Im Prozess um den Tod eines 22-Jährigen aus Köthen werden die beiden wegen Körperverletzung mit Todesfolge Angeklagte in den Saal des Landgerichts Dessau gebracht.
Die beiden junge Afghanen wurden der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen. Bildrechte: dpa

Nach dem Köthen-Prozess Diskussionen ändern ein Urteil nicht

Das Urteil im Prozess um den Tod eines jungen Kötheners gegen zwei 17 und 19 Jahre alten Afghanen ist gesprochen. Sie wurden der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen. Einigen fiel das Urteil zu mild aus. MDR SACHSEN-ANHALT-Reporterin Grit Lichtblau hat den Prozess begleitet – und schildert ihre Eindrücke.

Grit Lichtblau, Redakteurin im MDR-Studio in Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Grit Lichtblau, MDR SACHSEN-ANHALT

Im Prozess um den Tod eines 22-Jährigen aus Köthen werden die beiden wegen Körperverletzung mit Todesfolge Angeklagte in den Saal des Landgerichts Dessau gebracht.
Die beiden junge Afghanen wurden der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen. Bildrechte: dpa

Das Urteil im Prozess gegen zwei 17 und 19 Jahre alten Afghanen ist gesprochen. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge müssen sie ein Jahr und fünf Monate beziehungsweise ein Jahr und acht Monate ins Gefängnis. Zudem wird der 19-Jährige wegen einer Alkoholabhängigkeit in eine Entziehungsanstalt untergebracht. Das sind die Fakten. Noch ist das Urteil nichts rechtskräftig, binnen einer Woche können alle Prozessbeteiligten Revision einlegen.

Es war zweifellos ein schwieriger Prozess, der aber nach all den emotionsgeladenen Demonstrationen kurz nach der Tat im September vergangenen Jahres in ruhiger und sachlicher Atmosphäre verlief. Der aber auch auf traurige Weise deutlich gemacht hat, welchen Einfluss soziale Medien inzwischen haben. Viele Zeugenaussagen erwiesen sich in der Verhandlung als unwahr – da wurden zum Teil Erlebtes und Gehörtes miteinander vermischt.

Trauer und Wut bei der Familie des Opfers

Es war aber auch ein Prozess, der der Familie des Opfers einiges abverlangte. Oft standen der Mutter, die stets zwischen ihren beiden Töchtern saß, Tränen in den Augen. Hin und wieder sah man auch den beiden kräftig gebauten Brüdern an, wie es in ihnen kochte.

Bei der Urteilsverkündung fanden diese Emotionen ihre Entladung, als ein Bruder aufsprang, schrie, Tische umwarf und wutentbrannt auf die Angeklagten zulief. Justizbeamte mussten eingreifen. Er beruhigte sich schnell wieder.

Angeklagte mit wenigen Emotionen

Und die beiden Afghanen, die zu allen Prozesstagen in ihrer Anstaltskleidung kamen, sie zeigten kaum Emotionen. Ja, sie haben sich entschuldigt. Wenn er könnte würde er das Ganze ungeschehen machen, hatte der Jüngere der Beiden gesagt.

Nachdenken sollen sie über ihr Verhalten, über die Dinge die passiert sind, mahnte die vorsitzende Richterin  in einem sehr persönlichen Schlusswort. Den Angehörigen wünschte sie vor allem Kraft, mit dem Verlust umzugehen. Der Schmerz über den Verlust des Sohnes, des Bruders werde immer bleiben, aber er werde vielleicht mit der Zeit etwas weniger.

Natürlich mag manch einem das Urteil milde vorkommen. Dessen ist sich auch die Richterin bewusst. Aber man dürfe nicht vergessen, es wurde nach Jugendstrafrecht geurteilt. Hier spiele der erzieherische Gedanke eine Rolle. Und die beiden Afghanen hätten keinen Tötungsvorsatz gehabt – auch das müsse man berücksichtigen. Aber sie sind eben auch keine braven Jungs, sonst hätten sie eine derartige Tat nicht begangen.

Fakten ausgewertet, Urteil gefällt

Und vielleicht wäre das alles auch nicht passiert, wenn nicht der Alkohol eine so große Rolle in ihrem jungen Leben gespielt hätte. Doch das ist Spekulation. Ein junger Mensch ist tot. Das ist traurig, das ist tragisch, das ist unabänderlich. Das Gericht hat nach Auswertung aller Fakten, nach Zeugenaussagen, nach medizinischen Gutachten nun ein Urteil gefällt. Diskussionen darüber, ob das gerecht ist oder nicht, ändern nichts.

Grit Lichtblau, Redakteurin im MDR-Studio in Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Grit Lichtblau kommt aus Dessau-Roßlau und arbeitet seit 2001 für das MDR-Studio in Dessau. Als Reporterin ist sie in Anhalt und Wittenberg unterwegs. Erstmals am Mikro war sie bei energy Sachsen in Leipzig, wechselte dann zu Radio SAW - und von dort zu MDR SACHSEN-ANHALT. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind die Sandstrände an der Elbe und der Elberadweg.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2019, 10:44 Uhr

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44 Kommentare

21.05.2019 02:31 Olaf Olsen 44

Das "medizinischen Gutachten" ... wer ist der Arzt?
Jemand der wie Yascha Mounk den Völkermord / Volkstod bejubelt.

Herzstillstand durch Schlag auf den Brustkorb, ist diesem Interessenvertreter unbekannt?
Oder hat dierer Medizinmann neuere Forschung und ein Schlag auf den Brustkorb könne niemals einen Herzstillstand auslösen?
Welcher Punkt im Dim Mak war es dann?

Frau Grit Lichtblau klären Sie uns auf!

21.05.2019 02:16 Olaf Olsen 43

@ Anna 42
"was wir uns schon lange fragen ist, das , das Gericht es zuläßt mit solche Sturmhauben / Mützen / u s w."

Es ist plausibel anzunehmen:
Es soll den Zuschauern und Lesern unmöglich sein über die Physiognomie Rückschlüsse zu den Altersangaben der Täter zu machen.

20.05.2019 13:18 Anna 42

was wir uns schon lange fragen ist, das , das Gericht es zuläßt mit solche Sturmhauben / Mützen / u s w.
müßte man nicht eigentlich vor einem Gericht Achtung haben und nicht stets verdeckung ?
so etwas hätte es zu DDR- Zeiten nicht gegeben da war noch Ordnug im Gericht vorhanden ! daran sieht man schon was das für ein Staat ist !