Keine Nachfrage wegen Corona Bauern bleiben auf Pommes-Kartoffeln sitzen

Die Corona-Pandemie macht auch den Landwirten in Sachsen-Anhalt schwer zu schaffen. Keine Volksfeste, Sportveranstaltungen und Konzerte – dadurch ist der Absatz von Pommes-Kartoffeln komplett eingebrochen. Und die Lager sind voll. Etwa bei der Gutsverwaltung Wörbzig. Ein Besuch bei einem der größten Kartoffelproduzenten in Anhalt.

Pommes
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn Herbert Aschhoff das riesige Kartoffellager betritt, blutet dem leidenschaftlichen Landwirt das Herz. "Wir haben hier noch mehr als 2.000 Tonnen Kartoffeln eingelagert", sagt der Betriebsleiter der Gutsverwaltung Wörbzig MDR SACHSEN-ANHALT. Dabei wären die Lager in normalen Zeiten eigentlich schon leer. In Corona-Zeiten ist aber nichts normal. "80 Prozent unserer Kartoffeln gehen in die Gastronomie, also an Imbissbuden auf Jahrmärkten, Volksfesten oder bei sportlichen Großveranstaltungen." Nichts davon findet statt.

Keine Nachfrage

Landwirt vor Lagerhalle
Herbert Aschhoff, Betriebsleiter der Gutsverwaltung Wörbzig Bildrechte: MDR/Martin Krause

Seit acht Wochen ist europaweit Ruhe. Wegen der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach den knusprigen Kartoffelstäbchen komplett eingebrochen. "Nach Ausbruch des Virus haben die Werke noch drei Wochen Pommes hergestellt, dann war Schluss mit der Produktion", sagt Aschhoff. Er ist seit 27 Jahren Betriebsleiter der Gutsverwaltung Wörbzig.

Das Unternehmen mit elf Mitarbeitern bewirtschaftet rund um Köthen 1.300 Hektar Land, auf einer Fläche von etwa 200 Hektar werden Industriekartoffeln angebaut. Die nun für Aschhoff zum Problem werden. "Wir können die Kartoffeln kühlen und auch noch etwa zehn Wochen lagern, aber dann kauft sie auch niemand." Denn der Markt ist überschwemmt. Aschhoff schätzt, dass deutschlandweit noch etwa 300.000 Tonnen Pommeskartoffeln einlagern. "Wenn Großveranstaltungen wieder starten und die Nachfrage nach Pommes frites steigt, dann will die Industrie aber die neuen Kartoffeln". Die frischen Knollen für die nächste Ernte sind nämlich schon längst in der Erde. Auch dafür müssen die Lager frei sein.

#MDRklärt Deshalb bleiben Sachsen-Anhalts Bauern auf ihren Pommeskartoffeln sitzen

MDRklärt zum Thema "Deshalb bleiben Sachsen-Anhalts Bauern auf ihren Pommeskartoffeln sitzen"
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Pommeskartoffeln sind keine Speisekartoffeln

Was aber tun mit den vorhandenen Kartoffeln? "Als Speisekartoffeln verkaufen die sich nur bedingt", weiß der Präsident vom Landesbauernverband, Olaf Feuerborn. "Pommeskartoffeln sind eine speziell gezüchtete Sorte". Sie sind besonders groß, mehlig kochend, mit wenig Geschmack. "Wer die auf dem Teller hat, kauft das nächste Mal vielleicht lieber Reis oder Nudeln", befürchtet Feuerborn.

Die Landwirte sitzen in der Zwickmühle. Denn die Pommeskartoffeln taugen auch als Viehfutter nur begrenzt. Betriebsleiter Aschhoff musste nun eine schmerzliche Entscheidung treffen. "Wir werden die Kartoffeln in einer Biogasanlage entsorgen".

Rund 600.000 Euro Einbuße

Ein Haufen Kartoffeln in einer Lagerhalle.
Die Lager sind voll: In Wörbzig zum Beispiel sind noch 2.000 Tonnen Pommeskartoffeln übrig. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Bei jedem Wort ist zu hören, wie schwer das dem Landwirt aus Anhalt fällt. Auch weil das für die Gutsverwaltung Wörbzig massive finanzielle Einbußen bedeutet. "Wir bekommen aktuell 27 Euro pro Tonne, das deckt nicht mal die Transportkosten zur Biogasanlage", rechnet der Betriebsleiter vor.

In Vor-Corona-Zeiten hat die Industrie bis zu 180 Euro pro Tonne bezahlt. Der Chef der Gutsverwaltung Wörbzig rechnet in diesem Jahr im Kartoffelanbau mit einem Verlust von 600.000 Euro. Und wann die Nachfrage nach Pommeskartoffeln wieder steigt, weiß auch Herbert Aschhoff nicht. Erste Konsequenzen hat der landwirtschaftliche Betrieb bei Köthen aber schon gezogen. Die Anbaufläche von Kartoffeln wurde halbiert.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25. Mai 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Anhaltiner vor 21 Wochen

Dadurch ist der Absatz von Pommes-Kartoffeln komplett eingebrochen. Und die Lager sind voll. Etwa bei der Gutsverwaltung Wörbzig. Ein Besuch bei einem der größten Kartoffelproduzenten in Anhalt.
Ja und genau deshalb werden jetzt Frühkartoffeln aus Israel und Ägypten angeboten.Eine Packung Suppengrün enthielt Möhren aus Deutschland und Porree,Sellerie und Petersilie aus Italien.

ich bin vor 21 Wochen

Mehr als essen geht nicht. Da wird schon wieder gejammert. Wenn die Menschen keine Pommes essen, essen sie was anderes. Also hat diesmal der "Pommesmann" mal weniger verdient und dafür eins zwei andere Lebensmittelproduzenten mehr. Es müssen ja nicht ständig mehr Lebensmittel produziert werden als man essen kann, nur um sie später weg zu werfen.

Ein Volk das nach Untergang bettelt vor 21 Wochen

Sofort mehr Subventionen und runden Tisch gegen Rächts. Im nächsten Leben werde ich Bauer, jammern kann ich schon.

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