Miserable Arbeitsbedingungen Feuerwehr von Köthen in Not

Sonnabend ist Tag der Feuerwehr in Sachsen-Anhalt. Ein Ehrentag für die Tausenden Kameraden im Land, die jederzeit ausrücken, wenn Hilfe gebraucht wird. Manchmal haben die Feuerwehrleute aber nicht nur mit den Flammen zu kämpfen, sondern auch mit schlechten Arbeitsbedingungen. In Köthen im Kreis Anhalt-Bitterfeld ist das Feuerwehrgebäude in die Jahre gekommen. Den Kameraden wird einiges abverlangt. Ein Rundgang.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Feuerwehrwagen parkt im Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Köthen
Platzmangel: Das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr in Köthen ist nicht mehr zeitgemäß. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Im Notfall ist Präzision gefragt. Lothar Kliche manövriert gekonnt den tonnenschweren Feuerwehrwagen durchs Garagentor. Millimeterarbeit. Der Maschinist braucht dabei Adleraugen. Bleibt doch links und rechts nicht einmal ein Fingerbreit Platz. "Die Garagentore sind viel zu eng, die Ausfahrt zu kurz." Kliche muss sogar noch einmal zurücksetzen, rangieren.

Und damit nicht genug. Die Ausfahrt liegt an einer stark befahrenen Straße. Trotz Blaulicht und Martinshorn müssen die Köthener Feuerwehrleute auch noch auf rücksichtslose Auto- und Radfahrer achten, damit nichts passiert. Wertvolle Sekunden vergehen, bevor die Kameraden überhaupt zum Einsatz ausrücken können.

Das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Köthen von außen
Die Feuerwehrleute müssen beim Ausrücken auf vorbeifahrende Fahrzeuge achten. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Veraltetes Feuerwehrhaus

Nur eines von vielen Problemen, sagt Yves Kluge. Der Oberbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Köthen führt durchs Feuerwehrgerätehaus. Baubeginn 1870. Zwar wurden in der Wendezeit Teile des Gebäudes saniert, aber das ist auch schon wieder 30 Jahre her.

Das Haus genügt längst nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Moderne Feuerwachen in vergleichbaren Städten haben eine Grundfläche von etwa 8.000 Quadratmeter. Köthen hat vielleicht 1.000 Quadratmeter. "Da ist aber der Hof schon mitgezählt", so der Oberbrandmeister.

Umziehen auf engstem Raum

Spinde der Freiwilligen Feuerwehr Köthen
Pro Feuerwehrkraft gibt es nur einen Spind. Zwei sind eigentlich längst Standard. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Zu eng, zu klein, zu schmal. Platzmangel allerorten. So ziehen sich die Kameraden direkt zwischen den sieben großen Einsatzfahrzeugen um. Männer und Frauen nebeneinander auf engsten Raum." Dabei können uns die Passanten von der Straße aus zugucken", erzählt Kluge, zeigt dabei auf die großen Scheiben in den Garagentoren.

Daran haben sich die knapp 60 Köthener Feuerwehrleute aber längst gewöhnt. Auch daran, dass jeder Kamerad nur einen Spind hat. "Wenn wir von Brandeinsätzen zurückkommen, sind die Feuerwehranzüge oft von Schadstoffen kontaminiert, so werden auch die privaten Sachen schmutzig." Zwei Spinde pro Kamerad sind eigentlich längst Standard. Dafür gibt es in Köthen nicht ausreichend Platz, beklagt der Oberbrandmeister, der oft auch die Einsatzleitung übernimmt.

Nach dem Einsatz: Schlange stehen vor der Dusche

Waschraum der Freiwilligen Feuerwehr Köthen
Die Sanitäranlagen sind nicht für das Team der Feuerwehr ausgelegt. Bildrechte: MDR/Martin Krause

220 Mal sind die Köthener Feuerwehrmänner und -frauen im vergangenen Jahr ausgerückt. Kommen die Kameraden Stunden später erschöpft und rußverschmiert in die Wache zurück, ist erstmal Schlange stehen angesagt. "Wir haben nur drei Duschen." Kluge zuckt mit den Achseln. Die Größe des Sanitärbereichs passt zu einer Dreiraumwohnung. Nicht aber zu einer Feuerwache in einer Kreisstadt mit mehr als 26.000 Einwohnern.

Darum dauert es in Köthen geraume Zeit, bis die freiwilligen Feuerwehrleute nach einem Einsatz wieder zu ihrer Arbeitsstätte fahren können. Unzumutbar. Unfassbar. Katastrophal. Klagen gibt es dennoch keine. "Wir sind Feuerwehrleute aus Überzeugung. Wir helfen freiwillig und tun das gern". Kluge spricht aus voller Überzeugung und im Namen aller Kameraden. Er will auch nicht jammern. Als stellvertretender Stadtwehrleiter spricht er die unhaltbaren Zustände aber offen an. "Wir sind nicht anspruchsvoll, wollen überhaupt kein Luxus, aber wir brauchen eine DIN-gerechte Wache in Köthen", fordert Kluge.

Neues Feuerwehrhaus muss her – Finanzierung unklar

Nicht moderne Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr Köthen
Die Ausstattung erschwert den Rettern ihre Arbeit. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Aus dem Rathaus kommen inzwischen auch positive Signale. Ein modernes Feuerwehrhaus soll gebaut werden. Künftiger Standort, Planung, Finanzierung? Alles unklar. Kluge schätzt, dass die Köthener Kameraden noch mindestens fünf Jahre mit den aktuellen Bedingungen auskommen müssen. An der Motivation der Köthener Feuerwehrleute ändert das nichts. Trotz der miserablen Bedingungen hat bisher noch kein einziger Kamerad seinen Dienst quittiert.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 24. Mai 2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2019, 09:13 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

25.05.2019 14:45 Mediator 1

Ja so ist das halt mit öffentlichen Investitionen. Köthen ist hier sicherlich nicht die einzige Stadt, die mit einer in die Jahre gekommenen Feuerwache zu kämpfen hat. Auch westdeutsche Großstädte schlagen sich mit Feuerwachen herum die aus den 60er Jahren stammen und inzwischen aus allen Ecken platzen. Da klar ist, dass man sie irgendwann komplett ersetzen muss wird selbstverständlich auch nichts mehr in Modernisierung und Instandhaltung gesteckt.

Letztendlich braucht es ja erst einmal ein Konzept wo man die neue Wache bauen will bzw. wie die Einsatzbereitschaft in einer Bauphase sicher gestellt werden kann. Geld wird sich dann schon finden, besonders da es etliche Fördertöpfe gibt die man dafür anzapfen kann. Sachsen-Anhalt erhält ja mit die höchsten EU-Förderungen in Deutschland.

Mehr aus Anhalt, Dessau-Roßlau und Landkreis Wittenberg

Mehr aus Sachsen-Anhalt