Todesfall Köthen Staatsanwaltschaft verteidigt Ermittlungsarbeit

Zwei Tage nach der ersten Pressekonferenz hat die Staatsanwaltschaft erneut Einblick in den Ermittlungsstand zum Tod von Markus B. in Köthen gegeben. Während der Pressekonferenz bekräftigte der zuständige Rechtsmediziner, dass das 22-jährige Opfer an einem Herzinfarkt gestorben sei. Darüber hinaus wies die Staatsanwaltschaft Vorwürfe zurück, dass sie ihre Ermittlungen nicht sauber führen würde. Sie ging zudem auf eine kursierende Audiodatei ein.

Nach dem Tod eines 22-Jährigen in Köthen hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungsarbeit verteidigt. Der leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau, Horst Nopens, sagte auf einer Pressekonferenz in Halle am Mittwoch, als Ermittler sähen sie sich gezwungen, wegen der vielen Spekulationen zu dem Todesfall "ein paar Sachen klar- und richtigzustellen". Sonst sei es nicht üblich, innerhalb von so kurzer Zeit Wasserstandsmeldungen über die Ermittlungsarbeit abzugeben. Es sei zudem unmöglich, vier Tage nach der Tat einen ausführlich ausermittelten Sachstand vorzulegen. "Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren."

"Zeugin vernommen, Aussagen massiv relativiert"

Der Oberstaatsanwalt sagte, es würden Zeugen vernommen und Spuren ausgewertet. Auch die rechtsmedizinische Untersuchung sei noch nicht am Ende. Für den weiteren Verlauf der Ermittlungen und das anschließende Gerichtsverfahren sei es unumgänglich, dass Zeugen aus eigener Anschauung sprechen würden und nicht über etwas spekulieren, was sie in den Medien oder sozialen Netzwerken erfahren hätten. Es müsse aufgeklärt werden, was in Köthen tatsächlich passiert sei und strafbare Handlungen konsequent bestraft werden.

Rechtsmedizin Rüdiger Lessig
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Todesursache ist ein Herzinfarkt - das ist mittlerweile auch feingeweblich bestätigt. Der basiert auf einer schwerwiegenden Fehlbildung des Herzens. Wir sprechen von einem ‘versagensbereiten Herzen’... Es hätte bei ihm jederzeit zu einem Herzinfarkt kommen können.

Rechtsmediziner Rüdiger Lessig vom Uniklinikum Halle

Nopens betonte mit Blick auf eine kursierende Audio-Datei vor den Journalisten: "Die Audiodatei ist uns mitnichten egal, die Verfasserin ist ermittelt worden und konnte gestern vernommen werden. Dabei haben sich die Aussagen der Zeugin massiv relativiert." Die neue Aussage müsse nun mit anderen Erkenntnissen in Einklang gebracht werden.

Dieses Puzzle müssen wir erstmal zusammensetzen.

Horst Nopens, Leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau

Bei der Audio-Datei handelt es sich um eine Sprachnachricht, die über soziale Netzwerke weiter verbreitet wird. Die AfD warf am Dienstag der Landesregierung vor, die Öffentlichkeit nicht korrekt über den Fall zu informieren. "Ein Innenminister muss für die Sicherheit sorgen und darf brutale Gewaltakte weder vertuschen noch kleinreden", so die AfD in einer Pressemitteilung. In dieser Sprachnachricht schildert eine Frau einen anderen Tatverlauf, als jener, der bisher öffentlich bekannt ist.

Kritik an der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen

Zudem war Kritik an der Staatsanwaltschaft laut geworden, weil sie sich bisher noch nicht zur Authentizität der Datei geäußert habe. Nopens betonte jedoch, dass für die Ermittler zähle, was Zeugen ihm sagen und nicht, was in sozialen Medien zirkuliere. Auch der Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad wies mediale Vorwürfe gegen die Behörden scharf zurück. "Es gehört nicht zu den Aufgaben einer Staatsanwaltschaft, Beweisanzeigen vor Abschluss der Ermittlungen isoliert zu bewerten." Das sei "ermittlungsschädlich".

Wichtig sei eher der Wahrheitsgehalt der im Nachhinein getätigten Zeugenaussage. Zudem könne erst am Schluss der Ermittlungen eine Gesamtschau erfolgen.

Rechtsmediziner: Todesursache ist Herzinfarkt

Nach jetzigem Ermittlungsstand, so wiederholte Nopens seine Aussagen vom Montag, hat es in Köthen am Sonnabend eine tätliche Auseinandersetzung zwischen mindestens zwei Deutschen und mindestens zwei Afghanen gegeben. Dabei soll das 22 Jahre alte Opfer insofern beteiligt gewesen sein, dass er scheinbar versucht habe, eine zuvor ausgebrochene Auseinandersetzung zu schlichten.

