Verkehrssicherheit 77-Jähriger aus Köthen gibt Führerschein ab – freiwillig

Fast 60 Jahre lang ist Werner Hödicke aus Köthen Auto gefahren. Der 77-Jährige hat eine Entscheidung getroffen, die ihm nicht leichtgefallen ist: Er hat freiwillig seinen Führerschein abgegeben. Er hofft auf Nachahmer.

von Yvonne Hensel, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Mann zeigt auf Kopien eines alten Führerscheins.
Werner Hödicke hat freiwillig seinen Führerschein abgegeben. Die Kopien hat er aber aufgehoben. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Werner Hödicke aus Köthen will ein Zeichen setzen. Der 77-Jährige hat seinen Führerschein abgegeben – freiwillig. Er will im Straßenverkehr keine Gefahr für sich und andere sein. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Hödicke. Denn immerhin hat er seit 59 Jahren den Führerschein und ist sicher gefahren.  

Hödicke haben die vielen Berichte über Senioren, die schwere Unfälle verursacht haben, zu denken gegeben. Es hat ihn verärgert, dass ältere Menschen ihr Leben und das der anderen durch unsicheres Fahren aufs Spiel setzen.

Senioren häufig in Unfälle verwickelt

Die Verkehrsstatistik gibt ihm Recht. Im vorletzten Jahr ist in Sachsen-Anhalt alle sechs Stunden ein Senior in einen Unfall verwickelt gewesen – ob als Auto-, Radfahrer oder als Fußgänger. Auch die Zahl der getöteten Über-65-Jährigen bei Unfällen ist hoch. 2017 waren es 49 Personen, das sind fast 40 Prozent aller tödlich Verunglückten.

Der Köthener hat kurz mit sich gekämpft. Schließlich komme er an den Führerschein nun nicht mehr ran, erklärt er. Aber so wollte er es auch, für seine eigene Sicherheit. Hödicke hatte einen Hirnschlag erlitten, er ist an Arm und Bein gehandicapt. Mit einem Automatikauto könnte er aber immer noch fahren. Doch er denkt weiter: Wegen der Erkrankung nimmt er auch Tabletten. Und die schränken teilweise das Reaktionsvermögen ein.

Erster Köthener, der freiwillig Fahrerlaubnis abgibt

Kopie eines internationalen Führerscheins.
Hödicke hat seinen Führerschein beim Bürgeramt Köthen abgegeben. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Werner Hödicke ist also zum Bürgeramt in Köthen gegangen und hat dort seinen Führerschein auf den Tisch gelegt. Wie er erzählt, waren die Mitarbeiter erstaunt: So einen Fall hatten sie noch nie. Auch die Mitarbeiter der Führerscheinbehörde wurden stutzig – sie kennen es nur umgekehrt, wenn der Führerschein nach einem Delikt eingezogen werden muss. Hödicke hat sich die freiwillige Abgabe quittieren lassen, damit er einen Nachweis hat, dass ihm der Führerschein nicht "abgenommen" wurde.

Es gehört Mut dazu, sich einzugestehen, dass die Zeit am Steuer vorbei ist. Hödicke bereut seine Entscheidung nicht. Es sei eher eine Befreiung, sagt er, denn er könne nicht mehr in Versuchung kommen, doch noch ins Auto zu steigen. Nur die Kopien des Führerscheins bewahrt er auf. Er hofft auf viele Nachahmer, um die Straßen sicherer zu machen. Eine Nachahmerin hat er schon: Auch Regina Schwaba will ihren Führerschein abgeben. Sie braucht ihn nicht mehr, seit sie im Rollstuhl sitzt.

Respekt für Entscheidung

Hödicke erntet bei den Köthenern mit seiner Aktion viel Respekt. Allerdings spielt für viele auch eine Rolle, wo sie leben. Wer auf dem Dorf wohnt, ist mehr auf das Auto angewiesen, um selbstständig bleiben zu können, so die Argumente. Letztlich, so der Tenor bei fast allen Befragten, muss jeder Senior selbst einschätzen können, wie sicher er noch im Auto unterwegs ist und was er sich selbst zutraut.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. Januar 2019 | 14:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2019, 12:26 Uhr

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10 Kommentare

30.01.2019 09:16 Wolpertinger 10

@29.01.2019 15:16 Anhaltiner
Die Prüfungspflicht ist ein guter Vorschlag. Ich denke jedoch, dass sollte für jeden Führerscheinbesitzer Pflicht werden. In jungen Jahren vielleicht alle 5 Jahre , dann, mit zunehmendem Alter, immer kürzere Abstände.
Ein Medical, wie es bei Pilotenlizenzen schon lange üblich ist.

29.01.2019 16:25 Doreen Hoyer 9

Na, haben sie beim mdr mal wieder Mz gelesen? Und wie üblich "vergessen" zu erwähnen, woher man die Geschichte hat.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

unsere Reporterin hat auf Grund ihrer guten Kontakte in Köthen von dem Manne erfahren und zu ihm Kontakt aufgenommen. Dass Herr Hödicke selbst Kontakt zur MZ aufnimmt, um sein Anliegen dort publik zu machen, stand zunächst außerhalb unserer Informationen. Wir haben also keineswegs von euch abgeschrieben, liebe Kollegen. Wir würden euch gern anbieten, dass wir dazu ins Gespräch kommen, gern über unser Studio in Dessau oder über die bestehenden Online-Gesprächskontakte.

29.01.2019 15:16 Anhaltiner 8

Ein über ein paar Ecken Verwandter von mir hatte seinen Lappen auch freiwillig abgegeben. Um die 80 war er glaube damals. Es geht aber auch anders. Der Bruder meines Großvaters ist mit ü80 noch gefahren ist. Seine Frau hat für ihn immer den Schulterblick gemacht oder ihm gesagt ob die Ampel grün oder rot ist und das ist dann nicht mehr praktikabel. Ich finde es sollte eine Pflichtprüfung für 65 jährige geben. Bei bestehen und ausreichend hoher Punktzahl mit 70 wieder und dann aller 2/3 Jahre. Eine Prüfung wo Reaktionsfahigkeit etc getestet wird.

@ossi65
Ja für Leute auf dem Land muss man sich da was einfallen lassen