#köt1609 Demos in Köthen enden ohne größere Störungen

In Köthen sind zwei Demonstrationen am Sonntagabend nach mehreren Stunden zu Ende gegangen. Als beide Lager sich am frühen Abend nahe kamen, kam es kurzzeitig zu Rangeleien. Insgesamt aber verlief der Tag laut Polizei ohne größere Störungen. Die Beamten waren zeitweise mit mehr als 1.000 Einsatzkräften vor Ort. Ein Überblick.

Polizeiwagen stehen auf dem Marktplatz in Köthen, im Hintergrund sind in der Dunkelheit Demonstranten zu sehen.
Nach einem Demonstrationszug durch die Stadt zogen die Teilnehmer einer Demonstration rechter Gruppen zurück zum Marktplatz. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Rund 1.400 Menschen bei Kundgebung rechter Gruppen

In Köthen sind am Sonntag Tausende Menschen bei Demonstrationen auf die Straße gegangen. Anlass war eine Kundgebung, zu der rechte Gruppen aufgerufen hatten. Dem Aufruf folgten nach Polizeiangaben bis zu 1.400 Menschen. Sie hatten sich zunächst auf dem Marktplatz getroffen und eine Schweigeminute für den 22-jährigen Markus B. abgehalten, der vor einer Woche in Köthen nach einer Auseinandersetzung mit zwei Afghanen an einem Herzinfarkt gestorben war.

Menschen ziehen in Köthen mit Plakaten durch die Straßen.
An einer Kundgebung rechter Gruppen nahmen rund 1.400 Menschen teil. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Die Demonstranten hatten Plakate und Banner mitgebracht, auf denen unter anderem "Wir sind Chemnitz. Wir wollen keine Messermänner" zu lesen war. Einige Teilnehmer riefen "Merkel muss weg" und skandierten "Lügenpresse". Der Veranstalter sagte auf dem Marktplatz in Richtung der Demonstranten, man dulde keinen Extremismus, keine Gewalt und keine Provokateure. Der AfD-Landtagsabgeordnete Daniel Roi, der auch Kreisvorsitzender der Partei im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist, sagte, er sei vor Ort, weil er sich nicht vor Verantwortung drücken wolle. Die AfD sei nur ein Teil einer breiten Bewegung.

Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei zogen die Teilnehmer der Kundgebung anschließend durch Köthen, wo sie auch am Karlsplatz Halt machten. Dort war Markus B. vor einer Woche ums Leben gekommen. Einige Demonstranten legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Als die Gruppe wieder am Marktplatz ankommen war, kam es zu einer Rangelei. Rechte hatten offenbar versucht, Gegendemonstranten anzugreifen. Die Polizei beruhigte die Situation schnell. Eine Sprecherin sagte MDR SACHSEN-ANHALT um kurz vor 22 Uhr, größere Zwischenfälle seien ihr nicht bekannt.

Gegenprotest mit Fahnen und Plakaten

Teilnehmer der Kundgebung «Der extremen Rechten entgegentreten» ziehen mit einem Transparent "Für einen gesellschaftlichen Antifaschismus" durch die Stadt.
Gegen die Kundgebung rechter Gruppen regte sich in Köthen Widerstand. Bildrechte: dpa

Bereits am Sonntagnachmittag hatte vor dem Bahnhof in Köthen eine Gegenkundgebung unter dem Motto "Der extremen Rechten entgegentreten" begonnen. Zu ihr hatten mehrere Bündnisse gegen Rechts aufgerufen. Die Menschen dort protestierten mit bunten Fahnen und Plakaten für eine weltoffene Gesellschaft. An dem Gegenprotest nahmen nach Angaben der Polizei rund 850 Menschen teil. Unter ihnen waren auch Landespolitiker von Linken, Grünen und SPD. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund beteiligte sich, ebenso die Antifa.

Sie alle begannen nach der Kundgebung am Bahnhof, mit lauter Musik durch die Stadt zu ziehen. Auf Bannern war unter anderem zu lesen: "Für einen gesellschaftlichen Antifaschismus". Die Linken-Landtagsabgeordnete Henriette Quade schrieb am Sonntagabend nach Ende der Gegendemonstration bei Twitter, der Protest sei wichtig gewesen. "Danke an alle die da waren!"

