Köthen Hochschule warnt Studenten vor Demo

"Wir bitten um Vorsicht": Die Hochschule Anhalt hat Studierenden geraten, am Sonntag Demonstrationen in Köthen "großzügig zu meiden". Als Grund dafür sind potenziell gefährliche Demonstrationen genannt worden.

Auf der Internetseite der Hochschule Anhalt wird vor "potenziell gefährlichen" Demonstrationen gewarnt (Screenshot 15.09.2018)
Auf der Internetseite der Hochschule Anhalt wird vor "potenziell gefährlichen" Demonstrationen gewarnt (Screenshot 15.09.2018) Bildrechte: Hochschule Anhalt

Die Hochschule Anhalt hat Studenten geraten, Demonstrationen in Köthen am Sonntag "großzügig zu meiden". In einer Mitteilung, die die Hochschule auf ihrer Webseite veröffentlicht hat, heißt es, in der Stadt würden "potenziell gefährliche Demonstrationen" stattfinden. Die Hochschulleitung empfehle, betroffene Straßen von 14 Uhr bis 23 Uhr zu meiden. Die Hochschule hat eine Hotline eingerichtet, die Sonnabend und Sonntag unter 03496 67 67 89 zu erreichen ist.

Nach Angaben des Statistischen Landesamts studierten im Wintersemester 2017/2018 an der Hochschule Anhalt mit ihren drei Standorten Bernburg, Dessau und Köthen knapp 2.000 ausländische Studierende.

Stahlknecht: "Zeichen setzen, dass man die nicht sehen will"

Hintergrund der Warnung ist eine Demonstration, zu der für Sonntagnachmittag mehrere rechte und teilweise rechtsextreme Gruppen aufgerufen haben, darunter der brandenburgische Verein "Zukunft Heimat", Pegida, das Magazin Compact und das rechte Kampagnennetzwerk "Ein Prozent". Auch AfD-Mitglieder und -Politiker teilten den Demonstrationsaufruf.

Rechter Trauermarsch nach Tod eines 22-jährigen in Köthen.
Nach dem Tod des 22-Jährigen hatten sich in Köthen viele rechtsgerichte Demonstranten vesammelt. Bildrechte: IMAGO

Innenminister Holger Stahlknecht sagte in einem Interview der Mitteldeutschen Zeitung, dass er den Bürgern in Köthen empfehle, zu Hause zu bleiben und die Rollläden zuzumachen. "Nicht, weil wir die Sicherheit nicht gewährleisten können, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass man die nicht sehen will."

Zu Protesten dagegen hat ein Bündnis aus Initiativen, unter anderem "Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage", "Bündnis Dessau Nazifrei" und "Bündnis Querfurt für Weltoffenheit" unter dem Motto "Den extremen Rechten entgegentreten – für eine offene und plurale Gesellschaft" aufgerufen.

Friedensgebet in der Jakobskirche

Außerdem wird am Sonntag 14 Uhr zu einem Friedensgebet in die Köthener St.-Jakobskirche eingeladen.

Am Sonnabendnachmittag hatten die Evangelische Kirche, Vereine und Initiativen als Reaktion zu den angekündigten rechten Demonstration zu einer Friedensaktion auf den Markt eingeladen. Hier wurde als sichtbares Zeichen der Marktplatz mit Friedenssymbolen bunt bemalt.

Sichtbares Zeichen für Toleranz

Kerzen, Blumen, Friedenstauben: Auf dem Marktplatz von Köthen haben Stadt, Kirche und Vereine eine Friedensaktion gestartet. Anlass ist der Tod eines 22-Jährigen und Demonstrationen teilweise rechtsextremer Gruppen.

