Aktivisten protestieren gegen das Schweinehochhaus in Maasdorf
In Maasdorf haben am Donnerstag Tierschützer gegen Missstände im Schweinehochhaus demonstriert. Bildrechte: MDR/André Damm

Illegale Ferkeltötung Dalbert erschüttert über Videos vom Schweinehochhaus

Mit versteckten Kameras haben Tierschützer im Schweinehochhaus in Maasdorf gefilmt. Sie zeigen offenbar wie in dem Betrieb Tiere gequält werden. Sachsen-Anhalt Landwirtschaftsministerin will sich den Fall genau angucken.

Aktivisten protestieren gegen das Schweinehochhaus in Maasdorf
In Maasdorf haben am Donnerstag Tierschützer gegen Missstände im Schweinehochhaus demonstriert. Bildrechte: MDR/André Damm

Im Schweinehochhaus in Maasdorf im Kreis Anhalt-Bitterfeld sind nach Ansicht von Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert Ferkel illegal getötet worden. Die Grünen-Politikerin bezieht sich dabei auf Videos von Tierschützern aus der Anlage. Das Material zeigt, wie Tiere von Mitarbeitern misshandelt werden. Dalbert sagte MDR SACHSEN-ANHALT, sie sei erschüttert über die Bilder. "Das sind grausame Bilder und das, was dort gezeigt wird, ist kriminell", so Dalbert.

Claudia Dalbert
Landwirtschaftsministerin zeigte sich erschüttert von den neuen Aufnahmen. Bildrechte: MDR/Karsten Kiesant

Nur nicht überlebensfähige Ferkel dürften laut Vorschrift getötet werden und müssten dazu vorher betäubt sein. "Was wir auf diesen Bildern gesehen haben, ist was ganz anderes. Da werden Tiere gegen die Box geschlagen. Dann wird auch gar nicht geguckt, was mit den Tieren ist.", so die Ministerin. Die Bilder zeigten, dass in der Tierhaltungsanlage Recht und Kreatur mit Füßen getreten würden.

Jährliche Kontrollen im Schweinehochhaus

Das Schweinehochhaus in Maasdorf wird nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums einmal im Jahr durch den Landkreis kontrolliert. Das sei eine hohe Kontrolldichte. Zuletzt fand demnach eine Überprüfung am 17. Dezember 2017 statt. Ministerin Dalbert erklärte, dass es keine Beanstandung gegeben habe. Darauf habe sie sich verlassen. Die Anlage war schon in der Vergangenheit aufgefallen wegen zu kleiner Kastenstände für die Tiere. Laut Dalbert hat der Betreiber nachgebessert. Das sei in Kontrollen auch so festgestellt worden: "Aber ganz offensichtlich hat die Ahndung dieses Rechtsverstoßes nicht zu einem Umdenken bei der Tierhaltungsanlage geführt."

Dalbert erklärte, man werde sich den Fall genau angucken. Mehr wollte sie dazu im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT aber nicht sagen. Die Ministerin forderte allgemein bessere gesetzliche Rahmenbedingungen in der Tierhaltung. Zudem müssten die Kontrollen qualitativ verbessert werden. Geplant sei zudem, im Landwirtschaftsministerium neue Mitarbeiter einzustellen, die die Landkreise bei ihrer Aufgabe der Kontrollen beraten sollen.

Protest gegen Schweinehochhaus

unechte Ferkel in einer Absperrung bei einer Protestaktion
Laut der Tierschützer werden im Schweinehochhaus nach wie vor Tiere gequält. Bildrechte: MDR/André Damm

Aktivisten des Deutschen Tierschutzbüro protestierten am Donnerstag vor dem Schweinehochhaus. Mit ihrer Aktion wollten die Tierschützer nach eigenen Angaben auf die Tierquälerei in den Ställen aufmerksam machen. Tierschützer Jan Peifer forderte bei MDR SACHSEN-ANHALT die Ämter auf, durchzugreifen und den Schweinehorst zu schließen, damit die Tierquälerei beendet werde. Bereits am Tag zuvor hatten die Aktivisten Strafanzeige gegen den Betreiber des Schweinehochhauses gestellt. Hintergrund sind 500 Stunden Videomaterial, das von Aktivisten des Deutschen Tierschutzbüros in den Ställen gedreht wurde. Im Schweinehochhaus Maasdorf sind 3.000 Tiere untergebracht.

Landkreis: Betreiber ist kooperativ

Nach Angaben des Landkreises ist der Betreiber des Schweinehochhauses kooperativ. Er hätte Missstände aus der Vergangenheit beseitigt und die Kastenstände für die Schweine vergrößert. Das neue Videomaterial kenne die Behörde noch nicht und wolle es jetzt erst einmal auswerten. Der Betreiber, ein Niederländer, war für den MDR am Donnerstag nicht zu erreichen.

Der Kampf der Tierschützer gegen die Haltungsbedingungen im Schweinehochhaus beschäftigt die Justiz bereits seit mehreren Jahren. 2016 mussten sich die Aktivisten vor dem Amtsgericht Köthen verantworten. Der Betreiber der Anlage hatte sie wegen Hausfriedensbruchs angezeigt, weil sie im Betrieb heimlich gefilmt hatten. Das Verfahren wurde wegen eines Formfehlers wieder eingestellt.

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Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. März 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2018, 19:57 Uhr

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11 Kommentare

16.03.2018 18:25 Humorist 11

Wenn man sich der inhaltlichen kritik nicht stellen will, helfen die Form-Konstrukte, da kann man die unbequemen Kritikaster müde machen. Moral? Kein Wort aus dem Denglisch-Kariert-Quatsch-Katlog. Apropos Bauern: ich kenne eine Menge rechtschaffene Leuten aus dem Bauern-Berufsstand. Die Tierschinder sind für mich keine Bauern.

16.03.2018 13:37 Denkschnecke 10

@9: Also so ein Unsinn. Der Beitrag ist vom August 2016, da war Frau Prof. Dalbert gerade vier Monate im Amt. Verschlampt hat das wohl doch eher ihr Vorgänger, Herr Aeikens von der CDU.
@2: Vom Bauernverband in Sachsen-Anhalt hört man ein permanentes Wehklagen über die steigenden Anforderungen im Tierschutz. Die wären eher für viel mehr UNtätigkeit der amtierenden Ministerin. Natürlich könnten sie und ihre Partei die Regierung verlassen. Dann würde den Tierschutz wieder die Großbauernschaft diktieren. Scheint hier keiner zu wollen.

16.03.2018 09:51 Thomas Wirth 9

https://www.rbb-online.de/kontraste/ueber_den_tag_hinaus/wirtschaft/schweinehochhaus-amtlich-verordnete-tierquaelerei.html

lesen sie mal die Aussage der Landwirtschaftsministerin - 2 Jahre lang gewusst aber immer weggesehen

und jetzt passiert wieder nix !!

BRAVO !!!!!!!!!