Eindrücke aus Köthen Friedensgebet, Demo und Gegenprotest

Menschen ziehen in Köthen mit Plakaten durch die Straßen.
Bei Demonstrationen sind in Köthen am Sonntag Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Menschen ziehen in Köthen mit Plakaten durch die Straßen.
Bei Demonstrationen sind in Köthen am Sonntag Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Teilnehmer einer Demonstration von rechtsgerichteten Bündnissen anlässlich des Todes eines 22-Jährigen in der Nacht zum 09.09.2018 halten ein Transparent <Chemnitz ist überall!>
Auf dem Marktplatz hatten mehrere rechte Gruppen zu einer Kundgebung geladen, darunter Pegida. Bildrechte: dpa
Menschen stehen auf dem Marktplatz in Köthen. Dort haben rechte Gruppen zu Demonstrationen aufgerufen.
In der Spitze schlossen sich laut Polizei bis zu 1.400 Menschen dem Aufruf an. Bildrechte: MDR/Tanja Ries
Auf einem Plakat bei einer Demo in Köthen steht -Schnauze voll von antideutscher Politik-
Auf Plakaten machten Teilnehmer ihren Unmut deutlich. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Hunderte Menschen stehen auf dem Marktplatz in Köthen.
Die Teilnehmer dort riefen unter anderem "Merkel muss weg" und skandierten "Lügenpresse". Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Mehrere Redner sprachen auf dem Marktplatz, darunter der AfD-Landtagsabgeordnete Daniel Roi. Er sagte: "Wir wollen Deutsche sein und bleiben." Bildrechte: MDR/Jochen Müller
Menschen legen am 16. September an einem Spielplatz in Köthen Blumen nieder und zünden Kerzen an.
Später zogen sie zum Spielplatz am Karlsplatz, wo der 22-jährige Markus B. vorige Woche ums Leben gekommen war. Bildrechte: MDR/Jochen Müller
Menschen stehen vor einer Gedenkstätte in Köthen.
Dort legten die Demonstranten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Bildrechte: MDR/André Damm
Teilnehmer der Kundgebung «Der extremen Rechten entgegentreten» ziehen mit einem Transparent "Für einen gesellschaftlichen Antifaschismus" durch die Stadt.
Rund 850 Menschen waren nach Polizeiangaben dagegen einem Aufruf mehrerer Bündnisse gegen Rechts gefolgt. Bildrechte: dpa
Vor dem Bahnhof in Köthen haben sich linke Demonstranten versammelt.
Sie hatten sich zunächst am Bahnhof versammelt. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Demonstranten vor dem Bahnhof in Köthen
Von dort machten sie sich später auf den Weg in die Stadt. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Linke Demonstranten ziehen durch Köthen.
Mit dabei hatten sie Plakate, Banner und laute Musik. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Vor dem Bahnhof in Köthen demonstrieren Menschen gegen geplante rechte Demonstrationen.
Unter ihnen waren auch Landespolitiker, etwa von Linken, Grünen und SPD. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis
Polizisten bei einer Demonstration
Auf dem Rückweg zum Marktplatz kam es zu kurzen Rangeleien zwischen beiden Lagern. Bildrechte: MDR/Jochen Müller
Demonstranten bei anbrechener Dunkelheit in Köthen
Die Lage war aber schnell unter Kontrolle. Eine Polizeisprecherin sagte kurz vor 22 Uhr, ihr seien keine größen Zwischenfälle bekannt. Bildrechte: MDR/Tanja Ries
Polizisten sichern während der Kundgebung «Der extremen Rechten entgegentreten» den Bahnhof, in dem Teilnehmer der Demonstration von rechtsgerichteten Bündnissen eingetroffen sind.
Wegen der Demonstrationen war die Polizei am Sonntag mit einem Großaufgebot in Köthen. Bildrechte: dpa
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Polizei: Tag "weitestgehend störungsfrei"

Polizisten sichern in Köthen eine Demonstration.
Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um rechte und linke Demonstranten auseinanderzuhalten. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Um die Lager auseinanderzuhalten, war die Polizei am Sonntag mit mehr als 1.000 Einsatzkräften in der Stadt. Für den Ernstfall hielten die Beamten Wasserwerfer und eine Reiterstaffel bereit. Auch Polizisten aus Niedersachsen, Sachsen, Brandenburg, Berlin, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg waren vor Ort, darüber hinaus Sachsen-Anhalts Bereitschaftspolizei und Beamte der Bundespolizei.

Den Angaben einer Sprecherin zufolge war die Lage bis kurz vor 22 Uhr "weitestgehend störungsfrei". Die Polizei werde die Situation vor Ort auch über Nacht im Blick haben, kündigte sie an.

