Aufnahme einer Kirche, in der sich mehrere Hundert Menschen zu einer Andacht versammelt haben.
An der Trauerandacht nahmen rund 300 Menschen teil. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Andacht und Demo Trauer in Köthen nach Tod von jungem Mann

In Köthen haben sich am Sonntag Hunderte Menschen zu einer Andacht versammelt. Die Kirche rief nach dem Tod eines jungen Mannes zur Besonnenheit auf. Unterdessen haben sich am Abend Hunderte Menschen zu Demonstrationen versammelt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Aufnahme einer Kirche, in der sich mehrere Hundert Menschen zu einer Andacht versammelt haben.
An der Trauerandacht nahmen rund 300 Menschen teil. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

In Köthen haben am Sonntag 300 Menschen an einer Trauerandacht teilgenommen. Der Gottesdienst fand in der Kirche St. Jakob statt. Anlass war der Tod eines 22-Jährigen in der Nacht zu Sonntag. Zu der Andacht kamen auch Kommunal- und Landespolitiker. Kirchenpräsident Joachim Liebig rief dabei zur Besonnenheit auf.

Die Evangelische Kirche startete bei dem Gottesdienst eine Spendensammlung. Kirchenpräsident Liebig sagte, das Geld solle für die Bestattung des jungen Mannes verwendet werden. "Der Tod eines Menschen ist der schlechteste Anlass für eine Instrumentalisierung", sagte Liebig. Es betreffe die ganze Gemeinschaft, wenn jemand so aus ihrer Mitte zu Tode komme.

Tod eines 22-Jährigen Trauer und Bestürzung in Köthen

Trauer und Bestürzung in Köthen: Nach dem Tod eines 22-Jährigen ist in der Stadt am Sonntag vieles anders, als gewöhnlich. Viele Menschen gedenken mit Blumen und Kerzen des Toten.

Spielplatz in Köthen, im Hintergrund Kerzen
Auf diesem Spielplatz am Karlsplatz in Köthen soll es in der Nacht zu Sonntag zur tödlichen Auseinandersetzung gekommen sein. Dabei starb ein 22-jähriger Deutscher. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Spielplatz in Köthen, im Hintergrund Kerzen
Auf diesem Spielplatz am Karlsplatz in Köthen soll es in der Nacht zu Sonntag zur tödlichen Auseinandersetzung gekommen sein. Dabei starb ein 22-jähriger Deutscher. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Blumen und Kerzen stehen an einem Baum auf einem Spielplatz.
Zwei junge Männer aus Afghanistan wurden festgenommen. Gegen sie wurde zunächst wegen des Anfangsverdachtes eines Tötungsdelikts ermittelt. Stunden später wurden die Ermittlungen abgeschwächt, nachdem sich als Todesursache Herzversagen herausgestellt hatte. Bildrechte: dpa
Männer legen auf einem Spielplatz Kerzen nieder
Landrat Uwe Schulze und Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild haben am Mittag Blumen am Tatort niederlegt, um des Opfers zu gedenken. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Blumen und Kerzen stehen an einem Baum auf einem Spielplatz.
Auch andere Menschen legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Bildrechte: dpa
Mehrere Menschen stehen in Köthen auf einem Spielplatz und hören den Worten eines Pfarrers zu.
Kreisoberpfarrer Lothar Scholz mahnte die Menschen in Köthen zur Besonnenheit. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Polizisten in Köthen
Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß
Polizisten in Köthen, im Hintergrund weitere Menschen
Auf den Straßen von Köthen sind viele Menschen unterwegs. Bildrechte: TNN/MDR
Das Ortseingangschild von Köthen
In der Kreisstadt des Landkreises Anhalt-Bitterfeld leben knapp 30.000 Menschen. Bildrechte: dpa
Menschen sitzen bei einem Gottesdienst in einer Kirche.
Die Landeskirche Anhalt hat am Sonntagnachmittag zu einer Trauerandacht geladen. Bildrechte: MDR/André Damm
Aufnahme einer Kirche, in der sich mehrere Hundert Menschen zu einer Andacht versammelt haben.
Rund 300 Menschen kamen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Ein Pfarrer spricht in einer Kirche.
Kirchenpräsident Joachim Liebig rief zur Umsicht auf. Die Kirche sammelt Spenden für die Familie des Opfers. Bildrechte: MDR/André Damm
Polizisten stehen mit ihren Fahrzeugen am Bahnhof in Köthen.
Unterdessen bereitet die Polizei sich wegen zweier angemeldeter Demonstrationen auf einen Großeinsatz vor.
Bildrechte: dpa
Demonstration der Rechten in Köthen
Am Sonntagabend versammelten sich dann etwa 1.000 Menschen zu einer Demonstration, zu der rechte Gruppen aufgerufen hatten. Bildrechte: MDR/Karsten Kiesant
Polizisten in Köthen
Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09.09.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09.09.2018 | seit 12 Uhr

