Menschen ziehen in Köthen mit Plakaten durch die Straßen.
Nach dem Tod von Markus B. demonstrierten Köthener – unter ihnen auch Rechtsextreme. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Reaktionen nach Köthen-Urteil Köthens Bürgermeister: "Befürchtung, dass Stadt wieder vereinnahmt wird"

Am Landgericht Dessau ist das Urteil zum Tod des 22-jährigen Kötheners Markus B. gefallen. Die Richterin ging über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Sie stufte die Tat als Körperverletzung mit Todesfolge ein – trotzdem für manche zu mild. Köthens Oberbürgermeister befürchtet nun, dass es in der Stadt zu neuen Demonstrationen kommt.

Menschen ziehen in Köthen mit Plakaten durch die Straßen.
Nach dem Tod von Markus B. demonstrierten Köthener – unter ihnen auch Rechtsextreme. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Nach dem Urteil im Prozess um den Tod des 22-jährigen Markus B. aus Köthen rechnet der Bürgermeister der Stadt, Bernd Hauschild, mit neuen Demonstrationen. Hauschild sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es hätten für das Wochenende zwei Veranstalter Demonstrationen angekündigt. "Die Befürchtung ist, dass wieder Rechts und Links unsere Stadt vereinnahmen werden." Das Bündnis "Dessau Nazifrei" hat in den Sozialen Netzwerken zu einer Demonstration gegen rechte Proteste aufgerufen.

Bernd Hauschild, Oberbürgermeister von Köthen
Bernd Hauschild, Oberbürgermeister von Köthen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Man habe angesichts der angekündigten Proteste Sorge – werde den Köthenern aber die Sicherheit geben, dass am Wochenende nichts passiere, so Hauschild. Der Oberbürgermeister appellierte an die Vernunft der Bürger. Es bringe nichts, seinen Unmut über das Urteil zum Ausdruck zu bringen. Die Justiz sei unabhängig und habe Vertrauen verdient.

Keine Warnung der Hochschule Anhalt

Offenbar falsch ist eine auf Facebook kursierende Warnung der Hochschule Anhalt an die Studierenden vor Demonstrationen am Wochenende. Eine Sprecherin sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Nachmittag: "Wir haben keine Warnung herausgegeben." In dem offiziell aussehenden Papier empfiehlt die Hochschulleitung am 19. Mai wegen potentiell gefährlicher Demonstrationen den Bereich Markt, Bahnhof und Karlsplatz zu meiden. Unterschrieben ist mit "Die Hochschulleitung". Das Papier ist aber offenbar eine Fälschung.

Verständnis für die Familie von Markus B.

Kritik an den angekündigten Protesten kam vom Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde St. Jakob Köthen, Horst Leischner. Es sei nicht in Ordnung, dass der Tod des 22-Jährigen durch Rechte instrumentalisiert werde. Leischner hatte als Kirchenvertreter die Familie des Opfers betreut. Er äußerte zugleich Verständnis für die Familie von Markus B. Für diese sei es schwer, das Urteil anzunehmen, da sie noch intensiv im Trauerprozess stecke.

Nach der Urteilsverkündung sagte die Familie, zwei Brüder, zwei Schwestern und die Mutter, das Strafmaß sei viel zu gering. Mit Gerechtigkeit habe das nichts zu tun. Der Unmut über das Strafmaß war so groß, dass einer der Brüder einen schweren Tisch umwarf. Polizisten eilten Justizbeamten im Gerichtssaal zu Hilfe, die Angeklagten wurden kurzzeitig aus dem Raum geführt, die Urteilsverkündung unterbrochen.

Urteil: Kein bloßer Unfall, sondern fahrlässig verursacht

Im Prozess um den Tod des Kötheners Markus B. hat das Landgericht Dessau-Roßlau die beiden angeklagten Afghanen wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Der 17-Jährige muss ein Jahr und fünf Monate in Jugendhaft, der 19-Jährige ein Jahr und acht Monate. Beim Strafmaß des Älteren wurden zwei weitere Straftaten berücksichtigt.

Der Tod des 22-jährigen herzkranken Kötheners sei kein bloßer Unfall gewesen, sondern sei durch die Körperverletzung der Angeklagten fahrlässig verursacht worden, begründete die Vorsitzende Richterin Uda Schmidt das Urteil. Die Afghanen hätten Schuld am Tod des 22-Jährigen. Ihr Verhalten zeuge von fehlender Achtung vor dem menschlichen Leben.

Markus B. war am 8. September 2018 bei einem nächtlichen Streit auf einem Spielplatz gestorben. Die Gewalttat hatte im vergangenen September in Köthen rechtsgerichtete Demonstrationen und Gegenproteste ausgelöst.

Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 18:46 Uhr

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136 Kommentare

21.05.2019 19:26 Wisdom 136

@135 Mediator: diese Flüchtlinge kommen aus einem Kulturkreis und aus Umständen, wo ganz andere Bedingungen herrschen als in Deutschland. Entsprechend sind diese Menschen geformt und sozialisiert (siehe mein Posting Nr. 125, 119).
Wie sehen es auch ganz klar an der Art der Verbrechen, die von "Flüchtlingen" begangen werden.

21.05.2019 18:37 Mediator an Mikro(133) 135

Wenn sie nicht in der Lage sind eine Analogie als solche zu erkennen, dann ist das ihr Problem.
In aller erster Linie begehen erst einmal Menschen Straftaten. Dabei gilt, je mehr Menschen, desto mehr Straftaten. Die gute Nachricht ist aber,dass diese sich auch auf mehr Menschen verteilen.
Damit man trotz unterschiedlicher Bevölkerungszahl vergleichen kann, ob nun die Bayern oder die Sachsen-Anhaltiner krimineller sind benutzt man statistische Auswertungen wie die Häufigkeitszahl oder Kriminalitätsbelastungszahl. Die Bayern sind übrigens mit 4,9 tsd Straftaten pro 100 tsd Einwohnern nur ungefähr halb so kriminell wie die Sachsen-Anhaltiner mit einer Häufigkeitszahl von 7,9 tsd Straftaten. Obwohl es in Bayern also mehr Straftaten als in Sachsen-Anhalt gibt ist es in Bayern trotzdem um Längen sicherer. Ach ja: Damit 1,5 Mio Flüchtlinge krimineller als die ca. gleichgroße Gruppe der Mecklenburg-Vorpommern wären, dann müssten sie pro Jahr mindestens 108 tausend Straftaten begehen.

21.05.2019 16:43 Querdenker 134

Zitat: „Mit Gerechtigkeit habe das nichts zu tun.“

Die Angehörigen müssen sich doch gleich zwei mal als Opfer fühlen?

Einmal durch diese Täter, für die ein Menschenleben scheinbar nichts wert ist und dann durch dieses lasche Urteil.

siehe „mdr Tod von Markus B. in Köthen Ein Überblick über die Ereignisse und den Gerichtsprozess“

Zitat: „So sollen die Angeklagten, einer Zeugenaussage zufolge, gelacht und abgelatscht haben, als sie von dem Tod des Köthener erfahren hatten.“

Man sollte sich auch vor Augen führen, dass die Angehörigen erst nach dem psychisch sehr anstrengenden Gerichtsprozess richtig trauern können. Dann sind die Täter bei dem laschen Urteil aber schon fast wieder auf freien Fuß! Die Untersuchungshaft wird ja angerechnet.

Schuld an dem laschen Urteil sind in erster Linie Politiker, welche die Gesetze gemacht haben.

Unter 3 Jahre Haft sollte da finde nichts gehen und danach direkt Abschiebung ins Herkunftsland.

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