Im Verlauf des Geschehens habe er dann einen Schlag ins Gesicht bekommen und sei daraufhin zu Boden gegangen. Diesen Schlag könne die rechtsmedizinische Untersuchung untermauern. Oberstaatsanwalt Nopens betonte aber, dass es "zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte" gebe, dass der Geschädigte zu Tode getreten oder geschlagen worden sein könnte.

Zur Todesursache und das bisher bekannte Obduktionsergebnis bekräftigte Rechtsmediziner Rüdiger Lessig vom Uniklinikum Halle, dass es sich um einen Herzinfarkt gehandelt habe. Lessig sagte: "Die Todesursache ist ein Herzinfarkt – das ist mittlerweile auch feingeweblich bestätigt. Der basiert auf einer schwerwiegenden Fehlbildung des Herzens. Wir sprechen von einem ‘versagensbereiten Herzen’..."

Demnach hatte der 22-Jährige seit seiner Geburt eine schwere Herzerkrankung, wegen der er auch mehrfach am Herzen operiert worden war. "Man muss sagen, es hätte bei ihm jederzeit zu einem Herzinfarkt kommen können", sagte Lessig. Dass es im Rahmen dieses Geschehens passiert sei, "steht auf einem anderen Blatt und unterliegt der juristischen Untersuchung".

Quelle: MDR/mg,fl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. September 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2018, 16:34 Uhr

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95 Kommentare

14.09.2018 16:12 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 95

"Man muss sagen, es hätte bei ihm jederzeit zu einem Herzinfarkt kommen können", sagte Lessig. Dass es im Rahmen dieses Geschehens passiert sei, "steht auf einem anderen Blatt und unterliegt der juristischen Untersuchung".

Das "andere Blatt" besteht in der schlichten Tatsache, dass das Opfer noch leben könnte, wenn es nicht Opfer von Umständen geworden wäre, die nicht in seiner Verantwortung und seinem Einfluß lagen. Das mutwillige un die Folgen billigend in Kauf nehmende Herbeiführen dieser Um- und Zustände wird leider nicht Gegenstand des Verfahrens sein. Dennoch sollte der Leser niemals diesen Kontext vergessen!

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:
Die Ermittlungen zu dem Fall laufen noch. Was der Gegenstand eines möglichen Verfahrens wird, lässt sich daher noch nicht sagen.

14.09.2018 15:56 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 94

@13.09.2018 22:54 Martina

(In einem anderen mdr-Artikel sagt Akram, ein Syrer: "Sie arbeiten nicht, vergeuden ihre Zeit und machen Mist. Sind immer hinter Frauen her. Um diese jungen Männer müsste man sich viel länger kümmern." Dass diese jungen Erwachsenen auch oft zum Messer greifen, wundert Akram nicht. "Viele Flüchtlinge kommen aus Kriegsgebieten, die haben keine Hemmungen." Das sollte ich mal als Deutscher sagen.)

Vergessen sie nicht: Die "Flüchtlings"politik hat rein ökonomische Motive - der Preis, den die Gesellschaft für das Verwertungsinteresse des Kapitals entrichten muss, spielt keinerlei Rolle bei den "Entscheidern". Deshalb ist es ein Unterschied, ob ein "Flüchtling" das sagt oder ein Bürger. Bürgerliche Opposition soll diffamiert bzw. als "rechts" denunziert werden. Daher keine begründeten öffentlichen Aussagen von Bürgern gegen die Staatsraison a la Merkel in den ÖR-Medien. In der freien Presse sieht das etwas anders aus.

13.09.2018 00:49 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 93

noch @ 89:
Selbstzitat "Da kann man bei bundesweiten 12-15% sogar noch fatalistisch lächeln..."

Das 'Fatalistische' drückt ja doch nur die 'Liebe zum Wissen' aus: man weiß es besser, hat aber keine Möglichkeiten, dieses einer Mehrheit zu vermitteln.

Die Möglichkeiten, warum diese Unmöglichkeiten der Wissensvermittlung überhaupt auftauchen, sind wieder vielfältiger Natur: die eigene Inkompetenz ODER die Inkompetenz des Gegenübers UND sämtliche Mischformen dessen.

Sicherlich 'bringt' die Migration an sich auch ein paar Probleme mit sich - die wir aber auch "allein unter Biodeutschen" erkennen.
Die "Mutter der Probleme der Migration" bleibt aber der stumpfe Rassismus, der - wie in Chemnitz oder 'Köthen' (davor nie gehört!) zu beobachten - auch von 'Normalbürgern' durchaus mal unterstützt wird...

Das 'Fatalistische' verschwindet sofort, wenn 'Normalbürger' nicht mehr Nazis hinterherlaufen...