Auf einem Tisch stehen zahlreiche Eimer mit bunter Straßenmalkreide
Auf dem Marktplatz in Köthen hat am Sonnabendnachmittag eine Friedensaktion stattgefunden. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Auf einem Tisch stehen zahlreiche Eimer mit bunter Straßenmalkreide
Auf dem Marktplatz in Köthen hat am Sonnabendnachmittag eine Friedensaktion stattgefunden. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Menschen malen mit Kreide auf dem Marktplatz in Köthen
Um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen, wurde das Straßenpflaster mit Friedenssymbolen bunt bemalt. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Mehrere Menschen knien auf dem Marktplatz in Köthen und malen mit Kreide
Dazu hatten die Stadt und die Evangelische Landeskirche aufgerufen. Außerdem wurde zu Friedensgebeten eingeladen. Geplant sind sie in der Jakobskirche am Marktplatz für Samstag 17 Uhr und Sonntag 14 Uhr. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Vor einer Kirche in Köthen steht mit Kreide auf Pflastersteine geschrieben: Friede sei mit dir
Anlass für die Aktion ist der gewaltsame Tod eines jungen Mannes. Der Mann war in der Nacht vom 8. zum 9. September nach einer Auseinandersetzung an einem Herzinfarkt gestorben. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Vor einer Kirche in Köthen ist mit Kreide auf die Pflastersteine geschrieben: Frieden für Köthen
Gegen die Verdächtigen, beide aus Afghanistan, wird ermittelt – wegen gefährlicher Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Menschen malen in Köthen mit Kreide auf die Straße, zu lesen ist: Köthener stehen für Frieden und für Toleranz
Nach der Gewalttat hatten teilweise rechtsextreme Gruppen zu Demonstrationen aufgerufen. Zahlreiche Menschen beteiligten sich an den Aktionen. Auch für Sonntag wurde zu Demonstrationen aufgerufen. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Menschen malen mit Kreide auf dem Marktplatz in Köthen
Zuvor aber wurde auf dem Marktplatz am Sonnabend zu Frieden und Toleranz aufgerufen. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Menschen hocken in der Fußgängerzone in Köthen und malen mit Kreide.
Später bemalten die Menschen auch die Pflastersteine in der Fußgängerzone.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15.09.2018 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/mp
Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
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Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. September 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2018, 17:19 Uhr

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27 Kommentare

17.09.2018 17:08 Eulenspiegel 27

Hallo Kampfgetöse 26
Schön das es nicht zu solchen Hetzjagden und Prügelszenen gegen nicht Deutsch aussehende Mitbürger gekommen ist. Das Wusste die Hochschulleitung aber nicht vorher.
Ich denke in solchen Zeiten wo nicht Deutsch aussehende Gefahr laufen in bestimmten Situationen von der Nazis durch die Stadt gejagt und verprügelt zu werden hat eine Hochschule eine gewisse Fürsorgepflicht ihren Ausländischen Studenten gegenüber.

17.09.2018 13:08 Kampfgetöse 26

Aber Herr@Eulenspiegel , wo laufen Sie denn . . . ?"

Wurden denn in Köthen solche Hetzjagden, von denen Sie zu berichten wissen, veranstaltet?
Hat die anonym argierende "Antfa Org-Zeckenbiss" erneut solche Bilder ins Internet gestellt ?

Auch solche Unterstellungen verzerren das Gesamtbild , schüren den Prozeß und steigern den Konflikt.
Friedensstifter sind das ganz bestimmt nicht, die mit solchen Verschwörungstheorien agieren.

17.09.2018 11:57 Eulenspiegel 25

„Die Hochschulleitung empfiehlt Ihnen in der Zeit von 14:00 Uhr bis 23:00 Uhr großzügig Straßenbereiche zu meiden, die während der Demonstrationen durchlaufen werden.“
Ich denke angesichts der Tatsache das es an der Hochschule eine große Zahl von ausländischen Studenten gibt und die Nazis sehr gerne nicht Deutsch aussehende Personen jagen, verprügeln und in den fließenden Verkehr treiben hat diese Empfehlung durchaus ihren Sinn. Da geht es ausschließlich um den Selbstschutz.

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