Der Satiriker Jan Böhmermann bewirbt sich nach eigenen Worten mit der Kampagne #neustart19 um den SPD-Parteivorsitz in seiner Sendung «Neo Magazin Royale», die am 29.08.2019 im ZDFneo ausgestrahlt worden ist.
Der Satiriker Jan Böhmermann wollte nach eigenen Worten mit der Kampagne #neustart19 den SPD-Parteivorsitz. Bildrechte: dpa

Satiriker Böhmermann will weiter in die SPD Köthen

Der Satiriker Jan Böhmermann hatte angekündigt, um den SPD-Vorsitz zu kandidieren – und ist dafür dem SPD-Ortsverein in Köthen beigetreten. Zwar ist er mit der Kandidatur für den SPD-Parteivorsitz gescheitert, Mitglied in Köthen will er dennoch werden.

Der Satiriker Jan Böhmermann bewirbt sich nach eigenen Worten mit der Kampagne #neustart19 um den SPD-Parteivorsitz in seiner Sendung «Neo Magazin Royale», die am 29.08.2019 im ZDFneo ausgestrahlt worden ist.
Der Satiriker Jan Böhmermann wollte nach eigenen Worten mit der Kampagne #neustart19 den SPD-Parteivorsitz. Bildrechte: dpa

Der Satiriker und Moderator Jan Böhmermann will weiter SPD-Mitglied im Ortsverband Köthen werden. Das kündigte Böhmermann am Montagnachmittag bei Twitter an, nachdem er zuvor aus formalen Gründen mit seiner Kandidatur für den SPD-Parteivorsitz gescheitet war.

In seiner Video-Botschaft sagte er, er wolle seinen offiziellen Antrag auf Mitgliedschaft in der SPD nicht zurückziehen. Bis 16. September wolle er offiziell als SPD-Mitglied im Ortsverein Köthen aufgenommen werden. Dadurch wolle er spätestens für die nächste Wahl vorbereitet zur Stelle sein. Außerdem werde die juristische Anfechtbarkeit seiner Nicht-Zulassung zur Wahl um den SPD-Vorsitz geprüft.

Kreisverband spricht von Satire

Der Satiriker hatte am Wochenende mitgeteilt, er sei Mitglied im SPD-Ortsverband Köthen geworden, um sich so um den Vorsitz der Bundespartei bewerben zu können. Das sorgte auch in Sachsen-Anhalts SPD für reichlich Verwirrung.

Böhmermann schrieb auf Twitter: "Ich danke meinem neuen Ortsverein Köthen für die schnelle und skrupellose Bestätigung meiner Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands." Der Ortsverein Köthen bestätigte die Aufnahme Böhmermanns auf Facebook. Der Verbands-Vorsitzende, Michael Engelmann, teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, Böhmermann sei nach seiner Auffassung jetzt SPD-Mitglied.

Dem widerspricht die Landes-SPD. Der Beschluss zur Aufnahme reiche formal nicht aus. Weil Böhmermann nicht in Köthen wohne, brauche er die Zustimmung der SPD in Köln und des Anhalt-Bitterfelder Kreisverbandes. Dieser hält die angestrebte Parteimitgliedschaft jedoch für eine Satire-Aktion. Der Kreisverbandsvorsitzende Ronald Mormann sagte MDR SACHSEN-ANHALT, seine Partei freue sich über jeden, der mitarbeiten wolle, wenn er es denn ernst meine. Bei Böhmermann glaube er das aber nicht.

Der geilste Fleck auf dieser Welt, der Landkreis Anhalt-Bitterfeld.

Jan Böhmermann, Satiriker Stellungnahme bei YouTube

Böhmermann selbst sagte in seiner Stellungnahme am Montag, so wirklich seien er und auch die SPD selbst nicht mal sicher, ob er in den letzten drei Tagen überhaupt wenigstens Parteimitglied geworden sei.

Kölner SPD rechnet Böhmermann Chancen aus

Am Dienstag wurde bekannt, dass Böhmermann bei der Kölner SPD noch am Sonntag per E-Mail eine Ausnahme vom Wohnortprinzip beantragt hatte. Das bestätigte Geschäftsführer Frank Mederlet der Deutschen Presse-Agentur. Die gewählten Mitglieder des Vorstands der KölnSPD sollen in ihrer Sitzung am 26. September darüber befinden. Man werde "vermutlich beschließen", so Mederlet, Böhmermann in Köthen eintreten zu lassen.

Bewerbungsfrist bis Sonntag

Böhmermann hatte am Donnerstag in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" verkündet, selbst Bundesvorsitzender der SPD werden zu wollen. Einher kam der Hashtag #neustart19 inklusive Kampagnen-Website mit Erklärung zu seiner Kandidatur. Dort heißt es: "Nein, das ist kein Witz. Ich bewerbe mich hiermit offiziell und öffentlich um das Amt des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands."

Die Abgabefrist für Bewerbungen um den SPD-Parteivorsitz lief am Sonntag um 18 Uhr ab. Böhmermann sei zu spät gekommen, sagte Sachsen-Anhalts SPD-Sprecher Martin Krems-Möbbeck auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT. "Aber für die Kandidatur ist die Frist abgelaufen. Die hat er nicht eingehalten."

Quelle: dpa, MDR/cw,ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. September 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. September 2019, 16:36 Uhr

4 Kommentare

part vor 10 Wochen

Als progressiver Satiriker, der die zunehmenden Schwachstellen der Gesellschaft entdeckt und aufdeckt, hätte er auch dem Partei- Team von Martin Sonnenborn beitreten können, doch dazu ist er leider etwas zu konservativ aufgestellt und leider zu mainstreamverhaftet. Trotzdem viel Glück mit den ÖR- Gleichgestellten und trotzdem ein ganz kleiner Sieg für die Demokratie im Land der politisch nicht mehr Informierten.

W.Merseburger vor 10 Wochen

Böhmermann hat als Satiriker einen Volltreffer gelandet. Er hat mit einem einfachen Vorschlag für seine Person, die Art der Vorsitzenden-Findung in der SPD lächerlich und zwar sehr lächerlich gemacht. Vielleicht begreifen das die SPD-Oberen endlich. Es ist schon unbegreiflich, wohin diese SPD mit ihrer Geschichte und ihren Verdiensten um Deutschland seit etwa 1890 abdriftet.

Nordharzer vor 10 Wochen

Das ist wieder mal ein Tiefpunkt der SPD, aber diesmal kann sie wohl nichts dafür. Ist denn die SPD zum Sammelbecken gescheiterter Existenzen verkommen? Der hat bis jetzt noch nicht mal gewusst, wo Köthen liegt - was tut man alles für die eigene Show.

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