Entwicklungen im Ortsverein nun aus der Partei ausgetreten, nach 37 Jahren Mitgliedschaft.

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 08. Juli 2020 | 16:30 Uhr

4 Kommentare

Kritiker vor 3 Wochen

+..Ziesemeier wolle sich mit "größtmöglichem Rückenwind" aus einem möglichen erfolgreichen Landtagswahlkampf, in dem er die SPD-Kandidatur im Wahlkreis Köthen anstrebt, für das Amt des Oberbürgermeisters bewerben...+
Da ist wohl der Wunsch der Gedanken Geist? Eher wird nach Lage der Dinge die SPD mit diesem Kanditaten eher nach unten als nach oben in der Wahlzustimmung der Menschen/ Bürger/ Wähler*innen in drei Jahren gehen!

+...Ziesemeier selbst räumte zur Stadtratssitzung ein, dass das Schreiben unangemessen gewesen sei....+
Vorher nachdenken, was ein Schreiben für Folgen haben kann und dann ggf. entsprechendes Schreiben verfassen. Nur inzwischen ist sicher der Schaden kaum noch rückgängig zumachen bei einer solchen persönl. Einstellung des Hr.Ziesemeier.

Kritiker vor 3 Wochen

Hr.Ziesemeier kann wohl nicht verstehen wenn (be)im Stadtrat keine Mehrheit für Anträge zustande komme, das dies NICHT auf eine Person, die des Hr. Hauschild, zurückgeführt werden muss.
+... Er bezog sich auf Anträge aus der Vergangenheit im Stadtrat, die keine Unterstützung seitens Hauschilds, aber auch keine Mehrheit unter den Räten erhalten hätten....+
Bei vielen Bürgern stößt so viel Egoismus eines Hr.Ziesemeier auf sehr viel Unverständnis! Wäre da nicht mal zu prüfen ob ein Hr.Ziesemeier der SPD mehr schadet als Hr.Hauschild und Hr.Zander hinsichtlich der vergangenen Jahre der Amtsinhabe mit dem unter diesen Gründen berechtigten Austritt aus der SPD.

Rotti vor 3 Wochen

Da spart der OB schon mal richtig viel Geld. Er zahlte bestimmt monatlich ein paar hundert Euro an die SPD.
Und die SPD hat ein Aushängeschild weniger.
Im Landkreis Stendal war das ähnlich. Ein neuer SPD - Landrat, frei von jeglicher fachlichen Qualifikation, hat gleich mal den 1.Stellvetreter (SPD) in Frage gestellt. Obwohl der eine recht gute Arbeit geleistet hat und über Fraktionsgrenzen akzeptiert war.
Der hat dann nach zig Jahren die Roten verlassen.
Aber, wie sagte doch die "allwissende" Landesvorsitzende so schön? "Die SPD ist noch lange nicht am Ende!"
Klar doch, es können immer noch welche austreten.

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