Friedensgebet: Lichter angezündet, Tauben am Himmel

Bei einem Friedensgebet hatten bereits am Sonntagnachmittag rund 300 Menschen des verstorbenen 22-Jährigen gedacht. In der Jakobskirche zündeten sie Friedenslichter an. Anschließend wurden zum Zeichen für Frieden weiße Tauben vor der Kirche fliegen gelassen. Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild (SPD) hatte MDR SACHSEN-ANHALT im Anschluss gesagt, er sei nicht mehr Herr in Köthen.

Es diktieren Fremde, was in der Stadt passiert – die Polizisten, die Demonstranten.

Bernd Hauschild (SPD), Oberbürgermeister von Köthen

Bürgern der Kleinstadt mit rund 26.000 Einwohnern hatte der Rathauschef empfohlen, bei den Demos zu Hause zu bleiben und die Rollläden zu schließen. So hatte sich auch Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) in einem Interview geäußert. "Nicht, weil wir die Sicherheit nicht gewährleisten können, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass man die nicht sehen will", so Stahlknecht am Freitag.

Bereits am Sonnabend hatten Hunderte den Marktplatz in Köthen mit Straßenkreide bunt bemalt. Sie wollten auf diese Weise ein "sichtbares Zeichen für Frieden und Toleranz" setzen.

Der 22-jährige Markus B. war vorige Woche in der Nacht zu Sonntag an einem Herzinfarkt verstorben, nachdem er schlichtend in einen Streit zwischen mehreren Afghanen hatte eingreifen wollen und ins Gesicht geschlagen wurde. Zwei Männer aus Afghanistan, 18 und 20 Jahre alt, sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Gegen sie wurde Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge erlassen.

Bereits vergangenen Sonntag waren in Köthen rund 3.000 Menschen auf die Straße gegangen. Darunter waren laut Innenminister Holger Stahlknecht bis zu 500 Menschen aus der rechten Szene.

Für MDR SACHSEN-ANHALT in Köthen In Köthen vor Ort waren für MDR SACHSEN-ANHALT Martin Paul, Grit Lichtblau, André Damm, Tanja Ries, Annette Schneider-Solis und Jochen Müller.

Mehr zum Thema

Kerzen stehen am Karlsplatz in Köthen, wo ein 22-Jähriger in der Nacht zum 9. September 2018 ums Leben gekommen ist.
Bildrechte: MDR/Martin Paul

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. September 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2018, 23:09 Uhr

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198 Kommentare

19.09.2018 14:56 Mikro 198

@188 Krause....Nun heulen Sie hier mal nicht rum.Wer normale Demonstranten als Nazi-Unterstützer bezeichnet ist nicht in der Position sich über die Bezeichnung grünes Nackedei aufzuregen.

19.09.2018 07:28 Fakt 197

>>Kritischer Bürger, #189:
"Da war doch auch einer der vermutlichen Täter für eine Abschiebung vorgesehen. [..] Wann wird endlich hier mal mit Konsequenz durchgegriffen?"<<

Vielleicht sollten Sie sich mal mit den Begriffen "Abschiebehemmnisse" und "Duldung" beschäftigen. Das bringt vielleicht etwas Licht in Ihr Dunkel.

18.09.2018 23:47 Eulenspiegel 3 196

Hallo Kritischer Bürger 185
„Dazu wird hier die Religionsfreiheit ausgenutzt SOLANGE BIS MAN DIESE NICHT MEHR BEDARF und andere religiöse Wertevorstellungen einführt. Erst unter den eigenen Landsleuten, die als Asylsuchende hier her kamen und das nicht nur über die letzten 3 Jahren hinaus!“
Und jetzt müssen wir gewaltig Angst vor den Islam haben und am besten alle niedermetzeln. Oder was? Und jetzt kommen von ihnen irgend welche Horrorgeschichten vom Islam. Also ich weiß wie der Islam ist. Ich gehe täglich mit Moslems um. Zwei Langjähriger früherer Arbeitskohlegen sind Moslem. Ich kenne auch die negativen Auswirkungen. Ich sehe aber auch das die Muslimischen Kinder Weihnachten, Ostern und alle anderen Christliche Feste feiern. Ganz einfach weil ihre Mütter nicht wollen das Ihre Kinder in Kita und Schule ausgeschlossen sind von den Festvorbereitungen.