Quelle: MDR/ld,cw
Bildrechte: MDR/Karsten Kiesant
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Rechte Gruppen mobilisieren

Polizisten stehen mit ihren Fahrzeugen am Bahnhof in Köthen.
Die Polizei ist in Köthen vor Ort. Bildrechte: dpa

In den sozialen Netzwerken wurden seit dem Nachmittag Aufrufe zu rechten Demonstrationen geteilt. Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild (SPD) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, nötig sei jetzt Besonnenheit. Hauschild riet auf seiner Facebookseite von der Teilnahme an dieser Kundgebung ab. Ihm würden Informationen vorliegen, dass auch gewaltbereite Gruppen von außerhalb Köthens in großer Zahl anreisen wollten.

Rund 2.500 Menschen folgten nach Polizeiangaben einem Aufruf rechter Gruppen zu einem sogenannten Trauermarsch durch Köthen, es gab auch eine Gegenkundgebung. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Zunächst verlief die Demonstration still und friedlich. Im zweiten Teil ergriffen Rechtsextreme das Wort und verbreiteten unter Beifall Hasstiraden gegen Ausländer und Politiker.

Der junge Mann war in der Nacht zum Sonntag ums Leben gekommen. Dem vorausgegangen war eine Auseinandersetzung mit zwei Afghanen. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT ist der junge Mann an einem Herzinfarkt gestorben. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten das am Sonntagabend.

Menschen bei einem Demonstrationszug durch Köthen, im Vordergrund zwei Polizisten
Vor dem Spielplatz am Karlsplatz stoppte der Trauermarsch schweigend. Bildrechte: MDR/Karsten Kiesant

Quelle: MDR,dpa/ru,ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 09. September 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2018, 22:44 Uhr

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17 Kommentare

10.09.2018 21:18 DER Beobachter 17

Ziemlich Wenige bei der Trauerandacht und ziemlich Viele beim eindeutig erkennbaren Hetzaufzug, für dessen Grenzensetzung wieder einmal Polizeiunterstützung aus mehreren Bundesländern nötig war. Nach dem Totalversagen in Chemnitz reagierte man immerhin. Erneut hässliche Bilder aus der mitteldeutschen Provinz. Mehr gibts eigentlich nicht zu sagen...

10.09.2018 14:22 Happydiner 16

Am MDR: Was ist mit den Kommentaren zwischen 5 Uhr und 9,29 Uhr? Herrschte da Maulkorberlaß? Meine Kommentare werden oft nicht gesendet.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT
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10.09.2018 09:29 Konrad vom Berg 15

"Die Kirche rief nach dem Tod eines jungen Mannes zur Besonnenheit auf."
Besonnenheit? Heißt das etwa "Abwarten und Tee trinken", bis zum nächsten brutalen Verbrechen?
Wenn der Staat nicht versagen würde, wären noch viele am Leben.
Den Angehörigen mein Mitgefühl.